Der nationaldeutsche Jude
- Journal
- Der nationaldeutsche Jude
- Volume
- 1931
- Issue
- Nr. 9 (September 1931)
- Date
- 1931-09-01
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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' , jWtt DeutfcbUnd aufwärts. Zu W Übelm Raalxs 100. Geburtstag. 7on 6rn/t Berg. Die Männer von historischer Bedeutung, deren 100. Getag wir in diesen Jahren l «gehen, haben in einer Zeit die in ihrem frohen, [türr mchen Aufwärtsdrängen uns fast wie em Märchen anmu et. Vor hundert Jahren lag hland noch in tiefem Dunk 1. Die gyohe Sehnsucht der itslrieae hatte sich nicht erfüllt. Das! grohe einige und freie Deutschland, das man als Frucht so! vieler Opfer und Mühen erhofft hatte, war nicht « standen. Deutschland schlum werte in der Obhut seiner FürsteiSchlumstierte unter Angst träumen. Seit den Karlsbader Beschlüssen/ die jede freiheit liche Regung erstickt hatten. hi>lt Furcht! die Gemüter in Bann. Furcht der Fürsten vor - jakobinischen Gelüsten der Untertanen, Furcht der Untertan«» vor der Zuchtrute und der Mlizcilicheit Willkür der oberen °'“rferner Jugendwerke, der Raabe früh rum wohlhabenden N ann machte, das erklärt aber auch, weshalb auf den' Erfasst so bald das Abwenden und Stillschweigen folgte. In den f ünf- Liger und sechziger Jahren war die Stimme Raabes die Stimme des Volkes, in den Jahren nach dem grohen Kiieg, der die Einigung Deutschlands gebracht hatte, war sie es nicht mehr. Deiin in diesen Jahren nach dem grohen K -jeg setzte in der inneren Entwicklung Deutschlands ein Tempo ein. das Raabe nicht billigen konnte, in diesen Jahren nach dem groben Krieg trat der Strom der bürgerlichen Entwicklung über seine Ufer und schwemmte grundlos und ziellos dahin. Raabe schrieb und schrieb, aber er schrieb nicht melzr für das _ ~ . Publikum. Er schrieb noch immer von dem Hunger vrrgangcner ltür der oberen Gewalten. Die.Zensur kne- ' Zeiten, und das Publikum, das durchaus nichts niehr ,on belte jedes freie Wart, die Bürokratie, die fein Freiherr vom Hunger, aber viel viel von Fortschritt und Gennh hören wo!lte, Stern luttte ausrotten wollen, ffiette Triumphe. Ein grobes wandte sich von ihm ab. und starkes Voll flehte seine Tage sn Armut/ Enge und Freudlosigkeit und nur die eine Hoffnung blühte, dag die Donnerschläge. die gelegentlich von Fra zkreich und Polen herüberklangen. auch einmal die deutsche > Luft durchschlagen würden. In solcher Zeit — am 8. Sevtembet 1831 — ward Wilhelm Raabe geboren un sj in solcher hat er darbend und hoffend seine Jugend verbracht. Als er ein Riann war/ hatte sich das dickste Gewölk v »zogen. Eiy Luftzug ging durch Deutschland als Vorbote gröberen Geschehens. Wilhelm Raabe stand auf der Seite jen Jr, die ein grobes, einiges Deutschland unter Preuhens Führung ersehnten. „Vergesse ich Dein. Deutschland, grobes räterland,! so werde meiner Rechten vergessen", heiht es in Raabes Erstlingswerk, der „Chronik der Sperlingsgasse". Die Einigung Deutschlands lieh allerdings noch auf »ich watt ch. aber die inneren Kräfte des Volkes regten sich mächtig. Es regtest sich die Kräfte des Schrifttums, der Wirtschaft, des Handels. Als Raabe ein Mann war, begann das deut che Volk »sich zu recken und jn strecken. Fabriken. Handelshäu er, Erohpanken entstanden, und mit der Entwicklung der Technik, die dest staunenden Zeitgenossen Schlag auf Schlag Eisenbahn, Telegraph. Gasbeleuchtung usw. bescherte, vollzog sich der gewaltige Wechsel, der die Einigung und spätere »Weltmachtstellung Deutschlands vorbereiten sollte. Al i Wilhelm Raabe em Monn war, schritt auch die Literatur aus dem Dämmerzustand der Romantik, in die sie sich vor der Fuchtel der Polizei geflüchtet luttte, auf den Weg einer neuei hellen und klaren realistischen Kunst. Wie die Pr< ris des Lebens suchte die Literatur die Wirklichkeit, da- Volk, die werktätige Arbeit. Der in den Schicksals» chren der! französischen Revolution entstandene bürgerliche Mens!ch hatte sich endlich zu sich selbst gefunden. Er nar dabei.» sich seine Macht zu schaffen. Seine Macht und — eine Kunst. Das äuhere Gewand dieser Kmst ist dse Erzählung.' der bürgerliche Roman. Ailhelm Raabe ist Erzähler und nichts als Erzähler. Erzähler wie Otto Ludwig. Gustav Freytag. Gottfried Keller, Paul Heyse, Theodor Fontane. Marie v. Ebner Eschenbach . . . wifast alle Dichter der Zeit, die das bürgerliche Leben zum Vorn urf künstlerischer Gestaltung »ahmen. Raabe ist vielleicht der T eutscheste »und Bürgerlichste von allen: sein Blick dringt nie über Deutschland hinaus, sein Blick dringt auch nicht in d e Z u k u-n f t, er hat es einzig mit der deutschen Gegenwar und rückschauend mit der deutschen Vergangenheit zu tun. Dali erklärt pen groben Erfolg Wilhelm Raabe war kein überragendes Genie. S^iue Bücher besitzen nicht die Grobe, Wucht und Schönheit uns« res klassischen Schrifttums, noch die Helligkeit und Klarheit, die aus den Werken seiner Zeitgenossen Gottfried Keller i nd Theodor Fontane strahlt. Raabe war ein deutscher Bürzel und bürgerlicher Erzähler, der nie eine gewisse Enge abgcnr ist hat. In Raabes Büchern geschieht es fast jedesmal, doch ein hochherziger Jüngling ein edles, sützes Mädchen trifft. Denn geben sie sich den ersten Kub und verloben sich. Dann stehen sie wieder auseinander bis zum Hochzeitstag. Und wcnck stas Buch zu Ende ist, darf man mit Sicherheit annehmeu däb sie Kinder haben- und als hochangesehene, wohlhabende Leute sterben werden. Das ist meist die Fabel, und wenn es nur dien Fabel wäre, so wäre es wenig. Aber nun kommt, was Raawt eigentlich zu geben hat. Die Geschichte von dem Jüngling und dem Mädchen ist nur die Umkleidung, und in die Um kleidung legt Raabes unerschöpfliches Erzählertalent «lies, , was ein Mann von Geist, Humor und Phantasie, ein Manch der das Leben und die Menschen kennt, über das Leben und die Menschen zv sagen hat. Raabe liebt neben den Demütigen und Bescheidenen vor allem die Urwüchsigen und Knorrigen. Aus ihrem Mund hören wir Raabes Gedanken, liefe, kluge, gute Gedanken, alles überstrahlt von der Sonne des Hnmois und der Liebe zu den Mühseligen und Beladenen.! s Im „Hungerpastor"', neben „Abu Telfan" und dem „Schüdderump't Raabes bestem Werk/ heiht es einmal: /.Eine ganz vottreffliche Zeit, in der man einen grohen Hüngor nach irgend etwas hat. von dem man weih, dah mein as durch Mühen und Arbeit erringen kann". Raabe hat diesen groben Hunger verspürt, und er war dem Schicksal dajttbqr ^dafür. Er hat mit dem deutschen Volk gehungert und is ihm emporgestiegen. Dann aber, als das Ziel erreicht und alles um die vollen Tische 'drängte, ist Raabe zurückgetreten. Der Dichter lieh „seine Äugen auf der G er sahweiser-„nach den Sternen", wie es in^ben „Leutest aud dem Walde" heiht. Und wenn man ihm damals seine Z,rück - Haltung gegenüber dem neuen Glanz sehr verübelte und nicht verstand, warum der Dichter Raabe nicht mitfeiern, mitjäger, mitrühmen wollte.... heute wissen wir. wo die tiefer: Einsicht ustd das bessere Deutschtum war. Wilhelm Raabe ist 1910 in Braunschweig. feiner Heimal, gestorben. In tiefer Dankbarkeit gedenken wir des Manne-, der uns in gewollter und bewuhter Selbstbeschränkung so viel des Schönen und Edlen gegeben hat. , eigene Ansicht äuhert. Das wäre szwdhl »methodisch als auch im Interesse des Gegenstandes jaljh.!D^r Wert des Unternehmens liegt doch >gerade dann, dah Mit gleichen Waffen gekämpft' wird. Greift nun der Lezrer ein. so wird er dank seiner reiferen Erfahrung gröberen Erfolg haben und statt Klärung nur Beeinflussung erreichen. Das »aber muh — abgesehen von den unliebsamen Weiterunjlenin derOeffentlichkeit — unbedingt vermieden werden. Zun: andere» ist der Lehrer nur zu leicht geneigt, die Aeuherunzen seiner Primaner ihrer Richtung nach zu beurteilen, statt > ielmehr nach ihrer Form und ihrer Treffsicherheit. Es yehirt allerdings eine ganz besondere innere Sicherheit und eine pädagogische Begeisterung sondergleichen dazu, sich soweit über eine eigene Meinung hinwegzuletzem Aber wer sich das nicht »utraut, der sollte wirklich lieber die Finger davon lassen. Er würde mehr Unheil anrichten, als sein begnadetster Ko lege Seyen stiften kann. Lassen wir uns aber nicht dusch sotch« Schwierigkeiten schrecken. Sie sind überwindbar. U>berall, wo sich um einen großherzigen Lehrer eine Prima sch art. die Reife und Tatt, 3u einer wertvollen Diskussion Hali dort Jollen als letzte i Steigerung der Vorbereitung auf dis Lebest auch brennende politische Fragen behandelt werdm, sollest die Meinungen zur gegenseitigen Läuterung sich aegei übertreten und sich, wenn auch nicht neue Anhänger, so doch ehrliche» Achtung erwerben. D i e 'B e r e i t kch a f t. g e g e n t e i l i g « Ansichten! zu tut uns ' ehren, tutVns doch fo bitter not. Sie schon bei derJugend geweckt werden Muh Verbanäsnacbri^ten. 1. ^Daniel Lehler. Am 26. August dieses Jahres starb im 63. Lebensjahre Herr Daniel Lehler. Kaufmann in Berlin, der unserem Verbände seit dessen Gründung ein treues Mitglied war. Wir werden sein Andenken stets in-. Ehren halten. 2. Rationaldeutsch« Juden in Oesterreich. 2m Anschluh an die Aufsatzfolge „Jüdische Deutsche in Oesterreich" (Juli- und August-Nummer dieses Blattes) und an den Artikel „Braucht Oesterreich einen Verband nationaldeutscher Juden?" (S. 3 dieses Blattes), bitten wir alle Gesinnungsgenossen in Oesterreich, besonders in * Wien, die an einer Neubelebuna unserer dottigen BesttebuNgen tätig Mitarbeiten wollen, ihre Anschriften baldigst unserer Geschäftsstelle mitzuteilen. Der Vorstaich.