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Der nationaldeutsche Jude · 1931-09-01 · Nr. 9 (September 1931) · p. Seite 4

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Journal
Der nationaldeutsche Jude
Volume
1931
Issue
Nr. 9 (September 1931)
Date
1931-09-01
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Angesehenst«. Denn damals verdankten dir Jubel ihre Eristenzberechtigung nur ihrer Steuerleistung. Wer »llo dm meisten zu dieser Leistung beitrug, war d?r Mächtigst; in der Gemeinde, den alle zu respektierien hätten. Die llniu stellt sich daher als ein fossiles Ueberbleibsel der Ghettol n dition dar. Das erhellt schon äusterlich aus dem hohen Alt r der Vorstandsmitglieder und wird leider nicht Lügen gestraft durch die vor kurzer Zeit erfolgte Angliederung einer Ougendscktion. In deren Rahmen tanzest jetzt die Enkel der sS ünder mit den Töchtern der Mitglieder hoffentlich auch mqderne Tänze, damit lüenigstens etwas in dieser Vereinigung n obertr erscheint. . . Es gibt aber auch eine ganz moderne Organisatiän nichtzionistischer Juden in Oesterreich: die Vereinigung werktätiger Juden. Cie nt offiziell sozialdemol catisch und kann schon deshalb nicht alle deutsch gesinnten luden erfassen. Aber auch in anderer Bepiehung ist diese Orgcfni sation weit davon entfernt, dem Ideal, des bewuht deutsch ei lpfindenden Iuden zu entsprechen. Als jüngst im Rahmtn einer Geburtstagsfeier für den Vorsitzenden der Vereinigung ein Kantor Gesangsvorträge zum besten geben wollte, mute er die versammelten Gäste: „Deutsch oder jiddisch?" Worauf ihm die Mehrheit begeistert zurief: „Jiddisch!" Scho; aus diesem Vorfall erkennt man, dast die Vereinigung werkt itiger Iuden vorerst nur Objekt, nicht Subjekt nationaldei tscher Erziehungsarbeit sein kann. Das; eine Organisation, die solche Erziehungsarbeit als ihr hauptsächlichstes Ziel betrachtet, in Oesterreich ein überaus dankbares Betätigungsfeld finden würde, steht demnach ganz austcr Zweifel. Bleiben nur die psychologischen Hemmungen, ' die ihr angeblich entgegenstehen. ' Herr Regierunqsrat Dr. Singer erblickt solche Henrmmgen in dem Verhalten der österreichischen Arier und Herr Dr. Naumann in dem Umstand, dast sowohl unsere Arier als auch unsere Iuden — Oe st erreiche! sind: „Prächtige Mer scheu, aber im tiefsten Grunde zu weich . . L". Ich habe sä» n in der Einleitung dieser Generalcharakterisrerung des Oesterr« ichertums widersprochen. Sie paht nicht einmal auf die Gesar itbeit der Arier, geschweige denn auf die Iuden. die hierzu ande noch nicht so lange bodenständig sind, um sich restlbs dem angeblichen oder wirklichen Durchschnittstyp assimiliert zis hiben. Die Kontinuität des Astimilationsprozesfes ist in Osstecreich durch zwei Iudenvertreibungen tim 15. und 17. Jahrhur dert) gestört worden. Nebstbei bemerkt sind die Opfer der szn eiten I»)>enoertreibung die Gründer der Berliner jüdischen Gemeinde geworden und diese wird.Herr Dr. Naumann doch gewist nicht ..österreichischer Weichheit" beschuldigest. Dast aber auch die Wiener Iuden der seelischen Disposition ^u jener Tätigkeit nicht entbehren, die Herr Dr. Naumann unter sinnreicher Benutzung eines „Faust"-Zrtats;.f ich im m-e j: f: r e» bend bemühen" nennt,' dafür kann ich Beispiele au< der Praris liefern. ' . . Die einzige Partei, in der sich gegenwärtig di^ österreichischen Iuden neben den christlichen Mitbürgern wo itisch betätigen können, ist die sozialdemokratische. Das Hecht aber nicht, dast die arischen Sozialdemokraten den Iuden geiqei über eine einheitlich aufgeklärte Stellung einnehmen. In den Arbeitermassen spiegelt sich vielmehr in dieser Beziehung derselbe Nuancenreichtum wieder, .wie im ganzen deutschest T olke. Das Organ der radikalen Zionisten, dessen Herausgehest stc ndig für die parlamentarischen Körperschaften Oesterreichs kcsttdi viert und in den sozialdemokratischen Wahlwerbern lästige Konkurrenten lieht, wird nicht müde, seinen Lesern immer w eder „antisemitische Schandtaten" der Sozialdemokraten aufstllij chen. Das Riesenheer der Iuden. die trotzdem in der sozipldmokratischen Partei politische und organisatorische Arbeit leiten, must also ganz in dem Sinne „sich strebend bemühest", wie es Herr Dr. Naumann den Iuden im Rahmen der deut chen Gesamtheit empfiehlt. Auch in der altliberalen Partei, teren Untergang in meine Schulzeit fiel, dürfte es nicht anders gewesen sein. Denn dast diese Partei so gründlich von p< rtamentarisiben Boden verschwunden ist, hat ihre Ursache ve> iger im Durchfall, als vielmehr in der Fahnenflucht ihrer Führer. Liberale Wortführer sind, zum Teil sogar ert rach ihrer Wahl mit jüdischen Stimmen, Mit fliegenden Fal men ins antisemitische Lager übergegangen., Der Antisenntis nus war also in ihnen latent. Wenn trotzdem die ältere jjüd ische Generation der altliberalen Partei eine so rührende T:eue über das Grab hinaus bewahrt, wie Herr Regierung.rat I)r. Singer, dann must man wphN auch dieser Genera ton zubilliqen. dast sie „sich strebend bemüht" hat, ja n o ch bem Iht. Es ist nicht einzusehen, warum die Juden das, wozu sje sich innerhalb einzelner deutscher Parteien befähigt eswe sen, nicht auch in ihrem Verhalten zur ganzen deutschen Ra ton zustande bringen sollten. Die Gründung und der Ausbau «ner Organisation nationaldeutscher Juden in Oesterreich lann also nicht inneren Hemmungen, sondern höchstens Sukerlihen Schwierigkeiten begegnen. Diese Schtoierigkeiten follm i icht unter-, aber auch nicht überschätzt werden. Wer sie Üesic gen will, wird eine dankenswerte Tat auf sich nehmen. Nur r nrd ihm der Lorbeer nicht leicht in den Schoh fallen. Auch er wird sich gewaltig strebend bemühen müssen. Austriacis Oertcrmebertum. Von Max Naumann. Herr Dr. Singer ist mit mir böse und unser Gesinnungsfreund „Austriacus" ist es auch „a bissstrk", beide weil ich gewisse freundliche Vorbehalte gegenüber den Deutschen in Oesterreich gemacht habe. Ich bitte um mildernde Umstände. sofern ich mich etwa doch zu „preustisch" ausgedrückt haben sollte. Aber in der Sache: bin ich, so leid es mir tut, nach wie vor ganz meiner Ansicht. Unsere Freunde in Oesterreich werden es selbst nicht so recht merken — man merkt ja fast nie. was einen selbst angeht —. ater sie sind wirklich zu weich, und zwar Alle, die „Arier" wie die Iuden — ein paar Aelvler vielleicht ausgenommen —, die Aelteren wie die Jungen, die Vergangenen wie die Gegenwärtigen und die Zukünftigen. Es mag an der Luft liegen, die im Süden so viek weicher und würziger ist, als unsere norddeutsche Lüft, in der noch immer ein Hauch Kasernen Axoma geistert, aber es ist dort unten schliestlich ,a bisserl" die Luft von Kapua. Mit dieser Feststellung klebt man dem Oesterreicher kein Gift-Etikett auf und man degradiert ihn auch nicht zur Witzblattfigur. Aber man mahnt ihn. dast die weichen Ruhelagcr von Kapua kein bekömmlicher Aufenthaltsort sind für den, der morgen -kämpfen, mit zusammengebissenen Zähnen um die eigene Eristenz kämpfen must. Man hat sich jenseits der Grenzpfähke schon wieder an ben Gedanken ge wöhnt, dast fünf auch gerade sein kann' imd das Meiste höchstens halb so schlimm ist. Das ist wirklich „Wille zun; Behagen" und das darf nicht sein, denn Deutschtum heistt heute ttämpfertum und das grostdeutsche Volk braucht seine Kämpfer aus dem Süden so gut. wie die aus den, Norden. Es braucht sie für das Entscheidungsringen, das erst kommt, unausweichlich kommt, auch wenn wir diese Erkenntnis gelegentlich gern „verdrängen" möchten. Darum: Heraus aus dem Oester reichert um u n d ^erei n indasDeütschtum! Und darum brauche» auch wir Jude» in Oesterreich einen Verband nationakdeutschcr Juden. Inner)üäifcber Brief haften. Herrn George Göst. Schriftleiter der Jüdisch-Liberalen Zeitung. Sie können sich noch immer nicht darüber beruhigen, dast wir in der von Jüdischnationalen angeregten, von „Liberalen" und Eentralvereinlern natürlich mitaemachten jüdischen Siedlung Groh-Kaglow die Keimzelle eines landwirtschaftlichen Ghettos erkannt haben, und Sie können es natürlich auch nicht fassen, dast für uns die Judenfrage keine „Religionsfrage" ist. Es ist also ganz in der Ordnung, dast Sie uns deshalb verhöhnen — in der geistvollen Form, die Ihren an der Lektüre des „Berliner Tageblatts" und der „Welt bühne" geschulten Lesern so angenehm klingt. Wie heiht es doch bei Christian Morgenstern? Weil, so schliestt er messerscharf, Nicht sein kann, was nicht sein darf. ' , Wenn Sie, Schriftleiter und hauptberuflicher Vertreter des „liberalen" Bruchteils der deutschen Juden, nun einmal beschlossen haben, dast die Judenfrage eine Reliqionsfraae fein soll, ist der Fall natürlich endgültig entschieden. Es. darf Sie einfach nicht stören, dast die nichtjüdischen immerhin 99 ®o der deutschen Staatsbürger darüber anders denken, dast für diese ein Jude eben ein Jude ist, ob er nun orthodor oder liberal. Dissident oder getauft ist. ja dast sogar «in nicht unbeträchtlicher Teil der Juden selbst, zumal Ihrer eigenen jüdilchnationalen Ghettobrüder. der gleichen Anschauung ist. Beschlossen^ ist beschlossen und liberal ist liberal, da kann man nichts machen. Also bleiben Sie ruhig weiter bei Ihrer echt liberalen Doktrin und arbeiten Sie rüstig weiter an dem Ausbau des geistigen und gesellschaftlichen Ghettos, das Sie ständig mit sich herumtragen und „fallweise" überall aufbiauen, rm Versammlungssaal wie in der Sommerfrische und 1 neuerdings auch in den Gefilden der Landwirtschaft. Aber lesen Sie beileibe nicht, was Ihr Meister Eon« stantin Brunner über dieses tragbare Ghetto sagt: das könnte Sie schliestlich doch irritieren und würde sich nicht mit Ihrer Berufspflicht vertragen. Vor allem aber feien Sie in der nächsten Nummer Ihres immer alljüdischer werdenden Blattes wieder recht geistreich gegen uns nationaldeutsch Juden, die wir nicht Ihre beneidenswerte ' Fähigkeit der Selbsttäuschung und Selbstgenügsamkeit besitzen. Sie sollen das letzt« Wort behalten. Ist das nicht alles, was ein „Liberaler" verlangen kann? M.N.

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