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Der nationaldeutsche Jude · 1931-09-01 · Nr. 9 (September 1931) · p. Seite 3

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Journal
Der nationaldeutsche Jude
Volume
1931
Issue
Nr. 9 (September 1931)
Date
1931-09-01
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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i^UMPHUPP. ■fUPWf.Jfl1" .'WM Braucht Oeftermd» einen MfflWWWW Verband nationatdeutreber Juden? In meiner doppelten Eiginschaft als Mitarbeiter der ..Nationaldeutschen Juden" un» als Oesterreicher fühle ich mich gedrängt, die Erörterung, die unter dem Titel „Jüdische Deutsche in Oesterreich" in d m letzten Nummern zwischen meinem Landsmann Regierunosrat Professor Dr. Ludwig Singer und Herrn De. Mar Naumann geführt worden ist. nicht unwidersprochen zu lasten, und zwar richtet sich mein Widerspruch, wie ich gleich zu Beginn meiner Ausführungen feststellen will, gegen beide Teile. Herr De. Naumann erklä t kategorisch» dah das, was Herr Regierungsrat De. Singer als „unerträglich" ansiehf, einfach ertragen werden in«| und auch ertragen werden kann, „wenn in uns der Wille zum Ziel stärker ist. ach der Wille zum Behagen". Da- Wort „Behagen" leitet aber sofort auf dem Wege gewisser literarischer und musikalischer Assoziationen zum Begriff „L tsterreichertum", wie er nun einmal in der Vorstellung de! Umwelt lebt, hinüber^ unp so kommt Herr De. Naumann nuf dem Wege über das. was doch nur für Herrn Regierungsrat De. Singer und allenfalls noch für die durch ihn repri sentierte ältere, in der altliberalen Partei verwurzelte un» daher seit dem Verschwinden dieser Partei politisch entwurzelte Generation gilt, zu einir Analyse des Oesterreichertüms, die mehr einer abgegriffenen Etikette als der Wirklichkeit entspricht. Herr De. Naumann wird mir diese Feststellung sicker verleihen. Billigt er doch auch dem Herrn Regierungsrabt)r. Singer das Recht zu, aüf Grund dieser Analyse Kränkung! seines „Nationalgefühls" zu empfinden: er wir» um so weniger dieses Recht mir verweigern können, der ich. lim Gegensatz zu Regitrungsrat De. Singer, mein deutsch-österreichisches Nationalgcfühl immer betont habe, v Herr Regierungsrat Dr. S nger behauptet, dies nicht tun zu können. Die Begründung bildet den Inhalt seines umfangreichen Aufsatzes. Ichmuh mich deshalb begnügen, die Ouintessenz seiner Argumentation festzuhalten: Sie läuft darauf hinaus, dah m Oef erreich das Wort „deutsch- 'national" von den Antisemiten usurpiert worden, daher heutzutage gleichbedeutend mit „an isemitisch" sei und in weiterer Folge von den Juden so verabscheut werde, dah „jeder Versuch, in Oesterreich einer! Verband nationaldeutscher Juden zu gründen, von vornherein zum Scheitern verurteilt?' sei. Diese Logik ist nicht ganz einleuchtend. Denn Usurpatoren entthront man doch nicht, inden man ihre angemahten Rechte durch stillschweigende Duldung sanktioniert. Gerade hierin wird aber von Mischer Seite r iel gesündigt. Weil von antisemitischer Seite die These arfgestellt wurde: „Juden sind keine Deutschen", haben die Zionisten gesagt: „Ihr habt Recht — wir sind keine Deutschen, sondern bilden eine eigene Nation." Heute sind aber die Antisemiten schon zu der t Ostjr d dem Ertrem fortgeschritten: „Juden sind keine Mensch Ich bin neugierig, oh auf jüdischer Seite auch_diese Ü Anerkennung finden und zur Gründung einer jüdis Organisation auf neuer zoologischer Bäsis führen wird, wäre nur folgerichtig ... Wichtiger erscheint mir aber die Frage, oh die orx satorische Zusammenfassung jeneir Juden, die sich gcfühls- . oerstaydesmähig zum Deutschtum bekennen, in Oester rl notwendig ist. Herr Regierungsrat Dr. Singer bestreitet Notwendigkeit, weil es hier die „Union deutschöst reich!sch er Juden" gibt. Die genügt ihm. Anl n i ch t. Das beweist schon die> absolut und relativ ge, Anzahl von Mitgliedern, die keineswegs das Recht für in Anspruch nehmen können, al-> die Gesamtheit aller d fühlenden Juden in Oesterreich aügesprochen zu werden. Juden stehen gröhtenteils auherhalb der: Union, dafür unsf diese viele halb vder noch gar nicht assimilierte Ostj Nicht einmal gegen den Zionismus sind die Grenzen festgelegt: Wiederholt sprechen an den Vortragsabenden Uino« Leute, die sich offen zum Zionismus bekennen, z. B. Herr Pork-Steiner. In dem Publikationsorgan Union, der wöchentlich erscheinenden „Wahrheit", ist wählend vom „jüdischen! Volke" die Rede! Und geistige Kost soll eine nationaldeutsche Aufklärungsai:! unter den Juden Oesterreichs überflüssig machen! Läh eine solche nicht vielmehr erst als zwingende N wendigkeit erscheinen? Die Union leistet, ich regen kampf mit der zionistischen Konkurrenz. „Äbwehtarbcit" allfällige Uebekgriffe von Antisemiten. Aber auch i Abwehrtätigleit sind höchst charakteristische Grenzen g<,. Als zum Beispiel jüngst anlählich der staatlichen Stühul aktion für die Lusammengebrochene Kredit-Anstalt von Regierung: der Versuch gemacht wurde, die Kwllektivverl c der Bankbeamten durch den — Taufschein zu ersetzen Regierung' brachte einen Gesetzentwurf betreffend die A> kraftsetzung der Kollektioverträge ein. ünd ein Mitglied christlich-sozialen Regierungspartei lieferte in einer Äersap lungsrede den Kommentar zu diesem Anschläg mit den Wo „Christliche Beamte dürfen nicht abgevautwerden!"! waren zwar die zwei Wiener zionistischen Blätter mit Abwehr zur Hand, im Blatte der Union aber, das kräftige Worte der Verteidigung jüdischer Rechte findet, . kein Wort darüber, und der Grund für diese Taktik leuchtet erst den eigentlichen Charakter der Union: An Spitze der Kredit-Anstalt steht Baron Rothschild, also „Groher in Israel', und dah auch in dem Reiche solch < Erohen etwas faul sein kann, dürfen die „Kleinen" nichl fahren — wenigstens nicht durch -die „Wahrheit", das O der Union. 2m Ghetto war immer der Reichste auch : n. These chen Es SS ani- und eich »iese e r - xren > mge sich ' ),ese aht en. klar der wie der korts »lche beit sie o 1 - ettgjegen ieser setzt, gsder äge < bic Herder hinten: da der onit! Ünd beder ein chnes ergan der Stahlhelm haben zu bleiben, dessen Strategen so miserabel geirrt so ist das allerdiilgs die groteske Ueberheblichscheinen mir solche Schluhfolgerungen der Logik nicht lianz keit eines kleinen Gernegrohen, der seinen Minderwertigkeitskompler krampfhaft abzureagienn sucht. —; Trister Tropf! — A. : Meine Sympathie für T- W. schwindet immer mehr, ich gebe es zu. Den kleinen Re?!, der noch verbleibt, werde ich indessen gegen Sie verteidigen: Reinen Sie nicht trotz alldem, wir deutschen Juden mühten i>m lbefolgschaft leisten, schoi» weil er zu uns gehört und unsere Sache verficht? B. : Dah er einer von unseren Leuten ist, sagte» Sie' schon mit betonter Anerkennung zu Beo im« unseres Gespräches. Für mich ist es gerade ein Grunf», ihn um so nachdrücklicher abzulehnen: er ficht für uns mit den schlechtesten Waffen. Was man in den Bl itterwald der Rechten hineinschallen läht. kommt als unerwünschter Widerhall von dort zurück, und Sie sollten schon wissen, dah es vornehmlich die jüdischen Esel sind, deren mihtöniges Geschrei die judenfresserischen Löwen auf der andi ren Seite zu lautem Gebrüll reizt. Die Presse der „Geschlafenen" ist Herrn T. W. die schlagkräftigste Antwort nicht «huldig geblieben, und was z. B. die „Deutsche Tageszeii ung" geschrieben hat. trifft Wort für Wort den groben Nagel auf den Kopf. — abgesehen allein von der sprachlich wie begrifflich gleich mihglückten Phrase „alttestameirtarische tsoll heihen: alttestamentliche) Gehässigkeit". Wenn si: aber Herrn T. W. seine „Tendenz zur Gosse" bescheinigt und ihm »orhält, „die Leute, die er journalistisch vertritt, sollten sich dann auch nicht über zunehmenden Antisemitismus in Deutschland wundern", wenn sie schliehlich hiizu/ügt, „wer eine solch« Tonart im Lager der deutschen Linken für in der Ordnung hält, wer gegen tsiese ordinäre Verrohung nichts zu eri» nern findet, der darf sich nicht über die Folgen wundern...", so zu entbehren. Höchst kollegial vergibt Herr T. W. bei stiner geritterIichen^.Ehrabschneiderei en gros über die anderen liebten Feinde auch nicht die „Deujfche Allgemeine Zeitlchg". Vermutlich ist er deshalb auf sie erbost, weil — unlingft erst —, in ihr ein Essay des Dichters Pauk Ernst erschienen war. worin dieser beiläufig erzählt, der Philosoph P fessor Simmel habe sich einmal mit ihm über r o - den Antisemitismus ausgesprochen und. die Ursachen aufzeigend. das .^Berliner Tageblatt" einen „R ischesma cher" imrnit Ein rechtes Wort, wir wollenes „lassen stöhn". genannt. A. : T.' W. ein Rischesmacher? — Nun ja. wenn indn's so recht bedenkt, und wenn der Philosoph Simmel es sagt. — B. : Sie dürfen es ihm auf's Wort glauben. — Kennen Sie die Fabel vom Wolf, der -sich in ein Widderfell hüllte und. also verkleidet zu den Schafin ging, um sich zu if rem Leithammel aufzuwerfen? Sein grobes und bissiges Äjkaul flöhte den Ahnungslosen Bewunderung ein. und mit entzücktem Blöken priesen sie sich glücklich, einen so^tüchl gen für men Führer zu haben. Wovon sie in ihrer Einfalt Schutz sich und Schadeir für ihre Feinde erhofft hatten, bekä sie bald zu ihrem Schmerze am eigenen Leibe zu spüren. A. : Und was soll nach Ihrer Meinung'die Nutzanwendung dieser Parabel sein? B. : Es wärie wünschenswert, dah „unsere Leute" endlich die währe Nätur dieses fatalen Leit-Ärtiklers erkennen, der für sie das grohe Tyort führt, ohne dazu berufen; zu sein. Nomen eit omen. ‘ Herr Wolfs vom „Berliner Tageblatt" erfreut sich eines Vornamens, der griechischen Ursprunges ist und in deutscher llebersetzung „Geschenk der Götter" heiht. Nun wohl, ein, Geschenk Gottes an die deutsche Judenheit ist dieser Theodoras — aber eine Gottesgabe aus der Büchse d<sr Pandora. L. _ . 1

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