Der nationaldeutsche Jude
- Journal
- Der nationaldeutsche Jude
- Volume
- 1931
- Issue
- Nr. 9 (September 1931)
- Date
- 1931-09-01
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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44 tt Rtfcbedmacbcr.' Ein unpolitifcbea Zwicgefpräiib Ober einen Leitartikel. Von 8. N* ft. (Berliner Tageblatt vom 11. August 1931): D i e G e s ch l a g e n e n. „T. W. Wenn nicht in dem wüsten Getümmel, das die Urheber des „Volksentscheides" angerichtet baten, zwei pflichttreue Polizeioffiziere ermordet worden wären und es nicht auch sonst noch Tote und Schwerverletzte gegeben hätte, so wäre die Genugtuung, die alle ansrändi zen und ünverblödeten Mensckum übet das Resultat des sonntags empfinden müssen, rein und ungemischt. Es hat nichts genützt, dah der kleine Gern-groh Seldke das Selterwastxr seiner Beredsamkeit herausspjrudelle. dah Dingeldcy. vom Denkmal Stresemanns kommend, mit Hitler tonferi rte und die Volkspartei in den Dreck ritt, dah Schacht, Carblan mit dem Stehkragen, die Stadt^ die seine hohe Pers >n nicht genügend ehrte, zornig zerstören wollte, dah man ich still ichweigend mit den Kommunisten verbündete, dah die Hohen zollernprinzen eigenhändig nrilstimmten, dah der >armlos beleibte General Hege in Reih und Glied mitrol te. dah die von wenigen gehaltene und von vielen ausg chaltene „Deutsche Allgemeine" immer brillantere Tölpelei m verilbte. dah der Gott des Nationalsozialismus auseiner Wolke blitzte, dah Hugenberg sogar den nationalen „Fuhr- ' werken" befahl, puf säumige Dorfbewohner auszupasien, und dah man imincr neue feurige Proklamationen unter zeichnen lieh. „Mil Mann und Roh und Wagen —- hat sie der - Herr geschlagen", wie das Volk in den Tag:n der napolconiichen Niederlage läng. Statt des Mannes gab es nur den Thälmann». den Wagen siehe oben, u> ld was das Roh betrifft, verbietet die Höflichkeit Auswahl und Vergleich. Der bevorzugte Leitartikler der Hugmberg- Presie höhnte vor dem Debakel feines Chefs viel über die Angst, mit der die anderen dem Volksentscheid cntgegcnsähe», aber wir haben niemals soviel Angst geha >t. wie er vor dem Schützengraben fn den vier fahren zöchster vaterländischer Gefahr. Ein! Erfolg des verbrecherischen Unternehmens erschien nüchterfren Rechnern höchst umvahcickzeinlich und nur die Vorsicht! gebot, nicht ganz auf er acht zu lassen, dah bei der seelischen Depression und der geistigen Zerrüttung so vieler notleidender Nietzschen, der pio itischcn Dcnkunfähigteit gewisser Bürger und der gewaltige i Verbreitung des demagogischen Giithandels' der Zrriinv immerhin auch diesmal eine ikeine Chance besah. ." A.: Haben Sie den neuesten T. W. gelesen? -+■ Welch ein Genie, iiualis artifex, sozusagen, witzig, geistreich,! itonisch, ick.lägcnd — turz, einer von ujiseren Leuten. Jedes seiner Worte iit ein Zwölfunzen Knock out, ein Schlager sn buchstäblichen Sinne schon die Ueberschrift, geradezu eine Rekordlciitung aber — ha ha — dasi Zitat „m i t M a >i > und Roh und Wagen. . . Glänzend! Ein echter'!. W. feinster Marke. ' 2>.:In der.Tat. ein echter iT. W. Kein andestei^aväre auf die Geschmacklosigkeit verfallet. ein vaterländisches Volkslied zu persiflieren, und noch dazu bei fo unpassender G legcncheit. Als^es, zum erbten Male, äus freiheitstruntenen serzen wie ein Tedeum brbusend zum! deutschen Himmel aufitieg, waren es die Franzosen, die „dejr Herr mit Mann un > Roh und Wagen geschlagen" hatte. Heute gröhlt es ein Frrnzösling, dem der wiedererwachende Freiheitswille de; Vqlles ei» Greuel ist. gröhlt cs ein freiwilliger Fremdenlegionär f «h in den deutschen Blätterwald hinein, aus Freude darühei, dah die ihm verhahtcn nationalen Parteien eine Niederka >e erlitten haben. t . . 1 A. : Sie vergessen, dah auch )er Reichskanzler dent!?olksentsckzeid mihbilligt hat.! B. : Er tat es aus Zwcckmäzigkeitsgründen. Dych nicht darum geht es, ob diese Volks! «fragung ein verdicht tlicher oder verwerflicher Versuch mar. Es handelt sich hier um keine Angelegenheit der politischen Vernunft, sonder, des publizistischen Anstandes. A. : Und Sie meinen, die Anführung jewes Liedes i,l diesem Zusammenhänge sei eine pjublizistiiche llnanständi,keit? B. : Zum wenigsten eine Taktlosigkeit. Gerade ein Pazifist und Verständigungspolitiker von sh reinem Wasser wie> D. W. sollte es nach Möglichkeit vermeiden, sich hn Meinunqs ampf solcher franzosenfeindlichen Remiiiiszenien aus den FLeiheitskriegen zu bedienen. , | 21.: Sie ironisieren ein Zitat.i das T. W. offensichNich im. ironischen Sinne angewendet hat.! B.: Ich weih. Doch artet eine Ironie nur zu oft in widerwärtig-gehässige Verunglimpfung aus, und sein r» rsönkicher Tan ist ovn einer abstoher den Art, - die des diu! scheu Schrifttums und selbst dieses Schriftstellers ganz ui d gar unwürdig ist. Wenn er einen L ntartikel schreibt, de« eider auch im 2luslande gelesen und als tonangebende Ctimn der öffentlichen Meinung überschätzt wird, so taucht er seine Feder nicht in ehrliche Tinte, sondern in Gift und (fall. Unerträglich der Gedanke, dah die entartete Publizistik ein- Weltblattes zu beschämenden Trugschlüssen auf stilistische inj sittlich« Verwahrlosung der deutschen Presse führen muh. 21.: Sie sind ungerecht. Ueber seine» sittlichen Charall. mähe ich mir kein Urteil an, dem Stilisten aber werden an, Sie die Feinheit nicht aberkennen. Und wenn der Mensch, nc» einem alten Wort, so ist. wie sein Stil, sollte man do meinen .... B.: Dieses!^Wort in Ehren, doch eine ganz so schleck, Meinung habe^ rch vom Menschen T. W. nicht. Seine jüiiqi; stilistische Leistung z. B. — eben diesen Leitartikel hier, von dem Sie so begeistert sind — möchte ich mit einer übergehend verminderten Zurechnungsfähigkeit entschuldig. Trunken vom Triumph über das Scheitern des Volksentscheid» : hat er seine Feder übers Papier torkeln und hemmimgsloe Schmähungen speien lassen. Vielleicht schämt er sich heile, nüchternen Verstandes, selber der unschönen Satzgefüge, u.» er da aneinander gegliedert hat, und von denen ein jede., sowohl das Gesetz der Logik, wie der journalistischen 2<a antwortungspflicht verletzt. 21.: Ibrem Urteil mangelt es nicht an Schärfe, um so n c' > aber' an Begründung. B.: Wer zu lesen versteht und hinter tönenden Phraica auch einen! Sinn sucht, wer nicht denlträge sein halbwachcs Urteilsvermögen durch blechernes Wortgeklingel einlullen laut, findet in T. W.'s Leitartikeln der Gründe zur Skepsis mehc denn genug. Schon dieser hier beginnt mit einer Unwahr Hastigkeit, die für seinen Stil ungemein kennzeichnend ist. Wäre es wahr, was der erste Satz — versteckt, aber darum nicht minder verlogen — unterstellt, so hätte es vor und nach dem Volksentscheid keine Unruhen und Strahenlämpie, teine Schüsse, Verletzungen, und Todesfälle gegeben. Und würde T. W. selber glauben, was er da schreibt, so müsste er folgerecht, aus Gründen der öffentlichen Sicherheit. die Abschaffung aller Volksbeschlüsse und Wahlen fordern. Denn überall dal wo das- Volk zum Entscheide angerufen wird, werden beim Gegenprall der Meinungen Funken erzeugt und Leidenschaften entflammt. Wer diese gefährlichen Folge erscheinungtn verurteilt, der muh auch logischerweise die demokratiichen Einrichtungen als gemeinschädlich verwerfen. Solcher Gchankengliederung letzter Schluh aber wäre die Per neinung dct Demokratie selbst. 21.: Ich kann nicht leugnen, dah Ihre Darlegungen etwa: Ueberzeugendes haben. So betrachtet, erscheint auch mir jetzt das demokratische Gesicht eines Riannes nicht sehr w trauenerweckend, der Landsleute diffamiert, weil sie sich ein»'- demokratischen Rechtes, des Volksentscheides eben,'in gen": mähiger 2vcise bedient haben. Beinahe mehr noch als sein? ganz und gar nicht demokratische Unduldsamkeit stöht aber die unsachliche, wenig vornehme Werse ab, wie er die persönlichen Schwächen seiner Gegner, oder was er dafür hä!,, lächerlich, ja verächtlich zu machen sucht. Nach schleckst erzogener Kinder 2lrt mit ausgestrecktem Zeigefinger auf He..n Heyes Bauch und Herrn Schachts Stehkragen hinzuwciicn. oder Herrn Seldte zu verhöhnen, weil er es nur zu einer kleinen Selterwasserfabrik gebracht hat. derlei unmanierlich puerile Sitten scheinen mir denn doch eines immerhin aus gewachsenen Chefredakteurs ebensowenig würdig, wie dem Welt blatt, für das er verantwortlich zeichnet, rühmlich zu sein. B.: Die knabenhaften Gepflogenheiten gehören nun einmal zu T. W.'s publizistischer Eigenart. 8unt pueri pueri, pueri pucrilfa tractant, auf gut deutsch: lassen Sie dem Kinde das Endliche Vergnügen. Ganz und gar versessen ist er aus Seldte und'sein.Selterwasser, schon des Gleichklanges wegen. Seit Jahren zerrt er jede Gelegenheit herbn, diesen geistreichen Wortwitz — hi hi — an den Mann zu bringen. Dah der „kleine Gernegroh". wie er den Stahlhelmführer überheblich nennt, im Kriege seinen Mann gestanden, dah er emen Arm verloren und dessen ohngeachtet mit dem andern weitergekämpft hat bis zum letzten Gewehrschuh und Granatenwurf. diese Intimitäten glaubt Herr T. W. diskret verschweigen zu müssen. H,»gegen höhnt er lauthals jede,» politischen Gegner, der nicht im Schützengraben lag und sein Blut verspritzen lieh. Er. der mundtapfere Heimkrieger. der selber hübsch zu Hause sah und brave Kaiserlinte verschwenderisch verspritzt hat zu bellikosen und glorreichen Leitartikeln. Der blinde Hah gegen Seldte und seinen Frontkämpferbund verleitet ihn jetzt gar zu der Anmahung» den Herrn Reichspräsidenten zu bevormunden. Wenn er zum Schlüsse seines Pamphlets dem greisen Feldmarschall oorschreibt, „es dürfte seine Pflicht nicht fein, beim geschlagenen