Der nationaldeutsche Jude
- Journal
- Der nationaldeutsche Jude
- Volume
- 1931
- Issue
- Nr. 8 (August 1931)
- Date
- 1931-08-01
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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>» U'M Zionismus kann nur Krankheitskeime ausstreuen. Sollen i>ir warten, bis unsere Jagend von dem Gift der Fremdi>eit verseucht ist? i Hygiene tut not. Wir wollen unsere Jugend nit ten Schutzstoffen deutschen Empfindens impfen. Wollen ie fe nhalten von allem, was sie dem Deutschtum entfremden kmn. Wollen sie hinausführen in die herrliche Natur der!«utscken Heimat, wollen ihrem Sinn die unvergänglichen Werte »eutsck er Kultur erschließen. Und wollen vor allem sie lehren, d e Sck eu vor unbefangenem Verkehr mit deutschen Dolksgenofs n niiitjüdischen Stammes zu überwinden und mit ihr die ewig: Fur ht vor dem Antisemitismus, Der Antisemitismus unser,! Tc ge ist Zeiterscheinung. Erzeugnis einer Zeit des nationalen Nied rbruchs und des harten Ringens um Wiedergeburt und Selk stachtung. Dieser Antisemitismus wird abklingen, wenn mm ihn nicht immer von Neuem aufpeitscht durch größinwaknsinnige Betonung der eigenen, vermeintlich Mieren A st. T er wahre Antisemitismus aber, der fo alt ist, wie die Zerstreuu ig der Judenheit, wird dann und überall dort verschwinden, wa rn und wo die Juden sich entschließen — ohne Aufgabe ilji er Religion und des Bewußtseins ihrer Abstammung — restl )s aufzugehen in dem Volte, zu. dem sie gehören. Der pölkisizo Gedanke beherrscht heute die Welt, er hat die übettebte Konstruktion der rein staatlichen Zweckgemeinschaft abgelö t. N ir ist eirk Volk nicht eine Raisengemeinschaft, wie viele Juden u cd Nichtjuden-meinen, denn die Abstammung allein kann stieMcls das Bindemittel für sonst grundverschiedene Mensch n sein. Gerade dies hat uns der Zconistenkongreß mit erschüternder Dnmichkeit gezeigt. Ein Volk ist die Gemeinschaft derer, itc dürch Kultur und bodenständiges Empfinden zur Einleit d:s wlliichen Willens verschmolzen sind. Und so ist das 2 oll d:r s»eutichfühlenden Juden das deutsche^ nur das deutsch: Vo k. Der Zionismus ist tot, aber das /Deutschtum leb:. D is ist für uns die Lehre des vierzehnten uionistenkongrest, s. ie II. Der XVII. Kongreß (1931). Eine ausführliche Berichterstattung erübrigt sich diesen Kongreß gilt Wort für Wort, was in dem oben gedruckten Aufsatz von 1925 über die damaligen Vorgänge gesagt ist. Nur einige Einzelheiten sind zu vermerkest. <- ie' ergeben kein neues Bild, sondern bereichern nur das Bild von damals um einige reizvolle Tupfen und Lichter.;! Professor Weizmann hat diesmal bis auf weiteres en>- gültig abgedankt, weil die Vorwürfe von 1925 mit verstärkt:! Wucht gegen ihn erhoben wurden und die Jabotinsky-Drup >e diesmal über eine erheblich gröbere Zahl von'Mandaten verfügte. Sachlich hat sich durch diesen Rücktritt nichts geändei t. Ein anderer Führer, der Weizmann hätte ersetzen können. w >r einfach nicht da. So hat man in der Verzweiflung den sFrem d Weizmanns, Herrn Nahum Sokolow, gewählt. Er wird die „bewährte" Politik Weizmanns fottsetzen und den Engfände n wird es recht sein. Tie Erkenntnis, datz die Zionisten-Politif England berlinisch gesprochen, ein „Nepp" ist. war diesmal noch a! Igemeiner als im Jahre 1925. Man registrierte als chtapp, n auf dem Wege des Niedergangs den ^Mufti-Pogrom" (die blutigen Unruhen von 1929), den „Paßfield-Pogrom" (d< s für den politischen Zionismus vernichtende englische Weißbuh. des Lord PaßfielP, den Mac Donald-Brief, die Niederlage in Klagemauerstreit, *bic fortgesetzte ■ Einwanderungsbeschränkui g und vieles Anderes. Tie Jabotinsky-Gruppe stellte mrt Recst fest, datz es so nicht weitergehe. Aber diese sogenannt, n Revisionisten wissen natürlich ganz genau, daß ihre eigei e Aggressiv-Politit noch aussichtsloser ist, als die Wurstttei d,s Regimes Weizmann. Es blieb daher den Jadotinsky-Leute i. nachdem ihre eigene unmögliche Resolution (sie verlangt, n «inen Juden st aat auf beiden Ufern des Jordan)! natü > lich abgelehnt worden war, nichts übrig, als gehhlostin und demonstrativ den Kongreß zu verlassen, nachdem Hei r Jabotinsky sein« Delegiertenkarte zerrissen und seinen Gegnern symbolisch einiges Kleingeld zugeworfen hatte. Ob! diests Verhaltens wurde von anderen Kongreßteilnehmern gegen d e Revisionisten der Vorwurf erhoben, daß sie sich in ihrem G - bahren und ihrer Politik von den Hitler-Leuten nicht unte - schieden. ' - Auch sonst war der Verkehrston der Kongreßteilnehm, r untereinander ein recht herzhafter. Ein „Revisionist" riß d e blauweiße Zionistenflagge ‘ herunter, wurde daraufhin vo i „Andersdenkenden" verprügelt, aber von Jabotinsky pctfönlü E> vor der Saaltür durch einen Kuß belohnt. Einem Delmiettei wurden die freundlichen Worte „Antisemit". „Roter Mmdit' und „geh' nach Moskau!" zugerufen. Das Wort „Verräter' gehörte sozusagen zur Umgangssprache. Bei passender G<- legenheit' stimmte die eine oder andere Partei ein hebräische - Lied an. um die andere zu übertönen. Kurz: es war sehr gemütlich und, wie man sonst in jüdischnationalen Blätter i sagt, -bemerkenswert „unjüdisch". Schlußfolgerungen brauchen wir nicht zu ziehen. Man lese das oben zu den Vorgängen von 1925Gesagte. Der Verwesung- - prozeß wird zweifellos noch eiste Zeit lang dauern. Darum: Hygiene und vor allem positives Deutschtum! j(üdifcbe Deutfcbe in Oefterreicb* Ton RcgUrungsret prof. Or. Ludwig Singer (Ulfen). - (Fortsetzung und Schluß.) - Ohne Unterschied des Glaubensbekenntnisses waren wir der Ueberzeugnng, daß eine derattige Haltung auch dem wohlverstandenen deutschen Interesse widerspreche, und so ttaten wir aus dem „Leseverein der deutschen Studenten" aus und gründeten den „Deutschösterreichischen Leseverein". Der Gegensatz wurde auf die Formel gebracht, daß die Nationalen sich als Deutsche innerhalb des österreichischen Staalsverbandes bezeichneten, wir uns als Deutsche innerhalb des österreichischen Staatsgedankens. Daraus ergab sich «ine verschiedene Einstellung zum österreichischen Nationalrtätenstreit — aber die jüdischen Studenten in beiden Lagern fühlten sich als Deutsche, wurden als Deutsch« angesehen. Die Dinge änderten sich von dem Auge*'-'*- '-n, d die von Georg Schönerer geführte rastenai * I > wegung in der Studentenschaft mehr und i . an B > ' gewann. Schönerer selbst war bis zum Beginne der antiiemitstcyen Bewegung in Deutschland, bis in die erste Zeit des Sröckertums durchaus nicht judenfeindlich gewesen. An der AusarMtung des Linzer Programms von 1860, das die geistige Grundj läge des „Deutschnationalen Vereines" bildete, hatten außer i Pernerstorfer auch die Juden Viktor Adler und Heinrich | Friedjung, der bekannte Geschichtsschreiber, hervorragenden-^ Anteil gehabt. Jetzt wurde es um den Judenpuntt bereichett, der die Beseitigung des jüdischen Einflusses verlangte. In den Masten des "Wiener Kleinbürgerstandes, der alpenländischen Bevölkerung schritt seit 1837 die von Karl Lueger geführte christlich-soziale, ausgesprochen antisemitische Pattei, die sich mit der alten klerikalen Partei verbunden hatte, von Ettolg zu Ettolg. In der Studesttenschast, in den akddemischen Kreisen, in Deutschböhmen drang der nationale Rassenantisemitismus Schönerers und Karl Wolfs mit seiner Losung „Durch Reinheit zur Einheit" mehr und mehr durch. Dies zeigte sich in dem allmählichen „Reinigungsprozeß", den die Burschenschaften, dann auch die Landsmannschaften und Corps Vornahmen, im Akademischen Gesangsverein usw. Im Laufe der Jahrzehnte nahmen auch die meisten wissenschaftlichen Vereine deutscher Studenten an der Wiener Universität den Arierparagraphen an. ebenso aber auch zahlreiche andere Vereine, in denen bisher Juden neben Christen gewirtt hatten — so der Touristenklub, die Settion Austria und andere Sektionen des Deutschen und Oesterreichischen Alpenoereines. Insbesondere aber' sei noch an die astmähliche Hinausdränqung der Juden aus dem „Deutschen Schulverein" erinnert. Als Gegenwirkung erwuchs die jüdisch-nationale Bewegung, die auch schlagende Verbindungen schuf, wie die Kadimah, die Hakoah, Makkabi u. a.. deren Mitglieder sich durch besondere Waffentüchtigkeit auszeichneten. So sehr wir uns der Strammheit, des qesteigetten Selbstbewußtseins freuten, die aus solchem Verhalten sprachen — wir vermochten uns doch nicht mehr innerlich umzustellen. in uns ein „jüdisches Nationalgefühl" an die Stelle des Bewußtseins zu setzen. daß wir der deutschen Kulturgemeinschaft auf Gedeih und Verderb verbunden seien. Und ebensowenig vermochten es trotz der geänderten Verhältnisse viele der Jüngeren. Noch bestand, ob auch kn dauerndem Rückgänge, jene deutichliberale Partei, der sich der größte 'Teil der jüdischen Bildungsschicht angeschlosten hatte: und trotz des Anwachsens des Antisemitismus standen die deutschen Juden in den Sudetenländern in all diesen Jahrzehnten km deutschtschechischen Nationasttätenstreite treu zur dttitschen Sache, und an den Hochschulen Böhmens und Mährens gab es deutschnationale Burschenschaften, die zum großen Teile aus Juden bestanden, trotzdem gerade die „arische" deutsche Studentenschaft Böhmens und z. T. auch Mährens und Schlesiens von dem wütendsten Rastenhasse erfüllt war. trotzdem Mitte der neunziger Jahre der Waidhofecher Beschluß der arischen wehrhaften Verbindungen den Izid^ die Fähigkeit, deutsches Ehrgefühl zu empfinden. abaesprdchen, ihre Satiskaktionsnnfähigkeit verkündet hatte. Man braucht durchaus kein Anhänger des Duellwesens zu sein, um die brennende Schmach dieses Beschlusses zu empfinden. Wozu er in der Vraris führte. —'von den Skandalszenen, die sich auf dem Prager Graben zur Wonne der Tschechen zwischen deutschen Studenten abspielten, daß eistzelne arische Reserveoffiziere lieber auf das goldene Portepee verzichteten, als daß ste ihren jüdischen Kameraden die nach militärischen Ehrenvoeschriften erforderliche Genugtuung gegeben hätten — von oll dem und anderem will ich nicht sprechen, so wenig ich Sie durch eine ausführliche Geschichte der antisemitischen Bewegung im letzten Menschenalter und ihrer Rückwirkung auf die Denkweise der österreichischen Juden u. a.. d. h. der Juden in den stavischen und gemischtsprachigen wie in den reindeutschen Ländern ermüden will. Mit dem Sturze der alten Monarchie verschwanden jene Reste einer liberalen Partei, der sich der deutschfühlende.