Der nationaldeutsche Jude
- Journal
- Der nationaldeutsche Jude
- Volume
- 1931
- Issue
- Nr. 8 (August 1931)
- Date
- 1931-08-01
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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feuerköpfige. tatentschlossene, milttgristische Führer der Radi» kalen. der sich bezeichnenderweise den Vorwurf „jüdischen Haken» kreuzlertums" zuzog. ritt seine Attacke gei en Weizinann und ' ritz andere mit sich fort, die keineswegs zi den „Radikalen" gehören. Schonungslos enthüllten die Arkläger das zynischränkevolle Spiel Englands, das de« Zionisten und den für den Aufbau des heiligen Landes schwärmenden Juden der ganzen Welt immer höhere Opfer an Arbeit und Geld ablistet, um gleichzeitig Schritt für Schritt in! Palästina selbst den zionistischen Einfluh zurückzudrängen, das die Einwanderung und den Bodenkauf erschwert, den judenfeindl ichen Arabern Zugeständnisse macht und immer deutlicher zeigt, dah es nicht im Traum daran denkt, den Traum der Iu»en und die eigene Verheihung der „nationalen Heimstätte" >ur Wirklichkeit gedeihen zu lassen. Der jüdische Obetkommislar hat seine Arbeit getan: er konnte gehen und ein christlicher Feldmarschall hat ihn -erseht. Ein „gesetzgebender Rat" soll geschaffen werden: wenn es nach England geht, aird er aus 11 englischen Beamten. 10 Arabern und — 2 Juden bestehen. In aller Offenheit wird davon gesprochen! dah Palästina nicht ein jüdischnationales, sondern ein „Zweinationc les", jüdisches und gleichzeitig arabisches Land sein werde, — »on der dritten und wichtigsten Ration, der englischen, wird gar nicht gesprochen. Trotz allen Triumphgeschreis über hohe E nwanderungsziffern machen die Juden in Palästina iiiimer m r noch ein Sechstel der Bevölkerung aus und nur ein Zwanzi istel des palästincn-! fischen Bodens gehört ihnen. Mai hält Weizmann vor: dah er dies alles geschehen lasse, jede englische Ohrfeige einstccke, durch Zusammenarbeit mit Rlchtzioniiten »en nationalen Gedanken vom Ziele ablenke. Das rassische Projekt der jüdischen Kriinsiedlung. durch das viel amen Ionisches Geld von Palästina abgelcnit werden dürfte, wird ass schwere Gefahr für den Zionismus gewertet und zum Anklagepunk erhoben. Vergebens wehren sich Weizmpnn und die Seinen, unterstützt von 1>er „Mitte" des Kongresses. in der die ewig Gemähkgten sitzen. Man spricht von Realiolitjk, von staats-- männischer Weisheit und Geldmalgel, de r dazu zwinge, auch die Mitarbeit nichtzionistischer Juden anzuiiehmxn. Aber immer neue Gegner stehen gegen die Führung au;. Und in der Viel»! aestaltigleit der Gegnerschaft entschleiert sich die tiefgehende 'Verschiedenheit dieser Menschen, tie nur im Negativen einig sind, in dem Mangel an Willen urd Fähigkeit zur Einpassung in die andersstämmige Umwelt, bip aber cuf dem Gebiete des Positiven kaum noch Gemeinsames Haber. Die sozialistischen Arbeitergruppen.beschweren sich üler die Förderung des kapi-r talistlschen Elements, über das Lmporwrchern des Händlertums, über unzureichende Mahregeln gegen Bodenspekulation in den palästinensischen Städten. Die orthodiren „Misrächisten", s denen man vor Jahren in Karlsbad vornarf, sie wollten aus Palästina einen jüdischen Kirchenstaat machen, sind empört darüber, dah man den Aufbau de, heiligen Landes nicht ganz und gar im Geiste der Buchstabm-Trad tron bewirken will. Als am Schlüsse der Tagung ein : Entschiehung gefaht wird, die der sogenannten Universität zu Jerusalem die unbeschränkte! Lehrfreiheit sichern will: verlassen die Misrächisten geschlossen den Saal und ihr Obmann erklärt, dah ie die Entschliehung als „Angriff gegen die Heiligkeit! des R ligionsgesetzes" betrachten. Einen Augenblick ist es. als schwebe durch diesen Saal der östlichen Gedanken ein Geist aus dem fernen Westen, der Geist des grohen William lJennines Bryan, verklärt durch die freudige Aussicht auf best künftik en Affenprozeh von Jerusalem •). ' Und mitten in die Debatte plptzt Lärm von auhen herein. Ein paar hundert „Chaluzim" persuchen in den, Saal zu dringen, jugendliche Zionisten, zur kLand-ar »eit vorgebildet und mit der Hoffnung auf Bodenständigleit i n Lande der Bäter geködert, die seit Monaten in Wien vergeblich die Einreise-j Erlaubnis erwarten. Beschäftigungslos, olme Verdienstmöglichkeit irren sie in der groben fremdtn Stad! uitiher, zehren ihre kümmerlichen Ersparnisse auf. hungern, nächtigen in llnterkunftstätten, deren entsetzliche De schmutzt! »eit erst kürzlich die Wiener Polizei aufgedeckt hat. fühlen sih der Verzweiflung und dem Selbstmord nahe. Man verwehi t ihnen dßff Eintritt in den Saal des Geschwätzes. Sie übei rennen die Ordner, Polizei greift ein und drängt sie! zurück. Schliehlich beruhigt man sie so weit, dah sie eine Deputation «stählen, die von dem Präsidenten Sokolow, dem nächst Weizmanns. mit Versprechungen fall ist erledigt. v Die Verhandlung geht weite ständigem Eingreifen der Galeri, . _ Abstimmung über das Vertraueus-Votun für die Leitung.! Dreihundertiiebzehn stimmberechtigte Milk lieber hat der Kon-! greh. Einhundertsechsunddreihig iDelegieite stimmen für di«! Leitung, siebzehn Radikale gegen jlie, — der Rest enthält sich *) Anspielung auf. den —I he!ute schon fast vergessenen —j „Affenprozeh" von Dayton (II. C. A.>. Der Prozeh richtete sich gegen einen Lehrer, der es gewagt hrtte, seinen Schülern die Darwinsche Entwicklungslehre vorzutra zen und damit gegen ' die Bibel (Schöpfungsgeschichte der Geresis) zu „sündigen"! Die Schriftleitung. ‘ Freunde und Mitarbeiter ^gespeist wird. Der Zwischenstürmisch aufgeregt, unter- Schliehlich kommt es zurder Abstimmung oder drückt sich um sie herum. Die Führung erklärt ihren Rücktritt, j Das war zu erwarten. aber kein Mensch scheint darauf gefaht zu sein. Unbeschreibliche Verwirrung seht ein. Was soll geschehen? Die Gruppen, die gemeinsam die Leitung gestürzt haben, sind untereinander so uneinig wie möglich. Den Radikalen die Führung zu übertragen, wäre Heller Wahnsinn. Auch für die Misrächisten und die Sozialisten ist keine Mehrheit zu finden. Es bleibt nichts übrig, als tage- und nächtelang im „Permanenz-Ausschuh" zu verhmideln über eine Rückzugs- und Friedensformel. Aber Weizmann wartet das Ergebnis nicht ab. Pr oerläht den Kongreh und läht «ine Liste zurück, ,auf der alle seine Anhänger, von deren Wiederwahl er sein Verbleiben im Amte abhängig macht, mit Namen verzeichnet sind., Ueberall herrscht. Empörung über dieses diktatorische Verfahren, aher niemand' weih, ivas geschehen soll. Endlich findet der Permanenz-Ausschuh die klägliche Lösung, die wenigstens einen formellen Abschluh des Kongresses ermöglicht/ Man gibt Weiznumn und Spkolow nachträglich noch einmal ein Vertrauensvotum, diesmal mit zweihundertsiebzehn gegen fünfzehn Stimmen bei achtzehn Stimmenthaltungen und bei Abwesenheit von siebenundsechzig Delegierten. Eine neue Erekutive wagt man nicht zu ivählen. Man überläht die „Regierungsbildung" dem Äktionscomitö. d. h. in letzter Linie Weizmann selbst. Nicht mit Unrecht, sagt ein sozialistischer D«legiert«r. zuerst Hab? Weizmann. dann aber habe der Kongreh abgedantt. Gleichviel. — ein Ende muh sein. Alan peitscht Noch ein paar Entfchliehungen durch, bewilligt natürlich die von Weizmann geforderte, durch Nichtzionisten verwässerte , Jewish Agency und — läuft auseinander. Die Komödie ist aus,! in jeder Hinsicht. Was wird nun weite» geschehen? Je nun, man wird weiter „wursteln^, weiter die Reklametrommel schlagen, «veiter Geld in allen Erdteilen erschnorren. sich weiter von den Engländern zum Narren halten lassen, und wird weiter unsere Kinder in die Fremde locken, damit sie dann in Wien oder anderswo hüngenbleiben. verlaust und verhungert, heimatlos und verzweifelt. Aber die höchst .zivilisierten, ganz unverlausten und wohlgenährten Heim- und Etappenkpeger des Zionismus werden «veiter überaus viel Geist und mindestens zwei Vaterländer haben, werden weiter ein wohltemperiertes, von Seelenschwung nicht beeinträchtigtes Interesse für Politik und Kultur ihrer „Wirtsvölker" zeigen, und werden jeden einen Renegaten und Denunzianten schimpfen, der nicht der Ansicht ist, die deutsche Judenheit und das ganze deutsche Volk müsse stolz auf solche pflichtbewuhten Staatsbürger mit doppeltem Boden sein. Wa? bleibt uns deutschfühlenden Juden zu tun? Wir haben keinen Grund, über das Sterben des Zionismus zu frohlocken. Ein lebendiger Zionismus hätte vielleicht unser deutsches Volk, dem wir mit Leib und Seele angehören, von Fremdkörpern befreien können. Ter verwesende Leichnam des Verbanäsnacbrickten. 1. Veranstaltungen. Während der Ferienzeit finden Veranstaltungen des Verbandes nicht statt. Dre Winterarbeit «vird gegen Ende September dieses ^Jahres mit einem Vortragsabend ausgenommen werden.. 2. De. Franz Oppenheimer. Wie wir unmittelbar vor Redaltionsschluh erfahren: feiert unser verehrtes Hauptvorstands-Mitglied Herr llr. Frcknz Oppenheimer. Berlin, der an der Gründung und Erhaltung unseres Verbandes hervorragenden Anteil hat. seinen 60. Geburtstag. Der Vorstand hat dem Jubilar,' der bei Verwandten in Oesterreich weilt, telegraphisch die herzlichste^ Glückwünsche ausgesprochen. Der Vorstand.! Bücberfcbau. Zur Besprechung sind eingegangen: Da« rote Ruhland von Theodor Seibert (Verlag Knorr & Hirth G. m. b. H.. München 1931). Abrüstung oder Kriegsoorbereitung? von K. L. von Oertzen (Zentralvtrlag E.m.b.H.. Berlin 1931). Höre Israel and Höre Nicht»Jsrael von Eon staut in Brunner (Kiepenheuer-Verlag. Berlin 1931). . D«r Idealismus neuer Menschen von Or. pkil. Kuno otommtl (Kommissionsverlag: Industrie - Verlag und Druckerei Kl, G.. Düsseldorf 1931). Die Besptechung bleibt Vorbehalten. Das Buch „Deutsche aktiin" von Franz Schauwecker ist im FrUndsberg-Verlag,! Berlin, erschienen. Aus „Das Reich" voit-Friedrich Siel sch er find auf S. 3/4 dieses Blattes charakteristische Absätze abgedruckt. Di« Schriftleitung.