Der nationaldeutsche Jude
- Journal
- Der nationaldeutsche Jude
- Volume
- 1931
- Issue
- Nr. 7 (Juli 1931)
- Date
- 1931-07-01
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Parallelen. Ton fr. M<ycr-8eh3nbrunn. Judenhaß ist Menschenhab. Ein zweifellos richtiges Wort, wenn man den Juden nur als Andersartigen habt und ihn — chauvinistisch wie etwa ein deutscher vurra-Patriot den Franzosen — an sich schon für minderwertig hält, im Gegensatz zu sich selbst: dem „Auserwählten"i Der wahre Nationalist (ich denke au die revolutionären Nationalsozialisten um Otto Straffer und ferner an den Kreis um Schauwecker und Sielscher) hat gerade um seines eigenen völkischen Bekenntnisses willen ritterliche Ächtung yor dem einer anderen Gruppe zugehorenden Menschen, in dem sich nach Herder nur eine andere Idee der Menschheit offenbart. Gerät er ist unvermeidlichen Kampf mit dem andern, so wird er ihg^ doch niemals „ententistisch" verleumden und verunglimpfen.^ Judenhaß ist Menschenhab! Ihs Daß der nationale Mensch, der sich gegen den Liberalismus aus Selbsterhaltung wehren muß, gegen den interhationalen, nomadisierenden. slchabsondernden Juden ringe st ellt ist. darf nicht wundernehmen: denn ium eine mternationabe, friedejtzbringende Brücke und Treuhäindergemeinschaft zu sein, mühte die Gesamtheit dieses „Volker der Priester" in seiner ethischen Qualität wesentlich anders ausschauen als heule, es dürfte nicht bei diesem „Volkstum" genau wie bei den andern auf neunundneunzig Kaine i sin Abel kommen, wie das auch der messianische Jude M a r>t i n Bub er in seinen „Reden an die Juden" und dem heiligen Weg" darlegt. -Es kann wohl in der Praris keine Äuberlche Engelhaftigkeit von ganz Israel verlangt werden. Soziologisch aber verführt die außerordentlich günstige, kosmopolitische Lage in der Diaspora sehr leicht die geschäftlich skrupellosest und wendigen Elemente unter den Juden zu oft peinlichen Manipulationen, was alles die augenblickliche hochkapitalistische Einstellung des herrschenden Geld-Liberalismus und des diese ntatnmonistische Einstellung antithetisch bejahenden Marrisnms noch außerordentlich' stark begünstigt. , Der blinde allgemeine Judenhaß bleibt eines denkenden und fühlenden Menschen unwürdig und ist ebenso verbohrt und kurzsichtig wie der angelsächsisch-französische, künstlich durch Lügen erzeugte Deutschenhaß [in der Welt, der das Deutschtum in ein Hungerghetto unter Friedensphrasen einzusperren sich anschickt. i Daß d t e Juden aber. — die ehrlich aufrichtig sich unserem Volkstum, etwa wie seinerzeit die Hugenotten, eingliedern wollen, um Deutsch jüdischer Konfestion oder Abstammung zu werden, d. h. nicht bloße „Staatsbürger", sondern „Volksgenosten", daß solch in der Wahrhaftigkeit zum Deutschtum Strebenden sich etwas über >den Haß „der Andern" trösten sollen, der ihnen Ivon der Menge mehr oder minder versteckt gezeigt wird, davon möchten die hier folgenden Zeilen eines protestantisch einregistrierten Deutschn Kenntnis geben. — * Ich entstamme einer evangelisch-katholischen Mischehe. Gewaltiges Zetermordio erhob sich in der Familie der katholischen Mutter — die Kultur-K impf-Atmosphäre wogte noch nach —, als man einen vom r ) mischkatholischen Gotte abgefallenen und verworfenen Nichtkatholiken zum Mann nehmen wollte. Als Zehnjähriger när ich dann zum ersten Mal in der ebenso frommen wie landschaftlich schönen Grafschft Glatz bei den mütterlichen Verwandten in den Sommerferien und fand als ein dem christ-katholischen Stalle entlaufenes Schäflein seltsamerweise doch eine höchst menschliche. verwandtschaftlich herzlich^ Aufnahme bei der ältesten Schwester meiner Mutter, einer eifrigen Zentrumskatholikin, die mir eine zweite Mutter wurde. Alles war offenbar in vollster Harmonie: die Natur, das Mütterliche, schien hier eins geworden, bis' plötzlich,in dieser deutschen Bäuerin eines Nachmittags^ zur Vesper die imperialistische Priesterdogmatik und christ-katholische Unduldsamkeit, die. wie ich merken sollte, wie Gift in die Seelen meiner Blutsverwandten gesenkt war, gegen all« Natur und Verbundenheit kn ihr laut und offenbar wurde, als ste völlig fremdartig, unvermittelt ihr gütiges Herz verzerrend, krampfhaft-bitter ausstieß: „Du bist halt doch ein lutherscher Ketzer!" Völlig begriffen habe ich diese Worte erst später: ober so ähnlich muß. glaube ich einem jüdischen Kinde zu Mute sein, das plötzlich im harmlosen Spiel mit Miersgenosten von diesen antisemitisch beschimpft und wegaestoßen wird. lIn Arnold Zweigs „Taliban" ist dieser Gefühlskompler Hauptmotiv des Buches.) Ein künstlich fabriziertes Gefühl schlug gegen mich an. der ich mich zuvor noch in einem national, familienhaft und organisch gewachsenen Grupvenbewußtsein in Sicherheit befunden hatte. Es zeigte sich hier der Ansatz zu einer Pogromftimmunq. die ja bekanntlich aus jeder Machtkirche, nicht nur der christlichen, leicht verwüstend Hervorbrechen kann. Mit Recht sagt Eon staut in Brunner in seinem Thriftusbuch, daß nicht nur Israels Schriftgelehrte Christus verwarfen, sondern auch die christliche Machtgeistlich keit. die die Juden wegen der Kreuzigung des Heilands verfolgen und verbrennen ließ, einen Eckehart verdammte und viele andere Ketzer auf den Scheiterhaufen geschickt, hat. In Dostojewskis „Großinquisitor" läßt dieser Oberpnester, als her Wohltäter Christus den Armen und Kranken hilft, diese unlautere und schädliche Konkurrenz ebenfalls mit dem Feuertod« bedrohen, so daß sich der Gottessohn still und leise trollen muß, — l Als Student fragte ich dann einmal, als mir der obige Vorgang und andere ähnliche bewußter wurden, meine Mutter, die, obwohl sie nicht aus der katholischen Kirche ausgetreten war, nicht mehr zur Beichte und Meste ging, was ihr als Kind und Heranwachsendem Mädchen in ihrer streng katholischen Heimat als wichtiger hingestellt und anerzogen wäre, der Kaiser oder der Papst, d. h. die Nation, in die sie hineingeboren, das Deutsche im faßlichen Snmbol des Herrschers, oder die internationale, heilige katholische Kirche des fernen Rom? Ohne weiteres Besinnen, also streng gefühlsmäßig antwortete sie, daß der Papst das Wesentliche und erst weit später Kaiser und Reich gekommen sei. So stand es um die Seelen der katholischen Deutschen um die Zeit des Kulturkampfes Bismarcks. Heute sind wenigstens zwei Drittel dieser Deutschen wohl noch Katholiken, aber keine Römlinge mehr. Werden auch die Juden in größerer Zahl den Weg zum Deutschtum gehen wie die National-Deutschen unter ihnen, und nicht im nächsten Jahre, wie der Passah-Spruch lautet, in Jerusalem sein wollen? Diese deutschbetonten Menschen qnderer Konfestion haben eingesfhen, daß man sich ohne Ädvokaten-Mätzchen der Fremdtümelei begeben muß, ob sie nach Rom oder nach Zion' gerichtet ist. und haben frei und offen ihre Volksgenostenschaft zur Nation erklärt. Was heißt denn schon Staatsbürger? Wieviele Galizier sind ein paar Jahre hindurch solche eingeschriebenen Mitglieder im deutschen Wirtschaftsgebiet gewesen, aber inzwischen schon wieder üher Hamburg und Rotterdam aus ihrem soeben erworbenen Vaterlande abgedampft. Ludwig Meidner hat das sehr richtig gekennzeichnet! Doch der Centralverein deutscher ^Staatsbürger jüdischen Glaubens will von diesen Dingen nichts wisten. Er weiß nichts von den Marannen in einer Nation, jenen Juden, die sich katholisch taufen ließen, um dennoch insgeheim Juden zu hleiben: Fremdkörper in der Nation. Er weiß nichts von einem aus dem innersten Wesen eines Volks quellenden Dolksgeist, den man heute nicht mehr wie ein Stück Konfektion wechseln kann, sondern den man mit Luft, Klima. Landschaft, Sprache und Kultur sich einverleibt, in dem man webt und lebt. Brunner hat das in seinem Lehrbuch „Von den Pflichten der Juden und >den Pflichten des Staates" klar und deutlich dargesegt. hat die von Heinrich Heini schon so genannte in Buchstabenwindeln gewickelte „Völkermumie" Israel als Gespenst bezeichnet.^ das mit seiner Nationalreligion immer noch ruhelos unter den Völkern umgeht. Ist. mit Nietzsche zu sprechen, der Sinn eines Volkes nicht: der Umweg zu sein, um zum großen Menschen zu kommen, zum schöpferischen Genius, der wiedenim die Maste der Nullen erst in Sinn und Wesenheit wandelt und ihr — oft durch eigenen tragischen Tod — Segeln und Glück spendet? Aber das sind so böse ketzerische und Natürliche Gedanken, daß sowohl die Liberal-Demokratie wie die Machtkirche sich wenig mit diesen kommenden Dingen befreunden und abgeben mögen. Sie nennen es heute schon oft das neue Heidentum. Christentum und Judentum an sich aber — sobald beide nicht herrscherlich dcks natur- und gotthafte nationale Prinzip international bedrängen, kann und wird vom Nationalisten achtungsvoll behandelt, indessen aber alle Uebergriffe einer posiflven Konfession ebenso streng zurückgewiesen werden -müssen — gerade aus Religiosität heraus, gegen die betreffenden abgestemvelten Religionsgemeinschaften. Der jüdische Deutsch« Constantin Brunner zeigt in seinem Christusbuche seinen noch in Mer Nationsfremdheit steckenden Brüdern den Weg zum Mksgenostenschaftlichen Deutschtum klar und sicher an. ' In vielen Dingen sind der internationale Katholik und der Jride im Hinblick auf die Stellung zur Nation seelisch verwandt. Darum gilt das, was ich durch die vorstehenden Bemerkungen ausdrücken wollte, für' Juden wie für Christen. ,.H öre Israel und höre Nicht-Israel" heißt das fetzte Buch des christgläubigen Juden Constantin Brunner. Die Besprechung der Bücher r ich H i e l s ch e r und ,iD e u t Schauwecker kann wegen Rasti Nummer erscheinen. Sie wird m „Höre Israel und Höre statin Brunner zusammenge nietta t „Das Reich" von Fried- Ijche allein" von Franz lmmangels erst in der Augustt der Besprechung des Buches icht-Israel" von Conaßt. Die Schriftleitung. N