Der nationaldeutsche Jude
- Journal
- Der nationaldeutsche Jude
- Volume
- 1931
- Issue
- Nr. 7 (Juli 1931)
- Date
- 1931-07-01
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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WWWWWMWWWW Julius Rodenberg — ein natiOnaldeiitfcber Jude. Zum 100. ßcburtatag am 26. Junl. Ton ß r n ft Berg (Kaffcl). „Ein Kurhesse vergibt sein Vaterland niemals: er trägt es mit sich im Herzen, auch heute noch wo es gar fern Kurhessen mehr gibt." 1 \ ■ . Der so schrieb, wurde als Julius Levy am 26. 2uni 1831 in Rodenberg geboren. In Rodenberg, einem kleinen Städtchen in der Grafschaft Schaumburg, die geographisch und wirtschaftlich zu Hannover, politisch zum alten Kurfürstentum Hessen-Kassel gehört. Sein Vater: ein gutherdiger kleiner Kaufmann, in wohltuendem Gegensatz zu der übrsgen Familie kaufmännisch wenig begabt. Seine Ptutter: ein^ ungewöhnlich schöne Frau, aus dem Hannöverschen gebürtig: fromm und gut, eine treffliche Erzieherin ihrer sechs Kindes In seinem Vaterstädtchen wächst Julius Levy! auf. Spielt mit den. andern Kindern in den Strahen und am, Rodenberg. Kennt, liebt jedes Fleckchen seiner Heimat, Wein nicht, ahnt nicht, datz er Iud? ist. Ist ein Kind seines Landes. Denkt an den Rodenberg mit seinem Grün und seinen Vögeln noch als er achtzig Jahre alt ist. > Kommt aus die Bürgerichule nach Hannover.! Dann auf das Gymnasium nach Rinteln. Da er begabt ist ohne Eigenart, strebsam ohne Streberei. durchläuft er schnell, die Klassen und ist bei allen beliebt. Sein jugendliches Gemüt ersaht mit Feuereifer, was die Zeit bewegt. Dichtung und Musik. Freiheitstraum und die Hoffnung auf ein grobes deutsches Vaterland. Trauben im Lande gibt es Kämpfe, harte Kampfe. Die Herzen der Jugend schlagen im gleichen Takt. Julius schreibt seine ersten Gedichte: Für Schleswig-Holstein! Vierzehn geharnischte Sonette! -Er sendet sie an Hoffmann & Campe in Hamburg und wird sofort gedruckt. Beginnt die Studentenzeit und der Eintritt ins Leben. Heidelberg, Göttingen. Marburg. Zwischendurch die erste Reise nach England. 2n Marburg verkehrt der jüdische Student mit den Söhnen des hessischen Adels. Er tanzt' und schwärmt in den Häusern der Baumbachs, Ditfurths, der Schenk von Schweinsberg. 2m Park der Schenks. Weiht du noch? Bei den Ruinen Deiner Stammburg sahen wir: > Die Kastanienwipfel schienen 2n des Frühlings Silberzier. C, wie zitterten die Bäume, . Und wie funkelte der Plan, . . Und wie zog durch unsre Träume Der Gesang von Ossian! Gemeinsam mit Badenstedt wird er von Karl von der Malsburg nach Escheberg eingeladen und bewohnt dort das Zimmer, in dem einst Emanuel Geibel als Gast geweilt und gedichtet hat. Das ist nierkwürdig? Rein — damals war es nicht merkwürdig! Julius denkt und träumt wie die andern Jünglinge seines Landes. Er denkt und träumt von einem groben deutschen Vaterland. Er ist ein hoffnungsvoller junger Poet und ein guter Kamerad. - Er drängt sich nirgends auf, aber wenn er eingeladen wird, kommt er gern. Als sei es die selbstverständlichste Sache der Welt, stellt ihn «in Adelsgenosse dem andern vor. Schlieblich ist er gar bei Hofe: Ihre Hoheit Fürstin Menburg — Herr Levy! Und Julius tanzt weiter. Seine Gedichte tanzen zu den Verlegern und werden gedruckt. Sie tanzen in Heinrich Marschners Arbeitszimmer und werden vertont. Julius selbst.tanzt von Marburg nach Berlin und nimmt sein Kurhessen mit: 2m Hause Linkstrabe 7 empfangen ihn die Brüder Jakob und Wilhelm Grimm: im Hause Mauerstrabe 36 tritt er in den Kreis der Varnhagen von Ense. Wie in Marburg, der hessische. so nimmt ihn'hier der preubische Adel auf. Er macht die Bekanntschaft Paul H e y s e s und Gottfried Kellers und der bedeutendsten Gelehrten- und Künstler der Hauptstadt. Der erfahrene Varnhagen von Ense rät: Vor allem lassen Sie sich taufen, Levy! Julius kämpft lange, dann lehnt er die Taufe ab. aber er kommt bei seinem Kurfürsten um Aenderung seines Namens ein und erhält die Genehmigung. Julius Levy heitzt jetzt Julius Rodenberg. Mit der Dottorpromotion schlicht Julius Rodenberg sein juristisches Studium ab und wird nun freier Schriftsteller. Auf Reisen in Deutschland. England, "Frankreich Italien und der Schweiz entstehen seine Bilder- und Wanderbücher. Rodenberg ist jetzt ein angesehener Schriftsteller: die Kette der hohen und höchsten Bekanntschaften reibt nicht ab. Rodenberg dichtet und gefällt. Rodenberg dichtet, wird gelesen, gesungen und übersetzt. Aber kaum entstanden, sind seine Schriften schon wieder vergessen. Rodenberg ist nicht die ursprüngliche Kraft, die Grobes und Bleibendes erzeugt. Er ist nur ein Talent. Ein angenehmer, unterhaltender, bescheidener Zeitgenosse. Bon der Vielzahl seiner Bücher hat nur eins eine gewisse Dauer erreicht: Die Grandidiers. Die Grandidiers sind der Roman einer französischen ‘ Hugenottenfamilie, die in Preuben heimisch geworden ist. Sie haben ihre alte Heimat nicht vergessen, aber sie wissen, dab sie nun Preuben und Deutsche sind. Sie haben 1813 für die Freiheit, sie haben 1870 für die (Einigung Deutschlands gekämpft. Das Berlin der fünfziger Jahre wird liebevoll gezeichnet: der Konflitt des Romans geht um den Kampf zwischen Älter und Jugend. 2m Hintergrund steht ein anderes Problem: das Problem der Treue. Man kann treu sein bis zum Tode. Man kann sich auf der Schwelle seiner Heimat' niederstoben lassen. Verläbt man die Heimat und hegibt sich in die Gastfreundschaft eines andern Landes, wohnt man in diesem andern Land und will in ihm bleiben, so gibt es nur eine Treue: die Treue diesem Lande. Der Dichter Rodenberg wäre vergessen, wäre nicht Rodenberg der Herausgeber der „Deutschen Rundschau". 2m Jahre 1874 hat Rodenberg in Verbindung mit den Gebrüdern Partei die „Deutsche Rundschau" gegründet und ihr iis zu seinem Tode als Herausgeber vorgestanden. Mit der „Deutschen Rundschau" hat er sich seinen Platz im deutschen Geistesleben erkämpft. Rodenberg wollte, dab seine Zeitschrift die Brücke sei zwischen Wissenschaft und Publikum. Sie sollte der deutschen Kunst und Wissenschaft dienen. Was Namen hatte in Deutschland, gehörte zu seinen Mitarbeitern: ausländische Schriftsteller wurden nur in besonderen Fällen zugelassen. Die „Deutsche Rundschau" hat ihren Ruf als führende deutsche Zeitschrift bis in das neue Jahrhundert hinein bewqhrt, erst dann ist unter dem Einflub einer neuen, Rodenberg fremden Kunsttichtung und des stetig anwachsenden Internationalismus zunächst ein Rückgang ein getreten. Rodenbergs Dichterträume sind nicht in Erfüllung gegangen: als Familienvater, Bürger und Mensch hat Roden berg ein glückliches Leben gefühtt. Für den Kleinstädter Rodenberg war es selbstverständliche Pflicht, dab er die Achtung und die Liebe seiner Mitbürger höher stellte als Geld und äuhere Güter, aber Rodenberg hat diese seine Auffassung auch in der G r 0 h st a d t und im Taumel einer neuen Ent Wicklung festgehalten. Die Bewegung vom Land in die Stadt war ein Unglück für alle Deutschen, sie war einbesonderes Unglück für die deutschen Juden, die. angettieben von ihren Fähigkeiten und gehätschelt und verführt von ihrer Presse, sich immer mehr von Geist und Art ihrer Mitbürger entfernten. Rodenberg ist davon nicht berührt worden. Er hatte zuviel vom Elend deutscher Kleinstaaterei gesehen, um trotz seiner Anhäimlichkeit an den Kurfürsten nicht auf der Seite des Bismarckfchen Werkes zu stehen. Im Streit zwischen Bismarck und Lasker bekannte er sich für Bismarck und gegenLasker. Rodenberg ist am 26. Juni 1914 im Kreise seiner Liebe» gestorben. Er hat nicht mehr erlebt, was wir erleben. Sie „verhandeln" schon wieder. . In den Vorstand der Berliner jüdischen Ge ineinde sind drei Zionisten gewählt worden, darunter der famose Zentrums-Iude K a r e s k i und der Rechtsanwalt K 0 l l e n s ch e r. der bei dem Abfall der preubischen Provinz Posen dort den jüdischen Volksrat im Gegensatz zum deutschen Volksrat gründete. Der Wahl sind langwierige Verhandlungen mit den, „Liberalen" vorhergegangen, die schlieblich dazu geführt haben, dab die Liberalen — die drei Iüdischnationalen zuliebe». Der Vorsitzende der liberalen Fraktion muh sich in--der „Jüdischen Rundschau" bescheinigen lassen, datz ersich „während der Verhandlungen loyal und gentleman-lilre benommen habe", — das Hecht, aus dem Zionistischen ins Deutsche übersetzt: er hat sich einseifen lassen. Wann werden diese „Liberalen" begreifen, dah sie „verhandeln!^ und handeln wie Hannibal, der zu siegen, aber den Sieg nicht zu nutzen verstand? Solange die liberale Fraktion, die ja unter dem Zeichen des Deutschtums den Wahlkampf geführt hat. mit den jüdischnationalen Eindringlingen „gentleman-Iike" Parlamentarismus spielt, statt sie im Interesse des Deutschtums ohne lange Debatten niederzustimmen, solange wird ihre Mehrheit praktisch nicht mehr Erfolge haben, als früher ihre Minderheit. Seelsorger. Eine „Jüdische Studentenseelsorge" ist, um einem unabweisbaren Bedürfnisse abzuhelfen, gegründet worden. 2ir der Eröffnungssitzung sprachen der Mimsterial- Zionist Dr. Bad t, der Zentrums-Zionist K a r e s k i. der Rabbiner-Zionist Dr. Prinz und der „positto-liberale" Palästinawerber Dr. Br 0 dnitz, Sohn des Centralvereins- Vorsitz enden. Gott sei den so versorgten Seelen gnädig.