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Der nationaldeutsche Jude · 1931-07-01 · Nr. 7 (Juli 1931) · p. [Seite]

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Journal
Der nationaldeutsche Jude
Volume
1931
Issue
Nr. 7 (Juli 1931)
Date
1931-07-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Einzelnummer 20 Pfennig. naüonal-ertWe Jude Mkeiluugsblalt des Verband es naKonaldeulscherZudenLv. Das Mitteilungsblatt erfcheiut monatlich ' Geschäftsstelle des Verbandes und Schristlettung des Mittellungsblattes: Berlin W35, Blumeshof 4. Lel.: Lntzow 5333/34. Bankkonto: Martin Schist, Berlin WS, Zägerstr. 4. Postscheckkonto Berlin Ar. I 11231 Iahvgan- Nr. r Aus dem Inhalt: i Jüdische» aus Spanien oon Dr. L)ugo Spiegler. -ij>arallele^ von Zr. Meiner. Schönbrunn. — Jü«sion»j»oNtilk von 5. Nast. -u- Einstein in England. — Der Schrei nach dem gelben Fleck. ’| Der freiberr vom Stein, i Wenn es jenseits des Dünstgewölks, in den seligen Gefilden ewigen Ruhestandes eine Vorrichtung zur Äuffangung irdischer Geräusche gibt, dann lächelt er jetzt wohl sarkastisch über den Wolken, der verewigte Reichsfreiherr vom und zum Stein. Selbst einer, der weniger kritisch veranlagt wäre, als er schon bei Lebzeiten war, müßte seinen Spaß haben an dem Pressegetöse, das die hundertjährige Wiederkehr dieses Todestages begleitet. Von per Parteien Gunst — nicht Haß!— verwirrt schwankt sein Charakterbild in der Geschichte,—wenn das, was heute in unseren Zeitungen getrieben wird, Geschichte ist. Den Haß durste er lebendigen Leibes hinreichend verspüren, und — alles, was recht ist — erwar selbst eimtzuter Hasser, wo es sich verlohnte. Eiü weniges von dem haß der anderen hat ihn auch noch ein Stück Weges ins Jenseits begleitet, etwa wenn die Grundlagen unseres heutigen Reichswesens aufzuzeigen waren und man der von ihm gesetzten Bausteine vergaß, oder wenn ihm wohl oder übel ei« Denkmal errichtet werden mußte und man dafür keinen anderen Platz fand, als mitten im Lärm eines hastigen Geschäftsviertels. Aber auch diese Nachklänge verjährter Erbitterung sind heute verhallt. Heute tost um sein Grab nur noch der Parteien Gunst, und jede unserer vielen Parteien hat hundert Jahre nach seinem Tode entdeckt, daß dieser Staatsmann eigentlich allein ihr eigener Mann, ganz und gar ihr vorgeborener Parteigenosse gewesen sei. Er muß inbrünstig schmunzeln, der Verewigte, wenn ihm ein jenseitiges Ausschnittbüro die Gedenkartikel zustellt, ^lnd w^nn er drüben noch so erfrischend deutlich spricht, wie er hüben sprach und schrieb, mögen seine Mitseligen alleres zu hören bekommen. Und doch — aus aller Narretei des gedruckten und geredeten Parteigeistes hebt sich eine Erkenntnis heraus. Hier war schon zur Zeit der absoluten Fürsten — er nannte sie^Häuptlingc" — ein Mann, der begriff,! daß vielerleilLcnzelnes doch ein Ganzes sein kann. Daß man zum Ganzen streben darf, ohne das Einzelne zur stumpfsinnig^nGleichheit glattzuwalzen. Daß man ein Freiherr des rchnischen Reichs, geboren in Nassau, beamtet in Preußens sein kann und doch nur ein einziges Bat c^a n d kennen: Deutschland. Daß man dje Freiheit lieben kann, die innere nicht minder als hie äußere, daß man ein Befreier der Leibeigenen sein kann und doch nattonal bis in die Knochen, daß man die Brüchigkeit mancher Herrschaftsformen klar sehen und scharf kritisieren kann, ohne ein Kirchenstürmcr und Fürstenperjager zu sein. So mag, denn in Wahrheit jede Partei in ihm etwas finden, das in woh^ gesetzten Worten in ihrem eigenen Papicr-Programm zu^ finden ist. Aber keine Partei will begreifen, daß dieser Mann nicht einer Gruppe oder gar einem Grüppchen gehört, daß in ihm vor mehr als einem Jahrhundert schon alles beschlossen war. was deutsch ist, — mit einziger Ausnahme des deutschen Haders, des Hanges zum Auseinanderstreben, dieses Erbteils aus der Zeit des ersten Erforschers deutschen Wesens, des Römers Tacitus. Wenn seit dem Sterbetags des Freiherrn vom Stein abermals hundert Jahre vergangen sein werden, mögen vielleicht unsere Urenkel besitzest. was dieser Mann unseren Urgroßvätern bescheren wollte: die deutsche Volksgemeinschaft. Und wenn wir ihm heute! schon eine Spende aufs Grab legen wollen, die seiner wert ist, so sei es das Gelöbnis, nach besten Kräften das Unsere zu tun, damit bis zur Erreichung des Zieles die nächsten hundert Jahre nicht voll werden. M. N.

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