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Der nationaldeutsche Jude · 1931-06-01 · Nr. 6 (Juni 1931) · p. Seite 7

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Journal
Der nationaldeutsche Jude
Volume
1931
Issue
Nr. 6 (Juni 1931)
Date
1931-06-01
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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Oie jüdifcbe JMüi U^UIBULKI I M Militär-1 WW T 3n meinem Aufsatz „Eine archäologische Bestätigung der Bibel" (Aprilnummer) habe ich Beug auf die Ausgrabung der jüdischen Militär» und Handel-kolonie auf der Nilinsel Elefantine am Ersten Katarakt genommen, die zwar schon vor dem Weltkriege stattfand. aber durch manche Parallelen zur Gegenwart auch heute noch von Wert ist. Hervorragend beteiligt an ihr war Otto Rubensohn» der langjährige Direktor des ägyptischen, Pelizäusmueums ut Hildesheim, der auch ein Werk über die Mysterienkulte von Sainothrake verfatzt hat. übrigens auch ein laigjahriges Mitglied des Verbandes nationaldeutscher Juden ist/ Aus verschiedenen naheliegenden Gründen bat mich di: Schriftleitung um eine kurze Darstellung der Ergebnisse dieser leider schon halb vergessenen Grabung. Ich komme ihrem Wunsch um so lieber »ach, als ich die Ergebnisse auch in meinem eben erscheinendem Buch „Archäologische Entdeckungen irn 20. Jahrhundert" (Verlag H. Keller, Berlin) kurz geoürdigt habe. i CTi WWW 1 und Randcleholonie in Slcfantinc. Ton fricdrlch Von Oppcln-ßronikotvehl. I Unsere Aegyptenreisenden lenneii die schokoladenbraunen Granitfelsen von Elefantine im Ersten Katarakt, der freilich durch die neue englische Talsperre' bei Assuan (Syene) all seine wilde Romantik verloren hat. Schon im Alten Reich entstand auf dieser Insel eine Gren »feste gegen Nubien und in ihrem Schutz eine Siedlung, die durch das Uebereinander vieler Kulturschichten zu einem Hügel emporwuchs, auf dem sich schlieklich in der Spätzeit ein i gewaltiger Tempel des Gottes Chnum erhob, der noch unter Augustus erneuert wurde. Eins seiner Reliefs zeigt den Kaiser! in Pharaonentracht vor dem Gott opfernd. Später entstanden auf der Insel noch koptische Klöster und eine grobe Rtarienkirche, die vom Islam zur Lltoschee verwandelt wurde. Erst unter der Araberherrschaft ist Elefantine (nach 1200) ausgestorb^n. Raubgrabungen nach aramäischen Papyrusurkunden führten 1906—1908 zu einer systematischen Ausgrabung im Auftrag der Berliner Viuseen, die vpn O. Rubensohn, Fr. Zucker und W. Honrath ausgeführt wurde und reiche Ergebnisse zeitigte. Neben ein paar griechischen Privaturkunden aus der Ptolemäerzeit waren es vor! allem jüdische Urkunden das Fortleben der altjüdischen Volksreligion im Gegensatz zu dem strengen Monotheismus der aus dem Babylonischen Eril (595—38) zurückg, kehrten Juden und für die schweren Konflikte. die sich schoi damals zwischen den jüdischen Gemeinden der Diaspora mit ihrer Umwelt ergaben. Die Herkunft dieser Kolonie ist bereits in meinem Aprilaufsatz erwähnt worden: sie stammt aus der Zeit eines der letzten oorerilischen Könige, Josias, der trotz der Mahnung des zu seiner Zeit entstandenen Priesterkodei (Deuteron. XVII, 16) Soldatenhandel m t Aegypten nach dem Vorbild Salomos getrieben hatte, um sich „Rosse" im Austausch zu verschaffen. Dieser Menschenhaidel. um nichts besser als derjenige deutscher Fürsten im 18. Jahrhundert, höchstens durch die Notlage des Josias. entschuldbar, nutzte ihm freilich nichts, denn er selbst fiel im Jahre 608 «bei Megiddo im Kampf mit dem Pharao Necho II., j und dieser erlag kurz darauf bei Karkemisck dem Nebukadnezar, Die Folge dieser Doppelkatastrophe aber war das babylonische Eril der Juden und die Zerstörung Jerusalems. j! Als dann die Perser ihrerseits das neubabylonische Reich Zerstörten und Aegstplen unterwarfen, gerieten auch die Juden ist Elefantine unter ihre Herrschaft und lernten die Verkehrs¬ und Verwaltungssprache des Perserreichs, das Aramäische, das dann ja auch zur Spräche ihrer Volksgenossen in Jerusalem wurde, während das Hebräische sich nur noch als Kultsprache erhielt. Von Anfang an besahen sie einen Tempel, in dem, wie «sine Tempelrechnung beweist, autzer Jahu (Jahwe) zwei weibische Gottheiten verehrt wurden, die bisher unbekannte *) Siehe das Buch: „Aramäische Papyri und Ostraka aus einer jüdischen Rcilitärkolonie zu Elefantine", herausgegeben von E- Sachau. Leipzig, 2. (£. Hinrichs, 1911, sowie! den Bericht der drei Ausgräber in Zeitschrift für Sprache und Altertumskunde Aegyptens, Bd. 46, Leipzig, ebenda 1909/10, und Eduard Meyer. „Der Papyrusfund in aramäischer Sprache aus der Pirserzeit (525—205), die von Elefantine", ebenda 1912, leider längst vergriffen, zur Hülste nach Kairo, zur Hälfte i nach Berlin gekommen! Der Verfasser. Hus „Deutfebe allein“ von franz öchauwedicr. (Frundsberg-Verlatz E. m. b. H., siehe unsere „Bücherschau".) von Friedrich beschäftigte sich wochenlang mit dem Lesen Zeitungen.! Selbst in den demokratischsten, pazifistischsten, versöhnlichsten dieser Blätter erschien das Gespenst des Krieges auf eine höchst merkwürdige Weise. Es fanden sich unaufhörlich Ueberschriften und Sätze, die in der Sprache der Schlachtberichte abgefaht waren, „Die deutschen Borer schlagen sich tapfer." „Grohe Winteroffensive der deutschen Wassersportler." „Blutiger Erobkampfabend." „Das ganz auf heroische Durchbruchsarbeit eingestellte Angriffsverfahren der norwegischen Futzballer brachte ihnen einen herrlichen Sieg ein. Nur echter Kampfgeist kann solche aufopfernden und hingebend tapferen Kämpfe durchführen." „Nach schwerem, hin- und herwogendem Ringest gewann Prenn.in zäher Ausdauer im mit glänzendem Elan durchgeführten Endkampf den Lorbeer des Sieges." „Zum Schluh sah man die erschöpfte Mannschaft, stolz sich zusammenreibend, lachend den zahlreich auf sie gerichteten Kamerarohren der Pressephotograpyen die Stirn bieten. Ehre, solchen Kämpfern." > „Mit' unvergleichlichem Heroismus hielt der ungarische Meister trotz körperlicher Indisposition den Abend durch und errang in überlegener Strategie den heibumstrittenen Sieg. Dieser vorbildliche Meister des Ping-Pong hatte wieder einmal die Fahne seines Landes ruhmreich hochgehalten." Sehr oft war von Grobangriffen. Verlusten, Opfermut, beispiellosem Mut, Trommelfeuer von Beifall, Umgehungsversuchen, heldenmütigem Widerstand, Niederkämpfung der Gegner, Feldherrnblick, zielsicheren Schüssen, treffsicheren Einschlägen, beinah tragisch zu nennendem Aufraffen zum letzten Angriff, unermüdlichem Anfluten der Sturmreihen, niedergezwungener Verteidigung die Rede. Die Zuschauer waren oft tief erschüttert über die mit Grübe getragene Niederlage des bisher unbesiegten Führers der Mannschaft: oder sie waren innerlich erhoben über den glorreichen Ausgang des gigantischen Ringens: oder sie folgten hingerissen der Entscheidungsschlacht, in der zwei Länder, dargestellt durch eine Elitetruppe von Kämpfern, ihr Bestes an Hingabe und rücksichtslosem Einsatz gaben. Bielleicht versuchten sie den Krieg lächerlich zu machen: sie griffen zuweilen zu den sonderbarsten Mitteln. Aber der Krieg blieb davon unberührt. Eine unwiderstehliche Komik ging'von diesen Berichterstattungen aus und schlug aus die «seeleflverfasfung zurück, aus der sie hervorgegangen war. Sie habtest den Krieg ustd bedienten sich seiner Sprache. Sie luden ihren i Bodensatz von Instinkt vorsichtig in „Kampfberichten" ab ustd verspritzten! ein verdünntes Blut auf der Walstatt des Zeitungspapiers, während die Sportgröben Ehre und Ruhm für ihr Volk einstrichen — oft genug neben der Einnahme — ohne ein Glied, geschweige das Leben zu gefährden. Ein Ping-Pona-Meister wap ein Nationalheros, ein Fubballststrmer war ein sieggewohnter Held, ein Tennismeister war ein unwiderstehlicher Kämpfer, ein Leichtathlet war bedeckt von Ehre sind Ruhm.! Friedrich betrachtete diese Verschleuderung der Worte erst mit Empörung, dann mit Gelächter, dann mit Ekel und zum Schlub mit einer riefen Befriedigung. Auch hier zuckten die kleinen Flämmchen ider in Ärastd geratenen Blasen, die der grobe Sumpf der Zeit warf. Es brannte aus. Es stieg auf den letzten Punkt, j Die Kulissenhaftigkeit aller herrschenden Dinge wurde immer deutlicher o senbar, auch in diesen kleinen Angelegen« beiten. Dadurch, dc b sie ungeheuer aufgeblasen wurden, kamen sie allmählich an d e Grenze des Platzens. Dadurch, dab sie immer mehr übers eigert wurden, entlarvten sie sich selber. Dadurch, datz man sie bedeutender zu machen suchte, enthüllten Sie ihre völlige Bedeutungslosigkeit. Man begann zu sehen: ms sind ja kerne wirklichen Kämpfer, das sind ja keine richtigen Siegei bas sind ja leine echten Kräfte, keine echten Leistungen» keine Wahrheiten, keine Tatsachen — es sind ja alles Lügen, alles Kulissen, alles Atrappen: Es siedete unter der dünnen Oberfläche. Es schwelte überall. Es knisterte ringsum. Es schwankte unter allen Fützen. Friedrich stand auf, zerrih die Zeitungen sorgfältig in quadratische Stücke und schichtete sie übereinander auf.

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