Der nationaldeutsche Jude
- Journal
- Der nationaldeutsche Jude
- Volume
- 1931
- Issue
- Nr. 6 (Juni 1931)
- Date
- 1931-06-01
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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6 Die Revolution der aväliere. Von 8. Na ft. Als die spanische Revolution glücklich ausgebrochen war, wurdH alsbald aus den Münzanstalten unserer Geistesfürsten eine funkelnagelneue Wortprägung in Umlauf, gesetzt s— ein Theod'or sozusagen — glänzend und unecht. Die „Revolution der Kavaliere" hat sehr schnell einer rasenden Pöbelrevokte Platz gemacht, und was hülbblinden Augen als friedlicher - Freiheitssturm erschien, hat sich als barbarische Kulturstürmerei erwiesen. Kathedralen wurden zerstört und gothische Schlösser zu Ruinen gemacht — Klöster erbrochetr und ihrer Kunstschätze beraubt — Bibliotheken und Gemäldegalerien von unschätzbarem Werte gingen in Mammen auf und ihr'Rauch hat die marmornen Trümmer antiker Skulpturen geschwärzt. Spanien ist sehr reich an reaktionärem Kulturplunder, es wird schon eine Weile dauern, bis alle übriggebliebenen Kirchen und Klöster in Kinos und Kantinen für kommunistische Parteimitglieder, die alten Adelsburqen in Kasernen für diÄ „Rote Armee" umgewandelt sind. Denn dahin wird es kommen, wie der bisherige Berlauf her Dinge vermuten lätztl Auch die Kerenikis dieser Revolution, liberaliMche Intellektuelle, jeden politischen Instinktes baar, bleichsüchtige arme! Ritter einer blutlosen „Geistigkeit", wird das Schicksal der Girondisten ereilen: Der von ihnen geiäete Sturm -wird sieselber wie Kehrricht hinwegfegen. - Diesen Sturm glaubten sie m ihrer Einfalt mit doktrinären Leitartikeln über-das „Wesen des wahren Republikanismus" („El Sol" v. 14. fiq 1931) beschwören zu können, staatsphilosophischen Deduktionen, die der Pöbel auch dann nicht verstehen würde,- wenn fr lesen könnte. In ihrer Hilflosigkeit nehmen sie -jetzt zu jenem „letzten Mittel" ihre Zuflucht, das sie noch vor wenigen Wochen selber als „ultima ratin" einer unfähigen und „bankerotten Regierung" bespöttelt, als „unwürdig einer freien und stolzen Nation" verurteilt, als „ebenso schmachvoll wie unmenschlich" gebrandmarkt hatten ... sie verhangen das Standrecht . . . Die Ohnmacht der republikanischen Regierung schildert ein anschaulicher Bericht der „Politischen Wochenschrift" der hier wörtlich wiedergegeben sei: . . . „Nun brennen landauf, landab Klöster und Kirchen. Der Mob plündert und fordert Köpf«. ' Krieasschiffsbelatzungen meutern, und man opfert, ihnen die Offiziere. Bauern ergreifen von Gütern Besitz, und die Regierung beeilt sich, radikale und wirtschaftlich wahnsinnige - Agraredikte herauszugeben. Arbeiterdeputationen erscheinen und stellen Ultimaten, die Regierung der Republikgilbt der rasendeil See ihr Opfer. Sie verhaftet General Berenguer wieder, liefert wahllos Anhänger der Diktatur. Führer der Monarckiiten, Vorsitzende der Kriegsgerichte ins Gefängnis ein. Die Mane fordert Auflösung der Zivilgarde und * Gendarmerie. Volksgerichte. Hinrichtung gewisser Führer. Man führte den 1. Mai als Nationalfeiertag ein und wundert «ich, das; nun die roten Fahnen und Sowjetembleme austauchen, das; eine Epoche des Terrors gefordert wird. Die lächelnde, die heitere Revolution nimmt verzerrte Züge an.'" .. , Ein Berliner ,.Weltblatt" aber, die „Vofsische Zeitung" — schreibt: „Lächelnd und graziös geht dfe Republik ihren Weg ..." Auch das '„Berliner! Tageblatt" geizt nicht mit Beifall:.Die Wut der j Massen schäumt über. Sie wandte sich gegen die tote Hand, die seit Jahrhunderten. mif Spanien lastet. Mönche und Nonnen sind dem Arbeiter Parasiten am Körper der Nation. Die Guardia Zivil stand vor Madrid auf der Höhe Chamartin trnd sah zu. wie das Nonnenkloster geräumt wurde, und die Möbel und Fahrräder und wollenen Unterhosen. Nachttöpfe und flirrende Spiegel auf die Stratze flogen und zu Scheiterhaufen getürmt wurden, auf denen schlietzlich ein hölzerner Heiliger thronte, bis die Flammen hochleckten. Dieser Republik wird die ganze Meute ihrer Feinde Kirchenschändung vorwerfen. Aber diese Regierung, die lieber die Klöster brennen lieh, als den Bürgerkrieg zu entfesseln. hat recht getan, hundertmal recht getan!" . . . Zu Ehren des „Berliner Tageblatt" wollen w,r gerne glauben, es werde sich jetzt selber ein wenig genieren, diesen — milde gesagt — etwas unanständigen Bericht seines Madrider Korrespondenten nicht in den Papierkorb geworfen, vielmehr — vermutlich versehentlich — veröffentlicht zu haben. Wenn ein allem Anscheine nach noch etwas pueriler Herr sich an den wollenen Unterhosen und Nachttöpfen des Nonnenklosters ergötzt, so liegt darum.noch kein begründeter Anlas; vor. mit dergleichen Pubertätsgestammcl die Leser zu langweilen:. Davon aber abgesehen, erlauben wir uns, das „B. T." daran zu erinnern, datz es — vor noch nicht langer Zeit -77anlätzlich des Remarquefilmverbotes sehr heftige Worte des Tadels gefunden hat für den „. . . schmählichen Rückzug der deutschen Staatsgewalt vor der Stratze". Hier wird nun, nicht gerade logisch, die spanische Staatsgewalt gelobt. weil sie den Straf;enpöbel nach Herzenslust brennen und plündern lies,, und das „B. T." findet selber eine harmlose Herzensfreude daran. Diese überraschende Sympathie für barbarische Bilderstürmerei scheint uns in einem etwas seltsamen Widerspruch zu stehen zu seiner sonst so gern beteuerten Liebe für Kunst und Kultur. Wir würden mit Genugtuung davon Kenntnis genommen haben, wenn das „B. T." seinem lauten Beifall angesichts des gebranntschatzten Nonnenklosters auch ein leises Wort des Bedauerns hinzugefügt hätte über die irrutwitlige Zerstörung der herrlichen Votivkirche, die dem schönsten Platz von Madrid ihr Gepräge gibt. Den von zerrissenen Unterhosen und zerschlagenen Nachttöpfen faszinierten Blicken des „B. T." war es leider auch entgangen, datz gar nicht weit von dieser Augenweide wundervolle Gemälde von Murillo und Zurbaran verbrannt wurden . . . Schade! — Sein Bekenntnis auch zum religiösen und endlich zum politischen Bolschewismus hat Keinen überraschen können, der das „B. T." mit einer Aufmerksamkeit liest, die leider nicht ganz frei von Widerwillen ist. Sehr dankenswerterweise hat bei dieser letzten Gelegenheit die „G e r m a n i a" ihm einen Denkzettel gegeben, der so schlagkräftig iit. datz wir ihn hier — zur Freude unserer Leser — wörtlich abdruckcn wollen: „Lieber die Klötzer brennen lassen, als den Bürgerkrieg entfesseln! Das ist echt liberale Logik! Im Munde des B. T., das auch in anderer Hinsicht so freimütig in Salon bolschewismus macht., ist ein so offenes Bekenntnis zur Kirchenfeindschaft doppelt reizvoll. Was würde wohl das B. T. zu bemerken haben, wenn statt der Kirchen und Klöster etwa die. Gebäude der liberalen Zeitungen in Flammen aufgegangen wären? Würde es dann auch heitzen: Lieber brennen lasten...? Oder würde das Blatt nicht in diesem Falle vor Entrüstung und Protesten ob solcher Vergewalti gung jeder Humanität und-jeder Geistesfreiheit überflietzen? Nein! Wir hätten von einer Berliner Zeitung vom Range des B. T. etwas mehr Geistigkeit und etwas mehr Zurückhaltung erwartet. Was sich das B. T. an spanischer Sensation leistet, könnte u. E. getrost auch in der Roten Fahne stehen, ohne das; deren Leser zu Protesten gereizt würden..." Ein Pazifist über den Remarque-Film. Der bekannte Friedrich Wilhelm Foersterfschreibt über den Film, den er in Paris gesehen hat, u. a.: „Wer aber den Krieg von der deutschen Seite her darstellt und dann von der unvergleichlichen Bewährung des deutschen Charakters in der Todesnot so wenig Erschütterndes und Erhebendes-zu berichten wein, dagegen-die Anast- und Schwächezustände der dem Kriegsschrecken nervös und seelisch Unterlegenen derartig beherrschend in den Vordergrund stellt.' der wird dem wirklich Autzeraewöhnlichen der deutschen Kriegs-, seiltung nicht gerecht, ja er beleidigt in der Tat die deutsche Armee gerade dort, wo sie arotz zmd beispielgebend war. Man darf nicht ungerecht sein und mutz die moralische Hochleistung des deutsche^ Volkes in Watten, also den Siea von Intelligenz. Wille. Vaterlandsliebe, Selbstüberwindung, Disziplin über die unsagbaren Anforderungen, die der Krieg an Nerpenkraft, Seelenkratt. Opferkraft stellte <oft in gänzlich unerkannter und unbelohnter Pflichterfüllung), in ihrer ganzen! Grütze anerkennen. Darum bedauere ich die Vorführung dies« Films im Auslande." ' ' i Jetzt rckird der Ullstein-Verlag wohl denj Laden schlietzen müssen. Gern hätten wir gemutzt, ob die Leser des „B. T." z» Protesten gereizt wurden — auch, was das „B. T." wohl dazu gesagt. hätte, wenn etwa die Berliner Synagogen qcbrandschatzt worden wären. Ob es da wohl auch eine untätige Regierung gelobt hätte? — Die „Germania" war zu zartfühlend, diese heikle Frage zu stellen, darum wollen wir es hier in aller Offenheit tun. Das „B. T." ist übrigens in einem fundamentalen Irrtum befangen, wenn es meint, die Staatsgewalt verhindere den Bürgerkrieg dadurch, datz es den Pöbelhorden' gestattet, senaend uüd plündernd durch die Stratzen zu ziehen. Herr T. W. hat eine seiner erbaulichen Sonntagspredialen (vom 19. Avril 1931) mit der lyrischen Ueberschrikt „Spanischer Frühling" versehen, sie stellte eine geschichtsphilosophische Betrachtung über die eben ausgebrochene Revolution^dar. Dem spanischen Frühling ist bald ein rauhes Erwachen gefolgt — nur für Herrn T. W. nicht, es scheint, dtzr schläft immer noch. Er hat sich einmal selber mit Ulntz verglichen — leid»r nicht qanz mit Recht, wie wir sehn. Des Odysseus Irrfahrt währte nur zehn Jahre — Herr T. W., indessen irrt schon viele Jahrzehnte auf allen Gewässern der Innen- und Autzenpolitik — von widrigen Windbeuteleien seiner „Weltanschauung" umhergetrieben — das Jthaka der Vernunft aber wird er wohl niemals linden.