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Der nationaldeutsche Jude · 1931-06-01 · Nr. 6 (Juni 1931) · p. Seite 5

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Journal
Der nationaldeutsche Jude
Volume
1931
Issue
Nr. 6 (Juni 1931)
Date
1931-06-01
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Leffing’s „pudert“. Grundfätzlicbea zu einer feblleiftung. Der duftere Anlaß ist übeirholt. Der Ausschuft unbefangener Gemüter, die durch! Ausgrabung des Jugendwerkes von Lessing „Die Juden" etwas gegen die Judenfemdschaft ausrichten zu können glaubten, hat an- .. schemend seine Tätigkeit bereits seingestellt. Das ist zu be- H grüßen, aber bereits der Versuch war strafbar und könnte sich wiederholen. Demnach rechtfertigt sich noch heute die in v unserer April-Nummer angekündiate kritische Grabrede. Zunächst einige Aeußerlichketten, die im Grunde keine lind. Lessings Stück ist ein Prosa-Lustspiel, „verfertigt" im ^>ahre 1749. Es bewegt sich auf der Ebene der damaligen bürgerlichen und der auch heute noch bühnenmäftigen Ptüglichkeilen. In dieser Form mag es als Zeitdokument auch heute noch Beachtung verdienen. Man könnte sich eine Auffahrung vorstellen, die versucht, das Stück so zu spielen, daß der Kulturzustand der Entstehungszeit uns einigermatzen lebendig wird. Sehr lebendig witd er auch auf diese Weise nicht werden, denn das Stück taugt — vom künstlerischen Standpunkte betrachtet — nicht piel. Immerhin ist es .ein Stück von Lessing, aus dem zwischen mancherlei Plattheiten hier und dort schon etwas vom Geiste Nathans des Weisen und selbst etwas vom Humor Minnas von Barnhelm aufleuchtet. j , Für die Propaganda-Aufführung, die von der sogenannten Amga („Aufmarsch gegen Antisemitismus") veranstaltet war. hat man das Lustspiel von Anno Tobak zum zeitgemäften Singspiel verneckischt. Das hat man ganz „zeitgemäh" gemacht. Aus Lessings Epigrammen. Fabeln usw. hat man eine Reihe von Strophen herausgesuckt, hat sie kindlich vertont und an möglichst ungeeigneten Stellen eingefügt. Etwa so: der Hauptdarsteller ist allein: er redet einen Monolog: dann rundet er plötzlich den Mund und psalmodiert eine Art von Song, dessen — garantiert Lessingscher — Tert zum Gange der Handlung paht wie der Jgellrur Hautpflege. In ähnlich feinsinniger Weise hat man den Anschluß an unsere Zeit hergestellt. Die Personen des Stückes spielen in Kleidern von heute. Aus der Tabatiere, die der böse Vogt entwendet, hat man eine Zigarektendose, aus dem Gutsschulzen die Polizei, aus der Pistole einen Revolver gemacht. Damit ist die Modernisierung in bester Ordnung. Die Herren Bearbeiter stört es nicht, daß in. dieser ^modernen" Singsvielwelt ein Diener mit seinem Herrn hier Wochen in Deutschland, umherreisen kann, ohne Namen und! Stand seines Arbeitgebers zu kennen. Es ist ihnen ganz natürlich, dah ein dankbarer Baron seinem Lehensretter die eigene Tochter mit Sultan- ' geberde als Gattin überreicht, ohne sie auch nur zu fragen. Es fällt ihnen nicht auf. datz die beidest Strabenräuber, um ihre Tat auf „die Juden" schieben zu können, als selbstverständliches Reauisit zwei lange schwarze Umhängebärte verwenden. Sie brauchen als zeitgemäße Umdichter natürlich nicht zu wissen, daß heute die langen schwarzen Bärte nicht mehr ein schlechthin überzeugendes Kennzeichen der Juden sind, während um das 'Jahr 1749 in der Tat kein Mensch mit Ausnahme der Juden einen Vollbarl trug. Ebensowenig brauchen.sie etwas davon gehört zu haben, daß um die Mitte des achtzehnten Jahrhunderts in den Räuberbanden, die damals alle Straßen nnsicher machten, tatsächlich ein starker Prozentsatz von Juden war. was sich ohne weiteres dadurch erklärt, daß die Juden damals außerhalb der bürgerlichen Gesetze standen. Wozu auch zeitraubende Ueberlegungen oder gar historische Kenntnisse? Um mit einem deutschen Dichter der Vergangenheit Schindkuder zu spielen, braucht man von Deutschlands Vergangenheit nichts und von Deutschlands Gegenwart sehr wenig zu wissen. Es genügt, daß man weiß, was heute in gewissen Kreisen als Singspiel gilt, datz mast die zeitgemäße Respektlosigkeit besitzt und daß man eisern entschlossen ist. um jeden Preis Tendenz zu treiben. Was dabei herauskommt, ist ein fade schmeckender Salat von -süßlichen Anachronismen und säuerlichen Altertümern. Wem dass nicht mundet, dem ist nicht zu helfen. A propos: Tendenz. Die Bezeichnung „Tendenzwerk" ist an sich kein Schimpfwort. Solche Werks mögen sein und müssen vielleicht sein. Sie haben ihre Berechtigung, wenn sie sich nicht als reine Kunst geberden und chenn trotzdem ihre künstlenschen Qualitäten ausreichen, die Tendenz zu tragen. Die „Juden" in ihrer Urform sind ein schwaches Tendenzwerk, ihr größerer und besserer Bruder Nathan ist ein stärkeres. Beiden fehlen — auch dem Nathan — die letzten dichterischen Werte. Man denke daran, wie in beiden Stücken —> seltsamer Parallelismus! — der erotische Könflikt. das Problem der Liebesverhinderung sozusagen mit der linken Hand beiseite geschoben wird. Aber das, wis übrig bleibt, ist im Nathan sehr viel und in den „Jutun" von 1749 immerhin noch einiges. Die „Juden" von 193:. sind eine Fehlkonstruktion aus Bestandteilen, die nicht zu einander gehören und nicht, zu einander passen, ein gebrechliches und verbogenes Gerüst.! das weder eine Stimmung tragen kanst noch eine Tendenz. Von M*x Naumann. Diese Betrack hing ist keine Theaterkritik. Die Leistungen der Darsteller gelten uns deshalb nichts an. Eine Ausnahme macht die Besetzung der Hauptrolle, weil sie beweist, mit wie gefühllosen Filme (spitzen diese Veranstalter an ihr Werk gegangen sind. Wenn die Handlung dieses Stückes irgend eine Glaubwürdigkeit laben soll, muß Natürlich der im Mittelpunkte des Geschehens stehende Jude, her überaus edle „Reisende", sich in nichts von den reisenden Kavalieren der damaligen Zeit unterscheiden. W«m die^ Veranstalter, die im übrigen vorwiegend nichtjüdische Schmrspieler^ verwendet haben sollen, das zwingende Bedürfnis verspürten, gerade diese Rolle mit einem Juden zu besetzen,s hätten sie in Deutschland genügend jüdische Bühnenkünstler gefunden, deren Erscheinung und Benehmen den Verlauf der Handlung zwanglos gerechtfertigt hätten. Warum statt dessen ein Daifsteller gewählt wurde, der von der hebräischrussischen „Habima" lstrkommt und dem sozusagen der Orient aus allen Kiitzpflöjchern tropft, ist eines der stielen Geheimnisse dieser Antisemiten ÄekäMpfer. Das Publikum der Privataufführung war trotzdem anscheinend glücklich:Jts merkte nichts. Und damit si >d wir beim Hauptpunkte der Betrachtung. Veranstaltungen dieser Art sind höchstens Belustigungen für Leute, die nichts r lerken und nichts merken wollen. Sie stehen fljif der Höhe de: Leitartikel in jüdischen Abwehrzeitungen, die ihren jüdischen Lesern unentwegt versichern, sie seien ganz vorzügliche Mensck en und nur ein verbrecherischer Antisemit könne das Gegen: eil auch nur in Erwägung ziehen. Wenn .Zwischenschichtler i nd solche Jüdischnationale, die im Kern ihres Wesens nu verkappte Zwischenschichtler sind — die echten Zionisten ind au!s anderem Holz — an solchen Späßen ihre Freude haben ist es zwar mit Rücksicht auf die so weitergezüchtete Selbsttc uschung, Selbstgerechtigkeit und Selbstgefälligkeit schon schlimm genug, aber hie Selbstbelober bleiben wenigstens meist unter sich. Bei depi Gedanken, daß ernsthaft in Frage gezogen wurde,! mit einer derartigen Aufführung bei Nichtzuden Propaganda gegen den Antisemitismus zu treiben, müssen jedem die Haare zu Berge stehen, der gegenüber den wahren > Hintergründen und Zusammenhängen der Judenfrage nicht blind ist oder sich blind stellt. Ein nichtjüdischer Zuschauer dieser sogenannten Bühnenkunst muß mit verstärktem Widerwillen gegen „die Juden" von dannen gehen' und. wenn er bis dahin verständigungsbereit war. mit der Ueberzeugung, dag gegenüber dem verblendeten Narzißmus' dieser Menschen sede wirklich ehrliche Aussprache zum Zwecke der inneren Annäherung vergebens sei. Daß trotzdem in einer gewissen Presse über die Privataufführung mit gönnerhafter Freundlichkeit berichtet wurde, bedeutet nichts für d«jn, der diese Presse und ihre Berichterstatter, kennt. Zu bedauerst ist dagegen, daß auch in einem führenden Zentrumsblatte eirie wohlwollende Besprechung erschienen ist — ohne auch nur ein Wort des Hinweises auf die schweren Bedenken, die solcher Art der Propaganda entgegenstehen. Es ist anzunehmen, daß der — sicherlich wohlgesinnte — Berichterstatter des katho ischen Blattes sich recht „tolerant" zeigen wollte. Es muß ihm von uns deutschfühlenden Juden gesagt werden, daß mit diser vermeintlichen „Toleranz" den deutschen Juden ein Bärendienst geleistet wird. Heber die Zeit, zu der man noch beweisen nutzte, daß es anständige Juden und unanständige Nichtjuden gibt, sind wir heute wirklich hinaus: das hat sich sogardis zr Herrn Goebbels und den Seinen herumgesprochen. Wenn trotzdem heute die Judenfrage besonders! hohe Wellen schlägt müssen schließlich die Gründe so tief liegen, daß ein paar Trorfen Toleranz-Oel nicht genügen, den Aufruhr der Fluten zu glätten. Wer es ehrlich mit den deutschen Juden und dem ganzen deutschen Volke meint, sosste nicht an dieses tiefernste Problem mit falscher Rücksichtnahme und Schonung Herangehen. Nur der kann die Entwicklung vorwärtstreiben. der schonungslos das Kind beim Namen nennt — auf die Gefahr hin, daß sich ein paar betuliche Onkel und Tanten verletzt fühlen. Erziehungsarbeit ist harte Arbeit. Wer sie leisten will, »ruß gewiß feinfühlige Fingerspitzen haben, aber doch auch die Fähigkeit, im Notfasse kräftig zuzugreifen. Und damit seil dies verfehlte Propaganda-Unternehmen Zionsscherze. < > Die Hamburger Zionisten haben anläßlich des Purimfestes ein Singspiel aufgeführt. das „in flüssigen Reimen die Purimgeschrchte ins moderne jüdische Leben übevtrug" (Israelitisches Familienblatt). Der böse Ha man. der Schurke des Buches Esther, wurde unter der Feder des „witzigest Autors" zu ,,vr. H. (Nau») mann" und von einem Herrn Caro „in wirksamster Maske" verkörpert. Unserer Bitte, uns ein Lichtbild zum Zwecke des Abdrucks zugehen zu lassen, habest di« Hamburger Zionskünstler leider nicht entsprochen.

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