Der nationaldeutsche Jude
- Journal
- Der nationaldeutsche Jude
- Volume
- 1931
- Issue
- Nr. 6 (Juni 1931)
- Date
- 1931-06-01
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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"fW,#' lange sie ihn — allen feineren und geistigeres Begriffstlitterungen zum Trotz — mit dem. völti schen verwechselt. ihn prattisch an seine Stelle setzt, so > lange wird sie es nicht zu einer entscheidenden Plackst in unsereist politischen Leben bringen. ' .! 2ch hoffe, das mir hier gewährte Gastrecht nicht zu mißbrauchen, wenn ich offen erkläre, daß auch ich. Mancherlei gegen „die Juden" auf dem Herzen habe. Wein ich sehe, wie unendlich vieles, was ich als bestes deutsches un» preußisches Wesen empfinde, mir in diesen Jahren planmäßig wnd höhnend zerstört worden ist und noch täglich zerstört wird, so kann ich mich nicht blind stellen gegen die aüßerordenlliche Rolle, die — wie jederzeit statistisch nachweisbar.— bei dieser Zerstörungsarbeit „die Süden" spielen. Wobei ich hier den Begriff „die Juden" in demselben Sinne gebtauche, wie man etwa „die Junker",! „die Kapitalisten" MNd dergleichen sagt. Aber etwas anderes in es, ob ich tstsPrivatmann^ einem berechtigten Gefühl mit Hilfe eines allgemein üblichen Sprachgebrauchs. eine Verallgemeinerung gebe, die iml Einzelfall ungerecht »ein kann — weshalb ja in diesem Sprachgebrauch auch die Bereitwilligkeit liegt, den Einzelfall jederzeit stillschweigend aus der Verallgemeinerung guszunchinen —, oder ob ich als Politiker, d. h. unter dem Zwanget für Volk und Staat verantwortlich zu denken und zu handeln, gerade diese Verallgemeinerung, die eben'' nichts ist als e n Sprachgebrauch, zum Grundsatz erhebe. Daß es deutsch fühlende, , oder wie man etwas allgeineiner jo hübsch -sagt, „anständige" 'Süden gibt, wird auch von dem wildesten Völkischen nicht bestritten. Aber er' glaubt, auf sie keine Rücksicht tehmen zu können, er opfert sie dem — Sprachgebrauch. Tut er das als Politiler, so beweist er damit, daß er die einfachstes Voraussetzungen politischen Gebens nicht erfaßt' hat. Gin Skatllub kann sich Satzungen geben, nach denen Juden nicht aüfgcnommen werden. Aber eine politische Partei kanw nicht eine Forderung erheben, hie 'eine Verneinung politnch'r Urdegriffe ist. Tut sie das^ so perneitt sie sich selbst, hebt sie gedanklich sich selbst auf. j Der höchste Begriff jedes gesitteten Staatslebens, feine letzte Voraussetzung, ist — das Recht. und zwar „ohne Ansehen der Pers, n". Das gehört nun in der Tat zu den unveräußerlichen Grur dgedanken des europäischen Kulturbcwußkseins. Wer es — grundsätzlich — anzutasten versuchen wollte, dürfte nicht wei kommen. Wer es insbesondere für möglich hält,! daß. in Deutschland irgendwann einmal die Sudenbefreiung wieder rückgängig gemacht werden könnte, daß die Juden wieder unter ein Sondergesetz gestellt werden könnten, mit dem lohnt es nicht;u streiten. Wenn cs aber bei der politischen und rechtlich«n Gleichstellung der Süden in Deutschland wie in jeden. anderen zioiliüerten Sande sein Bewenden habsen muß, so scheidet der Antisemitismus unter den möglichen politisch m Forderungen aus. '• Es geht nicht an. es widerstreitet den Grundbedingung jeden Rechtsgefühls, für das auch beute noch Ttzmis üe Binde vor den Augen trägt, das Urteil über das Verhalt z eines Menschen von — seiner Nase abhängig zu mache. Ist sie semittsch so heißt es^ — und wenn chr Besitzer ju^ für sein Vaterland hat totichießen lassen: „Ein Jude! it. wird schon schHe Gründe gehabt haben!" Ist sie nordisch, j, kann der dazugehörige Vcensch ein Lump und Landesverräte sein, man nimmt sein Verhalten stillschweigend zur Kenntm und findet den eigenen „völkischen" Standpunkt nach nu vor durchaus in der Ordnung. So wird heute in Deutschland die Sudenfrage „gelöst Aber so geht es nicht, am .allerwenigsten im Bereich d. Politik, d. h. des verantwortltchen Staalsdenlen und -Handelns. Hier, bei diesem grundsätzlichen Verstoß gcg« unverletzliche Gesetze staatlichen Lebens liegt der Grund, waru - der politische Antisemitismus zum Scheitern verurteilt bleib muß. Und eine Partei, die ihre Mitglieder und Eegn nicht vom Standpunkt unbestechlicher Sachlichkeit prü sondern zunächst mit Auskunfteimethoden untersucht, ob d Personen Süden oder „Sudenstämmlinge" sind, kann zw> unter günstigen Zeitumständen Piassenerfolge haben, scheid sich aber auf die Dauer mit unfehlbarer Sicherheit selb, vom politischen Leben aus. Siehe die riesige antisemitisch Welle zur Zeit Stöckers. Und die Lösung der Sudenfrage? Sie ist — grundsäi lich — einfach genug. Das deutsche Volk kann un.- muß verlangen, daß jeder, der in seinen Ai: gelegenheiten mitreden will, deutsches Wesen deutsches Erbe, deutsche Zukunft als höchste!! und-letzten Wert empfindet, neben dem es keine anderen Götter gibt, mit ander! Worten,, daß er — im echten Sinne — „deutsch völkisch" bis zur letzten Faser ist. Aber wer diese Bed-ingung erfüllt, den muß es gelten lassen, ob mit ob ohne arische Nase. Sintemal Volk und Staat keine Rassebegriffe sind. Ter bekannte Einwand, der Sude „könne" eben nicht deutsch fühlen, ist geschichtlich dutzenbfach widerlegt und nicht als eine petitio principii: er bedarf am allerwenigsten in diesen Blättern einer Widerlegung. Das Deutsche liegt nicht im Geblüte, sondern im Gemüte, hat schon Lagarde gesagt, dem man Philosemitismüs nicht vorwerfen kann, llnd genau denselben Standpunkt hat noch jeder wirkliche Staat? mann und Staatsdenker eingenommen, Treitschke und Nietzsckze i nicht anders als Bismarck. Besonders lehrreich aber fiir 'unsere Rechte sollte Mussolini sein, der.sich auch in der Sudenfrage als Schüler Bismarcks und Nietzsches erwiesen hat. Er ist offenbar wirklich ein Staatsmann, was ja auch schon daraus hervorgeht, daß seine Rechtspolittk — Er folg gehabt hat. t Verbandenacbricbten. 1. Hauptversammlung. Sn unserer Hauptversammlung, die am 22. Altai d. S. itattfartb, wurde dem Vorstand durch Zuruf einstimmig Entlastung erteilt. Tie Neuwahl!des Vorstandes ergab die einstimmige Wiederwahl der bisherigen Vorstandsinitglieder, jedoch mit der Maßgabe, daß her engere igeichäftsfübrende) Vorstand aus ZweckNiäßigkeitsgründen auf Heben Mitglieder vermindert wurde und die übrigen bisherigen Mitglieder des rugeren Vorstandes mit fhrer Zustichmung in den weiteren Vorstand übertreten. ^- ■ stand besteht somit jetzt aus: 1. Sustizrat l«r. G. Siegmann (Vorsitzender). 2. Chefredakteur ttr. S. B r e s I a u e r > (1. stellv.!Vors.), 3. «zabrikdesttzer I>r. Pi. B lo«?er g^chäftsführende Vorch e r t <2.! stellv. Voi 4. Verlagsbuchhündler H. Gold schmißt «Schätzt teister), 5. Frau M a r g a r e t e I P u l v e r in a 6. Rechtsanwalt W. Simon «Schriftf« 7. Prof. l»r. S. Ginsberg «stellt». S, Dazu tritt als ständiges Mitglied der Ehr Naumann. — Sn den weiteren Vors n «stellv. M>atzm.). ijrer), E.). nvorsitzendb Dr. M. and würtst Rechtsanwalt ttr. Leopold Samolewitz einstimmig zugeoählt. kes 2. Berlin. Sin Anschluß an die Hauiptve.rsammliii ein Vortragsabend mit Gästen statt. I):■, Naumann sprach über „Zehn Sja h r e V nationaldeutscher Suden". Er legte^kurz stehungsgeschichte des Verbandes, seine Wirksamkeit zehn Sahren des Bestehens, und im letzen Teile träges ausführlich die Stellung der nationaldeutschHi zu heutigen deutschen und sogenannten „innerjüdischen dar. Seine Ausführungen gipfelten in dem Appell deutsihgesinnten Juden, als deren „Stoßtrupp" sich band betrachtet, sich durch Enttäuschungen und Ff! im Einzelnen an ihrem Deutschtum nicht irremachen und gemeinsam mit den nationaldeutschen Richtjuder zuarbeiten für eine größere und bessere Zhkunft des Vaterlandes. —Sn der Aussprache nahms außer eine ng fand Mai r b an d die Entin den Vor- Suden Fragen an alle »er Verhlschläge >u lassen weiterdeutschen Anzahl von Verbandsmitgliedern auch als Gast Herr vr. B I,u nt e das Wort, der sich als überzeugter „Deutschvölkischer" in sehr wirksamer Form gegen die sinnlose und jeder vernünftigen Politik zuwiderlaufende Sudenfeindschaft der - rechtsstehenden Parteien wandte. 3. Verbandsausflug. Der diesjährige Ausflug findet an« Sonnabend, den 13. 2uni, nach Phöben b. Werder statt. Einladungen folgen. Es wird gebeten, mögliche bald Zusagen mit Teilpehmerzahl an die G« schäftsstelle ergehen zu lassen. ‘ ' 4. Hamburg. Herr Siegfried Blogg, früherSchnn führer unserer Ortsgruppe Hamburg, der sich besonders in den. ersten Jahren unserer Verbandstätigkeit große Verdienste um unsere Sache erworben hat. ist am 16. Mai ,d. S. im 57. Lebensjahre verschieden. Wir werden sein Andenken ü hohen Ehren halten. Der Vorstand hat den Hinterbliebenen sein herzlichstes Beileid ausgesprochen. 5. Geschäftlich« Anzeige. Unser Mitglied Klempner meister Mar Tichauer. Berlin, Bernburger Str. 2!1 fLützow 3355), empfiehlt sich für Baullempnerei-, Installation: und Dachdeckungsarbeiten: er bittet, ihn bei Vergebung solche. Arbeiten zur Konkurrenz heranzuziehen. Referenzen stehen zur Verfügung. ' " Der Vorstand. Bücberfcbau. Das Reich von Friedrich Hielscher (Verlag Da: Reich Berlin 1931). Deutsche allein von Franz Schauwecker (Frunds berg-Verlag G. m. b. H„ Berlin 1931). . Die Bespreihung der beiden hochinteressanten Bücher, die beide aus dem Kreise dev „neuen Nationalisten" staknmen, muß aus Raumgründen der Äuli-Nummer Vorbehalten bleiben. Die Schriftleitung.