Der nationaldeutsche Jude
- Journal
- Der nationaldeutsche Jude
- Volume
- 1931
- Issue
- Nr. 5 (Mai 1931)
- Date
- 1931-05-01
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
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J^acb zehn 'Jahren. Es ist keine Zeit zum Festefeiern, das wissen für uns Deutsche, die wir. trotz Stresemann, keinen Silberstreifen am fernen Horizont zu Von Dr. 8. Breslauer. wir. Weder noch immer eirspähen vermögen. der uns das Aufdämmern einer besseren Zukunft verhiehe: noch für uns deutsch« Juden, denen die Kampflieder der -S.-Ä.-Leute jetzt täglich in den Dhren gellen. Aber wenn wir heute, in aller Bescheidenheit, des Tages gederken, an dem vor zehn Jahren es war im März 1921 — unser Verband nationaldeutscher Juden gegründet wurde, so soll damit kein sogenanntes Jubiläum begangen, sondern nur einen Augenblick haltgcmacht werden auf ldem Wege, den wir wandeln, um zu prüfen, ob wir unseren damals aufgerichteten Zielen näher gekommen sind um» was wir von der Weiterentwicklung in Deutschland, soweit sie sich heutzutage überhaupt vorausbeurteilen lüht, zu erwarten haben. Der Weltkrieg war verloren, die Novemberrevolution hatte sich ausgewirkt und in Staat und Gesellschaft so etwas wie eine erste Nuhepause erreicht, als eine neue antisemitische Welle sich in Deutschland erhob. 'Wieder einmal sollten die Juden für das Unglück des deutschen. Volkes mit in erster Neihe verantwortlich gemacht werden, follfe ihr« Geld- und ihre Geistesmacht dafür eingeietzt worden sein, Um. nach Beseitigung des Hohenzollernreiches. in Deutschland Aemter und Würden. Theater und Literatur, kurz jeden irgendwie mahgeblichen Einfluh auf Politik und Verwaltung und Kunst und Geschäft mit Beschlag zu belegen. Der Lärm auf der einen Seite muhte naturgemäh den entsprechenden Gegenlärm auf der anderen Seite entfesseln, ohne dah man damit, nach allen bisherigen Erfahrungen zu urteilen, einer Ueberwindung der Gegensätze auch nur um einen Shritt näher gekommen wäre.' Da kam Mar Nau in a n n und warnte: So geht es nicht, dah die chriitlichen Deutschen unbesehm auf ihre jüdischen Mitbürger einhauen, nur weil diese ihnen von. tüchtigen Lärmmachern als bequeme und von vorn jerein durch überlieferte Unvolkstümlichkeit ausgezeichnet? Sünd mböcke dargeboten werden. Und so geht es auch richt, dah die jüdischen Deutschen in der Abwehr wild um s ch schlagen, ihre Gegner zu überichreien, zu überlisten und durch Häufung von Macht Und Einfluh jeder Art zu überwinden suchen. Jeder Teil muh den anderen auf seine wahre Gesinnung und Empfindung prüfen, muh bei sich selb st Einkehr halten und Gerechtigkeit üben, muh Brücken schlag an von einem User zum andern hinüber und zusammen fassen, was an hingebungsvollen Volkskrärten zu selbstloser Arbeit an Deutschlands Wiederaufrichtung bereititeht. Die deutschen Juden haben inz Krieg Gut und Blut mit. eingesetzt für den Sieg ihres Äaterlandes über eine Welt von Feinden! sie haben den Zusammenbruch nach auhen und den Einsturz im Innern mit der gleichen E schütlerung durchlebt wie ihre christlichen Volksgenossen, und wenik man behauptet, dah sie nun nach der deutschen Nieterlage mit fliegenden Fahnen zum Internationalismus, ser rs östlicher, sei es westlicher Provenienz, übergeschwenkt wären, so trifft diese Beschuldigung keineswegs die Gesamtheit des deutschen Judentums. Sie trifft als eine zeitbeherrschende, aber auch zeitbedingte Erscheinung den christlichen Teil des deutschen Volkes wie den jüdischen; Teil. Idenn in beiden Teilen finden iick Sünder, und hier wi« dort muh dagegen mit den gleichen Mitteln vaterländischer j Erziehung und Einwirkung qetämpft löerden. Dazu sind wir ^uden an unserem Teil gern bereit, dazu wollen wir uns, da in den bisherigen organisatorischen Zusammenfassungen aller Jude» der national-deutsche Gedanke nach unfeter lieber zeugung nicht deutlich genug und nicht in der durch die Zeit ersordernisse gebotenen Stärke zum Ausdruck gebracht ist, zu einer Arbeit?- und Eesinnungsgemeinfchaft zusammenschliehen und Seite an Seite mit gleichgesinnten und gleichgestimmte» christlichen Volksgenossen kämpfen. So ist vor zehn Jahren, auf Naumanns Anregung und in Naumanns Wohnung, der „Verband nationaldeutscher Juden" entstanden. Seine Gründung hat viel Aufsehen verursacht, hüben und drüben, bei Freund und Feind. Um mit den „Freunden" zu beginnen, so waren wir uns von vornherein nicht darüber im Unklaren, dah der „Central verein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens" unser Vor gehen als einen unerlaubten Einbruch in seine-Domäne be trachten und bekämpfen würde. Es gab darüber, wie man sich erinnern wird, reichlich unerquickliche -Auseinandersetzungen, die schliehlich abgebrochen werden konnten; nachdem sie ans beiden Seiten zu einer gewissen Klärung geführt hatten. Anders die Zionisten, für die wir nationaldeutsche Juden auch heute noch so ungefähr gleich hinter dem Abschaum der Menschheit rangieren. Selten, dah wir hier auch nur dem Versuch eines Verständnisses begegneten, so kläglich auch der ganze Gedanlenaufbau ihrer angeblich jüdischen Weltanschauung an der grausamen Wucht der Tatsachen und Geschehnisic scheitern muhte und gescheitert ist. Etwas hoffnungsvoller sieht es — trotz Hitler — bei unseren „Feinden" aus. Selbstverständlich zwar, dah auck, hier vielversprechende Ansätze, die von Zeit zu Zeit zu vcr zeichnen waren, unter der Ungunst der Zeitverhältnisse, und nicht zuletzt unter dem alles entwaffnenden Druck der Wirt schaftsverzpeiflung nicht zur Entwicklung gekommen sind, das, manche platonische Annäherunqsbereitschaft nicht zu tatkräftiger Entschluhfrcudigkeit weitergetriebcn werden konnte, weil nun einmal der allgemeine Erundzug der Zeit auf Hah und Zer splitterung eingestellt war und nicht auf innere Einkehr und Versöhnung. Aber doch. hat die Problemstellung für die Iudenfrage, wie unser Verband sie formuliert, in hartnäckiger Arbeit festgehalten und immer wieder erneuert hat. in nicht jüdischen Kreisen nach und nach unverkennbaren Eindruck ge macht und zum Nachdenken und zur Nachprüfung vielfach überlieferter Werturteile Aniah gegeben. Dah wir mit unseren Anschauungen .nur langsam Boden gewinnen, dah für uns überhaupt nur diejenigen Geister hüben und drüben in Frage kommen würden, die eine Herrschaft der Schlagworte scheuen wie die Pest — und desto mehr scheuen, je selbstherrlicher und selbstverständlicher sie auftritt —, darüber hegten die Gründer des „Verbandes ' nationaldeutscher Juden" von vornherein nicht den geringsten Zweifel. Sie sind heute, nach zehn Jahren, weit davon entfernt, mit dem Erfolg ihrer Arbeit zufrieden zu sein. Aber sie fühlen sich ebensowenig entmutigt durch die Stockungen und Hemmungen, die nicht ausgebliebe» sind und die in den heutigen Zeitläuften keiner geistigen, aus positive Ziele gerichteten Bemühung erspart bleiben. - Wir haben heihen Herzens uns eingesetzt für eine Ausgabe, die nach unserer-Ueberzeugung gelöst werden muh, wenn Deutschland und mit ihm die deutschen Juden einer besseren Zukunft entgegengeführt werden sollen. Wir werden, solange unsere Kräfte reichen, in diese in Kampf nicht Nachlassen, bis er — überflüssig geworden ist. „aus weltanschaulichen Gründen" ablehnen.- strecken; sich schnell die zulangenden Hände Klügerer aus. Mit Bennnen und Zaudern erreichen wir nur, dah am'Ende nichts mehr für uns übrig bleibt. Den Letzten bcihen die Hunde! — Nun, es scheint noch un-ziemlich viel für uns übrig gckblieben zu 'sein, wie das jetzt „getätigte" Ruisengöschäft beweist vielzuviel vielleicht, denn Geschäfte, zu denen man sich nur darum entschlicht. weil sie „sonst ein And erer. m adm, pflegen faule Geschäfte zu sein, die mit einer Pleite abiltliehen. — Und was die Hunde betrifft, die uns Letzte, beihen könnten, wenn akir nur nicht die Ersten sind, die von ihne» zu Tode gebissen werden, .nachdem wir sie grohgefüttert haben. Es wäre zu wünschen gewesen für unsere Wirtschaftsführer und nicht zuletzt für unsere Neichsregierung. dieVichlimmen Endes als Garantin des Vertrages an der Spitze der Leidtragenden, der deutschen .Steuerzahler nämlich, stehen wird — es wäre wohl wünschenswert gewesen, man chätte aus eigener lleberlegung von dem famosen Russengeschäft dankend Abstand genommen. Warum aber, wenn schon in diesem Falle es am-wirklicher, weitsichtiger Geschäftsklugheit offenbar gefehlt hat, warum ist man dpnn nicht wenigstens noch im letzten Augenblick stutzig geworden — an gesichts der doch höchst verdächtigen „wohlwollenden Neutra lität" der anderen Länder und Regierungen? — Warum dieses unheimliche Schweigen zu Paris, Prag und Warschau, wo blieben die gewohnten Protestnoten und Pronunciamenti? Ist man in der Kleinen und Erohen Entente doch sonst nicht so mundfaul, wenn es darum geht, sich in die eigenen Angelegenheiten der deutschen Republik störend hinein zumischen. Sehen sie dort vielleicht in der deutsch-russischen Handelsverflechtung das Netz, worin der schon geschwächte deutsche Wirtschaftskörper sich selbst verstrickt und schlichlickfelend umkommt? Erkennen sie dieses ihnen willkommene Ende ebenso gewih. wie sie in der deutsch-österreichischen Zollunion den Anfang einer.höch st unerwünschten Erstarkung erblicken?... Feurio und Mordio haben sie über diesen Handel gcschrien — warum nicht auch über jenen? * * r 3n triumphaler Ballenschrift und fanfaresken Tönen haben Blätter aller Schattierungen, auch solche, die der Grohindustrie und ihren Geschäften sonst mit Skepsis zu begegnen pflegen, alle Einzelheiten der Aktion durch viele Tagesnotizen und Wochenübersichten in die Welt hinausposaunt.