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Der nationaldeutsche Jude · 1931-04-01 · Nr. 4 (April 1931) · p. Seite 7

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Journal
Der nationaldeutsche Jude
Volume
1931
Issue
Nr. 4 (April 1931)
Date
1931-04-01
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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^alrob Wassermann zur jfudcnfrargc. («u« bem Februarhest der .Deuts chenRundschau"; sieh« unseren Leitartikel .DerKernpunk t'.) Sehr geehrter Herr l)r. Pechel! .... Und ich las die Anklagen. Wie es so geht, siel ,ir bei der Lektüre auch allerhand ein, was nicht in jenem iortrag stand, wohl aber zur Sache gehört. Etwa die illose Spaltung innerhalb der Judenschaft selbst. Wie etliche nter ihnen, blotz weil sie sich Deutsche nennen, von andern ater ihnen, vortrefflichen, warmherzigen, auch bedeutenden!,ännern gleich ,,entartet" gescholten werden, und mit welcher cindseligkeit mein eigener „Weg als Deutscher und Jude" >i dieser Seite empfangen worden ist. Es ist mir solckft errissenheit weder unter amerikanischen, noch englischen, noch anzösischen oder italienischen Juden bekannt geworden oder segnet. Freilich, so dachte ich weiter, ist auch diese Er- '-cinung erst, eine Ausgeburt der jüngsten Zeit. In früheren ihrzchnten durften Scharen auserlesen kultivierter Juden „ Vorspann deutscher Grütze machen. Rahe! Varnhagen l mir ein. Emil Kuh. zwanzig,! dreitzia andere, von den lonymen Mengen zu schweigen, und Moritz Heimann der Me; der sein Herzblut gegeben hätte für Hauptmann und lehr. Solche sind es doch, die Herr Fechter als „ordent- I,e Leute" bezeichnet. Eine Schar verantwortungsloser Grotzdtjournalisten, deren es auf nichtjüdischer Seite genau so cle und vielleicht gefährlichere gibt —mutz ich Namen und itungen nennen? — kann doch unmöglich von einem so dlich bestrebten Mittler als repräsentativer bezeichnet werden « jene Zeugen? Den Geist gewisier jüdischer Zeitungen prangert Herr i echter an. die die Verbrennung der französischen Fahnen . ncn Dummenjungenstreich genannt haben. Höchst überuissigerweise haben diese Zeitungen das getan, finde ich, ■»er sie sind damit noch immer nicht so weit gegangen wie »es Blatt, das anlätzlich des Dreyfusfilms geschrieben hat: rlii der Drenfusaffäre sei lediglich hervorzuheben, dah der „izösische Generalstab zu Ende des neunzehnten Jahrmderts noch so viel Ehrgefühl besessen habe, datz er keinen »den in seiner Mitte duldete. Diese^ Zeiten seien aber nun iigst vorüber. Wie nimmt sich neben dieser doppelten Beumpfung der „Dummejungenstreich" des jüdischen 2ouriMiiteit aus? Oder will Herr Fechter behaupten, unter cu sechs Millionen Deutschen, die hinter solchen Blättern chen, befänden sich keine „ordentlichen Leute" und jene hrieben verantwortungslos auf eigne Faust? Dann möge r es laut verkünden, in seinem Vortrag finde ich keine Aneutung davon. Ich lese weiter und mutz erfahren, datz Kurt iTucholsky. eil ich als eisten tapferen Mann von gerechter Denkart kenne, »ler ein Blatt mit Offiziersköpfen die Worte gesetzt hat: icre sehen dich an. Eine grobe Ungehörigkeit, will mich beimfcn, wenn mir dabei nur nicht eine Geschichte einfiele. Ein »«.maliger deutscher Offizier, sympathisch, beliebt, und an- -iehen auch bei der Mannschaft, hat sie selbst erzählt. Als ’; -in der Ukraine lag, kam eines Tages eine Abordnung '.! rzweifelter jüdischer Männer zu ihm. Sie wuhten, dah in r gleichen Nacht ein Pogrom über sie herfallen sollte, sie »rcn waffenlos, sie flehten den Offizier um ihre eigne uitung und die ihrer Frauen und Kinder an. An dieser - iclle seiner Erzählung äffte der Offizier den Jargon der »den nach. Geantwortet hat er ihnen: erstens sympathisiere - mit dem Vorgehen der Ukrainer — ich wiederhole, datz dies ine eigenen Worte sind — und zweitens wolle er jetzt lasen. Wie, glauben Sie, hat das Antlitz dieses Offiziers le jüdischen Männer angeblickt? Sehr menschlich? Wobei u unschuldigen Tieren kein Unrecht zugefügt werden soll. handelt sich in unserem Fall auch weniger um die furchtbare atsache selbst als vielmehr darum: der junge Mann wutzte, :tz er mit dieser Geschichte in Deutschland nicht nur Verandnis, sondern allenthalben in seinen Kreisen Beifall finden irde. Damit»' finde ich, ist der Einwand entkräftet, datz er va kein repräsentativer Typus gewesen wäre. Ich lese weiter. Herrn Meidners kräftige Worte fänden her meinen Beifall, störte mich nicht ein kleiner, ganz kleiner angel an Präzision. Herr Meidner findet, datz das Heer . Heiligtum der Deutschen sei. Gemeint ist doch, wohl das er von 1914? Wodurch unterscheidet es sich vom gesamten alkstum? Ehre sei diesem Volkstum, eine Welt hat es-- chrt. Darüber hinaus finde ich nichts des groben Namens lig würdig, und hier gerate ich auch, schon an den Mcmn. r dann schreibt, beim ersten Anblick.einer franzöiischen >isorm auf dem Potsdamer Platz sei ihm unsäglich wohl worden. Dies erscheint mir als eine unaussprechliche Toryeil, »n mir wird beim Anblick keiner Uniform m einer friednen Stadt sonderlich wohl oder wehe..zum mindesten nicht ohler als beim Anblick eines andern Dienstkleides. Mag es -'ch einmal ausgesprochen sein: warum soll mir im «xneoen n militärisches Kleid einen lieferen Eindruck machen als i - Es steht vor mir auf Naub. Oual, Hohn, Eewitz, gewitz. man nicht immer wieder der Emanzipation das Gewand eines Feuerwehrmannes, der jederzeit, ohne >ede politische Herausforderung, mit Einsatz seines Lebens bereit ist, mir Weib und Kind aus den Flammen zu holen? Hinzufügen möchte i h. datz ich Soldat gewesen bin in jenem Heer, in dem nur i«en Juden alle jene Aussichten versperrt blieben, die sich andern dazu Befähigten eröffnet haben. Ich lese staunend, datz Juden sich über das Nibelungenlied abfällig geäutzirt haben. In Gedanken darüber versunken. steigt plötzlich ein anderes Bild vor mir auf: Ich sitze mit meiner Frau in einem Eisenbahnabteil zwischen München und Starnberg. Irgendwo steigt ein starker Trupp von liingen Burschen ein. durchaus keine Rowdys. Sie durchtraben den Zug mit lautem Gesang, und was singen sie? Datz man den Juden bankerten Arme und Beine abhacken soll. Niemand im Zug protestiert. Ich lese weiter in Herrn Fechters Aufsatz. Der Blutzeuge Walter Rathenau steht vor mir auf. rin Jahrtausend voll Marter. Schändung, Schmähung, Entsetzen, Blut und Feuer, oll, den Schuldbrief eines Jahrtausends herausholen. Ein einziges Jahrhundert l egt! auf der andern Waagschale. Ich Kerickterftr t^ung. In unserer Mär, den Stuttgarter Fa davor gewarnt, an dem Kampf gegen deutschen Juden Streit ausgetr auf das Verhalten e Artikel wörtlich: vorausbe)timmbar. Nummer haben wir in Anknüpfung an l |Dr. 2B o I f — Frau Dr. Kienle )atz sich Juden allzu eifrig und taktlos §;218 beteiligen, gewarnt im Interesse der Angeschuldiitest selbst und „nicht-zuletzt der auf! deren Rücken auch dieser »gen werden wird". Mit Bezug ner gewissen Presse heitzt es in unserem ■rr. Wenn dieses Treiben sich fortseht,, ist der Augenblick des deutichen Volke; den Kampf für die Angeschuldigten im besonderen und den als „Judenmache" nnsehen und abstcmpeln wird. Der „Vorwärts" Notiz, die wörtlich biginnt: Ist der Zeitschrift „Der nalihnaldeutsche Jgde'/; Mitteilungsblatt des deutschen 2ud Verbandes der national- _ n e. V.. bemüht sich der Herausgeber um den Nachweis, >atz der Kampf gegen den Abtreibungsparagraphen 218 e ne jüdische Mache sei. Die Ueberschrift diese Notiz lautet: „Nazi-Judentum", und der Untertitel: „Nationaldeutsche Juden mit Hitler-Argumei ten.n lc s Ob jü >1 V° will es gern gelten von uns fordert. Anzahl nichtjüdischer er von der kleinen einer kraftbewutzten seine Rechnung von . Weisheit, die der Jud des menschlichen Ge Brand. Schrecken und hat. Nur der Gewalt läge des christlichen dieses Schauspiel. Genug der Beisl wüchse das Jahrtauseifd tief in das gepriesene es denn nicht möglich, Ihnen die "Äugen zu Unrecht, das auf di deutschen Kindes jüdii dagegen das Zeitungträgt die grotze deuts keine Kritik? Was dürfen, vor und nach matzregeln gegen „Judl Im Grunde ist es und Leben, an Geist und sagen, sie mögen in dem der andere uyd gröbere Teil Kamps gegen den 8 218 im allgemeinen würdigt diesen unseren Artikel in einer sen, wie es Herr Fechter stillschweigend igltich er immer wieder die ungeheure Testtscher ins Treffen führt, verlangt üschen Minorität die feinsten Tugenden Uebjerzahl. Ohne weiteres stellt er in ' rwürfen und Anklagen die erschütternde -jnie genug zu bestaunender Triumph es aus. einem Jahrtausend von Schmach in die Freiheit herübergetragen seines Ethos, das ja auch die Erundhqs i geworden ist, verdankt die Welt I und Gegenbeispiele. Mir ist, als ies! Bluts und der Tränen noch allzu ahrhundert der Befreiunö hinein. Ist elpst.so wohlmeinenden Männern wie öfftiest für das Gebirge von Leid und lullern schon jedes ^leugeborenen ev Art gehäuft liegt? Was bedeutet eschjrei einiger „Emanzipierter"? Eration von allen Nationen allem beni Engländer über England sagen rd föyron? Helfen Wohlverhaltungsve^recke"? Erschütternd, datz <Pie vor die, an Leib und Herz bedrohten Juden hintreten «iu Einsehen haben. Mif ergebenem Grutz - Jakob Wassermann.

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