Mannheim
Compact Memory

Der nationaldeutsche Jude · 1931-04-01 · Nr. 4 (April 1931) · p. Seite 6

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der nationaldeutsche Jude
Volume
1931
Issue
Nr. 4 (April 1931)
Date
1931-04-01
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
87% known words query
IRI
…/6682492-5438690-5438884--597-4871778
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

JMenfcbhdt und JVation.- ]Martin Buber und Conftantfn Brunner. Heftiger denn je tobt heute der Streit aber Nation. Rasse. Dolkstum und Religion auch unter den Juden. Her Masse der nichtjüdischen Staatsbürger ist dieleider völlig unbekannt — ebensowohl dem indifferent-toleranten, wie auch dem nationalistischen Deutschen: für beide. iit der „Jude" meist kurzweg der „Andere": so etwa, wie der °DurchschnMsdeutlche den Franzo'en ansteht, oder auch umgekehrte Das Wort „Boche" z. B. eines patriotisch chauvinistischen Imperialismus seht hier den Nachbarn tief unter den Menschendhrchschnitr raubt ihm den ideellen Wert „Mensch", ähnlich, wie auo das Wort „Jude" im Vtunde der Mehrzahl der Nichtruden allzu leicht „Nichtmensch" bedeutet «Brunner!). Uimelchminkt mutz man dies einmal kritisch zu selben «ich bemtzhen, wie dieses sowohl Brunner wie auch Buber klar erschallen, wenn -auch beide aus einein sehr verschiedenen Ge'ichtswknkel und aus einem grundverschiedenen We'en lreraur!! B r» n n e r bejaht u n ikm w u n d e n nationaldeutsch das lebendige D o I k s 1 n m um sich, in dessen Gemeinschaft er in der Zeit nach der Emanzipation h i n c i n g c b o r e n i st. Er besaht es als eine Idee Gottes (Herder). Er verfolqt,koniea u e n t die nun einmal auch jüdischericits verpflichtend ringeqangene Emanzipation zur Eindeutschung: ihm ist Israel ein sprach 'und heimatlo'e; „Gesp nst". das in seiner national-internationalen Halbheit bald als Jude, bald als Deutscher nur störend wirken muh und unter dem Argwohn der Andern «eine beiten Eigenschaften garnicht rei zum Segen aller entfalten kann. ja. > das gerade jene beinlichen Kciellen sich vordrängen lätzt. die als Pieudo - Jaden dem ehrbaren deutschen Juden >md jüdi'chen Deutschen unerhörten moralischen SEcaden ln der Nachkriegszeit als Schieber, Journalisten und hochmögende Beamte zuqefüqt hljbcn —. Grotesk geradezu findet cs Brunner. dast-Zionisten sch es in ihrer Dvppelnationalität in Neudeutichland als hohes Staatsbeamte io wohl sein la'ien. Wieder aktuell! Von deutscher Zukunft Zwei Aufsätze von Mar Nauifiann Preis 75 Pf. Zu beziehen durch die Geschäftsstelle. Der messiani'schc Binder hingegen in'seinem „Heiligen W e g" will um der Menschheit willen trotz eines ethisch berabgeiunkenen Israel, trotz die'es realen- Zerrbildes seiner hohen Idee, denen Volkstum bejaht sehen, wie auch Fichte bei aller Kritik das. Deutschtum ideell postulierte! Alle Folgen und Leiden habe darum das vom Schicksal ausersehene heilige Volk ohne Murren auk sich zu nehmen. Buber »predigt eine übermenschlich schwierige Situation s»r sein „Volk von Prieiterii" — predigt prophetischen Geiitds eine ewige Aufgabe, die Berwirklickung seiner messtanrchcn Ärücken- Raiion zwischen den Völkern! — ■ Auch B riinner wi'l dir Heilsidce des Judentums in die Menschbeit fliehen lallen, aber strenger als der ZJdeal- Zioniit" Buber verfolgt-er den realert, organischen Weg, den über die offenbare Nation. »er sich seit der Emanzipation der deuti'ihe Jude eiyverlcibt hät und der >o zum jüdischen Deutschen führte. B r u n nl e r ist deutscher Nationalist. So betont Brunner in seinem, in einem kraft und saftvollen Lntherdentsch geschriebenen Buche „lln'er Christus" (Verlag Oetzerheld u. Co.. Berlin) in Vergleich mit dem mystöchen „ooittlos"-seligen deutschen Vielster Eckhart, dem Ketzer — den Juden Jclus Christus — ebenfalls als einen Gegenpol der Schriftgelebrsamkeit. wie auch Eckhart, ein Vorläufer Luthers, der Gegner des Götzen- «üottes qeacn doamatiiche Priesterlichkeit war. .So ist nach Brunner der reliaiöle Genius Jelchua verwirklicht in' vorkirchenväterlichen Mystiker Paulus, der sich ebenfalls wohlweislich vor aller griechjsch-alerandrinpchen Svekulatic n gehütxt sind sich als Mystiker in der unmittelbaren!Go tcserfahrunq des Glaubens sowohl von griechischer Sovhrst k wie von hebräischer Talmudiitik, d. h. jüdischer Realität, gehalten hat. — Brunner führt den nationalistischen W l l a m o Möllendorf (Kultur der Gegenwart I, 159) als J *) Der Verfaüer gehört zum Kreise der „Nduen Nationalisten." um H irischer. Schauweicker, Jünger. Die Schriftleitnng. fernwitzeugen Von f. Meyer-8d»onbrunn. an. „Gewitz ist der H«llenismus eine Vorbedingung für il (Paulus), er liest di« griechische Bibel, denkt also au griechisch. Gewitz oollftreckt er unbewutzt das Teftamc Aleianders, indem er däs Evangelium zu den Hellenen bring aber er i t aus ganzem Holze geschnitzt, er ist Jude, wie Jest ein Jude ist." — j Pai lus wirk?« also menschheitlich, pHdogmatitzbe pharisäische Enge und Religions-Nationalism. über d is beengt Rabbinische hinaus! Sow »hl Buber wie Brunner eignet das „Menichhci liche", in dem einen aber geschieht es, wie wir gesehen habe^ auf dem Wege über da^ Jüdische, im andern aber durch br jeweilig ebendige Nationale, in beiden in dem ewig u vergänglichen Kern d^r prophetischen lleberdogmatik. in Religiösen der Mystik. Folgerichtig wurde-sowohl i Israel wie in den andern Völkern immer zu allen Zeiten dibohe mystische Gottlosigkeit, Weltfreiheit und Seligkeit v. jeder Art Priestertum verfolgt. Jesus, Meister Eckbart uu 'Spinoza wurden zu Keßern gestempelt, wie das auch Tost jewski in seinem „Gro christliche Oberpriester d> Kirche verbannt, nachdem gedroht hat. Also nich zern -Inquisitor" offenbart, in dem d <n Heiland Jesus aus der christlich er ihm zuvor mit dem'Scheitcrhautz nur die Juden, sondern auch d: andern Völker würden Ilefus immer wieder kreuzigen, wie da allmenschlich Goethe ausgesprochen hat von denen, die „i h - wahrten, dem Pöbel ist luen offenbarten". volles Herz nicht Gefühl, ihr Scha Diese Zeilen möcht« und Buber, einmal eingehender befassen sollte, der beide»: des- „ideal n- Deutschen", dürfte den Stellungnahme gegenüber en nichts weiter sein als eine A>. regiuig. datz man sich m t zweien der bedeutendsten religiöse- Menschen, die dem Judentum entstammen, mit Brunne.» froh der rasenden Hast unserer Zci Eine kontradiktorische Anslässuiia Zionisten" und des „National Juden und Nichtjuden zu ctiu■, dem Judenproblem zwingen, da jen.seits der völkischen Vergötzung und d e r jüdischen Mimikry «liegt und ernsthaft das Wesen de- „Menschheitlichen" und tigkeit und Ehrlich .Nationalen" ergründet. Au fr ich keil des judenstämmigen Menichcu der Emanzipation gegen» der tut heute dringend not. ehe czu spät.ist und das oqn einigen ersehnte Ghetto wirklich kommt!! I^eMng's ttjüdcn ii Ilm einem dringendest Bedürfnis abzuhelfen, hat sich ein. neue Organisation gebildet, die sich AMGA (Aufmarsch gegen Antisemitisi nationalen und Centralm Organisation ist, soweit seinitismus auf dem We „bekämpfen". Als erste _ neben Schalom Asch' das Jugendwerk L e s s i Die Veranstaltung, die A Art bietet, wird in der blattes in einem beso würdigt werden. Heute >e punkte des Nationaldeut gegen das ganze Unterne sonderen die schwersten Bedenken richten sich mi ballhornung des immerhi das man mit Musikeinla Singspiel umfrisiert hat. u! besetzung der Hauptrolle, jeder praktisch-politischen anschauung, datz myn die man den Nichtjuden-,nnit r streicht, wie vorzügliche seien. Die AMO A hat u s) nennt: sie scheint aus -Jüdisch einlern zu bestehen. Das Ziel d. erkennbar.^den sogenannten Ant« über künstlerische Darbietungen zi istung wurde in einem Privathau- Einakter „Mit dem Strom" g's „Die Juden" aufgefühn lah zu Betrachtungen grundsätzliche» Mai-Nummer unseres Mitteilungs deren Aufsatz eingehend ge nur soviel gesagt, datz vom Stand ' en. sei er Jude oder Nichtjudeen und gegen den Auftakt im bc edenken zu erheben sind. Dieie nur gegen die künstlerische Per von Lessing stammenden Werkes,' en zu einem neckischen „modernen" d gegen die fast unglaubliche Fehl sondern in erster Linie gegen die rfahrung zuwiderlaufende Grund Judenfrage entgiften könne, indem 1 aufdringlicher Breite aufs Brol mschen doch im Grunde die Juden dem Vernehmen nach die Absicht. _ . . — . ... .. nach — ...... ihre Jnizenierung des Lessiug-Stückes aitck nichtjüdischen Kreisen zugänglich zu machen. Wir würden dreien Versuch nicht nur für naiv, sondern geradezu für gefährlich ansehen, — trotz der wohlwollenden Besprechungen, die der Erstaufführung nicht nur sin der Masse- und Ullstein-Presse zuteil geworden sind, sondern von einem im falschen Sinne toleranten Kritiker auch in der „Germania". Gerade die Frage, was mit dieser Art der „Toleranz" im Verstäadigungssinne geleistet werden kann, wird in unserer ausführlichqren Erörterung mit zu würdigen sein. M. N.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.