Der nationaldeutsche Jude
- Journal
- Der nationaldeutsche Jude
- Volume
- 1931
- Issue
- Nr. 4 (April 1931)
- Date
- 1931-04-01
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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IHPP. .I jm an Polen ausgeliefert wurde. Diesen — das Abstimmungsergebnis infam fälschenden — Beschluk faßte der Völkerbundsrat auf den Vorschlag einer Vierer-Kommisäon. die aus je einem Spanier, Brasilianer, Belgier und — einem Chinesen bestand ... „F a i r p l 'a yJ." — Es kann dem Manne, der den diplomatischen Sprachschatz um diese Wortprägung, bereichert hat und wahrlich keine Schuld trägt, dak sielheule zur abgegriffenen Scheidemünze, zum wertlosen falschgeld geworden ist, «S kann Llond George nicht hoch genug angerechnet werden, das; er auch bei dieser Gelegenheit ritterlich für uns eintrat: „Ein aufen'tehendes Deutschland kann das fchlciisch« Unrecht, diese ehrloseste Tat politischer Freibeuterei, die, je vollbracht wurde, nicht tragen. Es war ein niedriger Betrug gegenüber einem »erbrochenen und geschlagenen Volk in der Stunde seiner tiefsten Hilflosigkeit" . . . hat er damals mutig verkündet, und es wäre zu wünschen gewesen, das; die deutsche Publizistik die e schöne Kundgebung ihren seitlichen iieitarlifchi zum ober«chleäick>en Abitimmungs tage als Molto vorange'etzt Hütte. Die deutsche Republik hat einen ihrer.Groben -zu Grabe getragen, Hermann Müller, der Uch sSlbst 'mit -keinem Namcnszug unter dem sogenannten Fri.'densvertrag ins Buch der Weltgeschichte eingeschrieben hat. Der Tag von Versailles. der schwärzeste und schicksalsschwerste im Leben des deutschen Volkes, ich» gewißlich auch für ihn der schwärzeste gewesen, und sein Gang züm Tisch im Spiegeliaal, wo der prunkvoll auf Pergament geschriebene Traltat. fyr ihn zur Unterschrift bereit lag. daneben der prächtige, aus Gold getriebene Federhalter — wer zweifelt daran, daß dimer Gaüg der allerschwerite in Hermann Müllers Lfben war? Er unterschrieb mit seiner eigene; Feder, einem gank einfachen hölzernen Halter, den er mit groszer Mühe noch kur; vorher ■ irgendwo auitreiben konnte, nachdem, er auf dem Wege von seinem Quartier zum Schlos; erfahrt:«; hatte, die Franzosen wollten aus dem Akt der Unterzeichnung ein Schauspiel machen und hätten sich von den el«aßäothrii«glip;-'i; Verbänden in Frankreich und den Kolonien e>nen besonderen, f Federhalter stiften lassem der dann, mit entsprechender Untcrichrift, in einem französischen Museum als Trophäe zur Schau geiteilt werden sollte. Die Geste, mit Iber er das -Prunkstück beiseite schob und seinen beickreidenrn! Halter aus der oberen Westentasche zog. die lästige Geistesgegenwart, mir der er eine . . f,.uns bcwufzt zugedachte Demütigung" . . . «seine eigenen Worte» zurückwies. -wie man ein lästiges In>ckr wegscheucht, gehörten zu jenen kleinen charakteristischen Episoden, die später in die Schulbücher überge!>en. Hermann Müller hat die theatralisch aufgemachte" Szene de; Unter schristeakics. dem Verfasser des Buches o war es in V e r > a i l l e s". dem Berliner Schriftsteller Victor Schiss, selbst geschildert, und wir erfahren auch, das; eine Variier Leitung „als letztes Manöver der Boches" feitstcllte, die deutsche Unterschrift sei mit ... Geheimtinte i „c 11 c r c i n v i s i b I e") vollzogen worden. Erschütternd in ihrer Schlichtheit und so recht bezeichn.md für die Wesensart Hermairn Müllers ist die Schilderung seiner damaligen Gemütsverfassung: „Von dem Augenblick an. wo mich die Obersten in Empfang genommen hgtt:i;..bi; zu dem. wo iie sich verabschiedeten, vor allem aber in der Stunde, in der ich den tausend Blicken im Soiegelsaal ausge'etzt war. hatte ich eiirc Masle der rein ge'chättsmäfzigcn Kor rcklh.it angenommen. Nichts in meiner Haltung, in meinem' Gang. in mcinein Blick, in meinen Bewegungen sollte »u irgendwelchen Deutungen Anlaß geben. Ich wollte den tiefen Schmerz des deutschen Volkes, da; ich in die'em tragischen An'as;- vertreten mußte.' nicht den gierigen Bicken un'erer bisherigen Feinde prcisgcben. Welch« ungeheure Nervenanspannung diese Haltung kostete,, das sollte ich erst merken, als ick' wieder allein war. In derselben Stunde, in der ich in meinem Zimmer Hut und Gehrock ablegte, am mich umzuklciden. strömte der Schweis; aus allen Pore«; in einer Weise.' wie ich e; nie zuvor erlebt hatte. Das war eben die physische Reaktion: die dieser unerhörten p'ychi'chen Belastungsprobe unmittelbar folgte. Und nun. erst fühlte ich. das; ich die schwerste Stunde meines Lebens hinter mir hatte." llnsere^ „bisherige;;" Feinde sollte«; ihm noch manche schwere«; Stunden bereiten. W'e mag ihm wohl ums Herz gewesen sein auf sein.r Heimreise iin Herbst 1928 aus der Völkerbundsstadt Genf, wohin«! in Vertretung de; erkrankten Außenministers Streiemann Hoffnungsfreudig geeilt war. um endlich, endlich einmal die seit oi:r Jahren reifenden Früchte des lenzlichen Thoiry'Blütcntraumes zu pflücken. Selbst die Deutschnationalen hatten ihm ein zutrauliches „Kanzler werde hart!" auf die Hinreise nachgeru'en. und dieses. Vademecum bewies befer als alle ihre ofj,i feil skeptischen Reden, welche Erwartungen auch die parteipolitischen Gegner heimlich im Buien hegten. Tie „Aussichten" schienen dpch auch W günstig: Der Dawesplan, dies« höchste Prob-» auf dei; Erfüllungswillen. „funktionierte reibungslos" zur Zufriedenheit der Reparationsgläubiger, die ..Richtlinien dedeutschen Politik" bestimmte — laut Verfassung — al-, Reichskanzler er selbst, Hermann Müller, der Sozialist, krie gerisch revisionistischer oder sonstwie gewaltsamer Revanche gedanken wahrlich nicht verdächtig. Und im Kabinett Frank reichs leuchtete mit freundlichem Schein die ewige Lampe des Weltfriedens, der Hoffnungsschimmer der deutschen So zialdcmokratie. der grobe Pazifist Briand ... Aber al- Hermann Müller, zuerst mit höflich gekrümmtem Zeigefinger dam; mit geballter Faust ans noch immer verschlösse,,. Tor der Gerechtigkeit pochte, als er — anfangs nt mild gemäßigten Worten — dann immer entschiedener an di,- läiigst fälligen „Rückwirkungen" mahnte und zuletzt deutsck. und deutlich seine Anklage des Abrüstungsbetruges, de, doppelzüngigen Politik Frankreichs und des völligen Vcr sagens des Locarnovertrages der Versammlung ins Geückwarf. ... da erhob sich B r i a n d zur höhnischen Erwiderung der Herr Reichskanzler scheine die Völker bundstagung mit einem Sozialistenpartei tag zu vjerwechseln, und man müsse ihn daran- Hinweise«;, daß dieser Sitzungssaal ke in p a > s e » d c r D r t für A g i ta t i o n s re d en fei ... F ai« P 1 a y? -—. Fair play! Denn obschon er im Völkerbund „nicht zu sageir hatte" — längst war er Englands Premierministe: nicht mehr.^ sondern „nur noch" . . . das Kewis'en der Web — nahm sich Lloyd George auch jetzt wieder des v:e. fach enttäuschte«;, tausendfach gedeinütiqten und betrogen, deutsche» Volke; an: In seiner berühmten Oiforder Red vom 16. November 1928 stellte er zunächst fest, das Deutschland alle ibm aus dem „Vertrag" von Versailles er wachsenden Verpflichtungen erfüllt habe. Die Methode der Alliierten aber hätte „einm zu starken B'igechmack von Er Pressung" und sei „nicht die Art, in der Leute von Ehre die von ihnen überiwmmenen Verpflichtungen ausleaen dürfen". Die Alliierten müßten „zu dem itehen, was sie gelobt haben", oder es werde „keinen Frieden in Europa geben" . . . „Die Abrüstung Deutschlands hätte die allgemeine Ab r ü Tt n u ft sei«; sollen, und dennoch sind die R ü' st ungen umfangreicher geworden, a l s j e." . . Er ginn dann auf die — kurz vorher geschlossen: — englisch fran;ösiiche Flottenvcreinbarung ein und sagte wörtlich: „Das Abkommen ist mit Recht Kompromiß getan«! worden, denn es kompromittiert sowohl unsere Ehre, wie die des Weltfriedcirs. Solange wir dein von uns verpfändeten Wort zum Trotz mit den gewaltigen Rüstungen fortfahren. iit der Völkerbundspakt, wie der Locarno- und Kellogpall eine Ironie und eine Vorspiegelung falscher Tatsckchen. In demselben Maße, wie unsere Bestehungen zu Europa wärincr lverden, roerden unsere Rüstungen umfangreicher. Ganz Europa nimmt an diesem Treiben teil, und selbst Präsident C o o l i d g e iit im Begriff, sich dazu zu ge'ellen. Ich werde abwartcn, bi; Deutschland eine; Tages eine schiedsrichterliche Regelung fordert. Dann wird man sehen, was Locarn. zu bedeuten hat. Dies erst wird di: wirkliche Probe an« den Pakt darstellen." * Wir sehen, seit den zweieinhalb Jah-en, dir nach die'e; Rede ins Land gegangen sind, hat sich nichts wesentliche; ver ändert — es lei beim, daß dem „Abrüstungs-Kompromiß zwischen England und Frankreich noch andere Staaten «ick- „dazugesellt" haben,.,und daß alle munter eine rertragli." geregelte Aufrüstung betreiben. Was^Oberschlesien betrin'' so sieht er auch nach de«; letzten B.'obachMnge«; nicht danach aus. als ob Herr Zafeski eifrig erpicht darauf wäre, die völletbundsnotorifch festgestellten Ilebelstände bis zu'«« izächsten Termin im Mai abzustellen. Die Revi ionsfragen — hinsichtlich des Korridors sowohl, wir de; Poungplau: — sind verstummt. Trr blätzliche Silberstreif am Himm:' Frankreichs iit unfreundlichem Gewölk gewichen, aus dem ein Baimstrahl nach dem anderen blitzt: Dreykuß-D:rbot — Weingartner-Verbot — Verbot der deutschen Nationalhymn beim Länder-Fußballspiel. Fair plav, wohin der B i.« sich wendet . . . Selbst der an der stSeine seltene Anblick . 16 (300 Deutscher auf einem Haufen, die bei diese«;' schweren Zeiten keine Kosten gescheut haben und freudig nach Pari; gereist sind, haben dm; Franzosen weniger ein freundliche;^ Lächeln des Wohlwollens abgewinnen könnm. als ein viel sagendes Grinsen. Was endlich die deutsche Fußballmann schast angeht, so hat sie ... ins eigen:, Tor g-schos en und einmal — sportlich — das nachgrtan, was gewif« Jntellek tuelle so oft — „geistig" — vorgemacht haben. Auch hier F a i r p 1 a y. ’ Wie wär's, ihr Liehen, wenn wir unsere immer nur fas-iniert nach Westen starrenden Augen e'nmal nach Norden richten, wo Lloyd George — Wohlunterrichtete wollen es wisfen — der wieder-„ko«;mende Mann" ist? 1