Mannheim
Compact Memory

Der nationaldeutsche Jude · 1931-04-01 · Nr. 4 (April 1931) · p. Seite 3

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der nationaldeutsche Jude
Volume
1931
Issue
Nr. 4 (April 1931)
Date
1931-04-01
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
88% known words query
IRI
…/6682492-5438690-5438884--594-4871775
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Ziomftifche Scbönbeitöhömguineti. Unter der lleberschrist „Der. Tanz ins Ghetto" oben wir m unserer Febsuar-Rummer buchstabengetreu die inladung des jüdlschnationalen Sportklubs Bar Kochba >-eder. in der für ein Ballfest der „jüdischen Gesellschaft" als auptattraktion die Wahl der „schönsten jüdin von trlm“ ,n Aussicht gestellt wurde. — „1 preis: eine reise •ich palastina". Das grobe Ereignis hat inzwischen rogrammgemäh — oder sayt man hier besser: pogromeniäh? — stattgesunden. Zion darf jauchzen: „Ffahemus Linam!" Wir bringen nachstehend einen Ausschnitt aus ein von dem „I s>r a e 1 i 1 i sch e n F a in i 1 i en b da 11" in rciter Aufmachung der staunenden Welt dargereichten Lichtild, auf dem die schönste jüdin von berlin inmitten ihrer cht ganz so schön befundtnen Rivalinnen und der Preistiter (unter ihnen der Zentrums-Zionist Karesli) dar- (.'•tcllt ist. Und die „jüdische Gesellschaft" darf wirk- 1, staunen, denn die von! ihr erwählte Königin ist unter ,l mitabgebildeten Damen! die einzige, die — weitz Gott — .cht im geringsten jüdisch aussieht. Sollte etwa das „ger- >anische Schönheitsideal" schon bis in die Kreise dieser „beuBtcn Juden" gedrungen fein, für die eine reise nach alästina der höchste zu vergebende Preis ist? Wir beocifcfn nicht, dah die Schönheitssucher um Hitler und üoebbels an diesem Bilde ihre aufrichtige Freude haben erden. Ghrljcbes Bptel. Von 8. Na Im übrigen ist der Berliner Schönheitswettbewerb nicht er einzige, den Zionisten veranstalten. Auch in Palästina clbit, in der Geschäftsstadt Del-^xviw mit den „unzähligen mlanteriegeschäften" gibt es gleiche Belustigungen. In Nr. 19 er, „Jüdischen Rundschau" vom 10. März 1931 bebtet ein Briefsteller über die Wahl der „Königin Esthep' - uv die damit verbundenen Aufregungenj Schiebungen, Aufgungen über die Schiebungen usw. , Uüd dann folgen die assischen Worte: > l)er Ausgang des Kampfes ist nicht wichtig. Fin Melan choliker würde sagen, es sei nur natürlich, daß in unserer Zeit die Frau mit den gekauften Wahlzpttdn und dem goldenen Kleid den Sieg davon trägt. (So war eB zufällig auch.) Es kommt nur darauf an zu sehen, mit welcher Leidenschaft hier Qeschmack und Ueberzeugung verteidigt werden, und schließlich noch eine bedeutsame Kleinigkeit: es gab keine Prügel trotz aller Wut. Die Juden sind eben ein altes und zivilisiertes Volk, selbst in dem Moment, wo sie sich mit der Wahl einer Schönheitskönigin oder anderen Wahlen befassen. Man schreit und tobt, aber man schlägt nicht. Das ist ein großer Vorzug. Es ist doch tröstlich .für uns Angehörige des zurückgebliebenen deutschen Volkes, dah, man auch tm_ Jdeallande palästina^-feine Sorgen hat. Freilich: man schlägt nicht — bis zuiW nächsten arabischen Pogrom; unter englischer Protektion/ > —,en. kr. David Lloyd kh e o r g e. der sich mit seinem ü »er* raschenden Ultimatum an die englischen Liberalen' plöl stich wieder in den Vordergrund der»po itischen Bühne gestellt hat und voraussichtlich (vorlLufig!) das jetzt sehr wichtige Porte feuiNe des Arbertsministeriums in Kabinett Mac Donald übernehmen wird, verdient im höczsten Grade unser Jrter- . esse, nicht mir aus dem Grunde, dah er — auch diesseits des Aermelkanals — in vohlunterrichteten Kr« isen als der wieder-„kommende Mann ‘ gilt. Wir haben vor wenigen Wochen in v eien festlich gestimmten Leitartikeln der zehnten. Wiederieh des obefchlesischen Abstimmungst tages gedacht.j aber im ganzen deitschen Blätterwalde. vom linken bis zum rechten Rande, Exit keine einzige Stürme, kein Gefühlston und kein Gedanke rlaut an den Mann des „fair play" erinnert, dem allenProir’s zu verdanken haben, dah es damals überhaupt zu Abstimmungen gekom nen ist — zur oberschlesischon sowohl, wie zu jener anderer in West- und Ostvreuhen. deren zehyten G>edenktag wir vor 9 Monaten gefeiert haben. Dah er von allen Teilnehmern der Pariser Vorkonferenz iri Februar 11919 der einzige gewesen, ist. der nicht aus Glei hgültigkeit und Bequemlichkeit, iroerz aus ‘ noch schlimmeren Beweggründen, Paderewskis und Dmowskis „xthnogravhisches Gutachten" ohne weiteres zur , Grundlage der polnifden Grenzziehung genommen ra ffen wollte, der es vielmehr durch eigene Vertrauensleute an Ort und Stelle nachprüfen lieh. Er hat schwer genug für uns um Aufschub der Grenzbestimmung bis nach Rückkehr der Studienkommission kämpfen müssen, und bei dieser Geisten heit war es auch dah er zornig und angeekelt auf den Verhandlungstisch schlug und sein berühmtes „fair p 1 a y“ dem „Tiger" zwischen die Zähne schleuderte. Vielleicht war diese Geste nicht ganz echt, und sein ausbrechender Widerwille entsprang weniger" dem Herzen, als dem Hfrn, nicht einer neu erwachten Sympathie für Deutschland, sondern der altfiberlieferten englischen Sorge ums „europäische Gleichgewicht". Uns können die Gründe seines zähm Widerstandes gegen Frankreich gleichgültig sein: das für sich selbst — als den „historischen Erben Roms" -- den antiken „1 i m e s“ verlangte, jene germanische Westgrenze also, die sich von Neuwied über Ems, den Taunüs und Odenwald bis zum Neckar hinzoa, und das, damit nicht genug, sich! auch für die Ansprüche seines polnischen Vasallen auf alles Land östlich der Oder einsetzte. Man nehme eine Landkarte zur Hand und sehe selvst. was von Deutschland geblieben wäre, man blättere in den Dokumenten jener Tage und verweile nachdenklich -hei« den erschütternden Srenen eines Kampfes, aus dem Lloyd George schÄehlich wenigstens in diesem Punkte als Sieger hervorging, nachdem er gedroht hatte, die Konferenz zu sprengen und sich für England freie Hand vorzube halten. — Es wäre fein Akt der Billigkeit gewesen und der politischen Klugheit dazu, am oberschlelischen Ge denktage nicht Lloyd Georges zu vergessen. Herr Reichskanzler Dr. Brüning hat am 22. März im Beuthener Stadion eine Ansprache gehalten, in Form und Inhalt ein Meisteiwerk der Rhetorik, wert, in Millionen von ^Flugblättern verv qUältiat, in jedes deutsche Haus und Herz einzugehn. Dem Danke der Ration an die treuen Obetschkefier. die vor zehn Jahren mit der Waffe des Stimmzettels für ihr 7Deutschtum gekämpft haben, hat er den Ausdruck der Dankbarkeit für einen anderen Kampf, einen damals blutigen Kampf, himuqefügt. und damit endlich die bislang schuldig gebliebene Ehrenpflicht einqelöst Männern gegenüber, denen das Vaterlands als es sie nicht mehr brauchte, mit Undank gelohnt hat. vielfach auch mit Verfolgung. Värdächtigung und Verleumdung. -Diese — schönste jr— Stelle per Kanzle rede sosl hier im Wortlaut wieder ^gegeben werden, schon allein deshalb, weil es schade ist, dah Jie mir in wem'gen Blätterig die aber in jüdischen Kreisen mir selten gelesen werden, in unoerstümnrelter Form erschienen ist: „Mit. besonderer Dankbarkeit muh ich des einmütrgen Abwehrkaknpfes der Bevölkerung! gedenken, des einträchtigen Zusammenwirkens sämtlicher Stände und Konfessionen. der selbstldsen Tavferkeit der Selbstschutzkänipfer und ihrer Führer, die ganz auf sich gestellt, sich den polnischen Aufstjändischen entgeqenwarfen und durch ihre tapfer« Gegenwehr, durch dleEroberung des Annabergel,, zu einem guten Teil dazu beige tragen haben, dah veniastens zwei Drittel des Abstimmungsgebietes uns irhalten geblieben sind. Ehre ihrem Andenken! Ehre insbesondere den Toten dieses Heldenkampfes" , Ihren hochpolitisch n Gipfelpunkt erreicht die Kan'lerrede in einem leier! chen Pr ölest geaen die Genfer Entscheidun.g vom 20. Oktober 1921, jenen brutalen Rechtsbruch, dutch den > das oberschlesilche Jndustnerevier zerrissen und iit seinem weitaus wertvolleren Teil

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.