Der nationaldeutsche Jude
- Journal
- Der nationaldeutsche Jude
- Volume
- 1931
- Issue
- Nr. 4 (April 1931)
- Date
- 1931-04-01
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 90% known words query
- IRI
…/6682492-5438690-5438884--593-4871774- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Bücberfcbau. Zur Besprechung sind ein ge gangen: Der Kampf um die deutsche Außenpolitik von " (Paul List Verlag, Leipzig 1931). Wilhelm Mommsen: „Legitime" und „Illegitime" Geschichtsschreibung: eine Auseinandersetzung mit Emil Ludwig (Verlag von R. DIdenbourg. München und Berlin 1930). Georg Widenbauer: Deutsches Blut für Frankreich «Verlag von R. Öldenbourg, München und Berlin 1931). l)r. Alfred Marcus: Die wirtschaftliche Krise der deutschen Juden «Verlag von Georg Stilke, Berlin 1931). E. Pagoin: „Ich bitte u m s. W o r t zur Geschäftsordnung!" (Selbstverlag des Verfassers. Hösel i. Rh. 1931). Weigand von Miltenberg: A d o lfH i t l e r W i I h c Im III. «Ernst Rowohlt Verlag, Berlin 1931).' Deutsche Rundschau «Berlin W30, Geisbergstr. 43). Die Hefte vom Jattkiar 1931 ab enthalten die inr.Leitartikel dieses Blattes erwähnten Artikel über die 'Judenfrage. Die Besprechung der oorbezeichnelen Bücher usw. bleibt einer späteren Nummer dieses Blattes Vorbehalten. Die Schriftleitung. hat sich immer wieder von verbohrten und überheblichen Schrift'gelehrten, die von der längst verjährten Auserwähltheit des ehemaligen jüdischen Volkes nicht loskommen konnten, verführen lassen, nicht anders als vür Jahrtausenden sein zu wollen. Daraus ergibt sich die zur bewußten oder unbewußten Selbstabschließung führende, gleichzeitig verstockte und sentimentale Stimmung, die l)r. Fechter für Deutschland „Antigermanismus" nennt, während sie richtiger für die ganze Welt „Antigojismus" heißen müßte. Diese Juden haben sich - mit schmerzlicher Wollust in die geistige und gefühlsmäßige Haltung des unterworfenen, verkannten, geknechteten Volkes hineingewühlt, und sie haben es als tragische Selbsterhöhung ausgenommen, als man ihnen schließlich fast überall das Skiavenschicksal der unterworfenen Völker bereitete, mit gelbem Fleck. Judenhut und Ghettomauern. Aus den Mauern haben sie dann wieder hinausgestrebt.' die Tüchtigeren, Gesünderen, Einsichtigeren, Entwickelungswilligen mit handfester Eingliederungsarbeit, die -Schlafferen, Selbstgefälligeren mit jener gefühlsselig - egozentrischen Geistigkeit, die - von Süskind von Trimberg über Heine und Börne bis zu Arnold Zweig und den Seinen führt, und mit jenem selbjtoerhöhnenden Spott, der noch heule die Grundform des berühmten „jüdischen Witzes" ifc Als aber die Ghettömauern schließlich gefallen waren, kam die Stunde der zwischenschichtlichen Freigelassenen, die hemmungslos heroorpreschven, jeben erreichbaren Platz in Beschlag nahmen, ihr Emporiömmlingswesen als einzig befriedigende Lebensform weithin sichtbar hinpflanzten und — den stilleren, -Wertvolleren, Zurückhaltenden den Weg versperrten. Der „Kunstbetrieb", von dem l)r. Fechter sp/ach, ist der noch heuke fortgeführte Betrieb dieser Emanzipalions libertiner, verstärkt durch den Zustrom der Ürteilslosen, die — bei den Juden wie anderswo — ewig' in Angst sind, den Anschluß an die interessanteste, „zeitgemäßeste" und deshalb — natürlich — grellste und lauteste Richtung zu verpassen. In unserer Zeitschrift „Der nakionaldeutsche Jude" haben wir uns oft genug mit dieser Menschengattung beschäftigt und mit den Gefahren, die durch diese Form des „Kunstbetriebes" gegen die Verständigungsarbeit aufgetürmt werden. Es sei mir verstattet, hier wörtlich anzuführen, was ich im Dezember 1929 in einem Aufsatz „Jüdische Literaten als Judenfeind e"/schrieb („D er nationaldeutsche Jud e", Nr. 12, 1929), und zwar zur Einleitung einer Untersuchung, die sich gegen Kürt Tucholsky („Deutichland, Deutschland über alles", darin die Feldherrnbilder mit der Unterschrift „Tiere sehen Dich an") und gegen Felii A. Theilhaber «„Goethe, Serus und Eros") richtet. Wir müssen unser Thema begrenzen. Nicht von den Literaten jüdischen Stammes sprechen wir, die sich zu den bewußten Judenfeinden geschlagen haben und gemeinsam mit diesen — verachtet, aber geduldet und benutzt — ihre Stammesgenossen durch gehässige Verallgemeinerung bekämpfen. Auch solche Juden gibt es. getaufte und selbst ungetaufte, wie es stets und überall eine pathologische Form des Renegatentums gab. Aber die Juden, von denen heute zu reden ist, haben sich keineswegs aus der Gemeinschaft ihrer Stammesgenossen gelöst. Manche von ihnen brüsten sich mit betonter Vorurieilsfreiheit. legen besonderen Wert darauf, die Juden nicht auszunehmen, wenn sie irgendeine Erscheinung anschmutzen oder anwitzeln, zu der sie kerne innere Beziehung gewinnen können, etwa die Religion, das Vaterland, die Staatsordnung oder die Justiz. Aber das Milieu, in den; sie haften, ist und bleibt die jüdische Zwischenschicht, di Schicht der Wurzellosen, die ihre alte Tradition aufgegebe,' und eine neue Heimat der Seele nicht gewonnen haben In diesem Milieu der Voraussetzungslosen finden sie ihr, Mitschwätzer. Leser. Gönner und Geldgeber. hierher kehre, sie immer wieder zurück von ihren Ausflügen in die Bezirkder umschmeichelten Proletarier, deren Austehnungswillen sj<- kitzeln, denen sie aber innerlich fremd bleiben, auch wenn man sie zu Soldatenräten und Abgeordneten wählt oder ihren gesprochenen und gedruckten Hetzreden zujubelt. Wa sie kennzeichnet, ist der zur Schau getragene Mangel an Ehr furcht vor allem, was organisch gewachsen, bodenständig, fest gefügt ist oder auch nur war, denn sie fürchten stets, dan Zerrissenes sich noch einmal' zusammenfügen könnte. Jh, Minderwertigkeitsgefühl ist es, das sie dyrch wichtigtuerische Gebaren und „geistige" Unduldsamkeit vor anderen und vo allem vor sich selbst zu übertönen suchen. Von ihnen wolle,:, wir reden, denn sie sind die wahren, die gefährlichsten Juden feinde, obwohl sie es gelegentlich nicht verschmähen, auch n,i sogenanntem Rassestolz zu renommieren. Jede Maßlosigkei. jede Geschmacklosigkeit ihres Tuns, durch ihr aufgeregte Pfauenwesen dreifach unterstrichen, wird der Gesamtheit de> Juden zur Last gelegt, den Traditionstreuen ebenso w denen, die vorbehaltlos in der Gemeinschaft ihrer deutsch, Volksgenossen aufgegangen sind. Sündigt ein Nichtjude, wn leider oft genug geschieht, so sagt man: „Ein widerlich Mensch." Ist es aber ein Jude, so weist das Volk in Fingern auf ihn und spricht: „Ecce judaeus." Zu diesen Literaturantisemiten jüdischen Stammes gesell, sich zahlreiche Helfer. Ihr Wesen ist gekennzeichnet durch ei,, wahrhaft erschütternde Instinktlosigkeit, durch ein Maß d Verblendung, das nur durch fortgesetzte geistige und gesell schaftliche Inzucht erklärbar ist! Ern Teil unserer von Juden beeinflußten Tagespresse macht blindlings jede Schädig,«,«» deutschen Volkswillens mit, wenn nur die Form der Schädi gung „geistig", originell, womöglich sensationell und ver blüffend ist. Es spielt dabei keine Rolle, ob der Mensch, von dem die Schädigung unmittelbar ausgeht, selbst ein Jude iit. Entspricht sein Wirken nur dem Deist der Zeit, wie ihn dies, Leute verstehen, so ist er ihrer bedingungslosen Gefolgschaii sicher." mag es sich um einen bolschewistischen Hetzfilm Handel», um eine an deutschen Geistesheroen durch entfesselte Regisseurverübte Leichenschändung, um die literarische Niederziehung de, deutschen Kriegserlebnisses oder um den Kampf gegen eineis mißliebigen Eesetzesparagraphen. Und in gleichem Sinne wirken jüdische Central- und sonstige Vereine, die sich ihrer Verdienste um die „Abwehr des Antisemitismus" begeister« rühmen, aber jede Arbeit an der Erziehung der Juden zum Nationaldeutschtum beharrlich ablehncn. Sie versagen sich gelegentlich nicht einen lauen , Tadel gegen allzu faustdicke Enl gleisungen, aber im übrigen schreit jede Zeile ihrer alle Ufer überschwemmenden Literatur den Juden zu: „Bleibt nur so, wie Ihr seid! Ihr seid so, wie man Euch brauchen kann! Wer das Gegenteil behauptet, ist ein Antisemit — gegebenen falls sogar ein jüdischer." Nicht einmal aus dem ungeheuren Stimmenzuwachs der Nationalsozialisten haben diese Menschen etwas gelernt! Sie verbeißen sich in das agitatorisch« Beiw-^I der Bewegung, ohne jeden Schimmer des Verständnissed dafür, daß unter dem wuchernden Kraut, das zweifellos eines Tage auch ohne „Abwehr des Antisemitismus" abwelken wird, sic! ein neues, verheißungsvolles Werden regt, daß der absur! schäumende Most sich eines Tages zu einem deutschen Wci, klären könnte, der auch den deutschfühlenden Juden munden wird. Und Jakob Wassermann? Er ist gewiß ein anderc Typ als die Kunstbetriebsamen, die l)r. Fechter im Aug> chat. Aber er «st ein Schulfall des Ressentiment-Juden, d-, zum Nationaldeutschtum, das er fühlt, oerstandesmäßig nickst hindurchfinden kann, weil er jedes unerquickliche Einzelerlebni. oerallgemeinert — wie sonst seiner Meinung nach wohl nur Antisemiten verallgemeinern. Daß er es über sich bringt, di.' schnoddrige Redensart eines überreizten Feldsoldaten zu dc,, ungeheuerlichen Beschimpfung in Parallele zu setzen, mit de, ein Tucholsky unsere Heerführer zu „Tieren" stempelt, ist ein trauriges Zeichen dafür, in welchem Maße auch ein geistig hochstehender Mensch die Klarsicht verlieren kann, wenn er bei persönlichen Verbitterung unterliegt. Aber gerade der Fall Wassermann zeigt auch, wo die Arbeit der oerständigungs bereiten Nichtjuden einsetzen muß. Züchter ein einziger Tuchwlsky Zehntausende von Antisemiten, so züchtet jede Enttäuschung, die einem ehrlich zum Deutschtum strebenden Juden zuteil wird. Tausende von Verbitterungs-Juden, die wieder das Heer der „Antigermanen" vermehren. Gegenseitige Rücksichtnahme nicht nur auf sachlich berechtigte, sondern auch auf nur verständliche Gefühle der anderen, das ist der Weg, der zur Einigung führt.