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Der nationaldeutsche Jude · 1931-03-01 · Nr. 3 (März 1931) · p. Seite 6

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Journal
Der nationaldeutsche Jude
Volume
1931
Issue
Nr. 3 (März 1931)
Date
1931-03-01
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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*r Juden und Landesverteidigung. Ton Oberst s. D. v. O e r t z ein. Das Thema, das ich behandeln will, ist gustevordentlich umstritten, besonders seit Beginn des Grasten Krieges und wieder ganz besonders in Deutschland. Dir einen behaupten, die jüdi'chen Deutschen hätten sich ihrer vaterländischen Pflicht nach Möglichfeit entzogen: die anderen nennen diese Behauptung eine aus der Lukt gegriffene Verleumdung, Beide Parteien haben die Statistik zum Bewcike ihrer These herangczogen. Die Antisemiten stützen sich auf eine Bestandsaufnahme der jüdischen Soldaten, die das Kriegsministerium während des Krieges in -Angriff nahm und die angeblich beweisen soll, die jüdischen Soldaten hätten verstanden, sich dem Dienst an der Front zu entziehen. Tie jüdischen Soldaten haben zum Beweise des Gegenteils zu ermitteln! versucht, wieviele der ihrigen verwundet und getötet wurden. Eine Klärung ist durch diele Zählungen nicht eingetreien: keine der beiden Parteien lieh «ich überzeugen. Die Gogner sind so ineinander verbissen: die Erbitterung ist io grast.! dast eine Diskussion gar nicht meh» möglich ist/ wie ja überhaupt über die Stellung der Juden in Deutschland- und iinter den Deutschen ein Gedankenaustausch. ^ine Nuseinandersitzung mit (Gründen und Gegengründen nicht mehr stattfindet. Beide Parteien «itzen -hinter Wall und Graben und bewerfen sich mit Gasbomben. Verstehen kann man, dast die Minderheit. « die Juden, besonders zurzeit, an diele Dinge nicht erinnert werden mag und «ich sofort wie eine Schnecke in ihr Gehäuse zurückzieht, sobald in ihrer (Gegenwart das Gesprcch daraus kommt: auch dann, wenn der Gesprächspartner di rchaus zu einer ernsthaften Erörterung des Problems b-reit ist. Trotzdem scheint mir «auch im Interesse unserer iiü>i;cf>en Mitbürger) nützlich, die Dinge nicht in dieser Versumpfung zu lassen, sondern notwendig, dast man sich äuseinandersetzt.»ich gegenseitig bester, oder rich'iger gesagt, sich überhau it einmal wieder kennen lernt. Man soll sagen, wieman die Dinge sieht, und anhören, was gegen!das eigne Urteil eingewandt wird. ' , , Eigne Erfahrungen über das Verhalten iüdischevSoldaten habe ich nicht. Ich kann daher nicht aus eignem Miterleben der Verallgemeinerung des Denagens einzelner Juden im Kriege widersprechen, wie der bekannteste Träger meines Namens, der in Svorlkreiien vielgenannte U. p. Oertzen in einer Rede im Reichstage einige Jahrevor «dem Kriege^ Wohl ahcr weist ich. dast in dem Reglmen'te, aiis dem ich hervorgcgangen bin. sich mehrere jüdische Kameraden ausgezeichnet haben und sich deshalb besonderen Aniehentz erfreuen. Von dem' mangelhaften Verhalten eines Juden in j diesem Regiments ist mir niemals etwas zu Ohren gekommen.' Das kann natürlich Zufall sein-, die Vorgänge' in einem! Verbände brauchen nicht tnvi'sch zu sein für die Gesamtheit des Heeres. Ich kann aber keinen vernünftigen Grund dafür finden, dast die Juden «ich ihrer staatsbürgerlichen Pflicht im' Kriege entzogen haben sollten. Die Geschichte des jüdischen Volkes ist nicht weniger kriegerisch als die der anderen Völker. Die Juden haben «ich nicht anders verhalten, als alle arideren, und sich in Sieg und Niederlage als tapfer und rücksichtslos bewährt.- Die Zeit, in der die Juden als, geschlossenes Volk kämpften, liegt allerdings weit zurück. Wenn sie sich trotz des Verlustes eines.eignen Siedlungsgebietes ihre? Eigenart, zum Teil sogar ihre Volkheit erhalten haben lund nicht wie andere Völker in ähnlicher Lage vom Erdboden - verschwunden sind, io wricht das sicher - nicht für Feigheit und Mutlosigkeit. Sie haben sich — dauernd in des Minderheit — dazu erzogen, den Widerstand auch dann nicht aufzugeben, wenn die llebermacht unüberwindlich wai. sondern in diesem Falle dem Kamme auszuweichen. Die darin liegende und oft zu beobachtende Verschlagenheit widerspricht, in keiner Weiic kriegerischer Tüchtigkeit, braucht es jedenfplls nicht. Die List ist ein Kriegsmittel. das durchaus in das Arsenal der erlaubten Kriegsmittel gehört. Nun lagt Dan. dast die Inden sich im Kampfe deshalb lästig zeigten, weil ihre . Art- und Glaubensgenossen stets auf beiden Seiten kämpften und sie deshalb 'befürchten Müstten, im Streite auf Blutsbrüder zu stosten. Man hat Beweise für die Richtigkeit dieser Theorie nicht beigebracht und auch niemals gehört, dast in anderen Heeren solche Wahrnehmungen gemacht sind. Sehr unwahrscheinlich, hast gerade . die deutschen Juden von solchen Skrupeln gequäkt werden sollten. Neulich tand ich in dem Buche eines Amerikaners über die Vaterlandsliebe der Franzo«en folgende Aussage über die Stellung der französischen Inden zur Landesverteidigung: „Die Masse der französischen Juden unterscheidet! sich von anderen französischen Patrioten nur durch die Religion und auch die«e steht auf nationaler französischer Grundlage." Die Juden handelten ja auch unvernünftig, wenn sie nicht für den Sieg des eignen Landes arbeiteten. , Gerade wer ihnen besondere Besitzfreudigkeit glaubt Vorhalten zu sollen, wird diese Erwägung nicht einfach beiseite schieben dürfen. Richtig ist, dast viele Juden sich dem radikalen Pazifismus angefchlossen haben, und dast einige'von diesen Juden . sich offen rühmen, im Kriegeden Drückeberger gespielt!,u haben. Männer mit jüdischen Namen kämpfen in vorderster Linie für die Kriegsdienstverweigerung. Ob aber die Juden heit in diesen Kreisen zahlreicher vertreten ist. als andere Stämme und Konfessionen, weist ich nicht. Es wird sich auch kaum feststellen lassen. Die Tatsache, dast auch Jude«, sich unter den radikalen Pazifisten befinden, würde nicht so von den Judengegnern ausgenutzt werden können, wenn dien Pazifisten sich nicht gerade auf ihr Judentum beriefen und ihre Nie-wieder-Krieg-Gesinnung geradezu für einen Bestand teil des wahren jüdischen Wesens erklärten. Man schreibt, in den pazifistischen Blättern sogar, die Gegnerschaft gegen die Juden beruhe viel weniger auf antisemitischen^ als a»> antipazifistischen Erwägungen. Diese Identifizierung« zweie, Dinge, die gar nichts miteinander zu tun haben, des Pauki: mus <in seiner radikalsten, auch von den wirklichen. Pazifisten abaelehnten Form) und des Judentums, wie sie von manch? Seite vorgenommen wird, treibt Wasser auf die Mühlen de. : Judengegner. Der Einwand, es handele sich doch nur um eine kleine Gruppe, die sicher nicht von ihrem Judentmn in das Laaer der radikalen Staatsfeinde getrieben sei, lehn! inan spöttisch ab: die Juden sagten ja selbst, jeder wahie Jude müsse sich zum radikalen Pazifismus bekennen. Wir wissen, dast die überwältigende Mehrheit der deutschen Juden anders denkt: sie hat aber nicht die Möglichkeit. Einslust an« ihre andersdenkenden Reliaronsgenossen zu nehmen. Wenn man aber einmal über das Problem spricht, wäre verfehlt, an:- Courtoiste über das hinipegzugehen, was man doch nichl bemänteln kann. Ich habe offen meine Meinung gesagt: sie wird nickt vielen gefallen. Von jüdischer Seite kann man mir vor werfen, ich spräche Selbstverständliches aus und schon darin läge eine unangebrachte Kritik. Ich könnte diesen Vorwuri verstehen: aber meine, wem nicht gegeben: ist. Neues lBeiferes) zu sagen, der must sich mit Wiederholungen begnügen und tut damit nicht einmal'immer etwas Unnötiges. Nachwort. Der liebenswürdige und ehrlich objektive Verfasser des vorstehenden Aufsatzes bringt selbst zum Ausdruck, dast seine Ausführungen das Problem nicht erschöpfen. Es ist wobl auch kaum möglich, im Rahmen einer kurzen Abhandlung alles zu sagen/ was über diese Frage gesagt werden könnte und müstte. Der Vorwurf, dast ,chie Juden" sich im Kriege mit Vorliebe „gedrückt" hätten, wird trotz aller Wider legungen von jüdischer und nichtiüdischer Seite immer von Zeit zu Zeit neu aufgewärmt. Die Parteien und Gruppen, die glauben, die Judenhetze als Agitationsmittel nicht ent bchren zu können, werden auf den Vorwurf der jüdischen -Drückebergerei auch in Zukunft nicht .verzichten. - Was Zaun dagegen geschehen? Zunächst einmal — trotz allem — eine völlig einwand freie und jeder Nachprüfung standhaltende Statistik. Der ,.N e r ch s b u n d jüdischer Frontsoldaten" bereite! eine Zusarnmenstellung der jüdischen Gefallenen vor. die dnr>h ganz genaue Angaben über Namen, Truppenteil. Verlust listen usw. dartun soll, dast tatsächlich mehr als 12 000 iübiüf: Kriegsteilnehmer gefallen oder an den Folgen ihrer Krieg: Verletzungen gestorben ' sind. Durch diese Zusammenstellung wird der N. j. F. eine Aufgabe lölen, die verdienstlicher ist, als manchcs, was sonst in diesem Bunde getrieben wird, in: besondere verdienstlicher, als die von uns stets bekämpflen Bestrebungen, durch geschlossene jüdische Landsiedlungen auck den für die Landwirtschaft geeigneten Teil der deutschen Juden zu ghettoisieren. Auch eine solche Statistik wird natür lich dse gewerbsmästigen Hetzer nicht verhindern, die Be Häuptling der jüdischen Drückebergerei zu wiederholen, aber ein wirklich unanfechtbares Zahlenmaterial kann doch dam diesen, manchem nichtiüdischen Volksgenossen, der guten Willens, wenn auch bisher nicht.frei von Vorurteilen ist. d>? Augen zu öffnen. Im übrigen ist mit der reinen Statist«! selbst das zahlenmästige Problem natürlich nicht erschöpf!. Die nackten Zahlen bedürfen der Ergänzung durch Er örterung der Faktoren, die sich z. B. ans der Benifsschichttmg, wie sie vor dem Kriege bestand, ergeben. Anfschlustreiche Au sätze zu solcher Answerttmg finden sich schon jetzt in der „ZeitschriftfürDemographieundStatistikder Inden": die eigentliche Ausgabe kann aber erst in Angrn« genommen werden, wenn die Arbeit des R. j. F. beendig! ist und die Zahl der Gefallenen einwandfrei feststeht. Wichtiger noch erscheint uns die Frage: wie hat sich i »> Laufe des Krieges die Zahl der jüdischen Frontkämpfer verändert und wieweit ist, wenn Veränderungen vorlieaeu, an ihnen die Behandlung schuld, die man dem jüdischen Frontkämpfer in manchen Truppenteilen hat angedeihen lassen? Heber diese Frage, die in der bisherigen Erörterung„stets f nur gestreift worden ist, soll demnächst von einem jüdischen _ Frontsoldaten an dieser Stelle gesprochen werden. Die Schriftleitung.

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