Der nationaldeutsche Jude
- Journal
- Der nationaldeutsche Jude
- Volume
- 1931
- Issue
- Nr. 3 (März 1931)
- Date
- 1931-03-01
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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T'""’ WWWWWWWW WWWWMWWWMWWWWW WWWW Zur Rcrmänn 9Krtb-ßewcgutig. I! Von frtcdrfdi von Oppcln-Bronikowehi. Einerseits Baimsprüche und Warnungen der Fachgclrhrten der „Gefährlichkeit" dieser neuen Rassentheorie, andererls Begründung einer Hermann Wirth-Gesellschaft, die Inistxn über sie herau-gibt. das Für Und 4Vider einer neuen, nitrittcnen Idee. Wirths „Aufgang der Menschheit" ist an-> einend eine gewollte Antithese zu Spenglers „Untergang H Abendlandes", und doch berühren sich beide Werke in H-i, er weltenwciten Synthese wie in der Verkett» ng der irainiig- .lUlittcit wissenschaftlichen Disziplinen mit den brennendsten ktilsragen mid in der Untergangsstimmung gegeniiber einer i, Technik und Materialisirus veräuhqrlichen Kultur. Zwei Propagandaschriften erschienen in kurzer Frist i», Bcrlag Eugen Diederichs, der bereits de» Mut aufgebracht l^ilte. Wirths Hauptwerk oder doch dessen ersten Band zu neiosfenllichen: die eine von Wirth selbst: „Was heiht deutsch? li n urgeschichtlichcr Rückblick zur SelbstbeHnnung und Selbstt stiinmung" mit 17 ^Bild und Schristtafel» im Anhang, u Id die andere-von Siegfried Kadncr, einem zum Paulus wordenen Saulus: „Urheimat und Weg des Kulturmeiiichcn". mit 8 Bildtafeln und 31 Tqrtbildern, eine gemeinvu'ländliche Einführung in Wirths Geisteswelt. Beide iinv vj>» der Erkeimtnis diktiert, i das, das^ dicke, kaleidoskopische Buch. in das Wirth seine Lehre hinemgeh.imnist hat, durch 'Kreis. Umfang und Schwierigkeit d»s Inhalts für Viele i.uerreichtar ist und das; es daher ku:zgefafzter Programmick listen bedarf, um weitere Kreise zu interessieren. Beide geben von der Fachwisscnschast aus. deren Ergebni se sie unter u.iien Gesichtspunkten weilertrciken: über beide könnte nur Nr matzgebend .urteilen, der in minrejtens ciiiem halben 7 iil-end Fachwistensck asten zu Hause wä:e. die jede de» Einsatz estics ganzen Menschenlebens erfordern, iljndeit ist eine Kritik fast unmöglich: : fit' Methode als solche beziehen. Wieder aktuell! Von deutscher Zukunft Zwei Aufsätze von M Preis 75 Pf. Zu beziehen dur Als geistige Tat preist : Kadner hcorie, die das einst von Gobineau c Ufgeworfene Problem Unter solchen Umsie kann 'ich nur auf ar Naumann h die Geschäftsstelle. die Verkettung einer „arischen" Völker bis brennendsten Tagfsser Gegenwart: ohne vielfach mit der nationalsozialistischen deckt, so geht sein Rassenfanatismus doch noch viel rdeiler. Rassenreinheit im Sinne der von ihm postulierten Atlantischen Urraüe gibt es feit Jahrtausenden überhaupt nicht inehr, weder Europa noch sonst wo. Es gibt nur mehr oder minder entartete Misch- und Verfallsformen mit zeitweisem Wiederaufdämmern des geistigen und blutmöszigen Urterbes. Auch in einem nordischen Körper kann eine ostisch: Seile mit ihren niederen Instinkten wohnen: ebenso ist das Gegenteil möglich. Selbst die Edda, die Bibel derer, die nach. „Aufnordung" rufen, zeigt durch die spitzfindige Verschlagenheit ihrer Rätselgespräche ostiiche >Ein-. schlage: vollends der Lvotanskult und die „trunksüchtige Tafelrunde Walhalls" der >,,spicl- und sauflustigen" alten Germanen sind „ostische" Entartungen des reinen Urglaubcns. Umgekehrt zieht Wirth trotz.aller heftigen Polemik gegen die jüdisch-christliche Theokratie, die er in Gegensiitz zu der „atlantischen" und lutherischen Gottcsfreihcit stellt, immer' wieder Material für seine „atlantische" Urreligion aus dem Alten und Reuen Testament, aus jüdischen Bräuchen unddem katholischen Marienkult,! vollends aus der babylonischorientalischen Astronomie. Und das chäre kein „Eklektizismus"? Was bleibt da schliehlich positiv übrig? Alles-und nichts, je nach dem Wunschbild der Theosic. Entwertet sind die Edda, Homer und Bibel, die dreifachj: Wurzel unserer .Kultur, und uns bleibt nichts als.eine primitive, abstrakte, „moralinfreie" Naturreligion, dis >ich im Erlebe» des Iahreskrcislaufes erfüllt. 'Demgemäs; ist auch die ganze moderne ' Zivilisation und Technik nur' wert, das; sie zugrunde geht. Ronsseaus Rückkehr zur Ratur, der Agrarkommunismus der Hebertisten in der französischest Revolution und di: Allmende unserer Altvordern bringen allein das Heil. 'Rur eine Bodenreform. die jedem sein Stückchen Erde sichert, die Befreiung der Wirtschaft vom „Alberichfluch des Geldes", das Verschwinden der Städte, der Fabriken und der Technik wird das Leben wieder lebensweirt machen, in das verlorene Paradies zurückführen. Wohin dann freilich die Millionen Deutscher wandern sollen, die die „Mutter Erde" nicht ernähren kann, sagt Wirth nicht. In 'dieser radikalen Zielsetzung, dem Willen zur Primitivität, ordnet sich Wirths Lehre in den eutoväischcn Nihilismus der letzten 150 Jahre ein: Flaubert, Schovenhauer, Nietzsche,! Tolstoi, Rilke! «im Stundcnbuch) und hundert andere sind ihm vorausgegange». Insofern bringt, sie also nichts Neues: sie ist nur ein Symptom der romantischen Zertkrankheit, und man könnte die Akten darüber schlichan, böte sie nicht aüch neue, fesselnde Probleme, die sich nicht cmfach negieren lauen.! i ' t allein külturschöpferischenKraft der in! die Steinzeit zurückverfolgt, mit den kragen und den wirtschaftlichen Nöten :>§ie Nützanwendung. sagt er, wäre Wirths Bemühen „nur 5 rang nach Wisscnsaufsp.icherung und gnstirer Grohmann;- sticht" und verdiente den Vorwurf des „Eklektizismus". Man in im genau der entgegengesetzten Anncht seist. Hat etwa 7 ärwin seiner grundstürzendcN Entwicklungslehre eine, ähnliche Ztzanwendung gegeben? Ustd rerdient er darum den Vor- : Irf der Mi sensaufspcichcrung und der geistige» Grofzmanns- '-cht? Er keschied sich damit, eine neue wissenschaftliche Gründete zu schaffen, in der Erkenntnis, dah sie zunächst einmal " r Nachprüfung, Ergänzung und Berichtigung bedürfe, bevor zu ethischen, religiösen, kulturellen und politischen Postuchi, ausgemünzt werden könne. Solche ^Sclbstbescheidung fst wohl höher als der heute übliche Sprung aus der 'udierjtube in die Arena der Tageskimpfe. der nur Veritrung stiftet. . » Der Widerstand der Fachwissenschaft! ist hieraus erklärlich. ’ emo aus dem Beifall der Nichtkompetenten, und soweit . steht die Warnung vor der „Gefährlichkeit" der Wirthschen hre zu Recht. Dennoch iit'diestr Widerstand zu bedauern, »n das Problem als solches ist durchaus emst zu nehmen nd kann befruchtend wirken, auch wenn manche Einzelheiten r Kritik nicht standl>aI1en.' Sowohl djer Darwinismus wie I obincaus Rassenlehre ist heute z. T. überholt, und doch »rlt der Entwicklungs- und Ra'sengedchnke auf,allen mög- 'chen Geistesgebieten befruchtend wei'er. ' Mag also die Fachi'iensckiaft noch so vieles an Wirths Theorie beanstanden. bleibt doch sein Verdienst, dah er in einem.Wust von '«atcrial zur Vorgeschichte neue Zusammenhänge intuiliv er- >uiit und Probleme ausgerollt hat, die. wenn auch nur etwas?o.» ihnen bestehen bleibt, Licht und Ordnung in ein Chaos bringen köimen. Daim — aber erst bapnj — wird es auch >u der Zeit sein, Nutzanwendungen füribfe Gegenwart daraus zu ziehen, statt schon jetzt aus einem Vejcg von Hypotheken, me neue Religion zu destillieren. . . . An aufpeitschendem Radikalismus fehft <s Wirths Theorie nicht. Wenn feine bitterböse Kritik derGegenwart sich auch l)as komfortable Sketto. In der Sitzung des Preuhsschen Landtags vom 2. Februar 1931 führte der Abgeordnete Mentz «Wirtschaftspartei) in einer Rebe über Wohnungsfragen folgendes aus: „Wenn Sie von der Schichtung sprechen, dann möchte ich Sie bitten, Herr Minister, mir eins zu sagen: Warum nimmt man heute die Postbeamten, die Polizeiöeamtcn, die Strafanstaltsbeamten, die Eisenbahner, die Eemeindcbeamten usw.! für sich, und immer fein säuberlich nach der Besoldungsgruppe getrennt? Warum scheidet man sogar nach konfessiostellen Eesichtsounlten und schafft katholische und evangelisch: Siedlungen? Jüdische Siedlungen findet man nicht: denn ein neues Ghetto wollen' diele Herrschaften nicht aufinachen, daz > sind sie viel zu klug." Wie schlecht kennt man a n „anderen User" die Juden. Wenn unsere Regierungszionisten, wie zum Beispiel Herr Ministerialdirektor Dr. Badt ober Herr Ministerialrat Goslar, die Zeit haben sollte», jene Rede zu lesen, so werden sie vielleicht für den guten Wink dankbar sein und dann wird sich demnächst in einer schön:» Gegend des Gruncwalds, erbaut mit Haus.zjnssteuermitteln. eine jüdische Siedlung mit allem Komfort der Neuzeit erheben. Das wäre freilich viel leichter, als die Besiedlung Palästinas, und au.h» viel sympathischer für die viel zu Diele», die sich und anderen einreden wollen, sie seien Ziostisten, die aber davor zurückschrecken, den immerhin doch noch gcjnz angenehmen Aufenthalt in Deutschland mit Palästina zu vertauschen. Ein grohes Cafe wird ja in dieser Siedlung nötig sein, aber schwerlich eine Synagoge. Viel wichtige» wärej ein Kabarett, wo inan sich an „jüdischen" Witzen erbcuen kann, und wenn dann in diesem Saal zu 'den hohen Fvertagen ein Hilfsgottesdienst eingerichtet wird, dann würden auch die religiösen Bedürfnisse der Bewohner dieses niuen Ghetto völlig befriedigt sein.! XV. 8.