Der nationaldeutsche Jude
- Journal
- Der nationaldeutsche Jude
- Volume
- 1931
- Issue
- Nr. 3 (März 1931)
- Date
- 1931-03-01
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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I!■ 'V J>'" I Signora franhen|ftcfn| in Berlin MH Eine »taüemfcbe Chcatcrauff Iit rung - und was man vop »kr lernen kann. c iVl 1 i 3n den letzten Wochen ginn über namhafte ita Bühnen von Rom, von Mailand, von "Bologncj Floren; ein Theaterstück, das, den anlockenden, Titel .Ta ^i^nnra Branlcenstc.in,, 4 atti dall’ ambiente < lino“. 'Jllio 4 Akte aus dem Berliner Dunstkreis „Dichter" iit Herr Roiio di Tan Tecondo. der ichb öfteren nicht schlecht gezimmerte Theaterstücke seinem vorg-eführt hat, ohne Latz es ihm gelungen wäre, die L> kröne des wahren Pvetcn z:^ erwerben. Tn diesem das sei gleich betont, hat die italienische-Presse zum Ttück abgelehnl, vor allem aber aus lunitkrilüchen und technischen Gründen, die uns hier nicht interessieren. Zeitungen haben auch itofftritiidi bemerkt, daß Berl Deutschland doch wobl anders ausiehen .mühten, ab Roilo di Tan Tecondo iie angetrosfe» .hätte. Ab waren nur. einige "Blätter, und das große Publikikii! italienischen Ttädtc. ,itets eifersüchtig bedacht, die ronsa Kultur und Titte vor modernen Attacken des 'im Nordens zu bewahren, hatte wieder einmal! 'eine nicht Gelegenheit, über Deutschland, Berlin und Frau-, F Nein zu lachen. Denn Herr Roiio di Tan Dccondo be von Frau Frankenitein aus.Berlin 'Wannlse. iie sei d der echten Berlinerin "von heute, ihre Zdeen und cücn, ihre Umgebung und deren Ziele, das söien die Tntcrclsen und Ziele von toul Berlin, r on tout D fand. Und nur deshalb haben wir einigem Grund, deutschen Zeitungen ein wenig von Jvran Frankenit reden, von ihrer 'Beurteilung durch das Ausland auch von ihrem Namen, den ihr fraglos cr>t ihr ipr > d vom Dichter eingehauchrer Charakter verschafft' hat. Das, dieser ttlame jwdi-ch iß i:in Zu'ail. Noüo di Tan Tecondo legt seinem Ttück die Tendenz „die Juden" seien in Berlin die geütig Führeüden, „j Ideen seien es. die Frau Frankenitein verkündet, unt> jüdischen Ideen seien gleichzeitig heute die - Ide Inlelligcin in Deutschland. Wie kommt cs, daß Leu anderen Ufer" und noch dazu Ausländer, j in einem das heute ebenso wenig wie vor Jahrzehnten einen wi Antisemitismus kennt, für nianche grotesken Erichen u uniercs öffentlichen und privaten Lebens inj Deutichlanp Tudcn" als llrhcbcr und Träger , anichen - u i o >cben, wie Herr Roi'o -di Tan Tecondo tu seiner T Frankenikein'? ' . Frau Frankennein ckß eine re:ä^"Da:ne in einer Billa in Berlin Wannkee. Witwe mik.T Kindern, 2 I und einer Tochter. Trotzdem iie also in - mehrfacher sicht, reich gesegnet zu sein sch-int, hißt, iie die Meniche verachtet ihre Dummheit. Tie ielbit, . klmz und wer .Kommunistin aus Edelmut:', «olchr Billcnbewohner nenn ja wobl Edelkommuniiten. Tie umgibt sich;uni Kummer ihrer durchaus bourgeoüen und „zwuchenichicht Töbne mit Leuten aus dem „Berliner Volt", wie italienische, Berfgäer »seht: Tektirern, Arbeitern.' di ienische i von führte: i Bar- \ Der n des Volke kjorbeer- Falle, das i heater- ' Nanche n und Herr r das lt der litauische i uhigcn chlechte ankenlfauvtet Tnv Inter- Ideen, eutichuch in in .zil und ikischcr d<r V' fl Bürgertum physisch und symbolisch bespucken, bohemel gleichfalls edclkommuni>tiichcn. Malern und Journal Modellpüpvchen und Damen auf dein W-ege voä und Ttraße. Tolche tteute liebt Frau Frankenitein aus und kommunistischen Haszzielcn heraus, aber ebenso seht: Reiientiment. Einem Ressentiment gegen „die Anderen i Korrekten und Tauberen, die iie. die intellettuelle. nicht in ihre eigenen Talons zulaiien und über iie stattiie zu bewundern, ihren Geüt, ihre, VorurteilslH und ihren edlen MeNichheitsiinn zu prciien, Die - einerseits gefühlsmäßig der Mutter nahestehend, ande Fie ob der Vergeudung ihres Vermögens bekämpfend. •_ die Einerseits Andererseits-Men'chen durch alle 4 Atzt« ' verlieren ihre sprichwörtliche jüdische. Anhänglichkeit Ti Mutter erit endgültig, als dieie, um ihnen und der^ feinen Gesellschaft von Berlin-ckl?anniee einen Ttreich zu ' ein verarmtes, verwaistes und goldblondes Mädelcher ff. adligem Hauke an Tochteritelle annimmt, gleichzeiti schwarze.-leibgeborene und ebenfalls das Geld - itatit Kommunisten — liebende wirkliche Tochter verstoßend. „Drama" zeigt dann weiter, '.wie dieie atis Hylterie Neikentiment, verbohrter Ideologie und bodenlosem In! lualismus zusammengesetzte Frau durch das stille blonde langsam zu einem halbwegs brauchbaren Menschen ge wird, wie He dieses fremde Kind von Tag ■ zu Tag und inniger liebt, wie sie. der „Efeu" «sagt der T sich um das Edelitämmchen rankt, aber mit solcher Und aufdringlichen Bemühtheit. daß ihre Liebe faft und Ziel zu haben scheint: und schließlich zeigt der „Dichter" wie im Endkampfe die Mutter sich doch wieder ihres ei> jenen Blutes erinnert, zur eigenen Tochter hältund die B onde wcn Dich Herr unter: üfdiiche" dieie der „vom?ande, isklichen ingen „die sie gnöra keinen öhnen Hin- und ne, vr man' g:ößte cs en ichen" der das aften,' iktcn., u der ipcalen aus die südin, achen, igkeit öhne, rseits eiben und r die canzcn chielen, aus jene der Das und ellek- Kind delt echter ter), >ähen Äert Vo» I^rinr H. Ludwig (Rom). ziehen läßt. Die bourgeoisen Tühne allerdings, die das Geld doch zu sehr lieben bleiben für iknmerdar ihrem.Herzen fern. Drei Punkte. Vcrhang. — Nicht dieses außergewöhnlich schlechte und kitschige Ttück steht zur Diskussion, sank ern die Behauptung, dies se^ Berlin und dies leien „die" Tu >cn. Wichtig i;t allein die Tatsache, daß dem Ausland in vielen Aufführungen und vielen Ttädten dieses angebliche Gemälk e Berlins und der Berliner Juden vorgeleht wurde. Der D irchschnittsitaliener^der selbst Deutsch land und Berlin nicht kennt, muß glauben, der angebliche Landcskcnner Rono di Tan Tecondo habe richtig gesehen und io kei Berlin, io seien die Juden, die den ,,Dunstkreis" dieses Berlin bestimmteil. Wie kam es. daß Herr Roüo di Tan Tecondo die D nge so sehen und so weiterberichten ksnutf"? Gibt es diese Frau Frankenstein in 'Wirklichkeit'." Die ehrliche Antwoit muß lauten: Es gibt hysterische Wciber beiderlei Geschlecztes. die vielleicht nicht mit allen Tugenden der Frau Frai kenitein auf einmal ausgerüstet, aber ihr doch nahe genug sind um bie und da mit ihr verwechselt zu werden. Es gibt a u ch - d e u t i ch e Juden, die voll Und von. Neiscntiment gegen die „Anderen", voll von wurztlloier Intelligenz und de trukliven politischen und kulturellen Vcrbvhrthcrten. Tie wohnen in Villen oder in reichen Häuiern des Westens und ziehen u ie Magnete alles an sich heran, was sie für Literatur. Kunt. Politik und Intelligenz halte». Und da dank einer fluchioürdig guten Reklame und Lrgani iation der Ausländer von „deutschen" Buch selbst in deutschen Lüden, vor allem aber i i den Lüden des Auslands, immer nur die Zweig u.nd Feucktwanger, die Tucholsky und Taggcr zu ieben und zu'lesen be ommt, kö wird er geradezu darauf hingclcnkt, eine seelische Uebercinstimniung dieser auch deutschen Kunü und der Dame Frankenitein der Bühne mit der wirklichen deutsche z Literatur und der wirklichen Dame der guten Berliner Gesellschaft anzunehmen. Danach mißt er dann Berlin und die t eutichr Kultur. Uns deutschen Juden, üns Juden, die wir selbst im Berliner „Dunstkreis" leien oder gelebt haben, obliegt die Pflicht, gegen dieie Auf'assung Protest zu erheben. Das können wir nicht in der Weiie tun, daß wir gegen unsere eigene , Ueberzeugung di' Eiiücnz der Frau Frankenncin 'leugnen, sondern nur dadurch, daß wir sie auf den Platz verweilen, der ihr gebührt, daß wir uns gegen die Ver allgemeinerung einer auch uns sympathischen Erscheinung wenden, die wiej die Karrikatur Frau immer noch Beites der inneren allein unserem DentschlanT verdanken, die aber trotzdem nur „Ei'cu" gcblfeben sind, die nicht Wurzel schlagen können. Aber dieie Juden - wir neu len sie die Zwischenschicht — sind nicht „die" Juden, iie iiub auch nicht bie Berliner Juden und iie sind nichts wenii er als Berlin, nichts weniger als Deutschland. Man überschätzt im Auslande ihre Wirkung, weil iie und ihre Cligue es verstehen, durch Geschrei soviel" von sich herzumachen, dqß die bescheideneren Ttimmen der »n höchsten Maße un- Es gibt deutsche Juden, Frankenitein — zwar ihr und äußeren Entwicklung wirklichen Deutschen eins Juden kaum mehr gehöit gehen haben, um diesen Erscheinungen das Handinerk zu legen, Zeitschrift der n a t i o n c gepredigt worden. der Frau Frankenitein zu vergegenwärtigen, wie 'ießlich der vielen deutschfühlenden werden. Welche Wege wir zu unsympathischen und gefährlichen Ht, gerade in dieser ldeutschen Juden oft genial Wer sich durch die „Ttimmen vom anderen tlfer", die aus Deutschland selbst ertönen, noch nicht hat be lehren lauen, dem kann e > dienlich sein, iich an dem Beispiel ittd ihrer Auslandswirkung immens groß der Tchaden iit. der durch dielen- Typ angerichtet wird, und daß dieser Tchaden in gleichem Maße die den ichen Juden wie das ganze deutsche Volk trifft. — Verband snackrickten. 6. Februar d. I. sprach an einem — leider Vortragsabend Herr Geheimer rg Cleinow über das Thema: oblem des Oltens und die 'Rede gehaltene Vortrag, der von des als vorzüglicher Kenner des Berlin. Am wenig gut bemchlen Regierungsrat Gei „Das nationale Pr Juden." Der in freier den reichen Erfahrungen Ostens betannten Redners ausging und durch die Erzählung persönlicher Erlebnisse gewürzt war, fesselte die Hörer vom ersten bis zum letzten W rrte und regte eine lebhafte Ausspräche an, die sich noch fortsetzte, als Herr Geheimrat Cleinow selbst, der unmittelbar vor dem Antritt einer Dienstschön zum Bahyhof geeilt war. aus den interessanten Vortrag noch reise stand, Wir behalten uns vor ausführlicher zurückzukommen. Der Vorstand. r