Der nationaldeutsche Jude
- Journal
- Der nationaldeutsche Jude
- Volume
- 1931
- Issue
- Nr. 3 (März 1931)
- Date
- 1931-03-01
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Theatrum Specta Zur gleichen Zeit, als der Berliner Blättern ald vom Lärm um den Remarquefilm. widerhallte - - andere Sorgen haben wir bekanntlich nicht —. wühle die Linkspresse triumphierend zu berichten, der französische Dramatike: Richepin habe das Uebersetzungsrecht für „Affäre Dreyius" erworben und werde das Stück im Theater „Nouvel-klmbigu", Paris, zur Aufführung-bringen.... Welche Gegensc tze! Hier ein reaktionäres, nationalistisch verbohrtes Deutsch! und, das sich der im Remarquefilm enthüllten Wahrheit krampfhaft ocrschlieht, dort das freiheitliche Frankreich, in stolz, r Demut bereit, aus den Sünden einer überwundenen Epoche :u lernen. Monsieur Richepin zu Paris und Herr RehZisch zu Berlin, zwei vorbildliche Europäer, reichen einander die Hönde, und beider ausgestreckle Arme schlagen die völlervei bündcnde Brücke über den Rhein. Dhne der literarischen K:itik vorgreifen zu wollen, könne man Voraussagen, die »ffentliche Meinung Frankreichs, des Geburtslandes der liumanae, werde auch bei dieser Gelegenheit sich seiner edlen Traditionen würdig erweisen. Für eine — mit Recht so stolz, Ration, wie die französische, bedeute es eine harte Probe in den Zeitspiegel zu schauen, den ein Deutscher uhr da rntc egenhält.. Wenn aber, woran nicht zu zweifeln sei, das Elhos. der Menschlichkeit über den Rationalstol; siegen ' wert e, wenn im Theater „Nouvel-Ambigu" Parkett, Ränge und Galerie dem Genius Reu-Deutschlands, verkörpert in Herrn Rehfisch, stürmisch applaudierten, so werde die Welt wissen, dah die Pariser Beifallssalven klatschende Dhrfeigen sind in^ Gesicht der Berliner Reaktion. — Wenn auch nicht mit diesen Worten; so, doch <ianz und gar in diesem Sinne haben unsere unentwegten P ropheten der Völkerversöhnung geweissagt, leider aber kam es, wie io on 'chon, auch jetzt ganz anders. Schon, die Voi Verhandlungen waren geeignet, alle Illusionen zu! zerstören: Monsieur Richepin schrieb an seinen cvntrater in Xpolline Hecrn Reh fjich. das Pariser Publikum werde an, dem deutschest Autornamen Anstoh.nehmen, er müsse daher hie Bedingung stellen, seinen eigenen R a m e n als den des Berfasters auf den Theaterzettel zu setzen. Auch auf Herrn Rehfischs persönliche Anwesenheit bei den Proben und der Premiere müsse man.bedauerlicherweise verzichten. Damit nicht genuil, behielt der Ucbersetzer sich vor, das Stück „einer Bearbeitung zu unterziehen"....' Der grohe Rehfisch und sein kleinerer Mitarbeiter Hütten besser getan, ihr Stück zurückzuziehen, statt sich solchen nicht gerade schmeichelhaften — Bedingungen zu fügen. Denn trotz allen Maskierungen und Frisuren Konzessionen an den volkstümlichen Geschmack der Pariser — zeigt „L’affaire Dreyfus“ nun einmal gewisse Züge, die jedem Franzosen fremd und unsyinpathii'ch sind: > an der Armee? Das wäre! Wer! sie verübt, kann nur ein Batcrlandsverräler sein,— oder ein Boche. Und chon bei der ersten verfänglichen 'Szene machten entrüstete Galeriebeiucher ihren Herzen mit dem Rufe „ä bas le Boclie" Luft, einer dort sehr beliebten Wortwendung bekanntlich, )ie schon aus Gründen der Rhythmik und Alkilteration dem pa> iserischen Sprachgefühl ungemein zuiagt und —'vom ganzer Hause wohlgefällig ausgenommen -- auch, an! diesem Ab:nd von Mal zu Mal chorartig wiederholt wurde; Kur; unk schlecht: Die Pariser Premiere der „Affaire Dreyfps" hat sich zu einem Theaterikandäl gestaltet, mit dem verglichen alle Blindschleichen und weihen Mäuse der Berliner Rema qyefilm- Aufführung — sozusagen — verblassen müssen.... - Sehr peinlich, in der Tat! Run gehört es zu den redaktionellen Gepflogenheiten jener sonst durchaus achtungswerlen Zeitungen, die in jüdischen Kreisen regelmähig gelesen werden, dah sie über peinliche .Dinge nach Möglichkeit — nicht berichten. Das ist-keine Kritik, sondern ,Feststellung. Die Frage, ob es Ps licht der Publizistik ist, die Deffentlichkeit über alle gtmosr Hänschen Stimmungen und Strömungen der Wellmeinung arch dann, oder vielmehr gerade dann zu unterrichten, wenn sie dem jeweiligen Kurse der eigenen Politik zuwiderlausen, - ob es nicht am Ende ebenso irreführend ist. die Wahrheit zu verschweigen. wie die Unwahrheit zu sagen, diese F>age soll hier unerörtert bleiben. Tatsache ist, dahl die Berlin;r.Linksblätter über die bevorstehende Pariser Aufführung der „Affaire Dreyfus" in einer Form schrieben, als handele es sich nicht Von H. N a ö t. um eine Theaterangelegenheit, sondern um ein von politischer Sensation. an den doch immerhin sehr wenig .würdigen Aufführungsbedingungen aber sich völlig „desinteressiert" zeigten ünd vom Fiaskos selbst entweder gar keine Notiz brachten oder doch nur eine in ihrer Flüchtigkeit und Oberflächlichkeit nichtssagende.!die noch dazu von den Meisten übersehen werden muhte, weil sie Drucke — an diskreter Stelle stand. ' m Bei den Mitgliedern unseres Verbandes ist Interesse als selbstverständlich vorauszusetzen, ein Ereignis kleinstem politisches Inter nämlich, das sich nicht Politik bewegt, sondern Höheren Warte zu erf öffnet, und von der ge die unscheinbarsten, werden. Ein solches elementare Wiederaus der zum Durchschlag angesichts eines Schi . Glorifikation der „iclee der Wahrheit über die vor dem Geiste Frank die plötzliche Eru niemals erlöschen gutgemeinten-deutschen i So betrachtet werden deutungslos erscheinente Ambigu" zum Warni Ideologie, die sich a> vielen Köpfen der deuts Wirkungsvoller als a Bericht konkreter Tafs Leser unseres Blattes „R h e i n i s ch - W e st f nach der fünften oder ständigen Pariser Ber ist „Gestern abend „Dreyius-Affäre" erjieut Theater gekommen, sich lassen. Es war aufgestellt, da mit neuen war. Kurz nach B:ginn Theater bombe» anwesenden zerplatzen. schaffen. Als der Oberst Schwarzkoppen erschien, brüllte man: wurden die Demonstrationen, Offiziersbankett auffrat und ironisierte.... In mit Apparaten durch Parfümzerstäubung Während der ganzen m engumgrenzten Bezirke der Parteidie Geschehnisse des Tages von jener «issen. sich bemüht, die Perspektiven ers hen alle Vorgänge fern und nah, auch r kündenden Anzeichen der Zukunft sthr aufschluhreiches Symptom ist der ich des französischen Volkscharakters, kommende historische Chauvinismus uspiels, dessen Tendenz doch die humanitaire" darstellt, den Triumpl, Lüge, was eher also als Huldigung eichs verstanden werden sollte. — ist , tion des nie erloschenen und den Deutschenhasses bei diesem Persuch einer „geistigen Annäherung", die an sich vielleicht politisch be n Vorgänge im Theater „Nouvel ngszeichen vor jener paneuropäisch.-u wie wir zu wissen glauben, in: schjüdischen Intelligenz einzunisten drobi. le Abstraktionen ist der anschaüli.1, achen, wir wollen daher für di, auszugsweise wiedergeben, was sich die 11 s ch e Zeitung" am 19. Februar, sechsten Aufführung also, von ihrem hhterstatter drahten läht: es bei der Aufführuiig des Stücke: zu schweren Zusammenstöhen im hie alles bisher dagewesene weit hinter chon vor der Aufführung des Stückes ein grohes Polizeia lfgebot in der Nähe des Theaters Iünger f> dah Störungsoerjuchen zu rechnen der Vorstellung liehen die in. Daudets, die das Theater Camelots, Ltini langsam vergail wurde. Auf diese Weise wurde, um ein Wort der „Aclion francaise" zu ' zitiere^. eine_ „Z o l a a t m o s p h ä r e" ge auf der Bühne .Schweig, du dreckiger Boche!" Ernster als Esterhazy auf dem die anwesenden Offiziere »er ersten Pause gingen Angestellte die Gänge und versuchten, durck» »ie „Zolaatmosphäre" zu beseitigen. Szene der Deputiertenlammer kam es zu j neuen Demonstrationen, besonders, als Zola's „J'Acciise“ verlesen wurde. Daraus brüllte die Menge: „Klagt doch die Sache der Boches an!" — „Vaterlands Verräter, unwürdige Vaterlandsverräter!" In Lastwagen werden neue Polize kräfte herbeigeholt.... Beim Zola prozeh kommt es zu neuen Massendemonstrationen. Rack den Angaben der „Action frastcaise" begaben sich etwa 3"' Polizisten an die Arbeit. Der Kampf hat eine ganze Stunde gedauert, wihrend der natürlich an ein Weiter spielen nicht zu denkei war. Nach der Wiederaufnahme des Stückes, war das Lcheater von dem gröhten Teil K- Publikums verlassen worden. Es sind im Verlauf der Zwischenfälle etwa hundert Personen verhaftet wurde. Auch im Vestibül vielten sich wüste Szenen ab. . Tie Camelots riefen: „S ieder mit den Iuden! Es lebe die Armee!" Sämtliche Verkrafteten wurden zuerst in Lun wagen auf die Wach; gebracht, der gröhte Teil wieder am freien Fuh gesetzt, secks dagegen sind eingesperrt worden und werden wegen Wideistandes gegen die Staatsgewalt unter Anklage gestellt. F>>st die ganze Presse geht m:i kurzen Bemerkungen über diese Vorgänge - hinweg."- .. Wohl wahr, die 'Pariser Presse geht darüber hinweg was kann sie auch bksseres tun'? Loben darf man Ausschreitungen nicht, und tadeln will man sie nicht, alio schweigt man vielsage rd. Nur bei der Besprechung d.r Premiere konnte die Kritik „nicht umhin", diskrete An deutuisg^n zu machen, die verhetzende Tendenz des deutsch;'. Stückes habe das Haus zu Demonstrationen provoziert, uni zur Frühstückssemmel oi rzehrten die Pariser mit schmunzelnden Behagen deliziöse Feuilletons über .... die eindrucksvolle Wirkung der ä bas es Bocires-Chöre. Man hatte schon seinen Späh. Die zweite Aufführung (des Thealerpublikums». von der ersten sonst nur durch die verstärkte Tonart unter schieden, brachte als E nlaae das Attentat einer patriotischen Dame, die während d:r Hause die Direktorloge betrat und ihre verletzte französische Ehre an dem dort anwesendes. Monsieur Richepin mit der Reitpeitsche rächte. Pariser Abend blätter vom 18. Febru. ir berichten, der Direktor des Theaters „Nouvel-Ambigu" habe eine Schadenersatzklage gegen die „Action francaise" eingereicht, und zwar — weitere Ansprüche Vorbehalten — auf Zahlung von 1 Million Frankei:.