Der nationaldeutsche Jude
- Journal
- Der nationaldeutsche Jude
- Volume
- 1931
- Issue
- Nr. 2 (Februar 1931)
- Date
- 1931-02-01
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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6b«tt0-P0HtCk. Ton Dr. M.« Brünn Die Wahlm zur jüdischen Gemeindevertretung haben gezeigt, dah dre Mehrheit der Berliner Juden von Zionismus . und Ostjudentum nichts wissen wollen und dah sie eine Führung der Gemeindegeschäfte in ausschliehlich deutschem Sinne wünschen und für die Zukunft erwarten. Die mit absoluter Majorität aus den Wahlen hervvrgegangene liberale: Partei trügt daher vor ihrer Wählerschaft, eben der Majorität, die Verantwortung für eine Führung der Gemeindegeschäfte, die ihrem im Wahlkampf zur Anlockung gerade der gesund empfindenden deutschen Juden vertretenen Programm entspricht. Es mutet peinlich an. dah die Führer der siegreichen liberalen bald n a ch der Wahl, in der; letzten Sitzung der alten Gemeindevertretung, von diesem im Wahlkampf vertretenen ausgesprochen deutschen Programm abrückten. Der liberale Repräsentant Rechtsanwalt Heinrich Stern hat in der Sitzung der Revräsentanten-Versammlung vom 14. Dezember 1930 ausweislich des Berichts des Gemeindeblattes Januar 1931 Nr. 1 Seite 22 ausgeführt: „Ich gebe nicht nur für meine Person, sondern auch für meine Freunde ohne Unterschied der religiösen Einstellung die Erklärung ab, dah wir nie däran gedacht haben und nie daran denken werden, einen Menschen wegen des Ortes seiner Geburt anders zu behandeln, sei es rechtlich, wirtschaftlich oder gar sozial. Das ist eine solche Selbstverständlichkeit. dah hierüber gar nicht gesprochen werden sollte. Für Entgleisungen im Wahlkampf kann man nichts. Mahgebend sind die Taten und die (besinn»mg derer, die an der Spitze einer Partei stehen. Diese Erkläningen. die ich schon vor der Wahl abgegeben habe, sind mir heute hier leider aufgenötigt worden. Ich hoffe, dnh diese Erklärungen Richtlinien sein werden in der Gemeinde, gleichgültig, wer sie regiert." Man möchte wohl wissen, w o Hersr klärungen v o r der Wahl abgegeben hat. Stern diese Er- Bekannt geworden in dcn Kreisen der Wählerschaft der liberal;n Partei smd solche Erklärungen jedenfalls nicht. Sie hätten rechtzeitig manchen darüber belehrt, dah gewisse Herren ms dem Lager der Liberalen offenbar nicht fähig sind, die Siiuatiön zu begreifen, jn welche die deutschen Juden durch die Nachgiebigkeit ihrer Führer gegenüber den Zionisten und Ostjud m allmählich hineinmanövriert worden sind und anscheinend weiter werden sollen. Im letzten Wahlkampf hat es sich um die grundlegende Frage gehandelt, ob die Gemeinde wieder das werden soll, was j iie früher war: eine religiöse Körperschaft von Deutschen jüdischen Glaubens, oder die Zu- 1 iam^nenfassung aller in Berlin wohnenden Juden als Glieder eines eigenen jüdischen Volkskörpers. Die liberale Partei vertritt programmatisch eindeutig das erftere Prinzip. Für dieses Prinzip ist der „Ort der Geburt" - ebenso wie Muttersprache und Staatszugehörigkeit — allein entscheidend. Gibt man dies auf, so opfert man das ganze Prinzip. Herr Stern und „seine Freunde ohne Unterschied der religiösen Einstellung'! werden nichts dagegen haben, dah man sie für scharfblickend genug hält, diesen unlösbaren Zu- * mmmenhang zu erkennen. Sie werden sich wohl auch nichs etwa auf das Beispiel der Katholischen Kirche berufen wollen, die als übernationale Organisation ausschliehlich von dem Glauben ihrer Mitglieder ausgeht. Denti abgesehen davon, dah die soziologischen Voraussetzungen der deutschen Organisationen der Katholischen Kirche ganz andere sind, als die der deutschen Jüdischen Gemeinden, würde etwa einem polnisch katholischen Gremium niemals auch mir her leiseste Einfluh auf die Besetzung eines deutschen Bischofsitzes oder eines Domkapitels gewährt werben. — von der Beteiligung an der Besetzung selbst ganz zu schweigen. Will man aber Herrn Stern und seinen Freunden zugeben, dah sie das von ihrer Partei im Wahlkampf siegreich vertretene Programm auch wirklich wollen, so muh man eine erstaunliche und nur schwer erklärliche Diskrepanz zwischen ihrem Wollen und Handeln feststellen — und dies angesichts eines überwältigenden Sieges jm Wahlkampf, angesichts einer Lage also, die der liberalen Partei die Möglichkeit gibt, ihr Programm unbekümmert um irgendwelche taktischen Rücksichten restlos zu verwirklichen. Wenn man die Reden der verschiedenen Repräsentanten aller Parteien in der eingangs zitierten Sitzung vom 14. Dezember 1930 nach dem Bericht des Eemeindeblattes kritisch studiert, so fällt auf. dah alle Aeuherungen. auch die der Liberalen, von einer Gemeinsamkeit ausgehen. d»e in Wahrheit nicht vorhanden ist und deren — von den Jüdischnationalen behauptete — Eristenz gerade von den Liberalen im Wahlkampf geleugnet worden ist. Es zeigt sich hier wieder, dah die in der Repräsentanten-Dersammlung das Wort ergreifmden liberalen Herren der Phraseologie der Zionisten in der Diskussion vollständig unterliegen, statt umgekehrt diese zu zwingen, sich mit dem Gedankenkreis der Liberalen auseinander zu ,setzen und ihm dadurch näher zu kommen. Der Grund dieser gedanklichen Niederlage der liberalen Herren ist sicherlich zum groben Teil in deren völligem Abseitsleben von den allgemeinen deutschen Vorgängen zu finden und in ihrem Bezogensein allein auf „jüdische V o r g ä n g e". Man fühlt diesen Rednern direkt ab, dah sie in ihren Aeuherungen, lediglich von einem jüdischen Standpunkt ausgehend. Rücksicht nehmen allein auf einen jüdisch fühlenden Hörer ohne Rücksicht auf die Einordnung in das grohe Ganze des Deutschtums. Dieser Mangel kam z. B. Tonnen Jucken Kation alfoLiaUften fein? i. (Zuschrift eines Nationalsozialisten.) Warum erst eine Frage, von der man. sich ganz klar ausrechnen kann, dah sie absolut keine praktische Bedeutung hat und wohl auch kaum jemals welche erlangen wird. Wollte man diesen ganzen Fragenkompler. der in dieser einen steckt, einer Lösung geradezu entgegentreiben, so kommt man not-- gedrungen dahin, zumindest einen Bestandteil des Nationalsozialismus zu leugnen und hätte damit den Weg zu einer Lösung — ■ soweit vorhanden — unterbunden. Das wäre eine Art: das Ergebnis der anderen wäre ein Artikel wie der von Dr. Bon. ein ziellosesGeschimofe, das der Frage in keiner Weise gerecht wird, sondern eher geeignet ist. die Kluft zwischen Juden und Nichtjuden nur noch zu vergröbern. Ebensowenig geht es an.. versuchen zu entscheiden, ob Juden Mitglieder der N. S. D. A. P. sein können oder nicht. Positiv gesagt: Können Juden auf der Basis der nationalsozialistischen Weltanschauung stehen oder nicht? — Diese Weltanschauung hat natürlich in den Grundgedanken der N. S. D. A. P., wie „Gemeinnutz, geht vor Eigennutz", um nur einen zu nennen, ihre publice Festlegung erfahren. Es ist unmöglich eine bindende, schematische Lösung der Frage niederzulegen. Man kann hier nur von Fall zu Fall bestimmen. Ich möchte den Kreis enger ziehen und danach die Frage etwa formulieren: „Können nationaldeutsche Juden auf der Lebensgruudlage des Nationalsozialismus stehen?" Meine Antwort darauf geht dahin, dah man in diesem Kreise einzelne voll und ganz als deutsche Nationalsozialisten ajisehen könnte. Ein Prozentsatz, der praktisch nicht ins Gewicht fällt. Ich betone nochmals, ein Urteil ist nur von Fall zu Fall möglich. — Wir brauchen keine deutschen Staatsbürger, sondern deutsche Menschen. Wir brauchen keine Leute, die ihre Rechte durch ein Stück Papier begründen, sondern Menschen, die Pflichten und noch einmal Pflichten gegenüber der Nation, gegenüber dem Volk fühlen. Der Jude, der das ohne Vorbehalt kann und will, der ist Deutscher und ist Nanonal» soziglist. GünterPrestel. II. (Zuschrift eines Mitgliedes.) vr. Bon geht in seinem Artikel (Nr. 1 Jahrgang 1931) von unrichtigen tatsächlichen Voraussetzungen aus. Sowohl die nationalsozialistische Partei wie die nationalsozialistische Bewegung im weiteren Sinne haben den radikalen Antisemitismus (Rassenantisemitismus) als Grundidee in ihr Programm ausgenommen. Diese Tatsache läht sich dadurch nicht aus der Welt schaffen, dah man leichthin von „ein paar antisemitischen Maulhelden" spricht. So einfach liegt die Sache nicht. Anscheinend hat aber vr. Bon die von ihm - aufgeworfene, wenig glücklich formulierte Frage in einem anderen Sinne stellen wollen: Viele, von starkem Nationalgefühl getragene, auher- und innerpolitische Forderungen der Nationalsozialisten werden sicherlich auch von deutschen Juden als berechtigt anerkannt. Dies zu bekennen und für diese Uebereeugung zu kämpfen, kann keinem deutschen Juden verwehrt ^werden, weder von den Antisemiten, noch den Zionisten. Denn die innere Zugehörigkeit zu einer Volksgemeinschaft kann nicht verliehen, demnach auch nicht abgesprochen werden. Deutsche Juden, die dieses Zugehörigkeitsgefühl haben, find und bleiben Deutsche, vr. Bon sagt: „Auch wir sind Deutsche". Ich sage: 0 »Wir sind Deutsche". vr. Fabian.