Der nationaldeutsche Jude
- Journal
- Der nationaldeutsche Jude
- Volume
- 1931
- Issue
- Nr. 2 (Februar 1931)
- Date
- 1931-02-01
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Goethes JVIutter. Zu Ihrem zwelhundertften Geburtstag (19. februar 1931). Als der Wirkliche Kaiserliche Ratsherr Johann Kaspar Goethe die siebzehnjährige Tochter des Frankfurter Stadtschulthcitzen Teitor in sein Saus am Hirschgraben holte, folgte sie dem mehr als zwanzig Jahre älteren Mann gewitz nicht mit Liebe — danach wurde damals nicht viel gefragt — aber mit der heiteren Zuversicht auf Gott, die sie sich durch ihr ganzes Leben bewahrte. Ein Jahr später wurde Goethe geboren. Ihrer täglichen Gefährtin in den letzten Lebensjahren. Bettina Brentano, erzählte sie. das, sie schon, als sie den Sohn lnig. gespürt habe, datz dieses Kind der Welt zum Heil sein würde, und datz sie niemals in ihrer lieber,eugung wankend geworden fÄ. Das Leben hat ihr mütterliches Wissen bestätigt. Es fiel ihr darum nicht ein. ihn mit einer besonderen Frierlich- Icit zu behandeln. „Prätentionen machen" war ihr immer verhasst, und dem schon Weltruhm Tragenden schreibt sie mit der gleichen llnbrfannenheit Rezepte und Frankiurter Histörchen, wie sie über seine Bücher spricht. ' In den Bürgerfamilien kümmerte man sich damals noch nicht sonderlich um die Bildung der Töchter, und im Hause Tertor lernten die Mädchen nicht mehr als schreiben und Lesen und ein bitzchen Französisch. Biel haben auch die Bemühungen des unterrickteten und lehreifrigen Gatten nicht hinzugetan. Sie hielt nicht viel vom Lernen und vom Erziehen, und wie die Achtzehnjährige bei den ersten Gehversuchen des kleinen Wolfgang alle weisen Ratschläge zurückweist. weil man ein Kind nicht führen dürfe und ihm alles weqnehmen müsse, woran es nicht lerne, auf eigenen Fützen zu stehen, war sie ihr Leben lang gegen das Bevormunden und „BenioralHieren". Sie freute sich an den guten Seiten der Menschen und überlietz die schlimmen „dem. der den Menschen schuf". Die junge Mutier war der beite Spielkamerad der Kinder. eine unermüdliche Märchenerzqhlerin und ein begeistertes Publikum bei den Vorstellungen des groben Puppentheaters, das eine so wichtige Rolle in Goethes Entwicklung spielte, und sie war ein geschickter Vermittler, wenn Zusammenstöhe zwischen, dem alternhen, ein wenig zopfigen Ratsherrn und dem jungen Stürmer und Dränger dröhnen. Von Anfang an war der Sohn die Zentralsonne ihres Lebens. Die (verschlossene Art der Tochter blieb ihr immer fremd, und ent bei den Kindern der Frühverstorbenen findet st« ihre natürliche Herzlichkeit wieder. Sie hatte die Gabe, mit jedem Menschen in seiner Sprache zu sprechen und seine Leiden und Freuden zu den ihrigen zu machen, eine Gabe, von der sie gar nichts wusste: denn sie „begriff gar nicht, was die Leute an ihr hätten". Herder. Wieland. Bürger. Klinqer gehörten zu ihren ..Söhnen" und „Gevattern", aber neben! den Briefen an sie finden sich sehr ernsthafte ausführliche Diskussionen mit den kleinen Enkelinnen über ihre Handarbeiten, und wenn sie dem zwölfjährigen Fritz von Stein über eine Auflühning des „Götz" schreibt, so spricht nicht die Mutter eines! berühmten Dichters . über sein berühmtes Stück, sondern die Freundin erzählt einem Kinde von einer Theateralstführung, die sie sich zusammen angesehen haben. Das, sie die Rolle der Akutter eines grotzen Mannes und einer der vornehmsten Damen der Stadt sehr wohl darzustellen vermochte, zeigt ihre Begegnung mit Frau von Staöl im Hause des Bankiers Bethmann. Bettina schildert sehr ergötzlich. wie sie der Staöl entgegentrat: „mit grotzer Kunst" geschminkt, um den Hals den bekannten Schmuck der Königin von Preutzen, die Hand, welche entblötzt war. ganz beringt mit blitzenden Steinen". Sie konnte die Staöl wegen ihres theatralischen Auftretens nicht leiden und wollte ihr wohl einmal mit gleicher Münze, zahlen, aber hinter aller ironischen ' llebertreibung verbarg sich eint echte Freude an schönen kostbaren _ . Dingen. Die Frau Rat lieb« Schmuck und echte Spitzen, und in den Briefen nach Weimar stoben die Bitten um die neuesten Mode» journale ganz dicht neben benetz um den „Merkur" oder um dit letzten Lieferungen des „Wilhelitz Meister". Ihre Küche war weit über die Grenzen Frankfurts bef rühmt, und sie pflegte ihren Wein» feiler mit einer bei Frauen unaewöbnlichen Sachkenntnis und Sorgfalt. Sie bemühte sich auch sehr, eine schöne und elegante Wohnung für ihren Lebensabend m finden, als das grotze Haus ihr weiträumig wurde. Denn >ie fand, datz man „im dritten Akt nicht pfeifen, sondern applaudieren solle". j Sie war dankbar> für! die nuten Tage und ertrug! die schlimmen als göttliche Fügung. Sn fand fie sich auch mit!dem Schwersten, der Trennung lvon den, Sohn. ab. Seit ibM der He-zog Karl August nach Weimar geholt hotte, sgh sie ihn nur bei >>en nicht häufigen und nicht lalngen Besuchen in Frankfurt. Rach Weimar kam sie nie. Der Kaiserliche Rat starb nach latzgem Siechtum im Jahre 1782. Dann lebte sie ihrem grotzen Freutzt^skreis und ihren „Steckenpferdgen", den Büchern. dem Klaoierspiel und vor allem dem Theater.' Ihr» Herz aber war in Weimar bei dem Sohn, voller Jubel über seinen glänzenden Aufstieg, voller Interesse für alle Dinge seines Lebens! und voller Liebe für die Seinen. Sie war die Erste, die Christiane aufnahm, und die kirchengläubige bürgerliche Frau zeigte sich hier viel gröber als die auf ihre Geistesfreiheit so stolze Weimarer Hofgesellschaft, die der armen Christiane das. Leben schwer machte. Jede Nachricht aus Weimar war ein Fest, und wenn gar ein neues Werk ankam, Hermann und Dorothea, das „jedes Dienstmädchen in Frankfurt las", oder die erste gesammelte Ausgabe, dann mutzte der ganze Freundes¬ und Nachbarkreis an dem Iubel teilnehmen. Selbst der Krieg sollte ihr „kein graues Haar wachsen lassen, wenn es nur den Meinen gut geht". Sie wurde sehr alt und starb tapfer und heiter, wie sie gelebt hatte. Jakobi erzählt, datz sie an ihrem Sterbetage bei einer Gesellschaft habe absagen lassen, „weil sie halt sterben müsse". Am 13. September 1808 endete dieses begnadete Leben. « Ilse Kram er. Vertrag feierlich verbriefte Menschenrecht einer wehrlosen Bevölkerung, deren einziges Verbrechen ist, äls Deutsche geboren zu sein. Die öffentliche Meinung der gesamten Kulturwelt — Itnit Ausnahme Polens und seines Protektors Frankreich — lätzt keinen Zweifel darüber aufkommen. auf welcher Seite sie steht. Politiker und Publizisten aller Länder haben die Schauplätze der Greuel bereist und einmütig festqestellt, datz der Polnische Schrecken sich der abscheulichsten Schandtaten bedient, datz Betrug und Beraubutzq von Freiheit und Eigentum, seelische Vergewaltigung und körperliche Mitzhandlung zu den Alltäglichkeiten gehören, und datz selbst das Verbrechen des Totschlags keine Seltenheit ist. Eine wuchtige Anklage sind die Leitartikel der Weltpresse, ein einziger Schrei der Empörung. '-j Am leidenschaftlichsten aber lodert der Zorn im Herzen eines Mannes, von dem niemand sagen kan», er habe in seiner langem politischen Laufbahn Sympathie» für Deutschland gezeigt. Der Sozialistenführer Emil Vandervelde ist es. ein Staatsmann von hohe» Graden, wie man auch sonst zu ihm stehen mag, ein reiner Pazifist und echter Demokrat. Als Belgiens Mnisterpräfident und Leiter der Autzenpolitik hat er zu Versailles und im Haag an der Kette mitgeschmiedet,^ die das deutsche Volk seitdem, einem Galeerensträfling gleich, an Händen und Fützen zu schleppen verdammt ist. aber er war es auch, dessen Gerechtigkeitsgefühl sich regte angesichts der moralischen Knebelung durch den . Schuldparagraphen: Unvergessen wird es ihm sein, datz er — als Erster — auf jenem denkwürdigen internationalen Sozialistenkongretz entschlossen war. diese schändende. Fessel von Deutschland zu lösen, und ebenso gehört es der' Geschichte an, datz seine dem