Mannheim
Compact Memory

Der nationaldeutsche Jude · 1931-01-01 · Nr. 1 (Januar 1931) · p. Seite 3

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der nationaldeutsche Jude
Volume
1931
Issue
Nr. 1 (Januar 1931)
Date
1931-01-01
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/6682492-5438690-5438878--567-4871751
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

schwer, diesen Dmgm im emzelnen \;rfaifcii, Tatsachen beizubringen. Ich ^lichtet, es auszusprechen. das; eine .. Autoren, Malern. Dramatikern heute mii idit, dah für das Deutsche auf den _ Deutschen Buchmarkt. in dem deutsch«!,, - idwcrer Platz zu finden ist als für anderes. lgehen, Belege zu »e mich aber ver enge von deutschen dem Gefühl herumtschen Bühnen, dem Kunsthandel viel Verstehen Sie dieses bitte richtig: ich bin der letzte, i gegen internationale Beziehungen gcrade in künstlerischen . iugcn ist. Dazu bin ich selbst viel zu neugierig, viel zu oln' darauf gestimmt, zu wissen, was driuhen vorgeht. Aber ie Voraussetzung jeder Intcrnationalitc t ist zunächst einmal as Vorhandensein eines selbstveritändl chen Nationalismus. ' ie Berliner Kunsthändler, die hier!>auemd Manet und i.o.net und Renoir und Gauguin und Picasso und Eezanne und all die Kleinen von den Meinen br rchten, sind sich dabei jchcrlich sehr mondän, sehr überlegen über die misera plebs ir Deutschen vorgelommcn. Die Leidtragenden sind dabei je deutschen Maler und Bildlzauer. r on denen wohl gegcntlich der eine odcr^ andere in irgendeinem Büdchen in t-qris auch ein paar Saä>en zeigen de rf. von denen aber uieits unserer Grenzen selbstverständlich kein Mensch Notiz -immt — wenn hier in Berlin die führenden Betriebe als die wichtigsten Ausstellungen des Jahres lediglich fran;oiiidK Kunst vorführcn. Den Kranze sei, fällt derartiges lalnrlich bei ihren, beneidenswerten nationalen Instinkt niemals ei», obwohl es eigentlich sehr listig wäre, sich das iuinal auszumalen, was unsere deutschen Kunsthändler und Antiker wohl für Gesichter machen würden, wenn sie zur Ins beste, ung ihrer Kenntniisc der franzi fischen Malerei nach Daris fahren und dort in sämtlichen, fühl enden Salons ledig lich den wohlbekannten deutschen Bilden, von Liebermann!s Hofer begegnen würden. Den Franzosen. die. um etwas i'iM, uns zu erfahren, nach Berlin famsn und nun hier all ihre altbelannten Pariser Ladenhüter wieder vorfandcn, muh!>ick't komisch zuniute gewesen sein. j Auf diese», Gebiet tritt einmal die Wirkung des 'lualionalismus, den ein groher Teil der jüdischen Betriebe legt, und die schädigenden Folgen, die sich von hier aus für die -'rutschen Maler ergeben, sichtbar zutage. Viel schwerer ist die Feststellung auf dem Gebiet der Literatur, des Dramas, des Dbcaters. Es ist mehr als natürlich, dah ein groher Teil der Deutschen heute vor her Not des Landes stärker denn je sich an alles tlammert, was dieses Land war und nt, aus der Gegenwart l ei aus Wege zu den Quellen sucht, aus denen Wesen und Kraft dieses Volkstums auillt. Sobald diese Tendenzen niammcnstohen mit den international eingestellten auf der jüdischen Seite, ergeben sich sofort teils offen, teils versteckt Uiij.klänge und Gegenaktionen. Wenn es Piihklänge gibt, muh man eigentlich noch zufrieden sein, denn dann weih »-an. woran man ist. Der Widerhall, den ein Buch wie Hans <'*>ri,»i»5 „Volk ohne Raum" bei einem ' Teil der Kritik gesunden l>at. war wenigstens offenherziger Protest eben gegen das Deutsche. Aktion, auf die man wieder mit Reaktion antworten kann. Schwieriger festzustellen ist schon das still schweigend negative Verleiten, das Uebergehen, Verschweige». Nur selten ist jemand so offenherzig wie ein groher Vcrliner Zeitungsverlag, der auf die Anfrage eines Buch' ocrlags, warum seine Bücher, die. sich mit der deutschen Geschichte, mit der deutschen Vergangenheit, mit den Schickalcn und Leistungen der Nation auf den verschiedenen Gebieten! c'chästigton. nicht besprochen würden, ganz freundlich antwortete: das geschähe prinzipiell nicht: die Deutschen sollten ich gefälligst mit der Gegenwart und nicht mit ihrer Ver gangenheit beschäftigen. Es ist ja sehr nett, in dieser Weise für eine Aktualisiening unseres nationalen Empfindens Sorge zu tragen: wir hielte» s aber doch für taktvoller, wenn man diese Sorge uns selbst übcrliehe. Hier liegt aber der Fall wenigstens so. .ah etwas zu greifen und festzustellen ist. In den allenneisten Fällen aber gehen diese Dinge unausgesprochen, der Gegenoarlei unfahbar im stillen vor sich. Man muh das vorläufig wenigstens, bis einmal ein stärkerer Kontakt erzielt in. als Schicksal hinnehmen: wir müssen das um so mehr lrogc», weil wir ja selbst zum groben Teil schuld daran und. dah die ganzen führenden Positionen des Theaters, der Literatur, des Kunsthandels nicht in unfern Händen sind. Hier rächen sich Versäumnisse, für die man niemand verantwortlich machen kann auher uns selbst: die Aufgabe ist hier nicht, die Gegenseite anzuklagen, sondem nachzuholen und besser zu machen. _ . Denn das möchte ich doch noch, obwohl es sich eigentlich von selbst versteht, ausdrücklich betonen: es handelt sich hier nicht darum, etwa Dilettantismus, der sich national gebärdet, nur weil er sich national gebärdet, auszuspielen gegen die nichtnationale, aber im übrigen ästhetisch und litnansch einwandfreie Literatur von der jüdischen Seite. Im Gegenteil: in der Bekämpfung des nationalen Dilettantismus, der Substanz und Qualität nicht einmal durch Gesinnung, sondern durch' ein billiges Benutzen des Vokabulars der Gesinnung ersehen möchte, sind wir absolut einig mit unseren Herren Kollegen von der Gegenseite. Worin wir durchaus nicht mit ihnen einig sind, das ist die stillschweigende oder offenkundige umgekehrte Identifizierung . von jedem bewuht Deutschen und Nationalen, mit eben diesem Dilettantismus. Dieses - Identifizieren ist ein . sehr beliebtes Verfahren: sobald irgendwo in einer literarischen Arbeit das Wort deutsch vorkommt, wird auf der Gegenseite von oorneherein das überlegene Gesicht gemacht, das jede natiönale Regung ohne weiteres als Gefühl zweiter Klasse kennzeichnen soll, wird, wie es die Vossische Zeitung einmal ausdrückte, der Ausrottung jeder nationalen Selbstachtung .Vorschub geleistet. Dieses sollte man vermeiden: wir stellen ja auch nicht jedes kümmerliche literarische Erzeugnis sofort als Dokument der Impotenz auf der Gegenseite heraus. Es wäre also schon viel gewonnen, wenn von beiden Seiten wiederum ein stillschweigendes eentiemen a^reement getroffen würde, die wceinungsoerichiedenheklen unter Achtung der beiderseitigen Standpunkte, also auch des Nationalen, nur an.den wirklich geeigneten, wirklich niveaumähig an- ■ erkannten Objekten auszupauken. Denn wir müssen so oder so dazu kommen, dah diese gemeinsame Basis, diese grundlegende Voraussetzung dir Diskustion von hüben und drüben gcichaffen und von beiden Seiten anerkannt wird. Diese Basis kann nicht literarisch-ästhetischer Art sein, denn das bloh literarisch Aesthetische ist eine Berufs-, eine Bildungsangelegenheit. die mit denk Ganzen des Volts nichts zu tun hat.' Es handelt sich aber darum, den Boden für eine Verständigung zu finden, den die ganze grohe, auch die unliterarische Volksgemeinschaft anerkennen, den man vor ihr als tragzähch betreten und verteidigen kann. Dieser Boden ist aber allein die Einigung aus das bewuht Nationale, idas Ihnen wie uns gemeinsam ist. , Wir, die wir in dem ganzen Kunstbetrieb zum wenigsten als Publikum entschieden die Stärkeren.'sind, wahrsck>cinlich aber auch nicht bloh als Publikum» könnten ja schliehlich die Vorgänge in den Gebieten der Literatur: des Theaters, der bildenden Kunst als belanglos -gegenüber den Vorgängen in den Bezirken des wirkliche» Lebens beiseite lassen samt den Konsequenzen, die sich aus ihnens ergeben, da diese Konsequenzen. wie. gejagt, für die Gegenjeite viel unangenehmer sind als für uns: es handelt sich aber darum, dah Sie. meine Damen und Herren, indem Sie das Fremdwort national, mit dem wir bezeichnenderweise immer noch unser eingeborenes Landgefühl zu nennen pflegen, Ihrem Verband "voranstellten. dag Sie damit wie wir die eigentlichen still schweigend selbstverständlich verbindenden Kräfte, die erst aus einer Masse Menschen ein Volk machen, bewuht betonen und fördern wollen. Dah Sie wie wir den Irrtum ertannt haben, der darin liegt,-die natürlichen, aus dem genieinsamcn Neben einanderleben sich ergebenden Bindungen durch Organisation ersetzen zu wälle», die immer äuherlich bleibt und niemals das Phänomen der »nbewuhten Summierung von Kräften erzeugen kann, die däs gemeinsame Leben auf der Gnindlage der gemeinsamen Sprache und des Bekenntnisses zur deutsckzen Kultur ganz von selbst erzeugt — und dah wir darum unter offener Aussprache zum Zusammengehen verpflichtet sind. Der Doktor Hans Zehrer, als Auhenpolitiker der Vossischen Zeitung gewih ein unverfänglicher Zeuge, hat vor kurzem in einem Aufsatz in der Geopolitischen Zeitschrift einmal die Frage gestellt, ob zurzeit eine Auhenpolitik für uns überl>aupt möglich sei. Er kommt zu einem negativen Ergebnis, weil den Deutschen zurzeit die gemeinsame sich selbst summierende, Kraft fehlt,' die die aktiven Träger der Außenpolitik überhaupt erst zu einer solchen befähigt. Er sieht als Voraussetzung für eine neue spätere aktive deutsche Auhenpolitik eben dieses gefühlsmähig Nationale an, von dem hier die Rede war, hält es für die Aufgabe der nächsten Dezennien, diese alle — Sie wie uns — gemeinsam umfassende Bejahung der Lebensnotwendigleiten des deutschen Volkes, dieses Gefühl für die gemeinsame Gesamteristenz aller deutsch sprechenden Menschen im niitteleuropäischen Raum lebendig werden und wachsen zu lassen, so dah von dieser sich selbst summierenden Kraft des Gefühls von Millionen die Politik des Reichs wieder eine wirklich lebendige Aktivität bekommen kann. Zehrer kommt von ganz anderen Gesichtspunkten her. belegt seine Betrachtung mit ganz anderen Gründen: das E» gebnis ist das gleiche wie hier. Von diesem Ergebnis aus erweist es sich als notwendig, die Störungen, die sich gegen die Bildung dieses gemeinsamen tragenden Gefühls ergeben können, bewuht zu machen und damit in ihren Wirkungen, wenn es geht, aufzuheben. Es wäre sehr schön, wenn das in gemeinsamer Arbeit von beiden Seiten geschehen könnte, weil diese gemeinsame Arbeit nicht nur wirksamer die Uebelkeiten verhindern und beseitigen könnte, sondern auch weil sie bewirken würde, dah wir vielleicht durch sie eines Tages dahin kommen könnten, dah die Judenfrage ein für allemal aus dein deutschen Kunstbetrieb ausgeschaltet ist. und dah es nur noch eine positive, keine negative Arbeit von Ihnen wie von uns gibt zum Wohl des gemeinsamen Ganzen.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.