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Der nationaldeutsche Jude · 1930-12-01 · Nr. 12 (Dezember 1930) · p. Seite 4

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Journal
Der nationaldeutsche Jude
Volume
1930
Issue
Nr. 12 (Dezember 1930)
Date
1930-12-01
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Konkret gesagt: Gerade der im betonten Sinne nationale Deutsche wird Anlaß haben, auch den Zionisten unter den Juden gerecht zu werden und auch die Handlungsweise der sogenannten indifferenten Mittelgruppe zu» verstehen, die frei-- lich von der Gefahr der doppelten Moral leicht besonders bedrängt wird. VIII. Wenn gewissenhafte jüdische Forscher als-besondere jüdische Eigenschaft einen gewissen „Feminismus" oder eine gewisse „Freigelassencnnatur" bezeichnet .haben, so sollsich der Deutsche darüber klar sein, 1. dah es nicht ausgemacht und nicht ausmachbar-ist, dah das weibliche Prinzip schlechter iit als das -männliche, und dafz der Aufstrebende schlechter als der Dbensteheude oder Abünkende chder dauernd Untenbleibende ist. nind 2. dahes sich hier um durchaus enge, zweckbedingte, zeitlich. räumlich und sachlich beschränkte Charakteristiken haildelt. Sehr viel eher läht üch die ebenfalls, von jüdischer Seite itanimende Charakteristik hören, .daß der jüdische Mensch vielfach dynamischer iit als andere Gruppen. Freilich geht auch das nicht in die rechte Tiefe. Ileberhauvt kommt man dickem Problem nicht bei. lpcnn man nach dem Schema der Gegensätze arbeitet und sich nicht bemüht iit. dah es durchaus möglich iü. dah eine Gruppe oder ein Einzelner sowohl statischer -als auch dynamischer iit als andere. Immerhin führt diele Charakteristik schon zu einer gewissen Entgiftung des Problems. Denn wenn mit ihr einerseits <vom Standpunkt des Statikers ans» der Unwert einer gewissen Unbeständigkeit: Untreue, Mahloiigkeit. Rastlosigkeit. Inkonieguenz. Sprengung logischer und ethischer Grenzen in Theorie und Praris verbunden ikt. ko muh andererseits doch auch der Statiker anerkennen, dah es ohne Dynamik nicht geht und dah sie in gewissem Sinne eine stärkere Vitalität darstellt, als die allzu konservative Naturanlage. Hier nähert man üch dem. was ich das Gesetz von der Erhaltung der Werte nenne. Vielleicht kann man überbanvt Wertuntersuchungen, ja kulturgesetzliche Untersuchungen im-allgemeinen, in wissenschaftlicher Weise gar nicht anders führen, als von der Arbeits-Hnpotheke aus, dah von jeder gegebenen Wertungsgrundlage aus <biete bleibt ja , ohnebin schon, letzten Endes iubjektivt jeder bestimmte Eigen- ’ schgftskomvler sowohl positive wie negative Ausstrahlungen mit üch bringt, kurz und volkstümlich gesagt: dah Ranen. Völker Und sonstige Gruvoen. wie Familien und Einzelne, die Fehler ihrer Tuenden wie die Tugenden ihrer Fehler haben. Wie gekaat. bleibt auch diese Charakteristik eine zeitlich beschränkte. Denn es kann gar nicht zweifelhaft sein, dah jedenkalls das alttestamentarstche Judentum üch im Gegenteil durch eine ganz besondere Starrheit, asto das Gegenteil von Dynamit. eine höchü gesteigerte Statik. auszeichnet. Das schließt nicht aus. den Eindruck zu erhalten, dah grohe Teile der gegenwärtigen Iitden vieler Länder in der Tat sich durch besondere Beweglichkeit des Geiktes oder Charakters kennzeichnen. die nach der einen Seite vorteilhafte, nach der anderen nicht ungefährliche Eigenschaften zeitigen kann7 ' IX. oit man aber erkt ko weit gekommen., so bat Man auch die Grenze der Beschränktheit bereits -überschritten. Denn sowie man auf derartige letzte Grundeiqentümlichkeiten der Menschenseele zurückkommt, sieht man «uufy dah letzten Endes hinter allen Naüen und.Einzelnen. Zeiten und Völkern derselbe einheitliche, zwischen Werden. Stillstand und Vergehen. Gut und Böke. Schädlich- und Nützlich Engel und Tier umirrende Mensch krebt. hinter deüen allgemein-gültigen, üch. immerwiederholenden. unausrottbaren schwarzen und weihen Eigenschaften alle dieke Dinge und noch viel mehr die mehr auf der Dberksgche liegenden, im Kampf der Internsten. Leidenschaften und Anüchten zunächst zutage tretenden Nuancen zurücktreten. Dann, und erkt dänn. nicht von vornherein, a priori und methodisch, sondern auf Grund innerlicher Verarbeitung und reinen Erlebens iü man berechtigt, die. Grenzen induktiver Erfahrung und verallgemeinernder Urteile zu betonen. Dann stellt üch-das Verhältnis der einen Menschenqruvpe zur anderen auf dieser Erde unter das Gesetz, unter dem in. der Ehe das Verhältnisvom Ich zum Du steht. Das Du ist nicht mehr Feind, nicht mehr Gegenstand kalter Analyse und feindseliger Beurteilung oder Behandlung, sondern es'wird dem Ich Aufgabe, Bereichening, Geheimnis. Hat man erst die Heiligkeit des Geheimniües erkannt, dann führt das Fremdsein und Anderssein', auck ohne dah es weaaeleuanet. vertuscht oder auch ernsthaftzu beseitigen versiebt wird, nicht mehr zum Ablehnen, sondern zum Versuchen liebevoller innerlicher Aneignung und - gegenseitiger Bereicherung. Dann ist nicht mehr, wie im Urzustände, das Fremde. Andere. Ferne, das Tab» im b'öken Sinne des schlechten Zaubers, sondern das Numinoke im Sinne des ^Heiligen. Dann wächst Betrachtung zur Religion. ündiunaeschminkte Erkenntnis der etwaiaen Andersartiqkeit zum! Lobe des Schövfers. der keine Geschöpfe ko vielfältig aestaUet. Dann erkennt und verehrt ein ganzer Mensch den anderen und ein ganzes Volk das andere, nicht trotz seiner Eigenart, sondern i n und wegen seiner Eigenart und ohne Verlust der eigenen Eigenart. Dann kämpft nicht die eine Suggestion gegen die andere, uin dem anderen Teil aus eigenem Minderwertigkeit« kompler heraus und zu dessen Rettung nun seinerseits ein Minderwertigkeit anzudichten und anzusuggerieren, sonder jeder kämpft nach besten Kräften gegen seine eigenen negativem Werte und zur gegenseitigen Stärkung der positiven durch Er kenntnis. Austausch und Gemeinschaftswirken. Dann bedarf man nicht mehr des Zurückgehens auf ls». schichtliches, des Gedankens, dah letzte Wertung religiöst- Natur sein müsse, und dah-der religiöse Mensch unmöglich ei Volk verdainmen kann, das so starke religiöse Werte geschaffen * weitergeführt und erhalten hat. Dann braucht der nationa! Mensch sich nicht mehr vor Augen zu halten, dah ein Pplk m so starkem Chauvinismus gerade von seinem Standpunkt au nicht minderwertig sein kann. Dann braucht Gruppe X u ihrer Leichtfertigkeit, dem mangelnden Durchdenken und Durü arbeiten des eigenen Lebens, dem Kindlichen und Infantile sich nicht mehr von seinen Besten sagen zu lassen, dah der Er und die Gewissenhaftigkeit gegen sich selbst, der heroiick Egoismus der Gruppe Ä und ihrer Glieder ihm Vorbild ui, nicht Abscheu sein sollte. Dann braucht Gruppe X sich nicht darauf zu beschränke- , diejenigen Glieder der Gruppe V zu schätzen, die ihren »tu einem Teil von ihren romantischen Idealen besonders nal steht. Dann braucht der Junker, der beim Pferdehandel alle erlaubt findet, nicht den Börsenmenschen zu verachten, weil - .wirklich oder vermeintlich aus seinem Gebiete die gleiche Au' fassung bestätigt. Dann werden aber auch die Glieder der Gruppe V nich. mehr für erlaubt halten, in verletzender und ausbeutentu Weise ihre vermeintlich höhere, in Wahrheit oft nur dur.i- Hemmungen weniger beeinträchtigte Intelligenz des praktische. Lebens zu rühmen oder auszunutzen oder wie der Teufel de> Antisemitenriecherei gerade die besten und wohlwollendsten Glieder der anderen Gruppe zu verfolgen und die Ethik al- L irus erst eintreten zu lasten, wenn sie saturiert sind. Dann ist Ixis ganze Problem aytiguiert. Dann schwindet der List kcmpler und Sentimentalitätslompler auf der einen, wie der Furchtkomvler und der Ueblktgröherungskompler auf der anderen Seite. Dann wird die oft bis ins Kindische und Barbarische reichende Naivität der einen Seite nicht mehr al. letzter Wert in den Himmel gehoben und werden von de: anderen Seite nicht mehr die letzten Wertungen der einen als filierter Jnfantilismus lächerlich gemacht. ' Dann.ist die materialistische Betrachtung, die letzten Endes jedenfalls in dieser Zeit allein das Prodlem von beiden Seiten her widerwärtig und unlösbar macht, auch hier überwunden und die Fragestellung und Handlungsweise auf methodisch ge regeltem Wege in spirituelle Höhen erhoben. Dann kann Gruppe N oder ihre Glieder in größeren oder geringeren Teilen nicht mehr der Gruppe X die kulturellen Lebensmöglichkeiten innerlich untergraben, weil sie sie fürchte! und hakt, ,und Gruppe X die Gnippe P nicht mehr fürchten und hasten^ weil ftejiies'.tut. Dann ist die Tragödie und Komödie der Capuletti und Montecchi, der cavalleria rusticana, das Gesetz der Blutrach' im höheres Gesetz'untergegangen: im Mysterium Du. Verbanclsnackrickten. . 1., Schriftverkehr der Geschäftsstelle. Wir bitten unst Mitgliedern und Freunde, zu entschuldigen, dah infolge >v Beteiligung unseres Verbandes an den Arbeiten für d - jüdischen Gemeindewahlen der Schriftverkehr etwas in Rü stand geraten ist und mancherlei Anfragen unbeantwortet g blieben sind. Die Aufarbeitung der Rückstände wird unmitl' bar nach dem Erscheinen dieses Mitteilungsblattes in Angr' genommen werden. 2. Erfahrungen aus dem Wahlkampf. Wir bitten um. Leler, uns über Erlebnisse während des Wahlkampfes, c denen sich irgendwelche allgemeingültigen Schlüsse ablei: lassen, unter möglichst genauer Angabe der Vorgänge u- Bezeichnung der beteiligten Persönlichkeiten zu unterrichte Es wird von uns in Erwägung gezogen, einzelne der so o machten Erfahrungen in einer der nächsten Nummern d Mitteilungsblattes zu verarbeiten, felhstverständlich nur un! allgemeinen Gesichtspunkten und unter voller Wahrung d- Vertraulichkeit hinsichtlich der uns gemachten Mitteilung- 3. Berlin. Ein Vortragsabend wird im Dezöml stattfinden. Näheres wird noch durch hesondere Einladungbekannt gegeben. 4. Zu-endgrupve. Der nächste Jugendabend ist für d 16. Dezember in Aussicht genommen. -Nähere Mitteilung^ erfolgen durch besondere Einladungen. \ 5. Dank für Wahlhilfe. Bei den Wahlarbeiten für d: „Deutsche Liste" hat sich eine Anzahl unserer Mitgliedc insbesondere auch der Mitglieder unserer Jugendgruppe, nu. gröhtem Eifer und voller Hingabe in den Dienst der deutscher Sache gestellt. Wir bitten, den herzlichen Dank, den wir nicht jedem Einzelnen besonders abstatten können, au diesem Wege aussprechen zu dürfen. Der Vorstand.

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