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Der nationaldeutsche Jude · 1930-11-01 · Nr. 11 (November 1930) · p. Seite 2

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Journal
Der nationaldeutsche Jude
Volume
1930
Issue
Nr. 11 (November 1930)
Date
1930-11-01
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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0 Lion fcucbtwangers Srfolg als Literatur-ßelfpUt. Ton Max Naumann. Cs gehl mir 'nid)t um „den lüktnii Feuchtwänger" — mie er jeiüit jid) ausdrücken luüröc. Cs gehl mir auch nicht um sein Bucy „briotg" als Cinzelericheinuug. Puch de ict-afligl die mage seines Literalen Criotges im Ggnzen, die nrage der pratti.chenWinung, die von dem oieamiwett die,es . IN dcutityer Sprache 'chreivenoen uno in zahlreiche Uuslanüs sprachcn überietzlen Literaten aäsgeht. Lie»e Wirfung geht jeden an, den die deul,a>e Zutunsl angeht, denn Literatur ist ein durch Iahrlauende bewäyrles uuiitct zur^Vtrbreitung der yjiiBueritdiu'iiitit und zur Zuchlung de- Hanes. Die Gestaltung der deul,chen Zutunfl wird zu einem guten Teil . davon avhängen, wieviel Unoeriländnis gegenüber! deutjcher virt und wieviel >jaB gegen das, öeut-m>e. U'üit gezüchtet und verbreittt werden, - in der ganzen Weil und bor allem in Dcul>chiaild leldn. Deshalb, nur deshalb in mir Vion ■ neuchtwang^r wichtig, darum ,ind mir lemc Buch >r Erfolge im VUlgcmeiiKii und sein.Buch ,/Lrioig" iitl Bechnoeten ein Beispiel, aus dem «ich Crtciinstiis ichooiUt lagt. Der zweibändige "Jiomaiij „irrfoig", im lutcriitel „(sie schichte einer Provinz" genannt, in meines 2lii >ens das erste Buch Feuchtwangers, das als Tenoen zweit ‘ (djlc-ajil lin an ge sprachen werden nun;. öd> habe vorher inancherlei von ihm geleint und verdaute seiner Kunilierligtetl. vor all:m seiner viabe der Berainchaulichung ternstegenoer Dinge. manche unter I all'ame Stunde. tlnteryail am, -nicht'mehr. si.t jenvenreiber höherer oiattuint, einer, bdjeu Sprache gevNegl, denen '.brache'gewandt und -orgiättig, deistn Pchchol igie nicht zu flaa> ist, turz einer, deni au, den Venn gegange i zu jem man >ich nachher nicht schämen nilij;, wie etwa > ach dein Durchtchmöiern eines Kriminalreiszets.. Ltitauniich nur, das; gerade vieler nicht sehr bedeutende tlnterhallungsiä tinsteller irn Ausiande teil Jahren als „Crponenl" deutliche biegen - warls Literatur gilt. Oder doch wieoer nicht erstaunlich. Denn beim Le'en noch jedes seiner Budzer hatte ich das unbe stimmte bieiuhl eines gewinen Luilwioe'tslanoes.! irgend etwas Fremdes, Andersartiges schlug mir entgegen, nicht gerade abitoszeud, aber doch abilanogevietend, etwas, das etwa der Wirtung einer Lulen lleoenelzung aus der.. Sprache eines anderen Bottes g!eiä,läm> — etwas.- das nicht leutsch war. Ich hatte es nur im Gefühl, ohne, recht z t wissen, was es wär. - Jetzt weis; ich es. Das Buch „Erfolg", das' den Sinn eines deutschen -iulturabschnitts ent'chieiem will, entschleiert das Berhälinis des Berzaners zur deut-chen Kultt r. Zer gliedert wird „das Land Bayern", gemeint iit das Reich Deultchland und sein Boll. 'Rur deshalb wird.gerad, Bayern zum besonderen Gegenstände der Betrachtung, zum A isgangspunkle einer bei allem gönnerhaft zur Schau getragenen Vor itändnis, bei aller betonten CnicEiroitVit dennoch vernichtenden Kritik gewühlt, weil in die>er — „Provinz" genai nlen — idanbid>ait unseres Vaterlandes manches geradliniger derber, unverbildeter wächst, als im übrigen Deut-chland Weil hier vieles mit einem biriff zu ersahen iit, was in anderen deutschen Bezirken eril aus einem Wüst! angewch en und herbergetrcogenen Alillerweris herausgeschült werden mui;. Das Feste. Crdgewachiene, Bodenständige, National iit es, das der übernationale Welllilerat.an dein Lande Bayern und seiner Bevölkerung als beispielhaft entpfindel und dent gemätz aufs fd>driftc miszbiliigt. Das bieiühl eine; Iln »eutschen lehnt sich gegen das typisch Deutsche aui^ das im Bayern tum seinen vielleicht rauhesten, aber.gerjäde daru n sinn fälligsten Ausdruck findet, Und es i>t melir. als eine stilistische Spielerei, es iit das auftd>Iuijrcid>c Auzeichen eines iit seiner x'lrt völlig, echten Empfindens. wenn Fruchtwanger iich -mit gesuchten Redewendungen von dieiem Lande,! diesem B ille und dieser Zeit geflissentlich distanziert, wenn er! sich den klnichein eines zukünftigen Betrachters gibt, der vom der licht, n Höhe einer besseren Welt mit ironichem tüiitlcio in die nniteren Abgründe der Bergangenheit, die uns. biegpnwarl ich zurück blickt. Cr impfindet es so, er inus; es so empfindl N, weil seine Seele, in dieser unterer Beit und vor allem in diesem ltnicrem blande nicht zu Hau>e iit. In dieiem- Van De, Idas wir lieben müssen, wie es iit, trotz aller''einer Mängel kund Schwächen, während der gefühlsfremde Literat nur dm Blick .für die Mängel und Schwächen und gar keine Viebe Hit. Ein „Buch des Haües" hat ein deutscher Beurteiler die Schrift Heuchtwangers genannt *). Ein „Buch der KremÜheit^ möchte ich es nennen. Einer Fremdheit, die im letztest Gründe *) Tim Klein in den Münchener Neuesten Nahrichten Nr. 273 vom 7. Oktober 1930. Schwäche ist, ein Niinderwertigkeitsgefühl. das in Ueberheblich teil umichtagt, eine unzulängliche uieigung, die sich als Hah geoürdet. a.as Buch ist der gehä»ige Ausiall eines, der nilgends zu Hause i>l, gegen das Bodenständige. Heimatver ^vurzette, das er nia>t erreicht. In diesem Geilte der herabziehenden Kritik, die in der inneren Heimatloitg,eit des serilüers wurzelt, zinde ich da, Beiipietha,le des Buches „Cr,olg". a)er Ber,ajier diews Buazes t>r nicht ein „Crponenr" deutschen Betlget,tes. wie die Kartier letner überietzren Bücher im Auslanoe memeit tuto wie eine ViietaicnOüide in Teurich.ano aller Welt vorposaunl, aber er i|l ein Beiipiel u n d e u t s a> e n bieiiles, der ,iu> zum tniwter üver das Heutiaztum auswint. Uno weil dieser biei,t |o vir „lüdtich" genannt wi.d, weil nreuchlwanger se«b|t uno >eine biejitesverwanolen sich auf dieien bieill noch etwas zugute tun uno ihn ausdtuälia) -als zuoisa,es binaoenge>u>ent öem deutschen Balte darvte>en, erheve ich ats deut>ch|Uhlenoer Jude, als 'deutscher iüdtjä>en Stammes und Glaubens meine Stimme gegen dieies Buä) uno gegen die Getjlesarl, der.es enlslamint. . - , ' In dem Berliner „Jüdischen (Semeindeblatt" spricht derselbe Feuaztwanger Näheres üver ou-ftm biegt aus. Cr erörtert den „htjiotiichen Prozetz der Iuoeü". Naa> seiner Teitniltoit ist „die Gruppe duoenyeit" nichts anderes, als „eine Geiiiesrtchlung, die, ähnttch wie anoere Mentalitäten, z. B. oie auterttanische, die Fahigteit har und hatte, viele einzelne zu erg reisen uno iich zu asgintlieren." Und seine Ansck-auung von dem Berhaltnis dieser „Iuoenyeit", wie er sie begreif, zu de» bobenslänvigen Bötlern saht er in die bezeichnenden Sätze: „'Itiie entern Soldaten von heute der schwere Ctsenpanzer ein Hindernis wäre, so ist Bodenständigieit dem Typ, der heute s für die Nlenschheit der wichtigste ist, ein Hindernis mehr als e n Vorteil, erür den Menschen von heute, den Menschen der 'i pparale, der Industrie, des schnellen Verkehrs, ist Wendigtni, schnelle. Bewegria-keit, Veichr-FertigkUr vornehmste Tugeno. Ueberalt ist heute der Nomaoe der wichtigere, leoenssäh.igere Typ geworden, der den schwerfälligen Bauern verdrängt. uch dieser Prozetz weist den Juden in der Geschichte unseres Jahrhunderts eine wichtige Nolte zu. Was früher den Juden vsn ihren Gegnern als ihre verächtlichste Ctgenschaft vor gkworsen wurde, ihr Kosmopolitentuin, ihr tltichlverwurzelt >ciin mit dein Boden, nur dein sie lebten, das erweist sich plötzlich als ungeheurer Porzug." Diese vermeintlich wissenschaftlichen Ausführungen ^er ganzen, was nach dem P »nan „Crrotg" etwa noch zu ergänzen bhev. Niit Recht wc re jeder Deutsche, ja jeder 'Angehörige eines anderen Volkes Antisemit, wsenn diese Ausfassung des Judentums und seiner „historischen Sendung" die richtige und a I l g e nt e i n g i l t i g e wäre. Aber sie i st nicht richtig, i st nicht allgesneingiltig, sie gilt nur für juben eiltet gemi [eit Gruppe, deren Ahnen vor I ihrtausenden aus ihrer!alten Bodenständig teil herausgerisien w irden und denen es iclrat nicht gelungen ist, eine neue Boden sti.ndigkeit zu gewinnen. Weil sie selbst keine Heimat gefunden heben, streiten sie auch! allen anderen ihres Stammes die Heimat ab. Weil sie selbst von jedem Winde verweht in den unsicheren Vustschichten delr Uebernalionalität schwanken, speien sie aus ihrknt Wolkenluckucks-Ghetto auf die festen Wohnstätten der Bodenständigen herunter. Und sie wollen nicht begreifen, dotz die grotze Ntehrhei: der jüdisck-en Deutschen längst in D rntschland ihre unoerlii rbare Heimat gefunden hat, längil seihst zu den Bodenständigen gehört, die dem „Leicht-Fertigen" so|schwerfällig, dumpf, engstirnig und bösartig erscheinen. Die „Geistigen" um Feuchtwonger — es ist kein Zufall, datz der IÜdischnationale Arnold Zweig zu seinen Lobrednern und Anpreisern gehört — wollet nicht begreifen, datz uns Deutschen jüdischest Stammes der erl'fefte deutsche Dichter Ludwig Thoma mit dem evigen. „von Säbelhieben zerhackten" Schädel, mit dest „unguten Augen", sielisch nähersteht, als der „wendige" Literat Lion Feuchtwangir. Datz uns die groben Spottreden des derb züpackenden Dei.tschen, dessen Zorn aus warmer, im tiefsten Grunde gütiger Heimatliebe geboren ist, stärker ergreifen, als die kalt-ironischen Analysen des feinnervig-über- Iegenen Gegenwarts-KritÄers, den nur eine artistisch gehandhahte Sprache und ein papierner Bürgerbrief mit unserem desttschen Vaterlande verk inden.! Thoma oder Feuchtw inger, das ist in anderer Form nur die Frage: Deutschtum odjer -Fremdheit. Für die grobe Mehrheit der deutschen Juden heitzt die Antwort: Thoma!

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