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Der nationaldeutsche Jude · 1930-10-01 · Nr. 10 (Oktober 1930) · p. Seite 5

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Journal
Der nationaldeutsche Jude
Volume
1930
Issue
Nr. 10 (Oktober 1930)
Date
1930-10-01
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Stimmen des Auslandes. Mitten in das platonische Gespräch über ..Paneuropa" Ratzte das deutsche Wahlresultat, und man hätte meinen ■ nncn. es mühte auf die in Genf -Versammelten eine ahn-;:i:e Wirkumz ausgeübt haben, wie das „Menetekel" der 'nbcl auf Belsaazar und die Schar seiner Häslinge. Die!,agier des Völkerbundes aber, weit entfernt davon. ..stieren .-dickes und kalt durchgraut" dazusitzen, bewahrten im Gegen- •,iil jene stoische, wahrhaft erhabene Gelassenheit, die seit . .iciio der Philosophen schönster Schmuck ist: Nil admirari! ii der Tat. die deutschen Wahlen standen ganz und gar licht auf der Tagesordnung, ergo wäre es durchaus unladcmisch gewesen, sie nicht zu ignorieren. Zum Thema Abrüstung und Minderheitenrecht" erhielt das Wort der i'-.-rr Auhenminister Dr. Curtius. Dgs „Berliner Tage-!>latt" weih mit bescheidenem Stolze flu melden. Briand habe mit anerkennendem Kopfnicken gesagt, es sei „eine sehr : .rnünftige Rede" gewesen. Leider kann Herrn Briands gute Rote nur rein akademisch gewertet werden: So vernünftig i auch alles fand, was sein deutscher Kollege zu sagen ruhte. noch vernünftiger schien es ihm, ibeim Minderheitcni!ln>rccht sowohl wie bei der Auf-Rüstung — alles beim .wahrten Alten zu lassen. 1 Doch nicht darüber zu schreiben haben wir uns zur bcutigen Aufgabe gemacht. Die Leser des Mitteilungsblattes sind selber politisch gebildet genug, um sich ähre ägenen Gedanken zu machen über alle Problemq. die in „aber Zukunft der Lösung harre», so dder so. -f- Wofür aber gröberes Interesse bei ihnen vorausgesetzt wird, iit: »was das Ausland zu den Wahlen sagt. Beruflich verhindert, zeitraubende Schriftenlektüre zu treiben, werden .He vielleicht mit Aufmerksamkeit lesen, was der Schreiber bieier Zeilen auf seinem St.reifzug durch die Blätterwälder der Nationen zusammenqetraqen hat. , , Dem «demokratischen) „Neuen Wiener Journal" wird am 15. September aus Berlitz gedrahtet: „Von einem . auf der Durchreise befindlichen hervorragenden Diplomaten bare ich, das; der Ausgang der Rcichstagswahlen in Deutschland in allen diplomatischen und politischifn Kreisen wie eine Bombe gewirkt, hat. Auch besonnene Männer fürchten, das; >i»e Weiterentwicklung der politischen Verhältnisse in der durch die Wahlen gegebenen Richtung in absehbarer Zeit -um Bruche der Friedensverträge? führen mühte. — .Es nibt, da der psychologische Moiisent kür eine allgemeine Revision der Friedensverträge noch nicht> gekommen ist. nur -ine Rettung', sagt mir mein Gewährsmann: Herabsetzung der Kriegsentschädig n n g e n. M j t H i l f e \’l merikas m ü hie s ch o n i ni a l l e r n ä ch st e r Z e i t " o r I ä n f i g ein M o r a t o r i u m für einen Teil er La st en auf wenigstens fünf Jahre beilliqt werden, damit die Hirtschafk Deutschlands zu!lem kommen kann. So viel ist i sicher: In einem Lande. ,ii: dem Millionen Mensche» hungetzn. weitere Millionen täglich um ihre Eristenz zittern, werden, die demagogischen -cblagworte vqn links und rechts willige Obren finden. Nur!e fundamentale Entlastung durch eine Stundung der unc'träglichen finanziellen Kricgstribute «Poungplan) kann -iirova vor einer beispiellosen Katastrophe bewahren!" — Unsere grösste Aufmerksamkeit beansprucht die öffentliche Reinung in Frankreich: „Dentschlaiid. wohin gehst bin"' — berschreibt das Pariser „Journal" seinen Berich» vom N. September. Alle nationalistischen Blätter stimmen darin Von 8. hl a Tt. überein, das Wählresultat habe den völligen Bankerott der Politik Briands offenbart. Das „Echo de Paris" bcignügt sich mit diesem verbalen Vernichtungsurteil nicht und gibt dazu eine karikaturistische Illustration: Briand als entlaubten Stamm. „Ami du Peuple" fordert den sofortigen Rücktritt Briands mit der Begründung. - er habe „den Sieg irrankreichs verstümmelt und die wichtigsten Interessen der französischen Ration an Deutschland ansgeliefert". — Der „T e m p s" deutet die Wahlen als einen Wendepunkt der deutschen Politik. Ein schwerer Fehler der Anhänger des Kabinetts BrüNing sei es gewesen, sich in der Wahlpropaganda des Namens Hindenburg zu bedienen. Der Hindcnburg- Block liege zerschlagen da. bevor er fertig wurde, die Autorität - des Reichspräsidenten habe eine Einbuhe erlitten. - Sehr bezeichnend ist auch die Meinung des früheren MinisteriPräsidenten und linksradikalen Führers Herriot, der noch im vprigen Jahre als eifernder Friedensapostel aufgetreten ist. Unter der Ueberschrift „Wachsamkeit" veröffentlicht er in der „Ere Nouvelle" einen Artikel, worin er zunächst feststellt, das: die deutsche Sozialdemokratie. die einzige Partei, mit der die französischen Linkskreise hätten arbeiten können: nicht intakt geblieben sei und trotz des Anwachsens der Wählerschaft neun Sitze verloren habe. Zwei Gefahren seien nun aufgctaucht. die einer Revolution, an die man aber nicht glauben möchte, und die sehr viel gefährlichere eines Krieges. Frankreich müsse nunmehr Stunde für Stunde wacksam bleiben. „Wenn die republikanischen und verfassungslicbende» Parteien Deutschlands die Notwendigkeit begreifen, trotz ihres Streites das Weimarer Regime zu verteidigen, dann sollt?» sie diese Absicht verwirklichen. Sie werden uizs an ihrer Seite finden u tt b' bereit, einem groben Volke zu helfen".... „Journal" und „Matin", letzterer in einem Artikel aus der Feder Sanerweins. suchen die Entscheidung über die Zukunft bei zwei Männern: bei dem Reichspräsidenten i van i Hindenburg und dem Reichskanzler Brüning. — Der „C ii o t i b i c »" sagt darüber: „N o ch. einmal steht Hindenburg vor der Entscheidung, ob c r ix i n c' persönlichen E in vfindnngcn d etu W^ohl e der: d e n t s ch c n R e p n b l i k z u m O p f e r b r i n g c n w i I l." — Vergebens wird man in der öffentlichen Meinung Frank-!; rcichs, von der äuhersten Rechten bis zur änhersten Linken.?? nach einer noch so leisen Andeutung innerer Einkehr suchen. Wo an Briands bisheriger Auhenpolitik Kritik geübt 'wird, begegnet man dem Borwurf, sie sei — zu nachgiebig und schwächlich gewesen, und weit entfernt davon, in den deutschen Wahlen das Warnnngszeichen einer verzweifelten Stimmunq zu. erkennen, neigt manim Geaetzteil dazu, sie als den Ausdruck eines h-rausfordernden Uebermutes zu bewerten. Dah auch in Warschau und Prag die gleiche Auffassung herrscht, versteht sich nach allen bisherigen Erfahrungen beinahe von selbst, und es verlohnt sich kaum, diese Feststellung mit Einzelheiten und Beispielen zu belegen. Der - - atonale — Spektakel im tschechischen und polnischen Blättcrwalde ist das Echo der rauhen Stimmen aus dem Bois de Bouloane. und «ras man von hüben und drüden hört, sind Variationen über das alte Thema: „Oermnniam esse delendam". * Wir kennen Tert und Weile zur Genuae. Interessanter ist. was das übrige Ausland zu den Wahlen sagt. Ich weih, dah einem Juden, und dem deutschest enipfindend:n. nichts schwerer wird, als einen Antisemiten schlicht sachlich i sehen, ohne all die gigantische Fülle von Irrtümer». die o uipfindlichkeit. berechtigte und unberechtigte llrteilstrübung? »er unausweichlich mit sich bringt.! Ich weih, dah man b r Schweres verlangt, w?e n n m a n nach e i n e m : i eg e der Nationalsozialisten. die u n z m e i f e l - r a f t e i n gut Teil ihrer M n! n d p r o v a g a n d am i t m A n t i s e m i t i s m u s wesentlich betreiben. : o n noch so deutsch empfindenden Juden . : h i g e Objektivität o e r l an g 1. Aber wenn ich lie > m anderen Ufer aus heische: Eure ganze Bewegung > l keinen Schuh Pulver wert, wenn ihr sie nicht, von eurem Ufer aus. ni i t noch viel liröherer Entschiedenheit heischt. _ Das, was ihr von eurem Standpunkt aus — von dem 3 l n ndpunkt Deutscher, d i e Juden sind — tun niiiht, ist dies: Protestieren,!, mit aller Scharfe, aller Energie und aller Lun gen kraft gtgen " c ii t e eurer A b st a m m u n g. d i e g c a e n d c »1 s ck> c» o re i h e i t s w i I l e n deshalb ihre tückischen Verbindungen spielen lassen, ihre Börsenarg»- mente in die Welt gellen uifb zischeln. we,I viele Träger dieses Freiheitswillens Antisemiten sind. Man mag über die. nolitj'chen Wege, die zur Freiheit führen sollen, völlig verschiedener Ansicht sein — in dem einen Punkte mühten alle Deutschen einig sein, dah man eine auf Freiheitswilleii aufgebaute Bewegung nicht um deswillen verkehmen darf, weil sich in ihr unerfreuliche judcnfeindliche Bealciterscheinungen zciacn. Bon den natio-> naldcutschen Juden erwarte ich Verständnis hierfür. Ich. weih, dah in diesen Blättern mit einer Tapferkeit, deren; Gröhe ich als Richlinde vielleicht gar nicht ganz zu überschauen' vermag, die mir aber immer wieder qröhte Hochachtung ab-' genötigt — das Wort ist falsch: etweckt hat —. dazu gemahnt; worden ist. die deutschen Fragen nicht unter dem? Gesichtswinkel der jüdischen Abstammung^ sondern unter deutschem Gesichtswinkel zu> sehen. Heute ist das. zugegeben, vielleicht schwieriger als je bisher: aber gerade darum ist es nötiger als je bisher. Gegenüber so frevlem Spiel aus der jüdischen Zwischenschicht muh sich schärfster — und. bitte, lautester u- Protest aus der jüdischen deutschen Schicht erheben. Muh., . . Es ist die Stunde Hitlers? Vielleicht ja, vielleicht nein. Unter allen. Umständen aber ist es die Stunde des Verbandes Nationaldeutscher Juden.!? I

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