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Der nationaldeutsche Jude · 1930-10-01 · Nr. 10 (Oktober 1930) · p. Seite 3

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Journal
Der nationaldeutsche Jude
Volume
1930
Issue
Nr. 10 (Oktober 1930)
Date
1930-10-01
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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iit, sondern auf der aus der europäischen antisemitische,, Literatur s priori übernommenen These beruht, datz „das Judentum" antinational denke und „westcuropäisch-demo- Iratisch" sei. also von vornherein antifaschistisch, was heute von allen Kreisen in Italien für antiitalienisch gehalten wird. (Wer da einen Unterschied gemacht hat, iit Emigrant oder ausgewiesen oder auf einer Insel interniert worden.) Heber diese literarischen Niederschläge hinaus ist in Italien der Antisemitismus kaum bemerkbar, er ist vor allein nicht gesellschaftlich und nicht beruflich »arhanden. Dagegen spukt er ideell, neben der Literatur, den Köpfen junger Italiener, welche die von der Zeitschrift aufgestellten Thesen zu der Forderung nach Eliminiei mtc, der Juden aus verantwortlichen Aemtern und der Wirtschaftsführung erweitern, wiederum nicht eigentlich aus Raslcantiiemitismus im abschätzigen Sinne, sondern aus der rein politischen Behauptung, das; „der Jude nicht die konstruktiv politische Begabung habe wie der nationale Italiener, datz -r daher immer liberal-demokratische Ideen dem persönlichen Führertnm voranstelle und damit ungewollt eine Zer- ,'etzung des faschistischen Systems betreibe". Auch hier wieder alio vorherrschend die Befürchtung, der Faschismus könne unter den Juden leiden. Wirlschaftsantlifemilismus fehlt dabei mit ganz, ebenso die in Deutschland übliche Behauptung einer iilaninäsiigen und gewollten Zersctziingsarbeit des Judentums am Bolk. („Weise von Zion" und j dergleichen.) In der Literatur wie in diesen Unterhaltungen der jüngeren Generation ist der Faschismus' sozusagen das Ziel der antisemitischen Bestrebungen, nicht il,re seiner verantwortlichen Seite, weder tl tüch. der Versuch gemacht worden w landfremden Elementen" zu schützen Basis, da von eoretisch noch je prakire. das System' vor »der auch nur das Vorhandensein solcher Gegensätze zu ^untersuchen. Im Gegen teil steht diesen jungen Faschisten das aegenüber: „Ich kenne keine I, He nicht von den Juden selb Und das weitere: „Italien iit zu um Rassefragen zu erörtern, Einheit des Volkes der Zwie Danach kann man höchstens sagen, das; lleberempkindlichkeit des'Italieners, vor Wort Mussolinis denfraae. wenn st g e st e l l 1 wir d." grotz als Volk, zu klein, n m di e rächt zu o pfern." die moderne nationale allem der faschistischen uigend, sie dazu treibt, nach angeblich m Gegnern zu suchen. dabei die Behauptung anderer europäischer ^ie übernehmen Antisemiten ooh der anationalen Einstellung des Jude» lus'inöalichkeiten. und Sie u m in führende lätzt der nach Heimat betont, den zju. und daher kommt ihrer Haltung allein bekämpfen deshalb theoretisch seine Ein ünden aber dabei keine Stütze im offiziellen Faschismus, der Silben zu seinen Offizieren macht, genau wie in der Vor krieaszeit, und in der Parleibürokrati: Juden Stellungen zulätzt. Auch theoretisch Faschismus, der das Volkst und Tradition als Marinje Rassenantisemitismus nicht es. datz jene jungen Autzenseiter mit beben und datz sie es nicht wagen dürfen. sie praktisch im Leben zu betätigen oder antzerbalb ihrer eigenen Kreise a»snlprechen: sie würden sonst selbst wegfn aus der Partei ausgestotzen werden. Man sieht also, datz der italienische Nationalismus in der ersten Generation völlig neutral denkt und als Voraussetzung dieser Neutralität nur das absolut nationale Bekenntnis der Juden zum Staate fordert, was. wie gesagt, beute in Italien freilich absolute Bindung an den Faschismus bedeutet. Die neue Generation glaubt iedoch ans ihren Vorstellungen von der Veranlagung der jüdischen Rasse oder auch aus eimelnen vraktilchen Vorkommnissen an dieser Fgschistentreue der italienischen Juden zweifeln zu sollen, und i't deshalb antisemitisch. „Wenn uns die Inden beweisen, datz sie wie wir bereit sind, den Menschen der Geschichte untekzu ordnen, st alt bie Geschichte als Voraussetzung.ihrer, persönlichen Wünsche zu betrachten, wenn sie in ihrem Denken auf Weltbürgerlichkeitverm'chten, die sie doch in allen europäischen Ländern zum Ausdruck bringen, wenn sie also 'uit einem Worte Italiener (!) sind, entfällt M r uns jeder Grund, den Juden zu bekämpfen Anti-Euröpa). Woher nehmen diese Juaendgriivven — es sind, wie geagt, Autzenseiter. aber es find Autzenseiter. welche Einilntz auf die Literatur haben, dazu Temperament und eine fanatyche Vaterlandsliebe, welche unerhört werbend im Volke wirkt , woher nehmen sie die Behauotunq von der faschistischen Unzuverlässigkeit der jüdischen Mitbürger? Denn es iit klar, datz, allein das Arsenal mittel- oder westeuropäischer theoretischer Propagandamittel (Zusammenhänge mit Hitlerorqanisationeu aus politischen, nicht primär antilemilsschen Gründen dürften existieren) nicht ausreichen würde. Anhänger zu werben, wenn nicht irgendwelche Anhaltsvunkte im Lande selbst den Antisemitismus stützen, würden. Wir sagten >chon, datz einzelne praktische Vorkommnisse in der Tat solches Material geliefert haben. Einmal war es der Besuch der ganz bedeutungslosen Gruppe italienischer Z i o n i st e n bei Mussolini, welche Ihn von dem Vorhandensein ihrer Bewegung informierten und um Schuh baten, etwas' von „treuen M inderheiten" fallen Netzen und zugleich auf die stümperhafteste Weise hohe Politik machten, indem sie auf die Bedeutung zionlstischer Faschisten für die italienische Kolonisierung Palästinas hinwiesen (Federzonis Kommentar zu den Reden Mussolinis, Rom 1928). Darauf fiel das Wort von „der Judcnfrage, die nur existiere, wenn die Juden sie selbst stellten'1! Nach einer Erklärung des Oberrabbi n c r s, der jüdischen-Gemeinde in Rom haben diese jüdischen Nationali tcn den natioualitalienischen Juden, der ganz überwiegenden Mehrheit der Juden in Italien, sehr geschadet, und Gravelli selbst gibt zu. datz er seine A u g r i f f ä g c g e n die italienischen Juden zum Teil auf > i e z.i o n i st i s ch e Propaganda i«- Italien st üh 1, die „absolut zersetzend wirken würde, wen n sie an Einfl.utz gewänne". - Des weitere» hat in den übcriiationnli.»tischen Kreisen der faschistischen Iugen> die Hinneigung der gebildeten Juden Italiens zu der? r e i m a n r e r e i verstimmt,' die jetzt in Italien streng verbiten ist. Dicke stellte bis zum Faschismus im Laude, ganz anjdcrs als etwa in Deutschland, wo sie sich hauptsächlich charitativ betätigt, eine effektive politische Macht »nd Nebcnrcgierniie dar, sie stellte Staatsmänner und Wissenschaftler und spielte im Geistesleben der Nation eine viel aktivere Rolle als im übrigen Europa. Man legt nun die Parallelität Zwilche r Frcimaurcridcalcn und jüdischem Weltbürgergcist als ein, n Beweis für die „faschistische Unzulänglichleit" der jüdischen Vcvöllerüng aus und verweilt ferner auf den Ilmitand, datz reim Marsch aus Rom, der Geburtsstunde des Faschismus, die intellektuelle Jugend führend gewesen sei, datz aber die Igebldetc jüdische Jugend zum Sozialismus gehalten habe/ Eist rückwirkend aus solchen Feststellungen („Auti-Europa" 19! 8) ging man dann nach, deutschen Rezepten zu den Behaupt»»««» über Drückebergerei und Schiebcrtum im Kriege über; <A> ti Europa 192&) und zu der weiteren Behauptung, das; auckt heute »och die Juden in Italien nicht vom Herzen her Faschisten seien, sondern aus wirtschaftlichen und gesellschaftlicher Gründen „per forza" Parteimitglieder. Richtig hieran mag sein, das; die chauptsächlich wirtschaftlich eingestellte jüdisch^ Bevölkerung Rorditaliens (Mailand und Turin) den. Faschismus nicht so spontan angenommen bat, wie die römische Ingen » oder die politisch viel leidenschaftlicher« Bevölkerung Mittels und Süditalicns überhaupt. Aber man kann keinem Menschen ins Herz sehen, und cs ist eine völlig niicrwicsene Behauptung, die heutigen jüdischen Parteimitglieder des Faschismus feien mehr materiell interessiert als die Parteimitglieder anderen Bekenntnisses. Allerdings verleiten manche italienische-Juden durch ihre ironisch geistreichelnde Art. sich um eines guten Witzes willen auch öffentlich über Ltaatseinrichtuiigen und-politische Ereignisse herabsetzend zu äutzern und zu ihnen eine unberechtigte persönliche Distanz zu bekunden. die überempfindlichen Rationalisten zu der Annahme, jene seien nicht mit dem Herzen dabei. 'Es hat sich nunmehr in Italien eine Bereinigung vaterländischer j ü d i s.ch e r -Italiener gebildet, welche durch Wort und Schrift die Angriffe der ..Anti- Europa"-Gruppe zürückwcist und. auf streng faschistischer und nationaler Grundlage, nun ihrerseits die Iudenfrage erörtert. Sie nimmt nut Parteimitglieder des Faschismus auf. bekämpft scharf den Zionismüs und frcimauriirischen Liberalismus, verlangt Industrie- und Landarbeit von der jüdischen Jugend und ähnelt überhaypi ün ihrer Tendenz betonter Ehrlichkeit und Ucbcrwindung innerer Gegensätze durch Vaterlandsliebe etwa dem „V erbau d nationa Id e u t s ch e r Jude»", wenn sie sich auch durch ihre streng politische Bindung wieder von ihm prinzipiell unterscheidet. Die Ver-- einigung besteht erst etwa ein Jahr, aber sie scheint Erfolge zu erzielen, nicht zuletzt durch die Unterstützung und das Ansehen, die sie seitens der faschistischen Organisationen genietzt.! Die Zeitschrift „Anti-Europa" erklärte alsbald nach der? Gründung der Vereinigung: „Es scheint, datz das Judentum! unsere Forderung nach einem Beweis seiner nationalen Zu-! vcrlässigtcit antreten will. Wir beglückwünschen die * neue Vereinigung, fragen nicht nach ihrer Mitglicderzahl. weil es noch zu früh dazu iit, aber erklären schon heute, datz wir zu ihr halten, wenn auch sie hält, was sie verspricht, und wenn sie nicht in kleinem Kreise stecken bleibt." Bei aller Skepsis der italienischen .Antisemiten liegt'hierin zweifellos eine prinzipielle Zustimmung und eine .Art Zusage, den Kampf zu liguidieren. ,wenn die Vaterlandsliebe der italienischen Juden „nicht iit kleinem Kreise stecken bleibt". Auch in Italien/ dort vielleicht mehr noch als in Ländern mit älterer antisemitischer Bewegung, besteht also die Möglichkeit zum Ausgleich der Gegensätze durch einmütige Arbeit an der Nation, durch Betonung nationaler Gesinnung vor individueiler oder sogenannter „M enschheitsgeslnn u n a". Was. wie gesagt, vielleicht auch in Deutschland interessiert!! ,

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