Der nationaldeutsche Jude
- Journal
- Der nationaldeutsche Jude
- Volume
- 1930
- Issue
- Nr. 10 (Oktober 1930)
- Date
- 1930-10-01
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
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weder aus der zahlenmäßig kleinen, aber durch orcjani iertes Getöse geschickt den Gindruck der Größe vortäuschenden (£ ruppe der Iüdischnationalen, oder aus der jüdische,! „Zwischenstücht." der wurzellosen Uebergangsform vom Volksjudcntum zum Volksdeutschtum, die ihre eigene Unzulänglichkeit durch po iertes Selbstgefühl zu verschleiern sucht. Es wäre ein vil lleicht begreiflicher, aber tief bedauerlicher Fehlschluß, von dem Gebühren .dieser Leute auf das Wesen der Gesamtheit: jü>ischer Deutscher zu schließen. Im Grunde, sind es nur ein paar hauptamtliche „Ztämpfer", die hier <Een immerhii lohnenden Lebensberuf gefunden haben, mit einem - 3tal »c amtlicher - Wichtigmacher. Geschaftlhuber und deine „Intellektueller". Sie alle sind keineswegs bosgläubi» von der Wichtigkeit ‘ ihrer vermeintlichen Aufgabi die Spitze des Füllfederhalters durchdrungen. I ckei ihnen besitzt die Fähigkeit, unablässig übelzunchn cn. Röntgenblick, der den Antisemitismus auch dort fhide er gar nicht vorhanden in. und vor allem -die Vcr> sich selbst, ungeheuer intcrbiiant zü finden, was sich m endlosem mündlichem, schriftlichem und leider auch ged Geschwätz über das ,,Thesen" und die ..Problem» tik' Judentums äußert. Da von diesen glücklich begabte» Mc fab der ganze Bedarf an jüdischer' „öffentlicher '')ici gedeckt wird, entsteht bei' Nichtsuden der Eindruck. >aß Jude" . ebenso anmaßend wie empfindlich, ausichlie flick sich selbst beschäftigt und dabei doch wohl im^ Gn gcheim»isvvll-gcfährlick-es 4l>e>eii fei, das inan kich lchoil Selbnerhaltungsgründen mindestens vom Leibe hall ni Die Leidtragenden >i»d die vielen, der ^ahl nach überwiegende» deulschfühlcnden Juden, die Stillen. »' Niundfertigeii, Zurückhaltenden, denen es. widerst ccbl. ^eutichgefühl, das ihnen selbstverständlich in, auf of' Riarkte anszuposauncn, und die es trotz aller Verkenn und Enttäuschungen im Grunde noch immer nicht rcelkt greifen können, daß man iie nicht auch ohne. W >rte itcht. daß man sie» nur nach deni deut'chfremden Bctricp Kaulen und Aufgeregten beurteilt. Sie versuchen, im Zirene zu wirken, ziehen »ich aber immer rvieder mt zurück, denn das Gebühren ihrer weithin sichte und höijö „Glaubensgenossen" verricqett ihnen nach und nach alle zur Verständigung mit ihren nichtjüdischen deutsche t genoüen. Zu denen sie innerlich gehören. Bei man hen tritt schließlich auch echte Furcht hinzu, ditz voi» den?tois: um „Gleichberechtigung", »in „Abwehr" und Anerkeni unc der jüdischen Vorzüge schreienden tManagern mitern itifc > gezüchtet wird, wie ja jeder marltichrcieitde Luacksnlbc' zunächst die Angst des Patienten steigert, um ihm danh die Palenlmcdizin um so sicherer aufschwatzen . zu köni en. sc n bis gnlog <iit. i' Kt i hren,- lffamer der» iu von den wo ung. in rficktem des scheu ning" „der mit ein aits nüise. weil fw ihr enem ingen bevcr-> der eren Puicht arcn Wege. Polksllnd weil auf diese Weise die jüdischen Deutschen durch übrrlautes Geschrei der Einen und überstille Zurückhaltung der Anderen Schritt für Schritt von ihren nichtjüdischen Volksgenossen weqqezerrt werden, halten wir „national deutschen Juden", die wir uns nur als den kampfbereiten Stoßtrupp der breiten Masse deutschfühlender Juden betrachten, es für unsere Pflicht, dein anläßlich des nationalsozialistischen Wahlsieges so schrill hinaus trompctetem Undeutschtuin das Bekenntnis zum unerschütterten Deutschtum entgcgenzusetzen. W i r sfhen in dem Erfolg der Nationalsozialisten n!i ch 1 einen llebergang des deutschen Volles z u r I u d e n f e i n d s ch a f t, ^s o n d e r n den Ausdruck einer verzweifelte n Stimmung, w i e sic in einem politisch und wirtschaftlich g e kn ech beten Volke entstehen mußte. Der Nationalsozialismus in dir krasseste, in seinen Formen und seinen Fordeningen sich selbst überschlagende Aufschrei eines Gefühls, das i« jedem deutschen Herzen l e b t. des Gefühls der Empörung gegen das Elend, in dem unser Deiitlchland genalten wird, und des Willens, aus d c l W ü r d e I o s i g k e i 1 dieses Elends heraus z > kommen. Daß die Führer dieser Volksbewegung iich iiiit demagogischen und unerfüllbaren Versprechungen zunächst einmal zur Macht zu bringe» suchen, daß in diesem Zu sommciihangt auch die Iudenfrage herhalten muß, um zur Werbung primitiver, insbesondere jugendlicher Menschen dir;i gkrästigen Schlagwortc zu liefern, daß die mit solchen Ichlagworten gefütterten Massen 'schließlich auch einmal zij Unfreundlichkeiten und Ausschreilungen gegen die Jude» geneigt sei» könnten, das alles sind höchst beklagens werte Nebciierscheinungen. aber doch nur Nebenerschei n u n g e n, nicht der Zt e r n der Dinge s e l b st . Darum werden unr deutschsühlenden Juden uns in unserem Tcutschtum nicht irrcmachen lassen, auch wenn die kommende Jeit für uns keine angenehme sein sollte. Nicht dort it unser Vaterland, wo es uns gut ergeht, sondern dort, wo wir mit den Würzeln unseres ganzen Seins haften. Unser Volk ist das deutsche Volt, nur das deutsche Volk, und daran wird sich nichts ändern, weil in dieser erregten Zeit ein Teil d eics Volkes in uns Juden selbst den Snmboltnpus alles 4öfeu zu erblicken meint. Wir würden unser Deutsch l ind weiter lieben, selchst wenn einmal seine diegicrung für Zeit nicht eine Regierung der Vernunft, sondern des Nationalsozialismus f^in füllte. Der neue Jntilemitisrnus im „neuen Italien". fafebismus und ^sudenfrsge. Es wird vielfach behauptet, im Vorkriegs-Italfen Hütte es überhaupt keinen . Antisemitismus gegeben, und zum Beweise dessen wird auf die jüdischen Minister, <5cnqräl^ und Hofbcamten hingewiesen, welche, vom- Volke geehrb un liebt, die antisemitischen Aeußerungen der Vorkriegszeit „sich der Jude nicht zum Staatsdienst eigne", Lügen itr Wer seinen Gregorooius aufmerksam gelesen hat. weiß trotz dieser Zulassung einzelner Juden zum Staäts- Heeresdienst und trotz ihrem Fortkommen in diesen rufen der Antisemitismus auch den Italienern Nie gewesen iit. und daß der Fall der Ghettomauetti Ende des vorigen Jahrhunderts^ also viel. spätes: a anderen europäischen Ländern, durch die sich ergebenden 1 gangserscheinungen bei Juden und Richtjüden eine' Re keit und --gegenseitige Fremdheit auslöste, die : dui „antisemitischer Natur" aus seiten der nichtjüdiichcn Itali gewesen iit. Allerdings hat dieser Antisemitismus^ nie, auch heute noch nicht, in Italien, jene organisierte scheinungskorm angenommen, jenen politischen und k politischen Massencharakter, der ihn in allen sonn von ib sallenen Ländern in dieser Form zu einer Gefahr fü .Staatscinheit und nationale Geschlossenheit des Völksah macht» Wenn trotzdem im „neuen Italien", alio dehi «t Mussolinis, mehr als früher in dieser Richjung ejinh licke Bestrebungen sich ankündigen, wenn >heu: Italien eine Zeitschrift gegründet wird, wslche" Antisemitismus wenigstens alL^Programmpunkt betont, ihn allerdings allzu häufig ^Zu verkünden, wenn' mc den Rrenen der faschistischen Jugend heute antisem Tendenzen ganz uniformer Prägung erkennen kanns so allerdings zunächst die Vermutung nahe, daß der Faicknsmi s Antisemitismus erzeugt oder gefördert habe. In dieiemhört man denn auch öfter in deutschen parteipolitischen Von I)(inz Ludwig-Rom. gedaß rpften. daß und Beremd i regen s in Ifeberzbarchaus ener und Erktilturn bedie nzen taate e i t - c in den ohne in tiiche liegt den inne Auson lassunge» unter Hinweis auf Italien Parallelen ziehen Zwischen .Mationalismus und Antisemitismus" — „Demokratie und Toleranz". Daß dem nicht so ist, möchte ich in diesen Zeilen aus sprechen: nicht, um-den Faschismus ßu verherrlichen» der näch einem Worte Nkuisolinis „kein Erportartikel" ist, wohl aber, um durch die Tatsachen jenen politischen Ghettogeii: zh bekämpfen, der unter unseren jüdischen Mitbürgern so oft Vorurteile gegen konservative oder betont nationale Geisteshaltung und politische Praiis erzeugt. Auch kann inan an der noch kurzen Genesis dxs italienischen Anti setnitismus moderner Prägung erkennen/ daß es die gleichen Voraussetzungen sind, die dort wie hei uns den Antisemitismus begünstigen, daß also auf jüdischer wie nichtjüdifcher Seile die gleichen Wünsche und Hoffnungen mitsprechen. Wir wollen auch zeigen, daß in Italien wie bei uns die Ueberwindung das Antisemitismus, einer internationalen Erscheinung, nur mit nationalen Mitteln möglich ist. und endlich, dhß auf diesem Wege Erfolge erzielt werden können und bereits erzielt worden sind. ' Zunächst ist der Umfang der gegenwärtigen italienischen antisemitisches Bewegung zu kennzeichnen. Aeußerlich ist er mir in der Literatur von faschistischen Außenseitern und Sektirern-zu erkennen: in der Zeitschrift „Anti-Europa" das jungen Faschisten Gravelli und in gelegentlichen Hm weisen in der politischen und belletristischen Literatur. — Hinweisen auf den angeblich bestehenden Gegensatz zwischen „indisch-demokratischem" und „historisch-nationalem" Denken detz europäischen Parteien, und darauf, daß Italien!>d> gegen ähnliche „demokratische" Einflüsse zu wehren hätte. Hser ist zwar eine Verbindung zwischen Faschismus und Antisemitismus zu erblicken, die aber nicht kausal bedingt