Der nationaldeutsche Jude
- Journal
- Der nationaldeutsche Jude
- Volume
- 1930
- Issue
- Nr. 9 (September 1930)
- Date
- 1930-09-01
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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6 GlablpfUcbt der fugend. Bei der Gründung einer der Parteien. - die iit E Wahlkampf geboren wurden, hieh es. die neue Partei eine Partei der Jugend sein. Wir müssen uns Frage vorlegen: Gibt es eine Partei der Jugend? Gib eine Partei, die Anspruch darauf bat, dah gerade die Juh und, dah die Jugend sich gerade ihr anschlieht? rnd vor Uie Es wird viel von Ueberalterung der Politik Politiker gesprochen. Ganz unberechtigt ist dieser nicht. Wir jungen Menschen verkennen trotz allein zwischen uns und der älteren Generation liegt, nicht Züge, die eine reife Erfahrung gerade für die politi tätigung gewährt. Aber wir haben andererseits n Partciroutiniers, denen schliehlich der eigene Klüna das Wohl der Gesamtheit geht, so schlechte Erfahruu macht, dah der Wunsch nach Berjüngung der Parlanui bet unsere sein muh. Aber eine Partei, die sich Icbtglp dem Gesichtspunkt der Altersstufe konstituiert, iit ein Tie jugendlichen Deutschen sind in sich piel zu oe um in eine Partei zusammengepfercht zu werden, d Gemeinsames hat als den Wunsch, etwas mehr Demo in den Parlamentsbetrieb zu-bringen. Auch der Wi die Stelle dieses Betriebes eine wirklich praktische, au Arbeit zu setzen, reicht nicht aus, denn gt.radt' diese die wir alle wünschen — von den verhetzten Radikp beiderseitigen Flügelparteien natürlich abgesehen —. den 'verschiedenen jungen Menschen auf ganz vei Punkte gerichtet und in ganz verschiedener Form I v werden müssen. Auch das Schlagwort von -dm .Meltanichc Parteien rührt uns nicht weiter. Solche Parteien nicht, so viel man auch darüber redet. Selbst die Flügclparleicn umfassen Menschen ganz verschiedenes anschauungen, die schliehlich nur dadurch' zusammer ' werden, dah sie eine bestimmte Umschichtung jiiib A des gegenwärtigen Zustandes für nötig halten, einmal Neuland zu schaffen, auf dem sie dann verschiedenen Weltanschauungen anpflanzen können, tischen Parteien sind nicht Gemeinschaften, denen wir Leib und Seele verschreiben müssen, sondern Zweckoc ihre sem olle die es end bt yche it el genj nte ch Unschi * era msch baue Arb der ourf was Por- Be!- ölten über gcauch ijnter ing. qden, chts incnt nr len chird schieb ollö uunz gib fadi r; ngeh, il «nde um o ic uns rbö S"- es lalen eitlen ung erst »llig ivlimit nde. Mein lieber Freund rnbca si: ncr bi« 5 31 i Im letzten Briese, den ich Dir am Ende des verlang S^meilers schrieb, habe ich Deine wichtigste Frage wortcl lasten müssen, uteil es mir an Zeit Mangelt eingehend' zu behandeln, wie es ihre 'Bedeutung mci sicht nach verlangt. Erst heute komme ich' dazu,'Dir schuldete Antwort zu erteilen. Du halt, s« oft wir uns darüber Unterhielten,, als jude immer sehr viel Interesse für die ^>dee des na t deutschen I u d e n gezeigt. Und nun möchtest Du ob ich trotz des Lebens in dieser kleinen Universität _ diesen Gedanken festhalte, oder ob di? nach Deiner Meii „streng antisemitische" Einstellung der hiesigen Sludciftens meinen eigenen Standpunkt beeinflussen konnte. Eins vorweg: 3[n meiner Au ffajsung h a u ch die :me ohsfa ist. Zp u rich hcs nichts geändert, und, soweit es meifschsl vorauszusehen ist. wird sich an ihr Zi! kunfl nichts ändern. Ich gebe zu. dah hältnisic einer kleinen Universitätsstadt die Probl deutend brennender erscheinen lassen, als in einer G: Universität, und dah man infolgedessen gezwungen eigenen Anschaffungen einer scharfen Sclbstprüfung werfen. Ich habe mich geprüft, und Meine Gesinnung, mein Gefühl iit unverändert geblieben, trotzdem man i anders ist, als ich wünschte. ' Von „strengem Antisemitismus" im aggressiven S habe ich freilich nichts gespürt. Das Benehmen der :in;e christlichen Kommilitonen iit völlig korrekt, tznd ich hal c b in dieser Beziehung wirklich noch keinen Grund zur " gehabt. Und trotzdem fühle ich mich nicht wohl. Ich mich gewih frei von jeder unangebrachten jüdische» U eMpfindlichkeit, und ich fühle mich nicht gekränkt, wann . berechtigterweise an einzelnen Juden oder sejbst unberichti > weise an der jüdischen Allgemeinheit Kritik übt. Kritik, * sachlich falsche Kritik, ist fruchtbar: sie als Antisemilis hinzustellen, wen,r unangenehme Erscheinungenim Judeist betroffen werden, überlasse ich den Jüdifchnationalen ihrem Anhang. Aber ich komme nicht übe.r die Vereinsam hinweg. Es berührt mich als Couleurstudenten überaus; lieb, dah mir nicht dieselben Möglichkeiten des Anschlusses der Geselligkeit geboten sind, wie den nichtjüdischen Couse studenten in meiner Lage, die wie ich als auswärtige o n wis noä a t KI an nde eit, der von enc acht Hebel zur Erzielung politischer Wirkungen, und keine der vorhandenen Parteien wird uns voll befriedigen können, jede bedeutet nur einen Versuch, auf einem bestimmtenMege für das Wohl Deutschlands zu wirken. Jede Partei beAuptct von sich, dah gerade ihr Weg zum Ziele führen müsse. Jede läht durchschimmern, dah gerade sie uns eines Tages den grohen Führer bescheren werde, auf den wir alle warten und bisher stets vergeblich gewartet haben. Darum hqt jede Partei ihre Jugend, jede Partei, will uns. braucht uns, ruft uns. Und wir stehen dabei und fragen uns, welcher von allen den Werbern uns die gröhte Gewähr dafür bietet, dah wenigstens cin Teil unserer Wünsche in Erfüllung geht, dah vielleicht doch gerade aus dieser Partei der Führer kommt, der endlich vom Reden zur Tat schreitet und uns oft enttäuschte und beschämte Jugend, die wir uns, so gern begeistern lassen möchten, mitreiht. . ... . Welches gerade diesmal die Partei ist, die für solche Hoffnungen die gröhte Aussicht bietet, muh jeder Einzelne von uns nach eigenem Gewissen selbständig entscheiden. Aber das Eine Muh als Pflicht jedes jungen Menschen, der sein Vaterland liebt, festgehalten werden: kein Jugendlicher. der ein Deutscher sein will, darf an diesem Wahltage beiseite stehen und sich der Wahlpflicht entziehen. Jede Wahlenthaltung bedeutet Stärkung ,d er Radikalen auf beiden Seiten, die an Stelle vernünftiger politischer Gedankengänge und aufbauender Ideen nur gehässige und nichtssagende Schlagwörter zu bieten wissen. Kämen diese Parteien zur Herrschaft, so könnte das Resultat nur Zerstörung sein, und es würde sehr lange dauern, bis aus dem Schutt des zertrümmerten Deutschland wieder neues Leben spriehen wkürde. ' , Darum sei jeder wahlberechtigte junge Mensch, welcher Partei er auch zuneigt, aufgerufen, am 14. September seine Pflicht zu tun. An diesem Tage gibt es nur eine Sünde gegen das deutsche Vaterland — achselzuckend, überheblich und träge zu sagen: „Es wird ja doch nichts Gutes" — und den verhetzten Zerstörern das Feld zu überlcysen. H. Z. Brief aus einer kleinen deutfeben ömverfität. neu also Angei.htalsen, an ung hält sich i ch in Derbe- , kleine iteriger hier inne cklnen isher age veih < berna'n ter- Selbst mus um und ung Yein- und ur- Jnaftioe hierher kommen. In einer kleinen Universitätsstadt zeigt sich der Wert der Korporation erst richtig, was unter anderem auch daraus heroorgeht, dah hier der gröhte Teil dar jungen «-emester aktiv ist. Untek solchen Umständen tritt dcls Fehlen der durch eine Korporation gebotenen mannig fachen Anschluhmöglichkeitcn hier besonders unangenehm in Etfcheinung. Ich empfinde es, wie Du Dir denken kannst, als Benachteiligung, gerade von dem Schönsten, was eine solch kleine Universitätsstadt zu bieten hat, ausgeschaltet zu sein. Und in diesem Zusammenhänge habe ich es, wohl zum ersten Male in meinem Leben, schmerzlich empfinden müssen, welche Nachteile mir aus meiner jüdischen Abstammung erwachsen. Ich wiederhole ausdrücklich: nicht etwa, dah man mich oder die übrigen jüdischen Studenten mit Wort oder Tat angegriffen oder auch nur belästigt hätte, nein, das ist es-nicht. Im Gegenteil, so oft ich mit Studenten einzeln spfach, konnte ich eine liberale und verständnisvolle Anschauung feststellen. Ta aber nun einmal in die studentischen Verbände bis auf wenige Ausnahmen Juden nicht aufgestommen werden, da andererseits die Korporationen die Zeit ihfer Aktiven dauernd in Anspruch nehmen, ist es natürlich auch auherordentlich schwer, irgendwelche rein menschlichen Beziehungen mit den Korporationen oder ihren einzelnen Mitgliedern zu pflegen. Und die Inaktiven, die an sich mehr Zeit haben, nützen diese zum Arbeiten aus, und freuen sich, dit dann noch übrige Zeit mit Verbands- oder Bundesbrstdern auf einer feucht-fröhlichen Kneipe zu verbringen. Dann haben sie verständlicherweise nicht Lust, sich um jühische Probleme zu kümmern. So entsteht für mich, der ich hier leine Korporation meines Verbandes habe, eine gewisse Abgeschlossenheit, die in einer Kleinstadt um so schwerer ertragbar ist, als hier absolut keine sonstige Abwechstung geboten ist. Wäre ich von Natur aus anders veranlagt, als ich nun einmal bin. wäre ich nicht meiner Natur nach auf ein gewisses Mah äuherer Anregung angewiesen, so wäre m vielleicht nie auf den Gedanken gekommen, mein Unbehagen mit der Judenfrage in Zusammenhang zu bringen, und würde das Leben hier ruhig und schön finden. So aber fühle ich mich isoliert — zum Teil sicherlich durch eigene Anlage, zum gröhten Teile aber durch die Gleichgültigkeit und vor allem durch die Gebundenheit der anderen. „Und trotzdem fühlst Du noch nationaldeutsch?", höre ich nun die Alljuden höhnen, „trotzdem Du die Ablehnung