Der nationaldeutsche Jude
- Journal
- Der nationaldeutsche Jude
- Volume
- 1930
- Issue
- Nr. 9 (September 1930)
- Date
- 1930-09-01
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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ranus einige Unfreundlichkeiten nachzusagm und von feiner Rede festzustelken. sie erinnere „m fataler Weise an gewisse Trinksprüche, die vor 20 Jahren gehalten wurden". Die „Bosiische Zeitung" vollends zog ihre anfängliche Zustimmung zurück und nahm eine Schwenkung vor. Da sie nicht «ul sich selbst desavouieren und behaupten! konnte, die Rede sei sachlich unzutreffend, so stritt sie — hinterher — dem Redner die Befugnis ab. Sie entdeckte plötzlich. Herr Treviranus habe über. ein Thema gesprochen, das nicht in sein Fach schlägt. Sie lägt sich am 19. August aus Paris berichten: „Was man hier nicht zu begreifen vermag, ist. daß ein Fachmlnister die uneingeschränkte Freiheit hat. deutsche Austen. Politik zu machen." — „Wo käme wohl die französische Austenpolitik hm. wenn jeder Minister und Unterstaats, sekretär, des Mimsteriums Tardieu in ihren sonntäglichen Propagandareden sich aufs Glatteis der schwierigsten internationalen Probleme wagen würde! Jedenfalls würde Briand solchem Spiel kaum untätig zusehen und sich energisch dagegen verwahren, wenn es etwa dem Minister für öffentliche Ge. sundheit oder dem Unterstaatssekretär für die Hebung des Fremdenverkehrs einfallen würde, ihm in öffentlicher Rede ins Handwerk zu pfuschen." — Gegen dieses Eipose liehe sich vielleicht einwenden, dast Herr Poincare.l der ja auch kein Äuhenminister ist. wenigstens nicht gegenwärtig, rm Verlaufe des letzten Monats nicht eine .austenpolitische Rede gehalten hat. sondern deren drei, wovon die erste eine unverschämte Beleidigung des deutschen Reichspräsidenten darstellte. Weder Herr Tardieu, noch Herr Briand haben sich — „energisch dagegen verwahr?', und auch Herr iieo Stahl, der Korrespondent der „Vossischen Zeitung" hat — „solchem Spiel untätig zugesehen", m. a. W. — an der Kompetenz des Redners nichts auszusetzen gehabt. Im übrigen märe es nicht uninteressant, von Herrn Leo Stahl zu vernehmen, aus welcher Quelle ihm seine Information zugeflossen ist. Von dem äuherst ehrenwerten Herfn M a t 1 h e s etwa wieder? — Die Pariser Zeitungen werden ja auch in Berlin gelesen, von den Dingen aber, die der, Herr Korrespondent seinem Blatte da berichtet, steht in ihnen auch nicht ein Wort. — Die „Vossische Zeitung" .wird vielleicht selber jetzt finden, dast sie besser getan hätte, den Brief ihres Korrespondenten in den Papierkorb zu werfen. Man erweist seinem Lande einen sehr schlechten Dienst, eine Ministerrede, die Verbesserung der auhen- und innenpolitischen Laye bezweckt, dadurch wirkungslos zu machen) dast man sie als unmastgebliches Dazwischenschwähen eines Unbefugten hinsteilt. * Die Grenzziehung im Osten beruht auf einer vollkommenen Unkenntnis der geographischen und geopolitischen Voraussetzungen. Ueber diese, für uns sehr verhängnisvolle Ignoranz kursierten unter den englischen und italienischen Teilnehmern an der Pariser Vorkonferenz (Winter 1919) die — traurigsten — Witze. Die Polen begründeten ihren Anspruch auf ganz Westpreuhen, den masurischen Teil von Ostpreußen und das oberschlesische Industriestebiet mit der lächer- Holen Lüge, die Bevölkerung sei zu 90 vom Hundert polnisch. Man gab sich nicht einmal die Mühe, diese einseitige Behauptung auf ihre Richtigkeit hin zu Untersuchen, und wie die Dinge damals lagen, must es schon üls eine Gunst der Zufalls betrachtet werden, dast Paderewski, Wilsons intimer Freund, sich bei Lloyd George unbeliebt machte (von so äußerlichen Umständen hing damals Deutschlands Schicksal ab), und dieser durchsetzte, dah den Polen „nur" der Korridor zugejprochen wurde, alles übrige von ihn<n beanspruchte Land über einer späteren Abstimmung unterworfen werden sollte. Welches Ergebnis diese dann hatte, ist l ekannt: Rund 85 °/o der west- und ostpreustischen Bevölkerurg entschied sich für Deutschland: die Teilung Oberschlesiens beruht auf Fälschung des Volkswillens und brutalem Raub. Den „Korridor" erhielt Polen, w e gesagt, schon in Versailles, und zwar als „lebensnotwei digen Zugang zum Meere". Polen behauptete, seine Lantesprodukte nur auf der Weichsel ausführen zu können. Die u» umschränkte Ländeshoheit über diesen Wasserweg sei Vorbenngung seiner wrrtschaftspolitischen Unabhängigkeit. Diese Beweisführung drang durch, der deutsche Gegenvorschlag, den S rom von Thorn bis Danzig zu internationalisieren, wurde von der Pariser Vorkonferenz verworfen. Kaum war Polen ini Besitz der Weichsel, ging es daran, in Gdingen, einem kleinen, 20 lcm von Danzig entfernten Fischerdorf an der Putziger Bucht, einen Hafen zu bauen. Gleichzeitig wurde die Bahnstrecke Warschau— Thorn—Bromberg—Dlrschau—Karthaus bis Gdingen weitergeführt. Auf.diesem Schienenwege rollen etzt Polens Landesprodukte bis zum Kai und werden dort in die Schiffe umgeladen. Der Danziger Hafen verödet, die Weichsel versandet, Polen bedarf beider nicht mehr. . . .. Die Gründe dieser scheinbar unsinnigen Nationalökonomie liegen auf der Hand: Da es Polen tiotz allen Schikanen nicht gelang, Danzig durch Mittel der Machtvolitik in seine Hand zu bringen, will man es wirtschaftspolitisch versuchen. Der Gdinger Hafen hat. rund eine 2 Milliarde Zloty gekostet: Danzig ist erne Milliardl wert. Diese, den Lesern längst bekannten Tatsachen werden unzweifelhaft eine Rolle spielen, wenn unsere Delegierten bei der bevorstehenden Genfer Tagung die durch Treviranus eingeleitete Aktion weiterführen. Ergaben sie auch alle zusammen noch keinen völkerrechtlichen Grund für eine Revision, so sind sie doch geeignet, unseren Anspruch darauf moralisch zu unterstützen: Die Abstimmungsergebnisse 1920 und 1921 liefern den Beweis, hast die Alliierten über das Nationalitätenverhältnis in den abgetrennten Ostgebieten getäuscht worden sind, und die polnische These von der „Lebensnotwendiglest" des Weichselbesitzes wird durch die polnische Praris acl absurclum geführt. Auch der Hinweis auf den im Locarnovertrag fehlenden Einschluß der Ostfrage kann nur eine moralische Stütze bedeuten: Bnands und nach ihm Tardieus Interpretationen nachträglicher Verträge haben keinen Zweifel darüber gelassen, dah an den Versailler Bestimmungen nichts geändert ist.. So absurd es klingt — in diesen allein liegt unsere Hoffnung, denn völkerrechtlich begründet kann unser Anspruch nur werden durch Anwendung des Artikels 19 der Völkerbundsatz ung; und diese Anwendung wiede-rum wird ermöglicht durch die Mantelnote ziun Versailler Friedensvertrag, bie dessen Revisionsfähigkeit fest,stellt. — Die Mantelnote des Versailler Vertrages also bildet das Grundrecht, von welchem ausgehend unsere Delegierten sich auf Artikel 19 der Völter» bundsatzung berufen werden: „Die Bundesversammlung hat die Befugnis, die Mitglied st aalen ur Nachprüfung nnantoendbar gewordener Verträge und solcher internationalen Verhältnisse aufzufordetn, deren A u fr echt er hal» tung den Weltfrieden gefährden könnte." — Ueber den Begriff „unanwendbar gewordene Verträge" können Meinungsverschiedenheiten -bestehen, nicht aber darüber, -dast die Aufrechterhaltung der (gegenwärtigen) internationalen Verträge, m. a. W.: dah der Statusguo im Osten erne Friedensgefährdung im Sinne des Artikels 19 derVölkerbundsatzung darstellt. Polen selb st, das täglich neuen Zündstoff an den Grenzen häuft, liefert die Beweise. ' ' I i Verbandsnacbncbtcn. 1. Wahlen zu den jüdischen Gemeindekörverschaften. Wir verweisen nochmals auf das Listen-Formular» das wir unseren Mitgliedern und jüdischen Freunden in Berlin auf Seite 6 unserer Augustnummer zugehen liehen und das zur Prüfung der Frage, ob alle wahlberechtigten Personen in die Wählerlisten eingetragen sind, bestimmt ist. Wenn die Herrschaft der Iüdischnationalen bei den im November dieses Jahres stattfindenden Wahlen wirklich gebrochen und die Wiederholung eines Falles Kareski (siehe die erste Seite dieses Blattes) unmöglich werden soll, müssen diesmal gerade diejenigen Wahlberechtigten l V an bie Wahlurn glaubten, bie elanglosigkei auf Ausflüge, in Ko rzerte oder dergl. begeben z u Bei der vorigen Dahl, deren Ergebnis nur Indifferenz eines gr>ßen Teiles der Wahlberechtigten ent stehen konnte, haben keifen der Späh standen Personen, Lebende fehlten, werden, dah die dies ist wiederum ny sich sehr zahlreiche Unfti num i g - l er listen ergeben. Auf den Liften hie lgngst verstorben waren, während dies kann nur dadurch verhindert ählerlisten geprüft werden, und möglich, wenn man die Wahlberech- Alles W tigten kennt. Wir b tten daher wiederholt dringend, die in der vorigen Nummer lare auszufülle 2. Schriftleitung herige Cchriftleiterin geschieden, _ um_ sich Dr. Walter Laa Jugendgruppe, geführt 3. Vortragsabenl e tragsabende wird um " erfolgen. Es ergehen e gebracht werden, die bisher jüdische Gemein depolitik als behandeln und sich am Wahltage dürfen, durch die einzusenden. Söweit die Formulare Händen sind, stehen n ue zur Verfügung.' unseres Blattes enthaltenen Formun und an die Geschäftsstelle nicht mehr vordes Mitteilungsblattes. Unsere bis- Fräulein Margo Wolff ist auseiner anderweitigen Tätigkeit zuzuwenden. Die Schrift eitung wird bis auf weiteres von Herrn er, Berlin, dem Vorsitzenden unserer .. Die Wiederaufnahme unserer Dor- Ende September oder Anfang Oktober besondere Einladungen. Der Vorstand. Lücberlcbau. Infolge Ueberlastüng mit Stoff ist es uns leider nicht möglich gewesen, die yns zur Besprechung eingesandten Bücher in den letzten Nummqrn unseres Blattes zu besprechen. Eine umfassende Bücherschau wird, wenn es irgend möglich ist. in der Oktobernummer erscheinen. Di« Schriftleitung.