Der nationaldeutsche Jude
- Journal
- Der nationaldeutsche Jude
- Volume
- 1930
- Issue
- Nr. 9 (September 1930)
- Date
- 1930-09-01
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
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anspruchnahme dieses Rechtes, ja schon in der.bloßen Andeutung. daß der Wunsch danach besteht, ein Berbrechen zu sehen. Selbst die sozialistische Oppositionspresse — der „Populaire“ z. B. — wendet sich rn ihren Leitartikeln nicht etwa gegen diese spezifisch französische Geistesverfassung, sondern nimmt die Trevkranusrede zum Anlaß allgemeiner innenpolitischer Angriffe gegen die Regierung, wie denn überhaupt die Sozialisten in Frankreich,.ganz im Gegensatz zu den „Genossen" in Deutschland, niemals vergessen, daß sie in Erster Reihe Franzosen sind. Einen französischen Arthur Crispien etwa, der sagen, würde, er — „kenne kein Vaterland, das Frankreich heißt," kann man sich nicht gut oorstellen an der Spitze einer Partei, derpn Wahlspxuch war. ist und sein wird: „Allons enfants -fde la pat-rie." La patrie aber ist Frankreich -— „Laj Grande Nation", und wie im französischen Vaterlandflied zur „Patrie" die „Glaire“ gehört, so gehört zur Olpire ein schwaches, ein gedemütigtes, ein ohnmächtiges Deutschland. Um es im Zustand der > Schwäche zu erhalten, darf an einem Statusquo nicht gerüttelt werden, der eben diesen-Dauerzustand verbürdt. Der raffiniert ausgeklügelte „Korridor" zerstückelt nichs nur ein staatspolitisch, verwaltungstechnisch und wirtschaftlich zusammenhängendes Gebiet, er schafft auch.'im Osten statt einer strategischen Grenze deren drei und gibti schon im Frieden das Bild einer Schlachtordnung, -die das 1 Zentrum durchstößt und den rechten Flügel abschneidet. Ein!dergestalt anormales Mißverhältnis, bei dem alle natürlichen Vorteile auf der einen und alle Nachteile auf der anderen 0eite. finb, würde auch weniger erpanfionslüsterne und chaüvinrstischt Nachbarn, als es die Polen find', zur künstlichen Schaffung eines easus keil! anreizen, Wer sich der säbelrasselnoen Reden polnischer Militärs erinnert, wer den unverblümten Annerionsplänen Aufmerksamkeit schenkt, die sich nicht nur auf das „un erlöste Ostpreußen" erstrecken, sondern auch westlich des Korridors bis zur Oder, wer die polnische. Nationalistenpresse liest und die Tag für Tag an deutschen Minoritäten verübte» Rechtsoerietzungcn auf ihre Gründe hin untersucht, für dtn besteht kein Zweifel, daß Polen den Krieg wjill. Tie unaufhörlich sich häufenden Grenzverletzungen zu Lande, die allen deutschen Protesten zum Trotz fortgesetzten Ileberlandflüge polnischer Piloten, was sind sie anderes, äl^ planmäßig betriebene Herausforderungen .mit dem kaum verhüllten Endziel, daß eines Tages von selber die Gewehrschüsse kisalsen! — Völkerbund? — 2n der. Tat, was von ihm im- Ernstfall zu erwarten ist, hat Polens H-a ndstreich auf! Wtlna gezeigt. Vestigia terrent! — Wenn Treviranus nichts weiter erreicht hat, alH den jetzt zusammentretenden Völkerbund auf die in einer unerträglichen Grenzziehung liegende latente Kriegsgefahr hingewiesen. ihn gewarnt zu haben, ehe der im Korridor schwelenpeBrandherd zur ködernden, ganz Europa ansteckenden Ktiegwird, sein Verdienst und der Erfolg seiner Rede waren genug. Die aus England, Skandinavien, Italien und Spanien, die aus allen Kontinenten der Alten und Neuen Welt zu uns gelangenden Pressestimmen lassen erkennen, daß! d i Erfolg erreicht worden ist. Die Aufgabe unserer Re wird es jetzt "sein, die endlich in Fluß kommende \ . nicht int Sande verlaufen zu lassen und nicht eher fu rrhen, als bis die nunmehr. akut gewordene Korridorftage eine friedliche und — gerechte Lösung gefunden hat. Treviranus hätte es nicht erst nötig gehabt, Deutschlands unbedingte zier« nden )iskr ssion Friedensliebe zu beteuern und sie mit dem Hinweis militärische Ohnmacht zu bekräftigen, sowohl die die andere sind aller Welt bekannt. Wenn wir Völkerbund unseren Anspruch anmelden, so liegt auf eine vor woh Refus im Bereich der Möglichkeit, unmöglich, alek i daß sich außer der französischen und polnischen eine erheben wird, die Deutschlands friedliche nichtanerkennt. # Wenn man fnh die französische und polnische Press« sieht — es ist kein Vergnügen, sollte aber PfMt Deutschen sein —, wenn man das wutschäumende Gesta eines entfesselten wilden Deutschenhasses auf sich einwirken so kann man sich nur schwer des bitteren Gedankens erweh wozu das alles gewesen ist: der Lozarnooertrag sund Kelloggpakt, die freudige Zustimmung zum Paneuisopa dir mit unendlicher Geduld aufgenommene Riesetzlast Poungplanes, wenn eine das Weltgewissen gnru Ministerrede schon als Friedensbruch gilt. Bitters F> trägt von Jahr zu Jahr der süße Orangenblütentrautn Thoiry: Zuerst war's auf Stresemanns. höfliches!Erii an die fällige Räumung der ersten Rhrinlandzonie ( Briands höhnische Antwort: „Der von den 'Deutschen zi Locarno-Geist spukt nur in ihren eigenen Köpfen nirgendwo sonst." — Dann waren's Poincarös oi T zu Woche fortgesetzte Denkmalsreden, von denen eiie ii die andere übertraf an Grobheit der Beleidigung >den Empfindens. Deutschland war als „vollberechtigtes" eser seine wie dem ein t es, mme ich 1. an- >edes> nmel Iäfet; reu, der und des ende Süchte von nern 1925) stierte und oche mer pichen 5 latsi fllieb in den Völkerbund «ingetreten. aber im besetzten Gebiet nahm die Drangsal einer schutzlosen Bevölkerung kein Ende, hörte bis zuletzt das barbarische Reitgertenregiment der weißen und farbigen Soldateska nicht auf. Deutschland hat ehrlich abgerüstet. sein kleines Heer, kaum ausreichend, eine 50-Kilometer-Erenze zu besetzen, geschweige denn ,u verteidigen, ist unvollkommen armiert, hat keine großkalibrigen und weittragenden Geschütze, keine Kampffluggeschwader, keine Gaswaffen. keine Tanks» während Europa, im Versailler „Frredens"-Traktat iuf' Abrüstung verpflichtet, ringsum in Waffen starrt. Seine Westgrenze bildet die breite „entmilitarisierte Zone", ein Glacis für Frankreichs Festungsgeschühe und Aufmarschgelände für seine Armeen. Wir haben zuletzt den Boungplan -»unterschrieben und uns über zwei Menschenalter hinaus auch vom wirtschaftlichen Wettbewerb ausschalten lassen, weil alles, was unsere Industrie an Werten schassen wird, auf Konto unerhörter Tributleistungen geht. Damit nicht genug, haben wir auch Polen als unseren „Gläubigerstaat" freiwillig anerkannt und ihm im Liaui dationsabkommen ein Milliardengeschenk gemacht, Heber die Versailler Verpflichtungen hinaus und roeit über seine Kräfte hat Deutschland alles getan, die Welt zu befrieden, aber von dem einzigen ihm vertragsmäßig zustehenden Recht, die Revision unhaltbarer Zustände zu beantragen (Mantelnote zum Versailler Vertrag und Artikel 19 der Völkerbundsatzung) — von diesem guten Recht Gebrauch zu machen, gilt als „Sünde gegen den Geist des Friedens". Frankreich, das sich selber das schmückende Beiwort „Hort des Friedens" gegeben hat. das „ritterliche Frankreich" fährt fort, die rühmlose Rolle des Räubers zu spielen, der — die Anklage der Ruhestörung erhebt, wenn der Beraubte aufstöhnt! Leider muß gesagt werden, daß die Treoiranus-Rede auch im eigenen Lande nicht überall ein zustimmendes Echo gefunden hat. Wenn/der „Vorwärts", der französischen Nationalistenpresse sekundierend, seinen Leitartikel mit der Ilxberschrift „Treviranus auf dem Kriegspfade!" versieht, wenn gewisse, ihm wesensverwandte Montagsblätter und Wochenschriften ihre zeternden Stimmen mit dem brüllenden Chor jenseits des Rheins und der Weichsel vereinen — nun gut, man ist's gewöhnt. Die polnischen Grenzverletzungen lehen sie nicht, die polnischen Kriegsreden hören sie nicht — aber in allem, was ein deutscher Patriot tut oder sagt, hören sie und sehen sie verbrecherische Absichten. Vertragsbruch und Bedrohung des Weltfriedens. Lassen wir sie: die Aermsten leiden an einer schweren Geisteskrankheit, sie heißt: „Psychopathia internationalis.“ . * i Was die Presse der gemäßigten Linken, die liberaldemokratische also, betrifft, so erlebten wir zu Anfang das seltene und zu schönsten Zukunftshoffnungen verleitende Schauspiel. sie Schulter an Schulter mit der Rechten sich um den — ihr sonst nicht gerade sympathischen „Seekadetten" scharen zu sehen. Das „Berliner Tageblatt" bescheinigt Herrn Treviranus,. er habe „nur auf die heute schon ziemlich in ganz Europa anerkannte Tatsache hingewiesen, daß die ungelöste Korridor frage eine europäische Sorge und Gefahr bleibt.! Er hätte sich dabei ja unter anderen sogar auf ernsthafte französische Politiker berufen können, wie den Grafen d'Ormesson. der, man mag über seinen Lösungsvorschlag denken, wie man will, doch offen die Unhaltbarkeit. Ungerechtigkeit und politische Unzweckmäßigkeit des jetzigen Zustandes zugegeben hat." — Und die „V o s s i s ch e Zeitung" erklärt, in der Treviranus-Rede „nichts zu finden, was nicht vorher andere deutsche Politiker in verantwortlicher Stellung, was nicht auch Stresemann gesagt hätte. Auch der Sozialdemokrat l)r. Breitscheid hat einmal ähnlich gesprochen. Kein Deutscher wird ,emals die Grenzziehung im Osten als gerecht und zweckmäßig anerkennen." Daß der „Berliner Börsen-Courrer" Herrn Treviranus die besten Sekundantendienste geleistet hat. braucht nicht erst hervorgehoben zu werden. Dieses Blatt hat sich von jeher durch eine Publizistik ausgezeichnet, di« einen klaren, weder, nach links noch nach rechts schielenden, sich keiner Parteibrillc bedienenden Blick verrät. Entschiedene Republikanerin, war es doch niemals ihre Sache, der toten Monarchie Eselstritte zu versetzen. Frei von jedem Snobismus, betrachtet sie die Tagesgrößen der Politik. Kunst und Literatur mit wohlwollender Skepsis, und an der Verbreitung des Geredes von der guten neuen und der bösen alten Zeit hat sie sich niemals beteiligt. So interessant es vielleicht wäre, auch die anderen Stimmen des großen liberal-demokratischen Blätterwaldes mer zu Erhör zu bringen, muß doch aus begreiflichen Gründen darauf verzichtet werden. Die einen ^rnit mehr, die anderen mit weniger Temperament und Geschick, haben sie alle eine einhellige Sprache geführt, die wohl geeignet gewesen wäre, m Paris und Warschau Eindruck zu machen, wenn ..... Schon am 13. August, drei Tage nach der Rede, konnte die „Frankfurter Zeitung" — „nicht umhin", Herrn Trcvli