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Der nationaldeutsche Jude · 1930-09-01 · Nr. 9 (September 1930) · p. Seite 2

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Journal
Der nationaldeutsche Jude
Volume
1930
Issue
Nr. 9 (September 1930)
Date
1930-09-01
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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^ungdeutfcbe und Juden. 6ine Hntwort an Hrtbur JMabraun. Von Dr. Max Naumann. 'Erscheint zugleich bn .Jungdeutschen'- Herr Arthur Mahraun, Führer des Jungdeutschen Ordens, der 2ud«n nicht aufnimmt, und Führer der Deutschen Staatspartei die nicht wenige Juden umfahr hat in einem viel besprochenen Aufsatz seine „Stellung zum Judentum" dargelegt. Er hat vorwurfsvolle Fragen von'jüdischer und nichtjüdischer Seite beantwortet und hat selbst eine Frage gestellt. Sie lautet: „HatdasJudentum ein Recht, deutsche Gemeinschaften, welche sich nach rassischen Vorbedingungen zusammengefunden haben und die über diese eigene Einstellung, hinweg gemeinsammitallendeutschenStaatsbürgern ohne jede rassische Vorbedingung positiv in der Politik Zusammenarbeiten wollen, als antisemitisch zu bezeichnen?" Auf die Frage ist in zahlreichen jüdischen und von Juden beeinfluhten Zeitungen erwidert worden. Keine der Antworten kann voll befriedigen: jede,geht irgendwie um den Kern des Problems herum, jede ist-irgendwie von Vorurteilen, oder von Taktik gelenkt. Das ist zu verstehen, wie es' auch zu verstehen ist. dah Herr Mahraun selbst taktische Erwägungen nicht ausschaltet. Taktik ist keineswegs Unehrlichkeit oder Drückebergerei, sie ist ein zulässiges und notwendiges Mittel der Politik, und Deutschland steht vor einer politischen Entscheidung gröhter Bedeutung, den Reichstagswahlen. Aber für das Schicksal eines Landes uyd Volkes ist, es wichtig, dah es auch in politisch gespannter Zeit Menschen gibt, die nicht von Kopf bis Fuh auf Tgktik eingestellt sind, die über die nächste Entscheidung hinaus "die Entwicklungslinie bis in eine gesicherte, vielleicht erst kommenden. Geschlechtern gesicherte Zukunft suchen. Wir nationaldeu'tschen Juden gehören zu diesen Menschen, die über die schwankenden Jwcckmähigkeiten des Tages zu der Festigkeit einer deutschen Zukunft streben, und wir glauben zu wissen, dah Herr Mahraun und seine Jungdeutschxn zur gleichen Menschengruppe gehören. Darum gewinnt für uns die von'Herrn Mahraun aufgeworfene Frage eine Bedeutung, die weit über die heutige Taktik der Jungdeutschen undnoch.weiter über die heutige Haltung jüdischer Nur-Taktiker hinausreicht. Herr Mahraun fragt, ob die^ Juden berechtigt seien, den Iungdeutschen Orden als „antisemitisch" zu bezeichnen, weil seine Mitglieder „völkisch" seien. Diese Formulierung erscheint mir verfehlt: sie ist eine von denen, die sachliche Erörterungen von tiefster Bedeutung in dialektischen Streit um Worte abgleiten lassen können. Ein guter Teil der unerquicklichen Formen, in denen heute in Deutschland die Judenfrage erörtert wird, entfällt auf den Wortzwang, der von unglücklich gewählten Ausdrücken ausgeht, von Ausdrücken, mit denen hüben und drüben und über Kreuz grundverschiedene Begriffe verbunden werden, und die man handhabt, als. könnte über den Begriffsinhalt gar kein Zweifel bestehen. Vor dem durch Ucberempfindlichkeit und Mangel an Selbstkritik bestimmten Unfug, der in gewissen jüdischen Kreisen mit dem Worte „Antisemitismus" ' getrieben wird, ist van uns nationaldeutschen Juden oft genug gewarnt' worden. Aber nicht minder bedenklich ist die Gepflogenheit, den Begriffsinhalt der Worte „völkisch" und „rassisch" gleichzusetzen. Herr Mahraun selbst spricht van „allen denen,' welche an den Grundlagen der deutschen Kultur rütteln, einerlei ob sie Juden sind oder nicht". Er weih also, dah es in Deutschland zahlreiche, leider sehr zahlreiche Nichtjuden gibt, die trotz „rassisch einwandfreier" Abstammung ihrem deutschen Vaterlande den gröhten Schaden tun» unsere deutsche Kultur zersetzen, das deutsche Volkstum, auflösen. Und Herr Mahraun weih sicherlich auch, dah es in Deutschland zahlreiche Juden, auch sie „rassisch einwandfrei", gibt, die — unbeschadet ihrer religiösen Anschauungen — in „völkischer"' Hinsicht kein anderes Volk kennen, als das deutsche, die für sich und ihre Kinder keine andere Zukunft wünschen, als die deutsche. Wir nationald^rtschen Juden,' die wir „rassisch" Juden, „völkisch" Deutsche sind, unterschreiben Wort für Wort den Satz des Herrn Mahraun: „Unser Kampf für den deutschen Volksstaat erstrebt die Vollendung der deutschen Volkseinheit und die Bereinigung aller Gegensätzlichkeiten, die das deutsche Volk mit Hah und Zwietracht erfüllen." Und damit scheint mir der Weg aufgezeigt, der für Nichtjuden und Juden in die deutsche, in die wahrhaft deutschvölkische Zukunft führt. Der Grundfehler bei allen bisherigen Versuchen zur Lösung der Judenfrage war der. an der Auslegung und Auswertung des heutigen Zustandes zu haften, als ob dieser Zustand ein ewiger sein mühte oder könnte. Wir können die Judenfrage nicht lösen wie eine Rechenaufgabe, wir können sie nur durch aufbauende Arbeit überwinden. Dah es heute in Deutschland eine Judenfrage gibt, kann kein verständiger Deutscher verkennen. Die Luden, die es dennoch leugnen, sind nicht verständig und zun» Teil nicht deutsch. Es sind Jüdischnationale, die im jüdischen Voltstum stecken geblieben sind, oder „Zwischenschichtler", die verstandesmähig, theoretijch^das Nationaldeutschtum bejahen, ' aber praktisch. gefühlsnnL^ aus dem Nationaljudentum noch nicht freikommen. Wst/nationaldeutschen Juden verleugnen nicht unsere jüdischvöllische Vergangenheit, aber wir bejahen auch für uns die deutschvöllische Gegenwart, und wir erstreben die deutschvölkische Zukunst. Wir erkennen das Gesetz der Entwicklung an, für uns wie für andere, und wir begrühen es als ersten Schritt auf dem Wege zur „Bereinigung der Gegensätzlichkeiten", wenn das gleiche Gesetz auch von nationaldeutschen Nichtjuden anerkannt wird. Dah im heutigen Entwicklungsstadium der völkische Gemeinschaftssinn hüben und drüben noch nicht voll ausgereist ist, kann unsere Zukunfts- Hoffnung und unseren Zukunftsglauben nicht beeinträchtigen. Und nur als ein Symptom des unbefriedigenden Gegenwartszustandes, nicht als Vorzeichen einer ebenso unbefriedigenden Zukunft sehen wir es an, dah heute noch bei Nichtjuden und Juden Zusammenschlüsse bestehen, die auf „rassischer" Grundlage aufgebaut sind, die von der einen Seite als „antisemitisch", von her anderen Seite als „antigermanisch" empfunden. bezeichnet und angefeindet werden, die im letzten Grunde aber, wie es Herr Mahraun sehr treffend ausspricht, aus beiderseitigen Minderwertigkeitsgefühlen beruhen und dem Versuche dienen, diese Gefühle durch Rassendünkel zu „überkompcnsieren". Der Weg zur Ueberwindung dieses üblen Gegenwartszustandes führt über die gemeinsame Arbeit für die gemeinsame Zukunft. Und darum soll es uns nationaldeutsche Juden nicht stören, wenn heute noch ein Teil unserer nichtjüdischen Mitbürger von Zeit zu Zeit das Bedürfnis hat. in einem „rassisch" --- nicht „völkisch" — engeren Kreise beisammen zu sein, wie ja auch manche ehrlich zum Deutschtum strebende Juden gelegentlich den Wunsch verspüren, in jüdischen Kreisen oder Vereinigungen „unter sich" zu sein. Wichtig ist nur, dah die gemeinsame Arbeit sortdauert, dah sie auch durch schlechte Erfahrungen mit Einzelpersönlichkeiten hüben und drüben nicht unterbrochen wird, dah man sich gegenseitig kennen lernt, für einander Verständnis gewinnt und auf beiden Seiten den heutigen Zustand, in dem noch „rassische" Sondcrzirkel möglich sind, als ein llebergangsstadium betrachtet, das überwunden werden soll und überwunden werden muh, wenn die Deutschen einmal wirklich ein Volk sein wollen. Und darum ist es auch, vom Standpunkte der nationaldeutschen Juden aus gesehen, ganz unwichtig, ob in den neuen Reichs-, tag. diesen Reichstag von bestenfalls einigen Jahren Lebensdauer. ein paar jüdische Rechtsanwäste.oder Redakteure mehr oder weniger als Abgeordnete einziehin. Der entscheidende Fehler auf beiden Selten war bisher, eine Entwicklung als, abgeschlossen zu behandeln, die noch in den Anfängen ist. Erkennen wir einmal das Gesetz der Entwicklung an, so haben wir keinen Anlah, die Entwicklung zu überstürzen. Aber wir. haben allen Anlah, die Entwicklung endlich einmal einzuleiten, sie nach Kräften zu fördern und jedes Anzeichen des Fortschreitens zu begrüben. Darum ist uns nationaldeutschen Juden die Stellung des Herrn Mahraun zum Judentum als Anzeichen eines Entwicklungsfortschrittes begrühenswert, auch soweit wir nicht gerade di«-„Deutsche Staatspartei" für den einzigen politischen Weg. der zur deutschen Volksgemeinschaft führen kann, halten. Ob wir politisch rechts oder links von ihm stehen — in seinem Zweifrontenkampfe gegen den verständnislosen Vorwurf des „Antisemitismus" auf der einen und gegen den „demagogischen Antisemitismus" auf der anderen Seite wird Herr Mahraun stets in uns zuverlässige Kampfgenossen finden.

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