Der nationaldeutsche Jude
- Journal
- Der nationaldeutsche Jude
- Volume
- 1930
- Issue
- Nr. 9 (September 1930)
- Date
- 1930-09-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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T r Einzelnummer 20 Pfennig. _ i Mitteilungsblatt -esverbaubes ualioual-eukfcherZudenLv Das Mittellungsblatt erscheint monatlich Geschäftsstelle des Verbände» and Schriftleituug des Mitteilungsblattes: Berlin WZ5, Blumeshof 9, Lei.: Lützow 5333/54. Bankkonto: Martin Schiff, Berlin Ws, Jägerstr. 9. Postscheckkonto Berlin Ar. 111231 Jahrgang J950 September Nr. 9 mmmm \ Aus dem Inhalt: Jttngbeutfche nnb Jnbenivon Dr. Max Naumann. — Vom Nnrvert literarischer Bildung von Bruno L. Werner. — „Ver Aorribor" von S. Nast. .4 Oer '3fQdird)nattonale als Zentrumskandidat. Auf der Berliner Kandidatenliste des Zentrums prangt, wie die zionistisch-sozialistische „Jüdische Zeitung für Ostdeutschland" jauchzend meldet, der Direktor Georg Kareski „wenn auch nicht an aussichtsreicher Stelle, so doch demonstrativ". Herr Kareski, Angestellter des Michael-Konzerns, ist Jiidifchnationaler, ein „Prominenter" der „Jüdischen Bolkspartei", — was nicht etwa eine jüdische Partei des Volkes, sondern eine Partei des „jüdischen Volkes" bedeutet. Als einer der Jüdischnationalen, die mit den Wählerstimmen ausländischer Ostjuden die Berliner Jüdische Gemeinde zurzeit noch beherrschen, ist er Vorsitzender der Gemeinde geworden. Während der skandalösen Vorgänge gelegentlich der letzten jüdischen Gomeindewahlen, die zu äußerst scharfen Vorhaltungen der Aufsichtsbehörde geführt haben, war?r Wahlkommissar, — allerdings .in partibus infidelium“, denn während der ZeststelluNg des Wahlergebnisses war er in Paris bei Herrn Michael. V Das Zentrum selbst hat zweifellos die beste Absicht gehabt, als es sich an die Berliner Jüdische Gemeinde wandte und um Borschlag einer „geeigneten jüdischen Persönlichkeit" bat. Man hat „durch die Jentrumsliste zum Ausdruck bringen wollen, daß das Zentrum für den Schutz aller religiösen Richtungen eintritt." Daß der Zionismus keine religiöse, sondern eine völkisch-politische Richtung ist» hat tzwn nicht gewußt. Und diese erschreckende Unkenntnis „inNerjüdischer Verhältnisse" bei zweifellos nationaldeutsch gesinnten ZUhrern einer großen Partei ist das, was dem Vorfall seine Bedeutung gibt. Kein Sichrer des Zentrums, das ganz gewiß nicht „antisemitisch" ist, hat sich vorgestellt, daß die Hinnahme eines Jüdifchvölkischeu als Repräsentanten des Judentums von den wirklich deutschfiihlenden Juden als ein Schlag iu's Gesicht, wie ihn kein wahrer Judenfeind verletzender führen könnte, empfunden wird. # Was folgt daraus für uns deutschfühlende Juden? Daß wir noch immer nicht genug getan haben, um unseren uichtjüdischen deutschen Bolksgeuosteu den wahren Stand der Dinge klarznmacheü. Shnen klarzumachen, daß der Jüdifchnatiouale dem Deutschtum innerlich ein Zremder» daß er ein Ausländer des Gefühls ist, dem man zwar nach dem formellen Rechte den Zutritt zur Wahlurne nicht verwehren Kanu, besten tatsächliche Einmischung in die Politik unseres deutschen Volkes aber vor dem Rechte des Gefühls eine Ungeheuerlichkeit ist, die von jedem deutschen Menschen. Richtjuden oder ^uden, der von jüdischen Dingen etwas weiß, als solche empfunden werden muß. ' Wer als deutschfühlender Jude aus praktisch-politischen Gründen, die nur Sache seines eigenen Sewistens fein können, bisher entschlosten war, die Zentrmusliste zu wählen, möge es auch setzt noch ohne Bedenken tun. Der Jüdischnationale Kareski steht ja „nicht an aussichtsreicher Stelle". Aber die Kandidatur Kareski wollen wir im Gedächtnis behalten, nicht gegen das von schlauen Jüdischuationalen irregeführte Zentrum, aber gegen di« ^Jüdischnationalen selbst und gegen ihre Mitläufer, durch deren Schlastheit und Indifferenz es mögüch war, daß dieser Herr Kareski den deutschen Wählern als Vertreter des deutschen Judentums vorgefetzt werden konnte. ff