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Der nationaldeutsche Jude · 1930-08-01 · Nr. 8 (August 1930) · p. Seite 5

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Journal
Der nationaldeutsche Jude
Volume
1930
Issue
Nr. 8 (August 1930)
Date
1930-08-01
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Scblagbäume auf! Vorbemerkung. Daß die parteipolitischen Ausführungen unseres Mitgliedes S. Na st den Ausdruck seiner persönlichen Ueberzeugung darstellen, sei nochmals hervorgehoben. Von 8. N a ft. i Schon in der athenischen Cdr l't. ritte",' den politischen Gegner dadurch an unter seinem Namen Schandtate > Der sozialdemokratische Wiener „Tag" brachte am 22. 3uli einen Leitartikel, von dem men gern glauben möchte er sei ein publizistisches Mißgewächs de: Sauregurkenzeit. Das es in den finsteren Schluchten des Ungeistes, wohinein keir Strahl der.Aufklärung dringt, neben anderem Lindgewürn auch so etwäs wie einen — alpiner Antisemitismus fiibJ, wissen wir: die Borgänge in de Berliner Sektion des ..Deutsch-österreichischen Alpenvereins" ff ib uns noch in unliebsamer Erinnerung. Jetzt, nachdem ein Jahrfünft vergangen und Gras über den Berliner Borgängen gewachsen ,'t. hat der ..Arierparagraph" traurice Urständ gefeiert im heileren Wien? Die Phalanr der Pliäaken, der sonst so gastlichen, hat die Felsen, die Firnen, t ie Gletscher erstürmt und allerorten, wo ein Schindeldach d e Hütte schirmt, da bat sie die Hakenkreuzfahne gehißt? Wo bisher das Schweigen der Berge nur manchmal unterbrochen ward vom Donner der Lawinen oder vom Schrei des einsam kreisenden Adlers, da schallt jetzt schaurig von Gipfel zu Gipsei der gellende KricgsruT „Juden raus"? * Was der Wiener „Tag" schreibt, ist. kurz gesagt, folgendes: Der „Deutsch-österreichisck e Alpenverein", der ..Desterreichische Touristenklub" und der „Oesterreichische Gcbirgsverein" — diese drei Verbände haben sich zu einer einzigen Organisation verschmolzen und alle Unterkuuftsorte in seinem Fusionsbereich den jüdischen Bergsteigern verschlossen. Neben diesem bürgerlichen Alpinistenlartell gibt es in Oesterreich noch den sozialdemokratischen „Verein der Naturfreunde", dessen „konfessionelle wie. rassenmäßige Neutralität c uch bürgerliche Bergsteiger. die seiner politischen Einstellung sonst fernstehen, aniicbt". — So wird dieser Verein „immer mehr das Sammelbecken aller derer, die in den Bergen Erholung, Frieden und Ruhe suchen" — usw. — Der „leg" schließt mit einer Mahnung an die Regierung: „Staatl che Subventionen sind nur für den Verein der Naturfreunde am Platze, nicht aber gegenüber anderen Organisationen, die planmäßig Bergsteiger gegen Bergsteiger Hetzen, eine lebensk cfährdende Feindschaft in die Berge bringen, den Fremdenverkehr untergraben und Oesterreich in Verruf bringen." — Wenn es wahr ist, was der „Tag" da schreibt, und haben sich die bürgerlichen Verbände wirklich zur antisemitischen Einheitsfront zusammengeschlossen, so hat das Blatt, dessen volitische Tendenz sonst durchaus nichi die unselige ist. mit einer Veröffentlichung sich ein große- Verdienst erworben. Ist Antisemitismus, religiöser wie „rassenmäßiger", an sich chon ein Anzeichen seelischer und geist ger Unkultur, so gibt v vollends kein Wort für die Roleit und Niedertracht, ivcgmüde. an Gesundheit und Lebei vielleicht gefährdete Wanderer von der Schwelle einer Schutzhütte zu wessen, iner Hütte noch dazu, die dieser mit seinen Mitgliedsbeitrügen bauen half. — Bis zur objektiven Feststellung des Tatbestandes wird »an allerdings gut tun. der Darste lung des „Tag" mit -tepsis zu begegnen. Es ist noch gar ücht so lange her, daß r beunruhigende Gerüchte über an isemitische Studentenawalle in die Welt gesetzt hat und sich darüber belehren isten mußte, daß die randalierenden Musensöhne —Arbeitslose waren, die der Partei des „Tag" sehr nahe stehest. Ob uiese auch alle die schönen Heimwehrabzrichen gestiftet hatte, in bcren Schmuck die — gedungenen -- Heidenjünglinge in Hörsäle stürmten. Kommilitonen semi ischer Gesichtsprägung olutig schlugen und Professoren beschimpften. steht nicht ganz okratie war es ^.gute zu diffamieren, beging. daß Als am 15. Juli 1927 die Wien:r Pöbelherrschaft zur blutigen Straßenschlacht und Einäscherung des Justizpalastes geführt hatte, entstand ihr unter dei Bauern des flachen e'andes "und den Bürgern der Gebirgslstädte ein Gegner, der s sich zur Aufgabe machte. Ruhe und Ordnung zu schaffen, eie Heimwehrbewegung setzte ein. Um sie bei der rndischen Bourgeoisie von vornherein zu diskreditieren, erfanden die „Äustromarristen" das Märchen, sie sei ludenfeindlich. Im Heimwehraufruf stand das Wort „Christen-!um", und dieses „ominöse" Wort wai es. was — ganj tute] bei uns — den Verdacht der jüdischen „Intellektuellen erregte: „Wer sein Christentum betont, bekennt sich zur Judenfcindschaft." Nur „jüdische Antisemiten" konnten daran Zweifeln. Daß die christliche Note ich Heimwehrprogramm nichts anderes bedeutet, als — Kampf gegen die Glauben zerstörende, Gott leugnende Jrr-Lehre des MarrismuK. auf Die Schriftleitung. diesen naheliegenden Gedanken kamen die — sich immer verfolgt Wähnenden nicht. — Paranoia antisemitica. — Ganz wie bei uns. Einer jener „jüdischen - Antisemiten", im übrigen aber ein Mann, der sich großen Ansehens und Einflusses m der Wiener Gemeinde erfreut, machte die Probe aufs Erempel und richtete in einem offenen Brief an die Heimwehrleitung die Frage, wie sie sich zu den jüdischen Mitbürgern stelle. Steidles Antwort lautete kurz und bündig: Jeder österreichische Jude, der in unsere Reihen treten will, soll mit kameradschaftlichem Handschlag begrüßt sein. Frage und Antwort, im..Neuen Wiener Journal" veröffentlicht, bewirkten, daß schon im Verlauf weniger Tage, allein aus Wien, etwa 4000 Anmeldungen j erfolgten. — Interessant wäre es, zu wisen, wie groß jetzt die Anzahl der jüdischen Heimwehrkameraden ist. * i Und bei uns im Reich? Wartet der Stahlhelm, derJungdo darauf, daß man siefragt? Wird Herrn Seldtes, wird Herrn Mahrauns Antwort vom gleichen — staatspolktischen Geist erfüllt sesin. wie die Br. S1 eidles? , Ressentiment, ale „Fremdstämmling" behandelt zu werden, aus der einen Seite. - Scheu, als „Judcnknecht" verschrien zu werden, aus der ruderen, es sind die beiden Schlagbäume, dahinter Deutsche stehn. die von dem gleichen Gchanken beseelt sind, ihrem Lande zu dienen. Dieter Gedanke aber wohnt in Köpfen, von denen die einen „arische Langschädel", die anderen „semitische Rundichädel" sind. Dolichozephalen und Brachyzephalen können zu einander nicht kommen, die Rassenlehre verbietet esr ,Wcr hüben oder drüben den Schlagbaum überspringt, tut es auf Gefahr persönlicher Verunglimpfung. Als der Verfasser dieser Zeilen für die „Berliner. B ö r s e n z e i t u n g" schrieb, ein Blatt, das nicht trotz, sondern wegen seiner -echt nationalen Gesinnung manche ritterliche ranze gezen den Antisemitismus gebrochen hat, wandten sich seine ältesten Freunde von ihm ab. und weil die tapfere Wochenschrift, die den „D e »t sche n sp i eg el" im blanken Schilde fükrt. gegen das im Preußischen Landtag deantragte Schächto^rbot in"dic Schranken ritt. — kündigten achthundert Leser das Abonnement. Mit leisem Sarkasmus, der nicht ganz unb, gründet ist. sagte, uns Herr Pr. Erich H a e ü h e r, der Herausgeber des „Dcntschenspieqels". er habe von vornherein gew ißt. seine Attacke für die strenggläubigen Juden werde den eigenen Acker zerstampfen: auch über die Anwürke von der cf u ß ersten Rechten sei er sich nicht im Zweifel' gewesen. Ein wenig gewundert habe er sich nur über die ungewöhnlich reservierte Haltung der Herreln Masse, llllstcin. Sonnemann «Franks. Ztg.l und Nr. Ludwig Holländer <C.- V. - Z tg.l. Ihre Diskretion sei so weit aeganatii. über die ganze, höchst penliche Angelegenheit höfliches Schweigen zu üben und so zu tl n. als hätten sie nichts geschn und gehört. Wir aber wolle r das „höfliche Schweigen"^ brechen ^ind aus Pr. Haeübe s Artikel einige markante Stellen^zur Kenntnis der Le'er lrinqen. Der rein sachliche, heut inaktuelle Inhalt, — es handelt sich, wie schon gesagt, um das im Herbst 1927 von dr nationalsozialistischen Landtagsfraktion beantragte Schächtvcrbot. kann übergangen werden: ..... „Aber das Schächter ist «-ine besondere Grausamkeit, das ein besonderes Einschreiten erfordert? Der Gott Jehova ist ein aräusamer Gott, ein lbolt der RachiB Seine Anhänger können ihn nur mit Blut ve Löhnen mit zuckendem Fleisch grschächteter Tiere?" — Die Bot ckakt hör' ich wohl, allein mir fehlt der Glaube! Ich kann mir nicht vorstellen. daß gebildete Menschen _ „nd auch d:r schärfste Antisemit wird mit mir wohl darin einig sein, daß es auch unter den strenggläubigen Inden, auf die es l ker allein ankommt, viele gibt, die diese Bezeichnung mit Reht verdienen und mehr für unsere Kultur getan haben. als mancher Nichtinde — an einen grausamen un) perversen Gott glauben. Das würde ja iene Botschaft behaupten. Da ich selbst weder Voll-, Halb- oder Viertelnde noch Fleischer bin. habe ich mich an einen Sachverstästdia n gewend-t. und zwar, weil ich auch nicht im jüdischen Solde siebe — ich möchte dies lediglich zur Abwehr der gewohnter Revlik sagen, auf die ich mich später nicht einzulassen beebstchtige — an einen Sachverständigen, der seinen Versicherungen nach gleichfalls nicht Voll- oder Bruchteiljude ist, damr aber auf eine reiche Erfahrung und Tätigkeit im praktishen Dienst auf dem Schlachthof zurück-

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