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Der nationaldeutsche Jude · 1930-08-01 · Nr. 8 (August 1930) · p. Seite 3

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Journal
Der nationaldeutsche Jude
Volume
1930
Issue
Nr. 8 (August 1930)
Date
1930-08-01
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Worte. Einfälle, scheinbar willkürlich hingeworfen, am Ende zu einer erstaunlichen Einheit gebr >cht. Der Rhythmus ^om Alcranderplatz ist auch der Rhythmus dieses Buches. *—, ™— im ^ch. die man im Franz Biberkopf dreht Dinge Leben nicht dreht, und ein Einbruch ♦ mv_»f! i* 'l._<._ _r V9 die Figuren keineswegs erfunden ode Arnold Zweig. Sie wirken n a : scheu Ueberwurfs. Sie sind g e s e h e imltung, die ihn vor künstlerischer deutet nur an. Er bleibt immer Das beste: D ö b l i n moralksie>. Menschen wie sie sind. Er bemüht sih seit jüdisch-liberaler Weltanschauung ivu 'wyiiuiiiufuuuiiy |uyt WH deutschen Volke nicht was gut und was böse. Franze Biber topf verkauft den „Völkischen Bei> wenn es ihm Späh macht. Wenn everdienen kann — der arme Hund, dagegen. Man kann sich denken, wc ein Geschwafel gemacht hätte. II. Oie ^lebenxvelt. Ernst Bergs Betrachtung will keine Kritik sein,! und die meinige will es noch weniger. Kritisieren heiht Abstand nehmen, sich im Sessel zurechtsehen, anpreisen oder abraten, verurteilen oder Orden verleihen. Znt jeder Kritik steckt ein 2tück Selbstgerechtigkeit und Uebei Hebung, gleichviel ab sie im Berufszwang geübt wird oder aus innerem Bedürfnis oder beides zugleich. Betrachten ist nur inneres Bedürfnis, ist Selbstoerantwortung und Selbst Befreiung, ist im Gründe nichts anderes, als der betrachtete Dichter selbst tut — wenn er wirklich ein Dichter und nicht nur Geldverdiener oder Zweckstreber ist —, ein Stück Welt einfangen und durch das eigene Ich filtern, bis etwäs heraus lomjnt, das auch anderen geniehbar und vielleicht sogar bekömmlich ist. Betrachten ist Einschaltung des Jchs zur Uebera indung der Ichsucht, ist Bahnung des Weges von der Welt zu der Welt. Und wenn ein Buch solche Betrachtung auslöst. 1 solchen Zwang zur Rechenschaftslegung und zum Bekei ntnis. dann müssen wir cs bejahen, auch wenn wir nicht je )en Schritt des Dichters mitgehen können. Dann ist dieses Buch mehr wert, als die tausendfachen Formen der Jchbespiegelung, die im Zeitalter der Schreibmaschine sich Literatur nennen. Mehr wert auch als die Selbstbefangenheit und Sell stgefälligkert. die sich mit der Maske des Weltmitleids — ist es nicht schliehlich der gute, alte, muffige Weltschmerz von Anno dazumal? — vor den Spiegel oder ans Fenster stellt. „Seht her, wie ich mich erbarme! Licht! Erohaufnahme!" Alfred Döblins Buch zwinzt zur Betrachtung. Und es macht nichts aus. dah er nicht di; ganze Welt auf einmal einfängt, sondern nur Berlin und den Aleianderplatz und die Frau mit der Eierstockentzündunt. An irgendeinem Zipfel muh man's anpacken, das hat schon der junge Goethe gewuht und der alte Herr Geheimrat erst lecht. Aber der Alte hat auch gewuht, dah alles Bergänglicke nur ein Gleichnis ist. und wohl auch, dah es belanglos ist. ob „Oramatis personse" gerade Faust und Ereichen und Mephisto und der Kaiser heihen oder Franze Bisterkopf und die schwarze Eva und wie noch sonst. Der Dickter ist nicht nur Seher, er macht auch andere sehend, er beleuchtet die Welt und rückt ihr Wesentliches ins Licht, und da mag sein Scheinwerfer m heroischer Ländschaft stehen oder in Berlin auf dem Aleianderplah gegenüber der Egü-Reklame. Der Scheinwerfer strahlt auf >>nd da sehen wir einen Ausschnitt der Welt, und dieser Au »schnitt ist eine Welt für ach und umfaht vieles, was wir schon sahen und doch nicht sahen, nur mit den Äugen sahen rnd nicht mit der Seele. Eine merkwürdige Welt, ganz anders als unsere gewohnte, bei allem Schwankungsradius grrndfest verankerte Welt, unsere Welt der Stehkragen und de: Gewerkschaften und der Paragraphen und der Moralbegrifse und der geregelten Ausschweifungen. Und noch merkwürdiger: wenn sich das Auge einmal emgestellt hat. dann sehen wir diese andere. Welt ganz vertraut und es kommt uns Ales ganz natürlich vor. Unmerklich sind wir hineingeglitten in diese fremde Welt, und ihre Gesetze sind uns gar nicht mehr fremd und wir liehen unter diesen Strahenhändlern und Strichmädchen und Zuhältern amd Einbrechern umher und messen unbewuht mit ihren Mghftäben, als wären es ststs die unseren gewesen. Und mtr müssen schon gewaltsam Yen Verstand einschalten, um zwischendurch wre im Halbtrauitz wieder zu wissen: das ist 1»->sar nicht unsere Welt und diese Menschen sind ja ganz andersvals wir. und ihre Gesetze sind losigkeit^ und ihr Ehrenpunkt liegt Mei fl wi> ueoen mm oiri,». uno ein vrinorum in der Stralauer Strohe mag in Wirklichkeit anders ausseh, n. Alles, was in diesem Roman an Menschen und Handlungen erscheint, ist durch das literarische Gehirn des Or. Döblin gegangen. Trotzdem sind?&tsk«ir»tt f»tn0em»ne «rfiinKAti .l_L t Alfred Döblin besitzt nicht des ist kein Kämpfer heitssucher. Manchch ganzen überwirgt Händchen klapp, kb trapp!" Armer Dil ist bei Zola in die Schule gegangen. Er 'ters Lebenswärme und Lebensfülle und er Zola. Aber er ist unbestechlich. Ein Wahral glaubt man Cynismen zu hören, im las Gefühl der Verlassenheit. „Mit den qpp. klapp, mit den Fühchen trapp, trapp, blin! i r erkünstelt wie etwh bei . ü r l i ch trotz des literarin. Döblin hat die Zürück- Mihgriffen schützt. Er echt. Er verdirbt nichts, r t n i ch t. Er läht seine Tj nicht, sie in die Herirlicheinzuführen. Er sagt dem bachter". Soll er doch, ein paar Pfennig damit Herr Döblin hat nichts s Arnosd Zweig hier für Und am Ende metaphysische Ethik hinausführte, aber Tag. Ueberflüssig flüssig für Alfred erkennt Franz Bi' Einbrecher und Ludje, an sich selbst Lebens, der (nicht er nach dem Gebest dabei in den griechjis, elementen Alfred ,libt es doch so etwas wie eine Ethik. Keine die über den Heientanz dieses Buches eine Gebrauchsethik. Eine Ethik für den für Franz Biberkopf, aber nicht über- Döblin. Nach dem letzten Schicksalsschlag opf, Transportarbeiter. Zeitunqshändler, . worin er gefehlt hat. Er hat zuviel e d a ch t. In der vierten Phase seines nehr geschilderten) des Hilfsportiers, wird des „Erkenne dich selbst" handeln, und chen, hebräischen und deutschen!-Vildungs- Döblins eine Stütze finden. iberk Auch du mu Schritt gefaht und hk leben, Alfred-Döblin. ..Und cechts und links und rechts und links." Von Max Naumann. ja nur organisierte Gesetzauherhalb unseres Ehrbegriffs. und man „man" der anderer eigene Gefühl geht Und dieses Wissen uns ein Dichter so plötzlich auch nicht nicht schämen. Es schon kräftige Zeit sich ein, das vielen Nöten. bewe : U Änderen sind die V Nur stimmt es „oben" und „unteii skeptisch geworden beiden Welten gar Sie liegen nicht ü l _ . . bricht nicht ein und man lebt nicht von der Gewerbsunzuch t armer Mädchen --- und dann weil, man plötzlich wieder, da; diese Mädchen ja gar nicht „arm" sind, sondern nur anderp reich, und dah unser „man" nicht das ist und dah alles so ist, wie es durch das und nichts feststehend, alles nur relatilv. ist uns dann auch wieder nicht recht, denn wir haben ja. Gctt sei Dank, ein gefestigtes Moralsyjtem und eine sittliche iveltordnung, und wenn wir einmal nicht nach unserer Morrl handeln, so wissen wir es doch und schämen un^ oder fürchten luns wenigstens. Und diese Anderen schämen sich gar nicht oder doch über ganz anderes, und wenn mitten.hineinstellt, dann schämen wir uns und schämen uns zugleich, dah wir uns ist furchtbar verwirrend und wir müssen cklwimmstöhe machen, um uns aus dem Strudel der Rela koität ans feste Ufer des Absoluten zu retten. Aber wir müssen doch wohl wieder ans Ufer, denn die Fühe der Menschin brauchen standfesten Boden, und die Änderen haben ihn ja mich, nur eben anderen. Und wenn wir einen Rettung-ring brauchen, stellt das Wort zur rechten handfeste, schwimmtüchtige Schlagwort, in _ _ hrtes Gerät. Hier heiht es „Unterwelt". Wir sind auf der Oberwelt. sind die Oberwelt selbst, und die nterwelt. Nichts kann einfacher sein, nicht ganz. Richt nur darin, dah in dem schon wieder ein Werturteil liegt und dah wir gegen solche Selbsteinschätzung doch wohl schon etwas -v— inb. Es stimmt auch darin nicht, dah die nicht auf zwei verschiedenen Ebenen liegen, beieinander, sondern nebeneinander, und auch das stimmt nicht einmal ganz, denn die Welten berühren und überschneiden sich, sie decken-sich teilweise und die eine läht die andere dmchschimmern. mitten auf dem Aleranderplatz oder sonstwo. > Von Franze Biberkopf haben wir schon Zeitungen gekauft oder Hosenträger, oder wir haben ihn als Hilfsportier angestüllt, und die schwarze Eva war vielleicht bei, uns Stubenmädchen oder ihre jüngere Schwester wird es morgen werden. Und als Franz mnd Eva in der Konditorei Bienenstich ahen, sähen wir gerckde am Nebentisch. und an beiden Tischen war es gleich ruhig und ordentlich, und das nette Mädchen mit Schürze und Häubchen bediente' beide Tische zu gleichen Preisen und mit gleichem Lächeln und dankte freundlich für das Trinkgeld, das vielleicht an dem einen Tische aus einem Einbruch kam und am anderen aus einem gesehmähigen Berufsgeschäft. Und neulich in der politischen Versammlung die stattluhen Männer, die neben uns sahen und mit ehrlicher Begeisterung dem gleichen Redner zu» jubelten, die gehörten vielleicht zu Franz».is Kolonne oder hatten von ihr Ware gekauft, vielleicht erst aus dritter Hand, aber immer noch billig. Und wenn sie sich zwischendurch über falsche Freunde und echten Korpsgeist unterhielten, dann waren wir ganz mit ihnen einig, nur wuhten wir nicht, dah ihre Freundschaften und ihre Korps etwas andere Grundlagen hatten, als die unseren, aber der Geist war der gleiche. Und als Hernando Cortez mit seinen eisernen Glücksrittern in Merico einfiel, lebten dort hochkultivierte Menschen, die andere Menschen ihren Göttern als Opfer schlachteten und -ihnen bei lebendigem Leibe die Herzen herausrissen und ihr Fleisch in verbackenem Zustände atzen und das alles für ganz nat-rlich hielten, tpas Yen frommen Spaniern natürlich ein

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