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Der nationaldeutsche Jude · 1930-07-01 · Nr. 7 (Juli 1930) · p. Seite 7

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Journal
Der nationaldeutsche Jude
Volume
1930
Issue
Nr. 7 (Juli 1930)
Date
1930-07-01
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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Wütenlese liebe sich »6 inkinitum fortsetzen, aber toozu? Mehr ol-; alle Philosophie und ungezählte Debatten trifft/ eine Stelle aus Hans W. Fischers „Schädelstatte" den zi.-rn der Sache, wo er schreibt: - „Der Kaffernselbstschutz der Antisemiten ist ganz und gar ü'crflüUig. Kunst. Bühne, Literatur, Wissenschaft lind nicht r liubct, sondern verkaffert und die Juden, als die besseren Geschäftsleute, sind natürlich geschickter, den geschäftlichen zu dirigieren. Das meiste, was produziert, erzeugt, tu'ekcn. gekauft wird, ist doch nur Geschäft, Konjunkturer cugnis. Was aber rein und unbedingt ist, wird, auch hi einwandfreier arischer Herkunft, von den verkafferien >l!:-crn am zähestqn abgelehnt. Sie sind es. nicht eine Hand ivil Juden, an denen ein Kleist, ein Büchner, Nietzsche, ihurabi, <Bad zugrunde gehen und von denen die Otto Ernste „nd Presbers leben. Sie sind es. die> aus Goethe eine «- irel üste, aus Schiller ein Nährpräparat für patriotische 2iiiiflIin8C und aus Nietzsche einen Parteipolitiker in der 2' estcntaschc machen, aus den Lebenden aber ein paar mitteliruiiigc Lieblinge wegen ihrer löblichen treudeutschen Geijenung eben mit durchfüttern. Sie sind es. die nicht deo-.v-ifcn. dab alle Wahrheit und Gröhe, erbarmungslos ist lick ebenso gegen den kehrt, der sie kündet und schafft, wie >, icn den. der sich ihr naht. Sie sind!es, die über jeden h geistigen Freiheit verdächtigen deutschen Juden oder Judcng!,oHcn rufen, aber selbst keine wesentlichen Deutschen lesen: d un sie selbst können über das Brett vor ihrem Kopfe hinweg Neues gar nicht sehen. Nicht nur Fontane erfuhr das, icubem auch Löns — Löns! — wur >e erst wirtlich anei'.annt. seitdem ein Jude den „Werwolf" mit demNesvelt l irüht hatte, der einem groben Werke zierst. Es ist wahr, dab ki Juden den mahgebenden Einflub an der gnstigeu Börse lust-cn. Aber die Börse würde auch dann nicht zum Tempel, r un lauter Arier sie besuchten. Wo kas Geld rollt — 7ngcsruhm ist nur eine andere Form des Geldes — ist auch i; 16 Gestank: und wenn einer hieraus eine Moral ziehen i! Ille, könnte es doch nicht die sein: „Miete Dir einen 2;nnb!<‘, sondern nur die andere: „G:he nicht auf die — — —" Bei dieser Sachlage der Dinge ist eine Verständigung e 'i'cben den beiden Parteien ungeheuer schwer., wenn nicht i.nmöglich, weil eine unanfechtbare Verhandlunstsbasis nicht gründen werden kann und jede Debatte! im Uferlosen zerrinnen mub. um so mehr, als an der Bereitwilligkeit zu ehrli. cm Verhandeln zum mindesten von der einen Seite, der i! ■: Rassephantastik fast eine Neligion lgeworden ist. gen . ifclt werden mub. Nun ist ja andrerseits auch nicht daran e zweifeln, dab bei den eingangs, erwähnten Inseraten in weitem Mabe ein Konjunktur- Antisemitismus eine hcdcutende Rolle spielt. Würde ein Jude das Erperiment »lachen, eine solche Pension für die volle Saison zum doppelten; Preise zu mieten, so würde wahrscheinlich in 90 von 100 Fällen : hü Angebot dankend akzeptiert werden und die verpönten-^ Juden würden mit offenen Armen ausgenommen. Man wird wahrscheinlich das Erperiment nicht machen,, denn in der heutigen Zeit ist das Geld zu wertvoll, um auf diese Weise verplempert zu werden, und überzeugen — nun. zu über» sengen ist damit auch niemand. Es wäre sogar wahrscheinlich das; der betreffende Pensionsinhaber in seiner Stammkneipe postnumerando umso toller über die Judelk herzieht, schon um sich in den Augen seiner Gesinnungsgenossen (nachdem er das Geld eingestrichen hat) zu rehabilitieren. > Auf diese Weise ist also auch nicht zum Ziele zu gelangen. Es bleibt in der Tat nur der eine Weg übrig, auf die ausgleichende Wirhing der Zeit und auf den Sieg der Vernunft zu hoffen. Und wie jedes Ertrem sich im Laute der Zeit abschleift und mausert, wird auch der Antisemitismus lebten Endes sich selbst auffressen und auf die Zahl der Ewig-Unbelehrbaren zurückgehen, die niemandem schaden. Denn darüber mub man sich auch im klaren fein; räudige Schafe gibt es im einen wie im andern Lager, und nur ein verbohrter «ranatiker wird die Schuld des Einzelnen der Gesamtheit ankreiden. Die Juden werden am besten tun. diesen Sturm im Wasserglas sich austoben zu lassen, der ja ernstere Schäden kaum im Gefolge haben wird (wenigstens in Deutschland nicht), da die Neichsverfassung die Gleichstellung vor dem Gesetze garantiert. Man meide diese erklusiv-iein wollenden Häuser und lasse in der Tat die Gegner ruhig unter sich. Man setzt sich damit keinen Anpöbeleien aus und dies« haben Gelegenheit, nach Herzenslust ihre Hirngespinste' zu pflegen. Das eine kann aber auch für Antisemiten wie für Juden nicht scharf genug betont werden: Der Adel und der Wert eines jeden Menschen dokumentiert sich nicht in grotzsprecherischen Phrasxn, sondern in einem von Herzenstakt diktierten vornehmen und reservierten Verhalten. Jedes Hervordrängen. jedes bewuszte Protzenwollen, sei es in Kleidung, Finanzdingen oder Ansprüchen ist von kl edel und mub vermieden werden, wenn sich nicht sofort Reibungsflächen ergeben sollen, die zumeist nicht nur dem Ein-- zelnen.sonderndergauzenKlasseoder Gruppe zur Last gelegt werden. Der Jude schützt sich am besten gegen den Fanatismus slein er Gegner durch einen klugen, vornehmen Takt, der ihm von selb st sagen wird, waser tun Und was er lassen soll. Es kann in diesem Kampfe der Weltanschauungen weder Helden noch Märtyrer geben, also ist es Unsinn, sich nutzlos zu erponieren. Man verhalte sich, wo man auch hinkommen mag. als vornehmer, gesitteter! Mensch, dann dient man sich selbst am meisten, wie man, auch der Sache am besten nützt. Dann laufen sich derartige geistige Epidemien am ersten tot, weil die Achtung, die man dem Gegner abzwingt, die beste und überzeugendste Waffe ist. , «lider den Pessimismus. Weil in allen Kreisen unseres Volkes - der Eristenz- I'.'ivf immer schwieriger wird, weil jeder Tag im Leben d Erwerbstätigen lqon neuen Sorgen ustd Gefahren um-!c..m ist, darum droht eine Mauer der Hoffnungslosigkeit. - wciflung und Resignation alle oorwärtsstrebenden Kräfte? Uichlands abzufchliehen. Eine Krisis geht, um, schon am Werk, den Idealismus ü: zerstören, den Glauben an unsere Zukunft und auch das versperrt, nur eine Hürde, die ihr Mut und ihr Wille zum Wagnis im Sprung überwindet. Weder im Leben des Einzelnen, noch in dem eines Volkes gibt cs ein Schicksal, das vollkommen verloren wäre. Ein geschickter Stob kann noch im letzten Augenblick den sinkenden Nachen retten ist es da nicht Vermessenheit, den Glauben an Deutschland zu verlieren, an dessen Neugestaltung Millionen schöpferischer Kräfte arbeiten? A iraucn zur eigenen Arbeit. Die Zahl der Müdegewordenen und Zermürbten wächst. E -mehren sich die Stimmen der Klage und Unzufriedenheit. gut Teil deutscher Menschheit ist von den Bazillen einer Ue chcn Krankheit verseucht, Pessimismus gcheitzen. Diese Krisis einer Untergangsstimmung m u b überw. ndcn werden. Wenn wir auch keinen Grund haben in? .inchland, unser zukünftiges Geschick durch die rosige Brille un mhemmter Hoffnungsfreudigkeit zu sehen, Negation und Schwarzseherei treiben uns dem Abgrund & ' Gleichgültigkeit, dem ftumpfen Dahindämmern in Tatenlosigkeit zu. , Pessimismus ist Zimmer unproduktiv. Schöpferischen Menschen bedeuteMjedes Hindernis, das ihnen den Weg Wir nationaldeutschen Juden halten die. Zuversicht und das une-r schütterliche Vertrauen für die wichtigste Vorbedingung unserer Arbeit. Und obgleich diese aufgewühlte Zeit auch unser Tun vor immer neue Schwierigkeiten stellt, unsere Aufgabe ist: Vorwärts, nicht ablassen auf dem Wege zum Ziele, sich nicht entmutigen lassen von Enttäuschung, an Widerständen neue K r a f t g e w i n n e n. Wenn die Gefahr der Krisis Opferwillige und Verantwortungsbewubte in allen Lagern aufruft, einander in gemeinsamer Arbeit die Hände zu reichen, übet alle Gegensätze hinweg, wird aus dem erneuten Bewutztsein dieser notgeborenen deutschen Schicksalsgemeinschaft auferstehen: das einige Deutschland, dem die Zukunft gehört. Margo Wolff.

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