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Der nationaldeutsche Jude · 1930-07-01 · Nr. 7 (Juli 1930) · p. Seite 8

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Journal
Der nationaldeutsche Jude
Volume
1930
Issue
Nr. 7 (Juli 1930)
Date
1930-07-01
Page
Seite 8 (sequence 8)
Language
German
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Zcttgloffen. : Die Sorgen des Herrn Minifterialzioniften. Die nachfolgende Notiz entnehmen wir wörtlich dem „I s r a.e li t i s ch e n F a m i l i e n b k a t t" vom 19. Juni 1930: 2eppelinlanäung mit Hindernissen. New York.; Nicht umsonst haben sich die Bassagiere von Dr. Eckeners Luftschiff dagegen gewehrt, datz man in Rio de Janeiro nicht Halt gemacht hat. nicht umsonst haben sie sich dagegen empört, daß man unbedingt „Rekorde" aufstelfen wollte. Mgn hatte wirklich langsamer fahren sollen. > Denn dann wäre man nicht am Schabbo?. sondern erst am Sonntag in New Bork gelandet und blles wäre glatt abgelaufen. So aber hat es einen Zwischenfall gegeben. über den sich, dem Vernehmen nach.. Dr. Hermann Badt, der in Vertretung der preußischen Regierung an der Fahrt teilnahm, noch immer nicht beruhigen kann. Der Landungsplatz von Lakehurst bei New Bork ist nämlich, dem Gesetz nach, ein militärisches Ge ände, auf dem sich Zivilpersonen nicht aufhalten dürfen, wenn sie ' nur einigermaßen abkömmlich sind. Und hierüber hak sich nach der Ankunft des Luftschi/fes ein Disput zwischen Eckener und Dr. Badt abgespielt. Dr. Eckener meinte, der Herr Ministerialdirektor sei durchaus abkömmlich unb Müsse, den polizeilichen Vorschriften gemäß, den Zeppelin verlassen, — und Dr. Badt meinte, er könne nicht abkommeu, denn es sei Schabbos. und man dürfe ein am Schabbos! landendes Luftschiff erst nach dem Erscheinen des dritten Sterns verlassen. .! So hat sich am Sonnabend, den: 31. Mai 1930, morgens um >-8 ein Kampf zwilchen den Vorschriften der New Borker Polizei und denen des' Schulchan Aruch vom Feniter der Gondel des Zeppelin aus abgespielt. Es ist wirklich schade, daß er mit einer Niederlage des i Schulchan Aruch enden mutzte und datz Dr. Badt, wie ep vor den neugierigen ' Pressevertretern erklärte, zum ersten! Male in seinem Leben gezwungen wurde,, eines der Sabhathgebote zu übertreten.! Es ist nicht allein schwer, sondern in diesem Falle auch unnötig, eine Satire zu schreiben. Wenn schon das!,,Jsrael i t i s ch e F a m i l i e n b l a t t" sich über, den jüdischnationalen „Vertreter der Preutzischen Regierung" lustig macht und über seine Form, in Amerika die Sympathi?» für den deutschen Geist zu stärken, braucht von d e u t sch«r ISeite kein weiteres Wort verloren zu werden. Wir fragen, uns nur mit banger Sorge, wie lange Herr Dr. B ad t der Fülle der auf i§m lastenden Sorgen, jüdi'chnationaler. talmudiichejr und daneben schließlich auch preutzischer Sorgen, noch gewachsen sein wird. Es erscheint uns dringend nötig, daß eiste baldige Entlastung eintrikt. Das Nächstliegende ist wohl, datz diese Entlastung sich auf deutsche m Gebiete vollzieht, denn Deutschland regieren kann schließlich auch ein anderer, während auf jüdisch nationalem und 1 a l m u d i s ch e m Gebiete Herr Ilf. Badt ^nicht s o leicht zu ersetzen sein dürfte. > Die künftigen Bildner unserer Jugend.! In der „leipziger Jüdischen Wochenschau" lind in einem Artikel „Das Semester beg i|n n t“ die folgenden Schilderungen zu leien: I An Stell? des sogenannten „verlneit'chen" Bocher-Typus tritt ein moderner. l d al t - nennt nian es. j Vormittag Jeichiwoh. Nachmittag Ilnioersi'at. Vormittag Rebbc. Nachmittag Professor. Vormittag „Tchor schenogach es hapora", Nachmittag „corpus iuris". Vormittag „Jlu trcfaus", Nachmittag „Anatomie".! Unten, auf dem sonnenbestrahlten Hof der Jeschiwah, spazieren Bachurim verschiedenen Alters herum. Osten und Westen. Zwei verschiedene Welten, mit verschiedenen Gestalten. Verschiedene Formen ein und. desselben Inhalts. A l t j ü d i sche r» I nh a 11 mit neuen Forchen. Alte Gcmoraus in modernen Aktentaschen/ Studeiitenmützen und Käppchen. ' .! .Man gibt einander „Scholaum alecheni" und man erwidert mit östlichem Akzent „Alajchem schulajm". Denn auch der Osten ist vertreten. Schüchterne ungarische Backurim mit noch zur Erde gebeugtem Haupt. Flinke Galinaner mit unrasierten Gesichtern. Starrköpfige Litauer. Modem« Berliner. glattrasierte Universitätshörer mit Fahrrädern und Aktentaschen. Eine bunte, internationäle Gesellschaft mit Junge M e n > ch e n mit neuer Form hnl j ü d i sch e m Inhalt. „Taiiro im derech erdz" ein und derselben Grundlage: sie alle repräsentieren den mobernen Bochertypus. den Bocher des zwanzigsten Jahrhunderts. „ . . Man interessiert sich für Futzballsprel und Pferderennen. Zionismus und die hebräische Sprache. Man unterhält sich über Kunst und litauisches Derechhalimud. Man raucht und gestikuliert. Man diskutiert und tauscht Gedanken aus über Tagesfragen. Man spricht über Euklid und den Wilnaer Gaan, über Kopernikus und Koheleth. Man zitiert Goethe und Tnach. Die hier so anschaulich geschilderten „modernen Bocher- Typen" sind die künftigen deutschen Geistlichen und Lehrer jüdischen Glaubens, — wenn die Jüdischnationalen und ihr Anhang auch bei den im Herbst bevorstehenden Wahlen zu den Jüdischen Gemeinden und zum Preutzischen Landesverband wiederum die Mehrheit erhalten. Daß sie bei den früheren Wahlen die knappe Mehrheit erreicht haben, ist die Schuld der 55 Prozent Nichtwähler, die damals glaubten, sich "um Gemeindeangelegenheiten nicht kümmern zu brauchen. Deutschfühlende Juden, wollt Ihr es zulassen. datz die Menschen, die von der „LeipzigerJüdischenWochenschau"erschreckendleb«nsivahrgezerchnetwerden.EureKindererziehen? Wie sie Deutschland sehen. Das „Israelitische Familienblatt" veröffentlicht eine „Moselwanderung von Koblenz bis Trier". Der Verfasser sucht und findet in allen Orten des Moselgebietes jüdische Eriimenmgen. Gegen historische Erkundungsreisen ist an sich nichts zu sagen. Aber dieser Reisende scheint dock «in Historiker besonderer Art zu sein. Sein Aufsatz trägt die Ueberschrift „Mit jüdischen Augen durch deutsch« Land e". i Was würde der Herr Verfasser sagen, wenn man ihm von judenfeindlicher Seite vorwerfen würde, er könne deutsche Dinge nicht mit deutschen Augen sehen! Aber vielleicht wäre dieser Vorwurf unberechtigt. Die Zwischenschicht kann im Bedarfsfälle auch dies. Verbanäsnackmckten. 1. Todesfälle. Wieder sind uns zwei unserer in weite» Kreisen bekannten und geachteten Mitglieder durch den Tod entrissen worden. Es starb Herr Dr. Arthur Salomons o h n. bekannt als hervorragender Finanzmann. Mitglied unseres Verbandes seit dessen Gründung. Es starb ferner Herr Julius Blanck, Bankier in Hannover, der eine Reihe von Jahren unserem Hauptoorstande angehörte und über die Kreise unserer Verbandsmitglieder hinaus besonders durch seine Bestrebungen zur körperlichen Ertüchtigung der Jugend bekannt war. Wir werden Beiden ein ehrendes Andenken bewahren. 2. Wahlen. Wir bitten alle Mitglieder und Freunde unserer Bestrebungen, die Anregungen für den im Herbst dieses Jahres bevorstehenden Wahlkampf (Wahlen zum Preutzischen Landesverband jüdischer Gemeinden und zur Repräsentantenversammlung der Jüdischen Gemeinde Berlins zu geben wünschen, kick an unsere Geschäftsstelle zu wenden. Streng vertrauliche Behandlung wird zugesichert. " 3. Verbandsausflug (Berlins. Der diesjährige Verband.- ausflug fand unter reger Beteiligung und bei strahlendem „Scewetter" am 28. .Juni statt. Die Motorbootfahrt üach; Ferch hatte besonders unsere Jugendgruppe, aber mich eine Anzahl älterer Mitg'ieder und Freunde, zur Tei'nahme gelockt. Es gab eine lustige Kaffeetafel an Bord, nach Grammophonmusik wurde getanzt und die Heiterkeit steigerte sich noch, als alle unserer Badelustigen sich eilten, zu schwimmen, und sick in Wasser vergnügten. Die Abendbrottafel gab Gelegenheit zu lustigen und auch besinnlichen Gesprächen, und wer bei der fröl^ lichen Hinfahrt die Romantik vermißt hatte, konnte jetzt bei Mondschein träumen. Aber die meisten Teilnehmer zogen es vor, bei Whisky und Soda den Liedern zuzuhören. welche die Jungen unter uns nach gutdeutscher Sitte über den See schmetterten. Als wir gegen Mitternacht wieder in Wanmee landeten, trennten wir uns im Bewußtsein eines angenehm verlebten, harmonischen Tages. Der Vorstand. Sckriftteilung und verantwonlick: Margo 48 ol, i, Bin -Wilmersdorf: «erlag «eiband uononaldeuvcker Juden E. V.. «erlin W 85. — Druck von Rob. Rohde Nchflg., Berlin SB. 35. — Für Herausgabe und Schrifileitung in Oesterreich verantwortlich: Verband natiorol- . denisckier Juden Wien II. Vraterstraße 34. Zimmer 22.

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