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Der nationaldeutsche Jude · 1930-07-01 · Nr. 7 (Juli 1930) · p. Seite 6

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Journal
Der nationaldeutsche Jude
Volume
1930
Issue
Nr. 7 (Juli 1930)
Date
1930-07-01
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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schmälert sein Serbien ft nicht, vielmehr vergröbert es noch, dah sein Zeugnis bei Dielen, die sich Deutsche nennen, keinen Wieberhall gefunden hat. sondern Ablehnung^ unb Widerspruch. — Unvergessen soll auch der grobe Tote Hans Delbrück bleiben, ber noch im vorigen Jahre, zur zehnten Wieberkehr bes Versailler Tages, vor ber studierenden Jugend für Deutschlands Ehre zeugen wollte, kur; bevor sein wahrheitsliebender 'Mund für immer verstummte. Man hat ihn baran verhindert. — Keine weltliche Macht aber vermag die Schwungkraft seints fortlebenben Geistes zu lahmen: Was er nicht reben burfte, hat er. der bis an die Wurzeln geschichtlichen Werdens und Wachsens schürfende Gelehrte, in seinem ..Testament" niedergelegt, und die kommenden Geschlechter werden daraus lernen. — Mit Genugtuung anerkennen wir es. dab bei unseren einstigen Gegnern die Wahrheit. wenn auch schüchtern, sich zu regen beginnt, und mit ganz -besonderer Freude haben wir. vor wenigen Tagen erst, des freimütigen Franzosen Rene Ge rin mutiges „f'accuse!" gelesen. Eine bittere Anklage von wuchtiger Schwere, in vierzehn scharf zugespitzten Fragen formuliert, von denen jede mit zwingender Logik sich selbst die Antwort gibt und sie Monsieur Poincare ins Gesicht schreit, er allein sei der wahre Urheder des ieges gewesen. So wirft er ihm in einer Frage vor. er «Poincare) habe — „ausweislich vieler Dokument e" die Russen schon 1912 n n ter Zusicherung von Frankreichs Waffenhilse zum Kriege gegen Oesterreich und Deutschland ermutigt. — Die zehnte Frage, im Anschlub an die Enthüllungen über -das französische Gelbbuch vom August 1914 lautet wörtlich: „Meinen Sie nicht, HerrPoincare, dab Fälschungen aushören sollten, eine diplomatische Jndustriezusei n?" — Genug davon fürheute. G e r i n s „j'acense" ist von so eminenter Bedeutung für die Beurteilung der Kriegsschuldfrage una damit für die unausbleibliche künftige Revision des Friedensdiktats. dab später noch ausführlich darauf eingegange» werden soll. Rur dieses noch schon jetzt: Poincare hat in ' einer ausweichenden Antwort u. a. folgendes gesagt: „I :h halte Karl Kautskys Urteil im „Vorwärts" vom 10. September 1924 für richtig: „Die wahren Verbrecher sahen in Wien, aber sie -wagten erst z» handeln, als sie Wilhelms Billigung fanden."- So iit auch hier die, Zeit am Werke, alte schmerzlüäe Wunden zu heilen, beschämend aber bleibt es, dab sich d.-r französische Verleumdet auf deutsche Zeugen berufen darf, und höchstes Befremden muh es auslösen. dah von Deutschlands Rehabilitation durch den Franzosen Görin nur die rechtsstehende deutsche Publizistik Kenntnis genoimn-n zu haben scheint. Die Zeit heilt viele Wunden. Am westlichen Himm,st. der im deutschen Rhein sich spiegelt, erscheint der erste w: . liche, so lang ersehnte Silberstreif. Der dieses oft bei unan gebrachten Gelegenheiten zitierte Wort geprägt hat: G u it c. u Stresemanu, — wir haben seiner in Wehmut und Hccz lichkeit gedacht, als von den Türmen die Glocken läuteien zur frohen Feier. Der unermüdlich für diesen Tag gekämmt hat bis zu seinen letzten, ermatteten Atemzügen, ihn zu erleben blieb ihm versagt. Ob er ein grober Staatsinau» war. darüber mähen wir uns ein Urteil nicht an. Vicllei.!,: wird ein späteres Geschlecht den Spruch fällen, seine Staa'skunst habe sich nicht zu ihrer vollen Gröhe entfalten tonnen, weil sie sich nicht stützen konnte auf eine Nation von Staats, bürgern. — Dieses aber wissen und bekennen wir freudig: Ein ehrlicher Deutscher war er und ein guter Patriot! Viel, sehr viel für unsere Zeit.- Die Reifezeit und das Judentum. t.„ f,itI b. a.u». ur d a mit Mit derselben Pünktlichkci', mit der die b.'rühmte den Frühling verkündet, verkünden die Notizen sätze in der jüdischen Preise, die üch mit Waruunje bestimmten Hotels und Pensionen belassen. ben Begi Rci'czeit. Diesen Notizen liegen zumeist persönliche Erfa z einzelner Leser zugrunde oder Inserate, in denen bi:i jenes Hotel oder die eine oder andere Pension bekaiyi das; sie'Gästen jüdi>cl>en Glaubens lein Obdach zu g gewillt sind, io dah also der besuchende -Antiseni ziemlicher Wahrscheinlichkeit damit rechnen kann ieinesgleuhen zu weilen. Und sollte sich wirklich einm leicht aus Unkenntnis der Sachlage, vielleicht aber a Reugier> wie weit diele Ablehnung reichen könne, ei in solch ein Haus verirren, dann kann er mit hoher scheinlichkcit mit Unannchmlichleiten. eventuell sogar röbeleien rechnen, die man sonst nicht gern in ein Programm einbezieht. Im,Grunde ist es ein trauriges Kapitel, das sich ■ it dieser Reservatio offenbart, ein Kapitel, das mit greifbare: Deutlichkeit die hirnverbrannte Zersplitterung un'erer Zeit d >iumeutiert. Man könnte iich ja auf den Standpunkt stellen: labt sie doch, dann und ne wenigstens unter sich! Aber mit diesem Standpunkt iit unserem. deutickum Volkstüm am uenigsten genutzt, das heute nichts dringender'braucht, als Einigkeit und gegenseitiges Verstehen. Wo ist aber die Brücke, die vom Antisemitismus zum Iudentum toder wenigstens zum Verständnis des Iudentunist führen könnte? Ein Utopist könnte sich vielleicht ausm<Ue». dah — den.guten Willen zur Verständigung auf beiden «eiten vorausgesetzt. — sich führende Antisemiten und führende Iuden friedlich zusammen an einen Tisch setzen könnten, um jedes pro und kontra durch ein Kompromih zu erledigen, wie' wir es heute täglich mit andern Dingen im parlamentarischen Leben beobachten. Aber es würde sich wohl sehr bald Herausstellen. dah dieses Unternehmen — «ben nur eine Utopie ist, weil nur der sich von einem solchen Versuchetwas versprechen kann, der das Wesen des Antisemitismus nicht kennt. Denn die Sache würde wahrscheinlich so auslausen, dah eine Einigung niemals erzielt werden kann, weil für jeden widerlegten Punkt zwei neue, strittige auftauchen. Zu einem Ziele kommt man auf diese Weise nicht. chwalbe Aufn vor nn der rungen s oder t gibt, wahren it mit unter vielchch aus i Jude Wahr- An- Reise- Den Kern des Uebels traf eigentlich zum ersten Male W. Michel in seiner Streitschrift „Verräter am Den t schtu m" der als Deutscher gegen die deutschen Patentansprüche der Antisemiten zu Felde zog und folgende knorrigen Worte fand: „Man beruft sich^ mdem man sich als übelriechender Coyote benimmt, auf deutsches Wesen, deutschen Geist, deutsches Blut. Man behauptet, echtes Deutschum zu bewahren. indem man schäbig ist wie eine Kellerassel, ordinär wie ein Strizzi, schamlos wie ein Leichenfledderer, betrügcrüch wie ein Wechselfälscher. Der Antisemitismus ist ... in erster Linie eine Sache zwischen Deutschen und einer Horde von Verrätern aller edlen, geistigen, ritterlichen Ueberlieferungcu des Deutschtuins, die wir als etwas oerehrenswürdiges in uns tragen. Er ist die brennende Schande aller derer, die im Deutschtum ein edles, ausgezeichnetes Werkzeug zür Verwirklichung der Menschheit erblicken. Gegen diesen Ansturm auf das Grohe, Sonnenhafte in unserem Volkstum uns zur Wehr zu setzen, das gebiete uns die Gröhe des Uebels und die Kostbarkeit des Bedrohten. Wir müssen wohl als SUJeiiid» n die angegriffenen Juden, als Deutsche aber uns selbst geoei» diese zerlumpten Pariahordcn verteidigen. ... Uns bestich!: man. »ns beschimpft man, unsere Unterschrift fälscht man, unseren ehrlichen Namen führen Verbrecher, wenn sie aul Raub und Mord ausgehen. ..." Michel hat sicher keinen Antisemiten mit dieser Philippika bekehrt. Aber jeder.^ der sich frei von Fanalksmus weih und sich noch eine geringe Dosis von Objektivität wahrt hat. wird zu einem guten Teile diesem Angriff gegen das- „patentierte Deutschtum" der Antisemiten heimlich:.'» müssen, auch wenn er selbst kein Jude ist. Den Antisemitismus zu widerlegen, ist leicht, da er sich vielfach in Selbstwider-' sprüchen bewegt. Ihn aus der Welt zu schaffen, ist schwör, -wenn nicht gar unmöglich, weil es sich um einen Fanatismus handelt, der für die Mängel und Schäden unserer Zeit einen Sündenbock sucht. Solche Erscheinungen treten kaum zutage, solange es einem Volke gut geht. Ist ein Volk aber, in Not geraten, dann haben sich noch immer derartige Strömungen gezeigt, die um so leichter wirken können, als dre oorgebrachten Beweise scheinbar unwiderleglich sind. Aber ihre llnwiderlegbarkeit beruht lediglich in ihrer Uferlosigkeit, die letzten Endes im Glauben oder Äichtglauben mündet. Aus welchen Widersprüchen sich der Antisemitismus zusammenseht. dafür nur einige kleine Beispiele: Bei dem Antisemiten ist der Jude gleichzeitig Demokrat und Pkutokrat. Man wirft dem Juden Vorliebe für orientalischen Pomp vor und schimpft zugleich über seine Schäbigkeit. Er soll gleichzeitib Rationalist und Geheimbündler sein. Man schilt ihn Egoisten und bewundert doch seine charitativen Einrichtungen. Man behauptet, der Jude ginge üb« Leichen, und stellt ihm im gleichen Atemzuge das Zeugnis eines internationalen Pazifisten aus. Man macht dem Juden einen Borwurf daraus, dah er sich überall anzupaffen verstäub«, unb behauptet gleichzeitig, dah er »LH an seiner Eigenart festhalte. Diese

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