Der nationaldeutsche Jude
- Journal
- Der nationaldeutsche Jude
- Volume
- 1930
- Issue
- Nr. 7 (Juli 1930)
- Date
- 1930-07-01
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
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Rmricbtungen in PalS I . schlimme Zeilen sind angebrochen für die Zionisten.!La ige Jahr« hindurch Hallen sie sich, in ihrer rastlosen SieMurgsarbeil im Heiligen Lande wie in ihrer allgemeinen „Ajufbiutäligkcit". unter dem schütz der britischen- Mandatem icht sicher gefühlt gegen alle Anfeindungen von äugen her. ,ha ten qn ein gradliniges Fortschrcitcn auf dem ihnen durch d«- 4 :alsourdcklaralion erschlagenen Wege nationaler- Staatenbild ing geglaubt und feit darauf vertraut, dag die hingehende Kegcistcmng für ihre Sache alle Schwierigkeiten übertoin)en werde, die sich ihnen bis zur Aufrichtung der „jüdischen He,milälte" oder des „jüdischen Nationalheims" entgeczetiste len lönntcn. Die grausame Enttäuschung des vorigen sümners mit ihren furchtbaren Opfern an Gut und Blut hat diese Selbstiicherhcit io ziemlich dis auf den Grund erschüttert, und nun die amtliche Untersuchung über die Uriachest jcner Schreckcnstage vom August 1929 abgeschlossen ist und die londoner Negierung sich, nach vorläuiizer Sperrung dür ji ibi^ scheu Einwanderung,, ihre Meinung über die in Zukunft nnzu'chlagcnde Mandatspolilik get:i:bct hat, müssen sie crtem en. dag die Wirklichkeit. mit der sie fortan zu rechnen haben, i och wesentlich Zanders ausHehl, als ihre blühende Phantasie sich das balle träumen lassen. Die Engländer denken gar i icht daran, für ihre offiziellen Schützlinge.-die palästinehsis I>en bilden. Partei zu ergreifen. Die „eing.borencn" Arabbr ind ihnen mindestens eben so wichtig wie die eingewaidc ten ^Zionisten, und sie wären die letzten, die sich bei der Bcuvteil mg von schuld Und sühne hinsichtlich der blutigen -Erxigi iise de-s-vorigen Ialires von irgendwelchen sentimentalen Empfindungen leiten amen würden. Kühl und nüchtern, wie imi ier, wenn cs üch Mn Konflikte zwilchen anderen Völkern ^anl elt, wägen, N4 ab,: mit welcher Stellungnahme den britischen. Inleresicii am beiten gedient sein würde. »::d. nichts ficht sie chlxn ger an als die Beriuchung. sich ganz und ungeteilt auf die fine oder auf die andere Seite zu stellen. ' . >rit r a sv au>, sche 11zu geln- Wllle, also: ätz der Trr ppe L onv ohl sic können die Zionisten natürlich nicht .gut, falen lak»en, auch wenn iie den Borwurf erheben, 'da:; diL Zjonfften kein Vertrauen zur Mandalsmacht hätten und die Bcrwältung nnobjekliv und unklug krili'ierten.' Die a scheu Führer wiederum bekommen die Mahniing. >iä verhalten, das; Vorkommnisse wie die letztjährigen schlossen seien: und wenn es auch ganz recht sei. dUe al hängigkeil zu fordem. so sei doch noch besser der mit anderem Leuten zusammen zu arbeiten. Dcshalh Vermehr»».; de; Militärs und der Polizei im Lande. C " jüdische!: Polizei in Tel-Awiv durch eine gemischte uiit englischem und amerikanischem Einschlag, schärfer^ trolle der Aufreizungen durch eine gewisse Presse, wa; auf die Absicht, ein drakonisches Pretzgeietz heraus; ngeben. schlichen lägt, und entsprechende Handhabung der Justiz, auf dag hüben wie drüben die Entschlossenheit der Mandats >crwaltung erkennbar werde, für das Schicksal Palästinas die volle Verantwortung zu übernehmen. so ilt. es denn auck zu verstehen, dag die englische Regierung in die'en Tagen )rei an den Augnstunmhen beteiligte Arabet in Akko voüi Liben zum Tode befördern lieg, trotzdem sie bis zum letzten Au, enblick in groben Massen von Telegrammen, die zum Teil a ich oon deutschen Inden an sie gerichtet wurden, um die Äegn idigung der Uebeltäler bestürmt worben war. Nein, d e Hinrichtungen wurden, -unter furchterregendem Aufgebct von Panzerwagen und Fliegergeschwadern. die^der Bevclkerung den ganzen Ernst der Situation zum Dewugtsein pringey sollten, vollitreckt. Und Nun wissen beide Bevölkerungen von Palästina, das; England nicht mit sich spähen lägt, wenn es gilt, den Respekt vor seiner Macht in der ganzen W 1t aufrecht zu erhalten. Eine böse Saat für den Zionismus, den die Arabei natürlichnicht nur in erster Reihe, sondern ausschliehlich ür den „Märtnrertod" dieser ihrer Stammesbrüder verant »örtlich machen werden. Ein Stoff zum Nachdenken aber auch für alle grundsätzlichen Gegner der Todesstrafe, die Zich bei!uns in Deutschland zum Beispiel gerade jetztwieder darüber aufregten. dag in Württemberg ein Todesurteil gegen einen Vatermörders entgegen dringlichen Vorsteiiungen verschiedener 'Rcichsstellen, vollzogen wurde, nachdem der Staatspräsident I>r. Bolz die erbetene Begnadigung abgelehnt hatte.: Gewih lassen sich viele Gründe für das Verlangen Nach Ab°- iämffung der Todesstrafe ins Feld führen, und wie alle würden uns.herzlich freuen, wenn der Kulturzüitand auch der gro'gen Bolksmasien es dem Staat erlauben könnte, auf die schwerste Strafe zu verzichten, die ihm bei der Bekämpfung des Verbrechertums zur Verfügung steht. Man wird aber wohl die Frage aufwerfen dürfen, ob ein solcher Verzicht gerade heutzutage statthaft erscheint, wo wir uns einer zweifellos wachsenden Verwilderung breiter Volksschichten gegenübersehen, die leider nur allzu häufig auch kn einer grauenerregenden Geringschätzung fremden Lebens zum Ausdruck kommt. Es ist tina Von Dp. 8. Breslauer. doch kaum zu viel behauptet, weim man — nicht nur in Amerika, wo jetzt die Zustände zum Beispiel in Chicago sich .als ausgesprochene Schreckensherrschaft wohlorganisierter Mörderbanden darstellen, sondern auch in vielen europäischen Ländern — als eines der Kennzeichen unserer modernsten gesellschaftlichen Entwicklung diesen mit aller Rücksichtslosigkeit betriebenen Kleinkrieg des grohstädtischrn Verbrechertums um Geld und Gut. um Vergnügen und Genuh feststrllt. ein Kleinkrieg dem täglich Menschenopfer fallen unerhört. Der Staat ist kaum noch in der Lage, mit seinen Machtmitteln Schritt zu halten in diesem aufregenden Kampf gegen Mörder und Räuber in Stadt und Land, und wenn er sich nun wirklich dazu entschlichen sollte, ihnen gegenüber ganz allgemein und grundsätzlich das Richtschwert aus der Hand zu legen, statt sich in jedem einzelnen Falle die Enh'chridung vorzubehalten, ob er Vergeltung üben soll nach dem alttestamentarischen Grundsatz ..Autz' um Auge. Zahn um Zahn". — so würden die „Hefren Mörder" in dieser freiwilligen Abrüstung der Strafjustiz gewiss nichts weniger als eine Aufforderung zu vermehrtem Respekt vor fremden Menschenleben erblicken, wenigstens nicht in solchen Zeitläuften wie den heutigen, wo jede Art von Obrigkeit mit äuhcriter Energie um die Wahrung ihres Ansehens und ihrer Autorilät zu kämpfen hat. England stcbt seit Jahr und Tag unter der Herrschaft einer kazristi'ch-sozialistischcn Arbeiterregierung. Trotzdem hat sich dort keine nennenswerte Stimme gegen die Vollstreckung der Todesurteile von Akko erhoben, ebenso wenig wie etwa die 'Anwendung schärfster polizeilicher und gerichtlicher Reorcssivmatznahmcn in dem nun schon seit Monaten andauernden Kampf um die Selbstbehauptung der britischen Herrschaft in Indien von der öffentlichen Meinung in der Heimat ernsthaft beanstandet wird. Für den Oberkommis'ar in Jerusalem, den faktischen Inhaber der Mandatsgewalt über Palästina, ist die Bestätigung oder Verwerfung von Todesurteilen eine blohe Frage der Politik, nicht der Gerechtigkeit, nicht der Menschlichkeit.^ Und wenn er es für richtig gehalten hat. die drei schuldigen Araber dem Henker zu ttbetliefent. so werden die Zionisten schon wissen, welche Schlüge sie aus der Unerbittlichkeit dieser Justizübung zu ziehen haben. Schon spricht man in Jerusalem, wo die Volksstimmuna sich auf jener äuherstcn Grenze zwischen Apathie und höchster Erregung befinden soll, die ebenso sehr eine plötzliche allgemeine Lähmung wie einen jähen Ausbruch zur Folge haben kann,- vzon der Möglichkeit einer vorzeitigen Einberufung des nächsten Zionistenkongresses, der daim „entscheidende Beschlüsse" zu fassen hätte, da man den endgültigen Mahnahmen Englands „zur Verhindening der Wiederentstehung . einer jüdischen Bcoöl eningsmchxheit in Palästina" keinesfalls untätig Zusehen will. Aber worin könnte wohl die ultima ratio einer rein geistig-kulturellen Bewegung, wie es der Zionismus ja ist und sein will, bestehen gegenüber einem Machizeiztrun; nach Art des, britischen Reiches, dessen Herrschastswille auch heute im grohen und ganzen «noch unge krochen ist und sich mit Feuer und Schwert durchzusehen weis,, wo sanfter Zwang nicht ausreicht? Mit dem Völkerbund hat Wohl auch Herr Weizmaim schon seine Erfahrungen gemacht. um zu wissen, dast ihm von Genf her keine Rettung kommen wird. Oder denkt er vielleicht daran, sich mit den Arabern zu verbünden, um den Engländern eine geeignete Front gegenüberzustellen? Aber diese brauchten dann nur die Segnungen des Parlamentarisinus — in dieser oder jener Ge statt — über Palästina auszugieszen. worauf dann, getreu den demokratischen Grundsätzen aller demokratisch regierten Länder, die arabische Mehrheit der Bevölkerung etwa viermal fo stark in der Kammer vertreten sein würde wie die jüdische Minder heit — um die Araber sofort auf ihrer Seite zu haben. Oder soll etwa die berühmte jüdische Legion aus der Kriegszeit ihre Wiederauferstehung feiem. entsprechend de» Forderungen des leidenschaftlichen Zionisten-Patrioten Jabo tinsfy? Der himmelanstürmende Idealismus der Zionisten in allen Ehren: niemand denkt daran, ihm das Zeugnis zu ver sagen, das; er Grobes geleistet hat und datz er Zähigkeit genug besitzt, um an wachsenden Lindemissen immer nur zu erstarken, nicht zu erlahmen. Aber England, wenn auch seine Mühlen langsam mahlen, pflegt vor Gegnem, die aus remem Idealismus für Freiheit und Unabhängigkeit kämpfen, wie jetzt die Inder, ebenso wenig die Waffen zu strecken wie etwa vor feindlichen Besitzern von Goldgmben und Petroteumfeldern. Es hat in Südafrika souveräne Staaten von der Erdkugel fortgewischt, weil sie seinem Machthunger im Wege standen, es wird umso weniger hier, am Ausgangspunkt seines berühmten Brückenschlages nach Indien, mit verschlungenen Armen die Fest setzung einer Macht geschehen lassen, die seinen Interessen auch nur. im entfemtesten gefährlich werden könnte. Die Todesurteile von Akko reden eine deutliche Sprache kür jeden, der sie verstehen will. Sollten die Zionisten sie nicht verstehen wollen, so werden sie an den Folgen ihrer Unvernunft schwer genug zu tragen haben.