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Der nationaldeutsche Jude · 1930-07-01 · Nr. 7 (Juli 1930) · p. [Seite]

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Journal
Der nationaldeutsche Jude
Volume
1930
Issue
Nr. 7 (Juli 1930)
Date
1930-07-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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«£# I Einzelnummer 20 Pfennig. naüonal-eutsth Müellungsblakk -es Verbandes nationaldeuWerZuden Lv. Das Mitteilungsblatt erscheint monatlir Geschäftsstelle des Verbandes und Echriflleituug des Mitteilungsblat es LeK^ützo^WZ/^^^nKKo^o^Ma^i^chist^BerliuWs^^gerftr.y. : Berlin WZ5, Blumeshof y, Postscheckkonto Berlin Nr. 111231 Jahrgang 1950 3ult Nr. 7 I Aus dem Inhalt: politische Norvdie» . .? ston Gerhart Herrmann Blostar. jvon 5. Na st. — Hinrichtungen in Palästina vo -1 |um Tage von Versaille» \ Dr. 5. Breslauer. , I Cdchrbaftigkcit. Es wird wieder einmal viel in Deutschland von „Wehrhaftigkeit" geredet. >! Was ist Wehrhaftigkeit? Zunächst — ein Wort, eine leere Wortschale, der verschiedene Menschen verschiedene Inhalte geben.; Halten wir uns an Beispiele. Ein Mittagsblatt berichtet, datz ein Berliner Rechtsanwalt Paris in vollendetem Französisch vor begeisterten französiwieher einmal über die Dreysus-Affäre ger die Jahrzehnte zurückliegende Affäre in schen Zuhörern sprachen hat. Ueb« des heute hochbetagten französischen Offiziers, her immer ein In Bolivien ist Revolution. Fass steht einmütig gegen die bisherige Riegierung und vor allem gegen ihren militärischen Berater, einen ehemaligen deutschen General. In China ist der Deutschrnhatz. der schon vergessen schien, von Neuem aufgeflammt. Man berichtigt „die Deutschen", einer Reihe ehemaliger deutscher Off ziere die Beratung und Unterstützung eines' der blutrünstig ten Bürgerkriegs-Marsckzälle „gestattet" zu haben. > Das sind nur ein paar Ereignisse der letzten Wochen. Die Betätigung früherer deutscher Öffizi:re in den kriegerischen Wirren anderer ferner oder näherer Länder, mit denen das deutsche Volk jedenfalls nichts zu schaffen hat, ist durch die Schnell-Lebigkeit unserer Zeit fast schon aus unserem Gedächtnis getilgt. Vor etwa 170 Jahres wurde ein deutsches Lustspiel „verfertigt", — so nennt es der Verfasse selbst. Der Verfasser hietz Gotthold Ephraim Lessing. Er ist heute nicht mehr geschäht: seine Bühnenstücke geben wenig Möglichkeiten für Akrobatik und auch mit dem sex appeal ist es mäßig bestellt. In besagtem Stück spricht ein preußischer Ma>or zu seinem ehemaligen Wachtmeister, der irgendwo, hinten weit in der Türkei, in einen neuen Urieg ziehen will: „Latz mich nicht von Dir glauben, datz Du nicht so wohl das Metier, als die wilde, liederliche Lebensart liebst, die unglücklicherweise damit verbunden ist. Man mutz Soldat i^enn für sein Land, oder cus Liebe zu der -ache, für die gefachten wird. Ohne Absicht heute hier, morgen da dienen, heitzt wie ein Fleischerknecht reisen^ weiter nichts." Ist das Wehrhaftigkeit im deutschen Sinne was diese Glückssoldaten treiben? Kriegführung für Halbindianer oder Chinesen, deren Gegner ihnen nicht erner und nicht naher stehen, als die Partei, von der sie sei >st gedungen sind? Begreifen diese Abenteurer nicht, datz ihr Lanzknechtswesen, ihr Reisch, wie „Fleischerknechte" den Ram m des deutschen Vaterlandes herabietzt. datz sie ihre eigene Vergangenheit herabsetzen. in der sie noch für ihr deutsches Land fochten? Und nun die Kehrseite. französischer' Patrio. peinlicher sein kani ein „Nationalist" als seine längst war. Und dem gerettete Ehre nichts heute die ganze Bevölkerung im Rahmen einer „Friedenskundgebung" von deutschen Rechts anwälten nochmals ist wohl nur Mittagsblattes schliß Volk durch den"K urteile ünd v Führer mit re den einen Wunsch. Völkern zusammen „verstehend", aber gerettet zu wissen. Aber Dreyfus selbst äutzeijer Anlatz der Ucbung. Der Bericht des tzt: „Der Redner betonte, datz das deutsche ieg sehr kritisch geworden sei. Es beerurteile jetzt seine einstigen t loser Strenge und habe nur noch aufrichtig und verstehend mit anderen iu arbeiten." Für die a n d e r en Völker Uir die einstigen Führer des deutschen Volkes, die doch wihl in ihrer Arttzdas Beste wölkten, ohne jedes Verständnis, ntzr mit „restloser »Strenge". Auch hier wird die deutsche Vergangenheit preisgegeben. zertretener Vergangenheit der deutsche Name. ohne jeden Sinn dtzfür. datz deutsche Zukunft wachsen, nicht auf gebaut werden kann Und während in Frankreich gesch militärischem Aufputz Stratzen. lauert an Kegnem auf: schlägt mir organisch künstlich auf- Solches in Südamerika, im fernen Asien, eht, zieht verhetzte deutsche Jugend in z mit Trommeln und Pfeifen durch die »unklen Ecken den gleichfalls uniformierten sie nieder, wenn die Angreifer in der Mehrzahl sind, schieht aus dem Hinterhalt, überfällt harmlose Spaziergänger, deren Nase oder'deren Stehkragen ihr mitzfällt. und dient so quf ihre Weise der deutschen Zukunft, der nebelhaften Vorstellung einer Zukunft, von der sie nichts begreift, als die Schlagworte, mit denen gerissene Führer sie auf die Stratze hetzen. Und eines der beliebtesten Schlagworte. wohl das zugkräftigste, heitzt „Wehrhaftigkeit". Es wäre gut. wenn wir einmal ein Weilchen von der äutzeren Wehrhaftigkeit abkämen, von dem nationalistischen Pro- und dem pazifistischen Kontra-Gerede, und dafür die innere Wehrhaftigkeit stärkten. Wenn wir wieder ein Volk würden, das sich nicht selbst zerfleischt, das nicht fremden Völkern die „Fleischerknechte" liefert und auch nicht vor fremde» Völkern katzbuckelt. Wenn wir uns innerlich schieden von den reisenden Generälen und^den reisenden Rechtsanwälten. Wenn "wir zurück kehrten zu jener Wehrhaftigkeit. wie, sie Gotthold Ephraim Lessing verstanden hati M. N.

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