Der nationaldeutsche Jude
- Journal
- Der nationaldeutsche Jude
- Volume
- 1930
- Issue
- Nr. 6 (Juni 1930)
- Date
- 1930-06-01
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
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Zur 6inamerikaniNer der Juden. mg Ton Dr. (flalter I. Briggs, Deutschland-Vertreter des „Illinois Staats Herold, Chicago". „Mdtiny Pot", '.Uiiiditfiicl der verschiedenste» lkationalitäten, nennt inan Amerika. Nennt es so mehr 1s je. seil die Firage des Auigehens der Zugewandertc r im ainerikaniickirn Volte während des Weltkrieges eine go iz' besondere Aktualität gewonnen hatte.- In den Zeitei der grotzen Einwanderung widmete man'dieser Frage nid tviel Aufmcrk'amkcir. '.>Nan nahm es als eine Selbstveritänd ichkeit hin. das; die Einwanderer, die ans der gleichen Gegend amen, die durch die Gemeinsamkeit der Sprache mehr als durch irgend etwas anderes verbunden waren denn an bei alten .Heimat, die He verlaiien hatten, ibeil iie ihnen nicht genug Brok oder nicht genug Freiheit bieten konnte. hing n sie ja nur bedingt — sich;it'ammcitfan'Bcn. Das; sie m «iahe beieinander wohnten,' datz iie ihre Zeituggen in glichst ihrer Sprache hatten -- im Jahre 1905 gab es neben 550 de Ischen gegen 750 Zeitungen in Amerika, die . nicht in englischer Sprache geschrieben waren —, das; sie sich zu' Vereinen., >llubs mit» Logen uiiamnienianden. Man wutzte. datz jedei Einwanderer io bald als möglich sein „erstes Papier h rausnahm". das beitzl die Erklärung-abgab. Burger ^der einigten St-aaten werden;u wollen, und ' datz er dei Sabre »ach seiner Landung cintretendcn Augenblick ^erbcidieies rrecht ihrer sehnte, an dem er - mindestens;wei Jahre im Besitz ersten Papieres Hä, uni das'leicht gewährte Bürg ^ie 'Vereinigten Staaten waren bewerbe» konnte. materielle» 'Ainiebungskrait aui ihre Eigwandc er io sicher, datz He >iäi mit der Frage der seelischen glicdcrung der neuen Elemente nicht stark befahlen. R\. n Das lani fr», als die Einwanderung allmählich d iorgnis wachriei. es könnte der 'Arbeitsmarkt dadurch zue niedrigerer p'öbne zu »ark beeinflutzl werden. Seit Zeit trat eine dauernde Verschärfung der Einwande ge>ci-gebung! ein und. wie das nun einnial in Amerrla reriuchle man die wesentlich materiell bedingte Frag einem itealiitisch-.il 'Motiv. ..Neinerkaltung' des amerikatji 'Vollstums". zu unlcrlegeii.!lnd dann kam der We Die wahre amerikanische Tragödie, datz. wenn die einigten Staaten mit irgcnLeinein anderen Bolk in geraten, inuiice ein Teil ihrer Bevölkerung ganz natütz weiie aus srnkimcntalen cOründen mit den Gcgnerns rallwierk und nur mit innerem Widerstreben oder zum schinerzliä, bewegt seine Pt'Iichl als amerikanische S burger ert'üllt. So ging es ja ganz besondersten Di 'Amerikanern, von denen nch 10000 000 zu ihrer Volkszugehörigkeit he-iehungsweiit 'Abstammung bekennet! de» 15 0 'DOn. die darüber hinaus ganz oder tes »aminesuigehörig iint, ganz zu schweigen, In die'er Zeit trat die Frage des Mü'chkenels mehr in len Vordergrund. Die Vertreter der Idc?« absoluten Berichmelzung unter, völliger Aufgabe de sammengehörigteilsgenihlcs -mit den autzerhalb dcp S rerblicbcnen - Balls,genossen itanden jetzeitgegenüber, klarer Erkenntnis der seelischen Macht dieses' Gefühls waren, die subtile Ilitlerichcidung zwilchen Volksgefü.,, Staalsgefühl se»zu»ellcn und;u verbreiten. -. 31 o| fl cf fl hl, dos vom Bolksgerühl unabhängig sich ahf Inlcressengenteinschat'k der im Staat Bereinigten ap und bei icineir' Bertiefung zum Patriotismus wird. V » gefühl. das ohne Rücksicht auf die staatlichen Grenzen^! auch mit geziemender Berücksichtigung der sich aus der St Zugehörigkeit ergebenden Pflichten, die lulturellen, ih E»emein>amkeits,iflicr bcwuszt und berechtigt pflegt und ' Alle diew Momente aller kommen nalurgettzätz bt Frage der Einamerikaniiicrung der Juden - weit weniger in ganz anderer Weile in. Erscheinung. Bei c> andern Einwanderern' b e kt e h t oder b e it in jener Zeit doch immer ein Staat, dem vor i h r e r s E i n w a n d c r u n g a n g e h ö r t h a _ 'Vielleicht mit einziger Ausnahme der Einwanderer aus O reich Ungarn bedingte diele frühere staatliche Zugehö^ bei der überwiegend auf völkischer Z»sammengeh5rigke»i grüntctdii Struktur der europäischen Staaten eine Zukaifi faslung aller jener, die dem Uriprungsitaat'als Bürger < hört hatten. Bei den Juden war dies'aber ausgeschlPs Denn die nationale Eingliederung der Juden in derj schicdcnen Ländern wurde damals noch nicht so nachdrilck vertreten.'wie. dies erfreulicherweise heute der Fall Ht. ' aus Deutschland kommende Jude fühlte sich damals seltensten Fällen als Deutscher, und noch weit weniges dies bei den immer zahlreicher einströmenden Oitjuddi bezug auf ihre Ursprungsländer der Fall. Begrei'lichei! Demi die meisten llieier Juden waren ja ausgewano weil sie Juden waren. Ihr Judentum, das sie aß Be nilten jener tzingrist. mit i'chen l' krieg. Verflikt ichersymndeit laatzschrtichschcn - von weise mir Berfftnf Eini nmer laten it t oenn tpatsalen tztzhält. der und l e n i n d sie en. itergkeit ge nen- < nqesen. verlich Der in war in cheiie. rt. der alten Wohnstätte — von Heimat konnte man. in viele» Fällen nicht gut reden — vertrieb, mutzte somit ein ihre». Gefühl weit näher liegender, bestimmender Faktor werde» Unter dem Eniflutz dieses Gefühls und seiner starke» Propagierung durch die Führer und ihre Zeitungen kam sonn in Amerika etwas zuitan.de. was in keinem andern Teil de Welt bisher in dieser klaren Form geschehen war: di, Juden wurden und werden seither von Amts wegen in gleiche» Sinne als ein Volk betrachtet, wie die Deutschen. Italiener oder Griechen. Die „yiddisclie“ Nation mit ihrer au deutschen, polnischen und englischen Elementen seltsam ge mischten Sprache, die hebräische Schriftzeichen in einer eigen, dafür konstruierten Zusammensetzung verwendet, wurde von Staats wegen als solche anerkannt und vollkommen in gleicher Weise offiziell behandelt wie alle andern 'Okationalitäten. In der Stadt New Port koimte und kann man offizielle Hund machungen in englischer, deutscher, italienischer und, mi: hebräischen Buchstaben gedruckter, „yiddischer" Sprache sehen Die Folg», davon war die den Vertretern der^ Ei» amerikaniiierungs-Idee durchaus unerwünschte, datz der «lege» sah. in dem sich die sogenannte uramerikanische, alio di englische, nordische, protestantische Bevölkenmgsschicht. zu den „fremden" d. h. später eingewanderten 'Völkern fühlt, sich der Juden gegenüber besonders stark bemerkbar macht. Es wäre, nicht religiöse, auch nicht die uriorünglich wenigstens gar nicht in Frage kommenden „Ras'c"-Gegen'Stzc. die in Amerila einen mehr latenten, aber in mancher Beziehung sehr deulliä> zutage tretenden Antisemitismus schufen und auch heute nocl, aufrecht erhalten. Den Mormonen — vielleicht der tief» religiösen christlichen Sekte — gilt das Alte Testament mehr als die übrige Bibel. .Sic fühlen sich als direkte 'Nach folgcr der Juden im rein?n Glauben und ielbit die uriprüng liche 'Vielweiberei gründet dich auf die biblisch jüdische Tra dition. Und trotzdem nehmen auch sie den Juden in Amerila gegenüber eine ablehncndL>.Ha!tung ein. Der Antisemitismus, wenn auch nicht immer zj» aggressiver Form, iit einem grotze» Teil der Amerikaner heme etwas ganz natürliches und selb» rcrständliches. Datz er im offiziellen Leben nicht ersckzeinl. d. h.. datz die bürgerlichen Rechte der Juden in keiner Weiie bezweifelt oder beeinträchtigt sind, vielmehr ihrer religiösen Gemeinschaft dadurch Rechnung getragen wird, datz bei offiziellen Anlässen, bei denen eine gottesdienstliche Einleitung jtattfindet, diese zunächst protestantisch, dann katholisch und lchlietzlich jüdisch vorgenommen wird, hat mit dem Gefühl und seinem Ausdruck selbst gar nichts zu tun. Zahlreichen Amerikanern erscheint der Umgang mit jüdischen Kreisen einfach als undenkbar. Wohl verkehren die Männer im geschäftlichen Leben, aber ein geselliger 'Verkehr zwischen den Familien iit ausgeschlossen. Dabei geht es natürlich nicht an allen Orten so weit, datz der Antisemitismus sich bis zu dein Grade steigert, wie es in einzelnen Städten sogar des Westens vorkommt, datz Häuscrviertel, in denen ein Haus im Eigen tum yon Juden iit, von den nichtjüdischen Bewohnern ebenso verlassen werden, wie dies ganz allgemein den Negern oder Chinesen gegenüber der Fall istz. In der amerikanischen Organisation des Ku-Klur-KIans steht der Kampf gegenl. die Juden an gleicher Stelle mit dem Kampf gegen bic* Neger und allerdings auch gegen die Katholiken. Ties führt zu der Erkenntnis, datz dem amerikanischen Antisemitismu - weiter Kreise doch noch etwas anderes zugrunde liegt, als di< Abneigung qegcn dasjenige, was an so vielen einwandernden Juden und auch hier wieder in erster und überwiegendce Weise an den Ostjuden als entgegengesetzt und unsympathisch empfunden wird. Biele Erscheinungen des amerikanischen Volkslebens und Empfindens lassen sich überhaupt nur darau erklären, datz der protestantisch-puritanisch-nordische Einflns! im dauernden Kampf gegen alte mehr einer freiheitlichen Lebensguffassunq zuneigenden Strömungen stehtj wie sie Haupt sächlich durch die südeuropäischen katholischen, gleicherweb aber, auch ^»urch die einer freieren geistigen Entwicklung weil mehr geneigten jüdischen Elemente repräsentiert wird. - Die Frage, ob eine bewützte und beabsichtigte Ein amerikanisierung, also eine volle Verschmelzung Mit den: amen'kanischen Volk, die das bestimmend Verschiedene mit der Zeit verschwinden lassen könnte, möglich sei. istz nicht leicht zu beantworten. Die Schwierigkeit liegt auf beiden Svten. Auf der einen darin, datz eben ein fest umn'ssener. klar bestimmter amerikanischer Volks-Charakter, in dem das Judentum aufgehen könnte, nicht vorhanden ist. Auf der anderen Seite aber zeigt es sich, datz die Juden; zwar zu jenen Einwanderern gehören, die sich äutzerlich am schnellsten assimilieren.' weit mehr, als zum Beispiel Italiener oder Griechen, datz diese Assimilierung jedoch wesentlich äutzerlich i