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Der nationaldeutsche Jude · 1930-04-01 · Nr. 4 (April 1930) · p. Seite 7

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Journal
Der nationaldeutsche Jude
Volume
1930
Issue
Nr. 4 (April 1930)
Date
1930-04-01
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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7 damit die Unterhaltung sinnlos machen will, keine andern als diese: Ein Stück Rassenkampf von der unsaubersten und „»erträglichsten Art. Was soll das, dieser sadistisch ausgekostete eruale Triumph des eingewanderten Juden Danieli über die ' blonde Deutsche auf dem Fürstenthron? Was dieser Hohn über die rcrtrottelten und entarteten Gojim? Was dieser Herren- ,0,1g des Uebcrmenschen, der seine ersten Millionen mit süd- „mcrikanischer Bordellwirtschaft gemacht hat. über die Ehre, je Würde und alle natürlich«, Instinkte seiner deutschen .mqebung, über den degenerierten Fürsten, die geschändete iiritin, den frech herausgeforderten Adel, der sich ..beugen all" vor des jüdischen Bordellhalters „buntem Blut" in er Fürstenwiegc. und der — aifgcblich -— sich beugt. — — Dies der Tatbestand.; Soll man ernstlich um ihn rechten? W e r hat Grund, darob besorgt zu sein? Grund, den »blich unausbleiblichen Wirkungen solcher Tilge voizubcugc» durch unzweideutiges - Abrücken? Grund, sich solche gefährlichen. solche niederträchtigen Bärendienste deutlich zu verbitten? Wer? I ch sehe. hier Züchtung des Antisemitismus. Ich sehe sie darin, wie auch so oft und immer wieder in den aufdringlichen Bärendiensten einer gewissen Presse, die zweifellos das Gegenteil von dem wirkt, was sie zu wirken vorgibt. Wenn ich Jude wäre, ich würde den Einspruch gegen einen gefährlich geschmacklosen Erzes; wie das „Haus Daniel,' Herrn Kortners nicht denen überlassen, die nur Grund haben, sich daran zu ärgern: ich würde begreifen, da» es den Juden noch mehr angeht, weil es ihn gefährdet. Denn es ist gar kein Zweifel, datz eine Vorstellung des Kortneklchen Danieli gefährlicher für den Antisemitismus wirbt als dreitzig nationalsozialistische Agitationsversanimlungen. ZeitglolTen. Bon was andrem rede». Was der Nichtjude Husfong über „Bärendienste" i.»U. trifft den Nagel auf den Kopf. Werde» die empfindsamen und in „Kunst"-Dingcn so grenzenlos duldsamen Juden ^greifen. das; es Arznei .,it, nicht Gift, was er uns reicht? I . Es ist dazu vom jüdischen Standpunkte aus noch »liges zu bemerken. 1 ' Wie kommt es den», das; unsere betriebsamen Theater-, Kabarettunk Filmleiler durchaus nicht davon loskommen, ihr Publikum mit Iudenstücken, Iudenjrollen. Judenwitzcn, ^udciigcsängen und Judenbildern bis zum Platzen zu füttern? tod) wohl nur, weil sie ihr Publikum leynen und wissen, was verlangt oder verträgt. Als man uns den „Kaufmqnn von Berlin" zumutete, eigle die Schauseite des Programmhefts ein Elcndsbild aus der Inflationszeit, — und als Berschlutz klebte darauf bie 'Nachbildung einer Sektflasche Mit Reklamcaufdruck. Man ui,m das Verhältnis der grotzstädtischen Bühnenproduktion zu ihren Verbrauchern nicht tlarejr versinnbildlichen. Den jiidüchen Spietzern. den zwischenschichtlichen Smokingträgern und ihren Gattinnen ist es angenehmer > Kitzel. wenn sie vom egucnien Parkettsitz aus zuhören dürfen) wie man sie von er Bühne her beschimpft und verhöhnt. Und die nichtjüdischen Theaterbesucher? Nun,' sie j sagen >il>: das Stück iit von einem Juden (oder von zweien) nichriebcn, von einem Juden herausgebracht, von einem »den einstudiert, zum grotzen Teil von Juden gespielt und > ird von Juden bejubelt. — da mutz doch wohl alles in ~ rbnung sein. Es gibt noch eine andere Form, die Bühnenjuden ihren >,lieber» zu servieren. Der Berliner nennt es die „Schmalz- Da-ist ein Stück oder ein Film, in dem kommt — tat- - blich — eine ganze Menge Nichtjuden vor. Es sind l rchaus nicht lackier Ekels und Bösewichter. beileibe nicht, e sind manchmal nur ein Kitzchen beschränkt und meist beincrnswert. manchmal aber im groben und ganzen .1» rißht :d gelegentlich ausgesprochen edel. Jinmerhin: mindestens „er muh Vorkommen, der noch eine Kleinigkeit edler ist, s mit groben, mild-verschleierten Erbarmensaugen dem Hiidnn Treiben der Anderen zusieht, der überall das ihiciide Wort glicht oder doch innig ^hedauert. angesichts kr so üblen Welt nicht' fortgesetzt erlösen zu können, der Herz und im Bedarfsfälle die Brieftasche und in jedem :11c das Mundwerk auf dem rechten Fleck hat. kurz: i Seele von Mensch. Und diese Seele ist ganz zufällig jüdische. Manchmal sind es auch zwei, wie in des beidener. Arnold Zweig „Sergeant Erischa", wo- 1 freilich als mildernder Umstand zu vermerken ist. dab ‘ jüngere Vertreter unentwegten Edelsinns als Selbst- - nis des Verfassers gelten darf. Den überaus edlen und sympathischen Bühnenjuden schätzen nichtjüdischcn Zuschauer nicht ganz in dem Matze, wie den iichcn oder schurkischen. Aber sie nehmen ihn hin. weil .s gewohnt sind und weil es doch Kunst ist und weil die ->il doch zeitgemäb sein mutz und weil die Judenfrage doch > nntlich höchst zeitgemäb ist und vor allem so äutzerst , restant. Ist cs wirklich für uns deutsche Juden zwcckmäbig. unseren i ijüdischen Mitbürgern unausgesetzt interessant zu sein? » -re es nicht vielleicht ein guter Schritt vorwärts auf dem ' -ge zur Lösung der Judenfrage, wenn die Nichtjuden atl- 1: iich aufhörten, sich unablässig für uns zu interessieren? Aber unsere Zwischenschichtler efnschliehlich der oermeint- 1 i Jüdischnationalen lassen diesen Schritt nicht zu. weil sie u >!>r umhin können, sich selbst unablässig interessant zu sein, chmeichelt ihrem morbiden Geltungstrieb, sich Tag und problematisch zu finden, und so bleibt nichts übrig, als auch den anderen ei l Problem zu sein. Sie sind nun einmal auf Leid erzogen uid so haben sie ihr Leid, das natürlich ein ganz besonders interessantes Leid. ist. sozusagen organi >>ert, »ach alle» Regit» der Filmtechnik, mit Haupt- und nebenberuflichen Propagandachefs. Dieser Leidcnstultus ist krankhaft. degenerativ. und das wissen sic auch, aber das ist in ihren Augen noch interessanter, noch mehr Anlatz. über sich selbst zu schwatzen, in Zeitungen, Zeitschriften, Büchern, Dramen, stummen und tönenden Filmen, schmerzlich, gemacht objektiv, selbstironisck, anmahend. wie es gerade trifft, aber stets sehr reichlich. sDas aufdringliche Mitteilungsbedürfnis ist tnpisch für jene Srelenhaltung. die nicht die Kraft zur Unbefangenheit aufbringen kann, die zwischen mimosenhafter Empfindlichkeit und zynischer Selbstcntblötzung pendelt, in der ein Stück Erhibitionismus steckt und eim noch gröberes Stück fader Sentimentalität. , ' Und, da wir gerade von Sentimentalität sprechen: In meiner Jugend hörte man ein Brettl-Lied, eine Parodie auf das damals noch als Gcfühlsventil sehr beliebte „Allerseelen". Den Verfasser habe ich vergessen, aber der Teil hat sich mir eingeprägt. Die letzte Strophe hietz: Wirf auf den Mist die duftigen Reseden, Die letzten roten Astern auf den Müll! Und lab uns endlich von was andrem reden — Wie im April! Ich stelle den Antrag, diese Verse auf die zeitgemätze Bühnenkunst. Filmkunst und Literatur anzuwendcn. Wir wollen einmal wieder von was andrem reden, als ewig von der überaus interessanten Judensrage. M. Die xSefahr des Bonmots. Ein Nichtjude, bekannter Schriftsteller, erzählte mir folgendes Erlebnis: - Er war jahrelang-an der Front gewesen, als Offizier, an gefährdetster Stelle. Im Urlaub traf er einen jüdischen Jugendfreund. Etappen-Sanitäter, wegen unzweifelhafter Körpermängel im Frontdienst nicht verwendbar. Dem beschrieb er einen Angriff, pries die Unerschrockenheit seiner Leute und sagte: „Wer bei solchem Gegenfeuer es über sich bringt, aufzustehen und dreibig Schritt vorzugehen, im vollen Bewutztsein, dah er wahrscheinlich beim dritten Schritte fällt, der mutz ein ganzer Kerl sein." Der Jude gab zur Antwort: „Und ein besonders dummer." Der Erzähler fügte hinzu, datz er durch diese Aeutzerung zum ersten Male in seinem Leben auf den Gedanken gekommen sei. die „jüdische Seele" könnte doch wohl von der „deutschen" verschieden sein. Er räumte ein. Idatz er selbst an diesem Juden vorher und nachher nie einen Mangel an deutschem Nationalgefühl bemerkt habe, datz man ähnliche Redensarten auch von „arischen" Etappen- und Heimkriegern gehört habe, dah man keineswegs verallgemeinern dürfe, — aber das Erlebnis selbst haftete fest in der Eefühlssphäre. Die Frucht war ein Vorurteil, mindestens ein Mihtrauen. Für den landläufigen Empfindlichkeits-Juden war der Erzähler unzweifelhaft ein „Antisemit". Diesen — immerhin — Antisemitismus hat ein einziges Wort gezüchtet. Und zwar ein Wort, das höchst wahrscheinlich gar nicht „so gemeint", gar nicht aus einem anattonalen Empfinden geboren war. sondern nur aus dem unbezwinglichen Bedürfnis, ein Minderwertigkeitsgefühl durch einen überschlauen Witz auszugleichen. Wieviel wahre Jubenfeindfchaft mag -schon durch ähnliche Bonmots, durch dyn wichtigmacherischen Trieb, sich gegen die eigene Ueberzeugung als überlegenen Zyniker aufzuspielen, entstanden sein? , Mil es.

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