Der nationaldeutsche Jude
- Journal
- Der nationaldeutsche Jude
- Volume
- 1930
- Issue
- Nr. 4 (April 1930)
- Date
- 1930-04-01
- Page
- Seite 8 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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ßücbcrfcbau. Heinrich Graf Coudenhooe-Kalergi: Das W«s e n des Antisemitismus: eingeleitet durch R. R. Eoidenhoor» Kalergi: Antisemitismus nach dem Will krieg «Paneuropa-Verlag, Wien, Leipzig. Paris 1929). Das Buch des Aelteren (es erschien zuerst 1901) und die Einleitung des Jüngeren haben ein Gemeinsames!: ,sie sind die Werte beneidenswerter Idealisten, die überzeugll smd, mit dem reinen Willen zur Gerechtigkeit, mit der Kraft des Ethos im groben Zuge ein Problem lösen zu können, dasjin Wahrheit nur durch unermüdliche, enttäuschungsreiche Kleinarbeit millimelcrweiie der Lösung nähergerückt werden'kann. In dem Buche des Aelteren steckt zudem einbewunderungswürdiges Wissen um die historischen Grundlagen des „Antisemitismus" und eine um so erstaunlichere Verkennstng seines Wesens. Heinrich Coudenhove findet die Wurzeln her Iudenfeindschaft in „fanatischem Religionskiab": er verkennt völlig, wie eng gerade im früheren Judentum Nationales und Religiöses verflochten waren, und bei d en Jude», die als Zioniiten und Angehörige gewisser orthodorer Gruppen.die Entwicklung rückwärts revidieren wollen, noch heute verflochten sind. Und dabei ist der Verfasser tim Jahre 1901!) überzeugt, dab „fünf Sechstel sämtlicher Juden ,der Welt heute bereit sind, sofort auszuwandern, um sich in den zu gründenden Iudenstaat zu begeben". Der jüngerf Coudenhove aber, der im Jahre 1929 schreibt und t« manchen Einzelheiten — z. B. bezüglich des Unterschieds zwischen Westjuden und Ostjuden — die Gegenwartslage recht klar sieht, .hält grobe Stücke auf die Teroish Agency, von der er meint, „diese übernationale Zusammenfassung des Judentums" — er vergleicht sie dem Vatikan n- „könnte mehr für die Menschheit und mehr für die Juden bedeuten, als der teritorialc und nationale Zionismus". Gegenüber einer aus so reiner Gesinnung ilpriebenden Weltfremdheit m»b die Polemik schweigen. Wir haben oben die Verfasser „beneidenswerte Idealisten" goinnrnt. -° Vielleicht ist der Ausdruck falsch vielleicht sind sie bedauernswerte, L Idealisten. Der Vater hat seine Enttäuschung nicht mehr erlebt, dem Sohne wird sie nicht erspart bleiben. Die süß saure Anerkennung, die das Doppelwerk bisher in den Kreisen aller der Juden gefunden hat. von denen sonst jedes apologetisch Buch mit wildem Triumphaeschrei begrübt wird, ist das erste Anzeichen der begimrenden Vergessenheit. M. 9!, Ilse o. Die Frauen von Korinth (Berg stadtoerlag. Breslau 1929). Die Schriftstellerin Ilse o. Stach, die sich vor alle»' in katholischen Kreisen eines hohen Ansehens erfreut, hat mi: dem vorliegenden frauenrechtlerischen Tendenzwerk auch i» diesen katholischen Kreisen wenig Anklang gefunden. Die Be mängelungem die zum Beispiel der bekannte Jesuitenpater M u ck e r m a n n an dem einzigen hier näher interessierenden Gespräch —! dem zwischen judenchristlichen und heidenchtisl lichen Frauen von Korinth — anzusetzcn hat, gehen nich: nur vom Standpunkt de.r katholischen Religion, sondern auch vo« dem Mangel an historischer Treue aus. und soweit be stehen sie unzweifelhaft von. jedem Standpunkt aus zu Recht. Die ganz speziellen Voraussetzungen, die für die Korinther Gemeinde nach dem ersten Paulusbriefe bestanden foabcii — besondere Larheit der Sitten, wie ja denn Korinth über Haupt nicht eben eine Stadt der Asketen je gewesen ist —, werden oonplfc v. Stach völlig ignoriert. Ebenso will kürlich ist. dab sie just eben eine Judenchristin als Ver trcterm desj Prinzips der Fraucnunterdrückung nimmt, der sie eine Spartanerin — im ersten nachchristlichen Jahr hundert, acht Jahrhunderte nach der sagenhaften Gesetzgebung Lykurgs! — als Vertreterin des Glerchberechtigungsprinzips gegcnüberstellt. Was in diesem Gesprüch gegeben wird, ist bestenfalls eine romantische Phantasie — die nicht historisch genommen werden darf — über die Frauendinge zu Beging der christlichen Kirche. Der Wert einer solchen Phantasie steht und fällt mil dem Dichterischen, das an dieser Stelle nicht zur Beurteilung kommen soll. L. E. J ' ' ' - Judentum und Parteipolitik. - ' Ein in Berlin ansässiger Verein, der zur Pflege einer bestimmten religiösen Parteirichtung innerhalb der Berliner Jüdischen Gemeinde gegründet ist. hat einen Vorfragsabend mit dem Thema „P ö litische Weltanschauungen im dichte des Judentums" veranstaltet. Ein! Mitglied unseres Verbandes, das zugleich Mitglied des Vereins ist und parteipolitisch deT Deutschen Volkspartei angehort, wurde von der Leitung des Vereins gebeten, „eine Dame oder eintn Herrn für ein Referat vom Standpunkt de« Deutschen Volkspartei namhaft ju machen". Dabei wurde!zum Ausdruck gebracht, dab es erwünscht wäre, „wenn die Dame oder der Herr der jüdischen Konfession angehörten". Als Redner der Demokraten und der Sozialdemokraten wützen bereits eine Dame und ein Herr, beide Juden, bestimmt., Unser Mitglied hat auf die Anfrage des Vereins mit folgendem Schreiben geantwortet, das .wir im > Wortlaut wiedcrgeben. weil es-unsere Stellung zur Fragender Parieipolitik deutlich zum. Ausdruck bringt: - ..Nach reiflicher Ueberlegung sehe ich mich zu . meinem Bedauern nicht in der Lage. Ihrer Anregung zu entsprechen. Dab ich selbst für Vorträge parteipolitischen Inhalts nicht in Frage komme, habe ich schon, Herrn L. gegenüber zum Ausdruck gebracht: seit der Gründung des überparteilichen Verbandes nationaldeutscher Juden, d. h. seit etwa zehn Jahren, enthalte ich mich grundsätzlich jeder parteipolitischen Betätigung. Ich halte es ober auch aus anderen Gründen mit meinen Anschauustgen nicht für vereinbar, zur Förderung der von Ihnen in Ausücht genommenen Veranstaltung beizutragen. Meines (krach de ns gehört die Beschäftigung mit parteipolitischen Fragen nicht zum Aufgabenkreise eines Vereins«, der nach seinem Namen und nach seiner Satzung sich lediglich mit religiösen, kultischen und Ge:meinde- Angelegenheiten zu beschäftigen hat. Ich kann es auch nicht für zweckmätzig qnsehen, dab parteipolitische Fragen üb-erha!upt vor einem ausschlietzlich jüdischen K r js.t s e erörtert werden. Di« Einstellung zu den deutschen politischen Parteien ist nach, meiner Ansicht Gewissenssache des einzelnen jüdischen Deutschen und darf mit feiner Eigenschaft als Jude nichts zu tun haben. Eine Veranstaltung, bei der drei ^Süden verschiedener parteipolitischer Anschauung ihre persönlichen Ansichten zur deutschen Politik darlegen und in mehr oder weniger offener Form für: ihre eigenen Parteien Propaganda machen, kann meines Erachtens nur das Ergebnis haben, die in jüdischen Kreisen leider an sichschon vielfach bestehende Ansicht zu stärken, dqb die parteipolitisck>e Orientierung etwas mit der Judenfrage zu tun habe. . . ." Im übrigen: „Politische Weltanschauungen", gibt cs das wirklich:' M. N. Pogrom-Finanzierung. An jüdi che Deutsche, die im Verdacht der Wohlhabenheit stehen, wird folgende Karte versandt: PRÄSIDIUM DES KEREN HAJESSOD (JÜDISCHES PALÄSTINAWERK) E. V. SEUR GEEHRTER HERR! WIR HABEN UNSEREN MITARBEITER. HERRN X. BEAUFTRAGT, IHNEN EINEN BERICHT ÜBER DEN GEGENWÄRTIGEN STAND UNSERER ARBEIT IN PALÄSTINA ZU GEBEN. INDEM WIR SIE BITTEN, IHN ZU EINER KURZEN UNTERREDUNG ZU EMPFANGEN,' ZEICHNEN WIR MIT VORZÜGLICHER HOCHACHTUNG OSCAR WASSERMANN EUGEN LANDAU KURT BLUMENFELD Jedem Juden, der Wert darauf legt, dab seine Kinder von Engländern ausgebeutct und von Arabern totgeschlagen werden, kann nur dringend empfohlen werden, den Schnorr, Kommissar zu „empfangen" und gemäb seiner Anregung kräftig zu „opfern". Vetzbanclsnachriehten. 1. Berlin. Der nächste Vortragsabend (Redner: Herr Friedrich o. Oppeln-Bronikowski) findet u'N Mitte April statt. Es ergehen besondere Einladungen. 2. Hauptversammlung. Mir verweisen auf die Einladung auf der zweiten Seite dieses Blattes. 3. Jugendgruppe. Ein Dortrag von Gert Unger über „Professor Bernhardt" gab Anlab r» einer sehr regen Aussprache, an der auch eimge Gäste teimahmeu Der nächste Ausspracheabend wird noch bekanntgegeben. Der Borftänd. Schrifrleitung und verantwortlich: Margo Wolff, Bln-Wilmersdorf; Verlag: Berbaud nationaldeutscher Juden E. B., Berlin W Sb - Druck von »ob. Rohde Rchflg., Berlin SB. 36. — Für Herausgabe und Schristleitung in Oesterreich verantwortlich: verband nationaldeutscher Jade», Wien n, Praterstraße 84, Zimmer 32.