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Der nationaldeutsche Jude · 1930-04-01 · Nr. 4 (April 1930) · p. Seite 6

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Journal
Der nationaldeutsche Jude
Volume
1930
Issue
Nr. 4 (April 1930)
Date
1930-04-01
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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Das Ghetto hat aufgehört, wenigstens in West- und Mitteleuropa, und damit degeneriert der Kahal von, selbst. „Soll sich das Ghetto sittlich gesund erhalten", saqt Pstssarge. „so bedarf es der blutigen Verfolgungen. Die Pogrom« sind in Wirklichkeit das Lebenselirir. das das Judentum sittlich gesund und widerstandsfähig erhält. Schwinden Druck und Verfolgungen, so setzt bald der Verfall ein." ^Damit kommen wir alio endlich zur Gegenwart und aus der Dtztzorie in die Praris. „Die dem Ghetto entströmenden Judest", lagt Passarge, „können nicht mit einem Schlage andere Charaktereigenschaften, anderes' Benehmen, andere wirtschaftlich politische Kampfmckhoden annehmen, wie andererffits die Nichtjuden ihre Gefühle und Vorstellungen nicht einfach umstellen können." In dieser U eberg a n g s p e ri o de stecken wir mitten drin. Ich habe scho i vor Jahren im „Handbuch für Politik" daraus hin - gewiesen, da st hier die Hauptschwierigkeit des heutigen jüdischen Problems liegt. Das „moralische Ghetto" ist v iel fack, .n och nich 1 überwunden. und vollends der Zionismus richtet die geistigen G h e t t o m a u e r n wieder auf. Dazu kommt, die fortdauernde o st jüdische Einwanderung aus Ghettoländern. die de» Verschwelznng; prozjeß immer wieder stört. Ma i kann Passarge durchaus zustimmen, wenn er schreibst ..SU^ Folge solcher degenerativen Verfallserscheinungen jdes Gheltos) ist die tiefgehende Entsittlichung aufzufassen., die. in dem Ver- öffentlichungen der Presse, namentlich jüdischer Künstler und Literaten. >o deutlich hervortritt." Die cheutigen Gijoßstadttbeater mit ihrem degenerierten Knlturpöbel. ihrem! Kunstbolick-ewismus.. ihrem Schmutz und Schund, liefern eisten noch deutlicheren Beweis. Die Voraussetzung.dafür ist freilich die allgemeine tieie Entiittlichnng der Nachkriegszeit, dit Folge von Krieg, Revolution und Inflation. Aber das stad Auswüchse, gegen die auch di- Mehrheit unsere; heimischest Judentums Front ru machen beginnt. Erst vor kurzem lass ich in dem Drgan des Centralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens einen Aussatz „Selbstkritik", der sich nicht nur gegen das zersetzende und herausfordernde Benehmen einer kleinen Anzahl radi'al'üdiicher Schreier wendet, sondern auch eine iebr heribe Kritik an unserem Großstadtjudentnm übt. das diest. Ausschreitungen duldet, ja fördert, statt ihnen entgcaenzutreten. Diele Selbsterkenntnis, dir man an. der erwähnten Stelle nur häufiger zu lesen wünschte, ist immerhin ein Anfang des Heilungsprozestes. der bei anderen Gruppen. z B bei den von Pr. M. Naumann organisierten National deutschen Juden, schon weit fortgeschritten ist Der Antisemitismus kann ihn nur aufhalten. Auch eine andere verderbliche Nachwirkung des Ghetto lebens. auf die Passarge hinweist, ist beachtlich: die neuro pathssche Unrast vieler Juden, die stch aber nicht nur aus der „Eewissensfolter" durch die Rabbiner, sondern vor alle», auch aus den schweren Lebcnsbedingungen des Ghettos, dem Druck und den Verfolgungen, erklärt, die die Ghettojudeu keineswegs „sittlich gesund" erhaltest, sondern zermürbt und überreizt haben. „Gerade Psychopathen", sagt Passarae mit Recht, „sind glänzende, überzeugende Redner, die durch Schlag warte und Hetzen hinreißen. geborene Volksredner und Demagogen, die geborenen Führer irregeleiteter Massen und politischer Parteien. Demgemäß ist die Rolle der Juden in der Gegenwart verständlich." Freilich nur die einer Anzahl radikaler Juden. Gestalten wie der Dichter und Revolutionär Toller in München! Und ebenso sind „Psychopathen häufig religiöse und politische Fanatiker. Wenn in ihnen durch Er Ziehung oder Vererbung, die Gefühle des Hasses, der Herrsch sucht, der Unduldsamkeit maszgcbend sind, dann entstehen in Zeiten der Umwälzung so entsetzliche Bluthunde, wie wir sie in Frankreich (?), Rußland, Ungarn während der Revolution gesehen haben." Gewiß, nur waren die „Bluthunde" der großen französischen Revolution. Marat, Robespicrre, Saint Just u. a„ jedenfalls keine Juden. In diesen die Gegenwart berührenden Teilen von Passarges Schrift steckt zweifellos ein wahrer Kern, nur m u ß man ihn auf das r e ch 1 e. M a h zurück führen und sich vor Verallgemeinerungen hüten. Das Ziel muß jedenfalls die praktische Lösung de-: Judenproblems seist: auch die Theorie kann dazu beitragen, wenn sie sich von Uebcrtreibungen frei hält. Selbst Passarge endet nach so vielen gehässigen Uebertreibungen mit' einem versöhnenden Ausblick. Es ist zwar völlig unlogisch, aber trösi lich, wenn er schreibt: „Die dem Ghetto entronnenen Juden familien gleichen sich an die Wirtsvölker an. Es verflachen die Talmudgehirnc. cs schwinden die gegensätzlichen Charakter eigenschaften. cs schwindet die Fermentbildung. Der Ewige Jude kann erlöst werden, wenn man ihn sickij selbst überläßt, ihn nicht beachtet. Verfol g ungen sind das Fluiduni, das ihn am Lebcn> erhält. Diese Erkenntnis kann große prat tische Bedeutung gewinnen, wenn man ihrej Lehre befolgt." IN. l!! ^ä^enäienkte. Von frtedricb Ruffong. <üan; glstnoilich gejagt: Ist nicht ein bißchen liehr viel die Rede bei uns von der Judenfrage? Wem zugute? Wenn ich Jude wäre. — ich würde vorschlagen: Reden wir nicht so viel von fraglichen und ünfraglichen,! jüdischen Angelcgenheitien: lasien wir uns nicht 'io. viel retten: verbitten wir uns von unseren ungebetenen Heilanden. und publizistischen Propheten. daß ste alles und jedes.! Politik. Literatur. Kultur, Theater, Justizrekorm . und Relativitäts- Philosophie aniehen aus dem Gesichtswinkel.der Jzchenfrage, messen an dom Grade der Möglichkeit seiner Beziehung auf den Semitismus, wägen nach seinem gcmutmaßttn Feinvder Grobgckhalt an Antisemitismus: lasten wir nicht von übereifrigen Freunden und Genossen Widerströmungen heraufbcschwören. die ne zu bannen sich einbildcn: erinnern wir dieie llebercstrigen daran, daß der Teufel, der ein eitler Herr ist. gern kommt, wenn er sich so oft an'die Pand gemalt sieht. ' . | Wirklich, man kann den Finger auch zu off in eine Wunde legen, und sie kann sich daran -entzünden,! statt zu steilen. Das an seiner iMieren Armseligkeit zugrunde! gehende „Zcittheater" auch suchst seinen Bankerott auf eine bei rügerische Weise dadurch aufzuschieben, daß .c? mit judenr Menschen Taten um Teilnahme wirbt. — Ich erwarte nicht. Leier dieser Blätter die Sache schon so ansahen: ich voraus, daß' es Leser dieser Blätter, und gerade i i esiicren muß.s zu hören, daß sie eineitz nicht, böswil obachter «ich io darstellen. In allem Emst: Wenn, daß alle sehe nur i e interiqen Beich Jude wäre, ich würde mit großer Deutlichkeit. mich dagegen verwahren, daß verendende Theateruntemehmungen. von den Flügelschlägen des Pleitegeiers umschattete Direktoren, Stars in tausend und einer Not ausgerechnet mich, de« Juden. und meine wirklichen oder vermeintlichen > oder i angeblichen Schmerzen für ihre Geschäftszwecke in die zweifelhafte Beleuchtung ihrer Rampenlichter rücken, und damit so recht in die dreckigste Drecklinie. i Ich denke etwa an den „Kaufmann von Berlin", dicst seltsame Judenrettung, die ja zu der groteskeiten Auseinander sehung in jüdischen Kreiien selber führte. Ich denke an die Galvanisierung des Schnihlerichen „Professor Bernhards'' durch. Herrn Kortner, der — wozu, weshalb, zu wessen besten? — die abgestandensten und ausgestandcnstcn Schmerzest neu werden ließ.! Jetzt haben wir. — nicht mehr lange, denn die Pleite ist zu offenbar. — Herrn Alfred Reumann und mehr noch Herpn Kortner und das „Haus Daniels". Hier übcrschlägt sich die Sache in einer unerträglichen Weis«. Unerträglich doch wohl nicht nur für die Geschmacks nerven eines christlichen Deutschen: vor allein, sollte man meinen, unerträglich für jeden Juden, der Wert darauf legi, als Gleicher unter Gleichen in der deutschen Gemeinschaft z» zelten und zu hausen. Hier, in! diesem hundsmiserablen Stück, das keine frilüdn Silbe wert wäre, wenn nicht Herr Kortner als Zu- und Um dichter und als Darsteller es geeignet geglaubt hätte, seine Spezialitär daran zu entfalten. — hier handelt es sich nickst mehr um begründete oder unbegründete Juden-.,Rettung" Die Macher geben sich gar nicht die leiseste Mühe, irgendein billige Anfeindung dieses jüdischen Spaniolen dunkelster Pro venienz durch eine höfisch-deutich-adlige Umgebung anzudenten. Sie lassen ihn vom ersten Augenblick an als übermütige- Triumphator durch eine Umgebung gehen, ohne auch nur mi einer Silbe zu verraten, worin denn nun die Ueberlcgenhe:: diests jüdisch-spaniolischen Herrenmenschentums bestehen soll wir sollens Herrn Neumann und Herrn Kortner eben einfa > glauben. So kommt zustande, was ich und jeder Nichtjude — nur diese Wirkung festzustellen kann gerade hier Sistn habcu. nur dies zu hören kann um der Klärung der gegenseitigen Stellung willen einiges Interesse haben, — was ich und jeder Nichtjude als eine unerträgliche Frechheit empfinde, unvor stellbar in einer gesunden nationalen Gemeinschaft. Ich such? bie sachlichsten Worte. Ich finde, wenn ich nicht lügen und

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