Der nationaldeutsche Jude
- Journal
- Der nationaldeutsche Jude
- Volume
- 1930
- Issue
- Nr. 4 (April 1930)
- Date
- 1930-04-01
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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.T in i>en Dienst der schweren Aufgabe stellen liehe, die deutsche Landwirtschaft zu organisiere^— all das würde frichtbar werden und Leben gewinnen. Ich kennt in einem märkischen Dorfe einen Juden, der in der Inflation sein Vermögen verlor und aus seinem Jagdsitz einen Bauernhof machte,, der seither hinterm Pfluge geht als sein eigener Knecht —. dieser Einzelne hat in Dörfern und Flecken des Umkreins den Antisemitismus der Bauern, der unendlich viel tief sr sitzt als der der Städter. ins Wanken gebracht — was vermöchten da erst ein - paar hundert solcher Menschen. Bauern unter Bauern, schlicht und schollentreu wie sie? - Und nun. lieber Freund, dem ich vielleicht wih tun muhte — min möchte ich noch weiter gehen, indem th mich wieder wende an den intellektuellen Menschen, der Du in einstiveilen noch bist. der gerade Du von Anlage bleiben wirst: nun möchte ich Dich aufrufen zur Fruchtbarmachur g des jüdischen Meiens auch auf geistigstem Gebiete. Se : nicht böse, wenn ich erinnere an ein Gespräch zwischen uis aus einer Jett, da Du noch alles andere warst als Zionist. Wir sprachen, mit rückschauendem .Lächeln, über einen Roman, den wir als Schüler gelesen und durchdacht statten: über des nulten alten Felir Dahn „Kampf um Rom" Wir stellten beide feit, dah uns aus den drei dickleibigen Bänden des Werkes in Erinnerung geblieben war allein das Schluhkapitel. Dg! lind die Goten endgültig geschlagen, die letzten von ihnen Erhalten freien Abnig. Sie' besteigen ein Schiff und segeln nach Island, und ne singen: ..«siebt Raum, ihr Völker, unserm Schritt! Wir sind die letzten Goten. Wir tragen unsern König mit, Wir tragen einen Toten." Und nun war nicht ich es. warst Du es. der etuta dies dazu sagte: .Heroisch, düster und nutzlos.. Wahrschau ich erreichen sie Island nichts aber wenn sie es erreichen — was dann? Sie tragen etwas Totes mit: die Erinnerung nu eine winzige Insel, von der sie vor Generationen kamen, ist etwas Totes: man kann dort nur sterben. Di« Geschick,» bezeugt das: sie sind vestchollen bis heute. Aber die andern die Unheroischen, die dageblieben sind, sich in den Dienst de Landes gestellt haben, in dem sie lebten: die sind nicht ver schollen. Das kränkelnde römische Leben hat sich neu. Kraft getrunken an best Nährguellen germanischen Wesen die tänzelnde' Leichtigkeit römischen Geistes hat ihr Gegen, gewicht gefunden in der schwer hrnschreitenden gotische Tiefe: und Jahrhunderte später kam der unerhört fruch bare Zusammenprall und Zu'ammenschluh germanischen unr romanischen Wesens, dir wahrscheinlich gröhte Epoche. welch die Welt durchlebte, und von der wir noch heute zehren: di, Renaissance. — Wenn Du noch zurück kannst, lieber Freund: sei nid' heroisch in so unfruchtbarem Sinne, fahre nicht nach Island, das Du Zion nennst, trage nichts Totes mit, nicht einen auf geblasenen Ghettogolem. künstlich der Vergessenheit geraubi und zur krampfiaen Sehnsucht gemacht — bleibe deutsch scheue nicht den Vorwurf, dah Dein Volk so zum Kultur fennent werde — was kann ein Volk gröberes werden als ein Kulturferment, was kann es Ewigeres werden! Deute an die Möglichkeit der Renaissance, denke an die Möglichkei: einer Vereinigung des im We<en spitz eindringenden jüdischen Geistes und des breit hinschreitenden deutschen Gefühls! Sei nicht Deine eigene Ruhelosigkeit, sondem sei die deutichc Wachheit! Dann wirst Du früher oder später an Deiner Seite finden alle jüdischen und alle nichtjüdischen Deutschen, und dann hast Du heute schon an Deiner Seite Deinen Freund Eerhart Herrmann Mostar. jüdifdyt Problematik. i Unter dem Titel „Das Judentum! als landstch a f l s k u n d l i ch - e t h n o l o g i s che s P r och l e m" (I. F.l Lehmanns Verlag, München» sucht ' der Profesio der^ Geographie an der Universität Hamburg. Or. Ss. Pass irge, dem verwickelten jüdischen Problem eine neue Losung zu geben. Sein Buch ist .trotz der Versichening volligtr Objektivität vdlt gehässiger Einseitigkeit.'dazu reich an Widerspruchm und Inkomeauenzen, ein Irrgarten gelehrter Meinungen der Ethnologie. Religionsforschung und Geschichte.. Es Iieginnt mit der Warnung vor der drohenden jüdischen Weltrevc lution. deren blutiges Vorspiel die „ohne Zweifel" von Juten geleitete und finanzierte russische Revolution und die Wi wen in China waren. Es brandmarkt das jüdische Ghetto als Herd det Zersetzung für die Wirtsvölker und - erzdet nach dielen Prämissen mit dem befremdlichen Schlutz. die Judm sich selbst zu überlassen und sich nicht um sie .zu'kümmern. Die Antisemiten werden es bewillkommnen.und ausnutzcn. die Julien es heftig ablebnen. Wer sich jedoch über der Parteien Gunst und Hah zu erheben sucht, dem wird das Urteil schwer falltn. denn er kann es weder ganz vemeinen. noch gc r ganz bejahen. Trotzdem muh man sich mit ihm auseinand, rsetzen, nicht nur wegen seiner voraussichtlichen praktischen Folgen, sondern auch wegen seiner Verknüpfung mit den brennendsten Fragen der Gegenwart und den tiefsten religiösen Prostlemen. Die einseitige Zuspitzung des jüdischen Problems tritt schon aus dem Vorstehenden zutage. Schöpfer und Führer der russischen Revolution wie Lenin. T'chiticherin und Stalin sind gewih keine Juden, wogegen Trotzki kaltgestellt und verbannt ist, und die Ausschreitungen einer Gruppe radikaler Juden, die zudem aus dem jüdischen Verbände meist längst ausgeschieden sind, dem Judentum als Ganzem zur Last zu legen, ist ebenso ungerecht, wie Graf'Westarp lür die Untaten des „Ariers" Hölz verantwortlich zu macher. In Wirklichkeit verteilen sich die Juden auf alle Gesellschaftsklassen und Parteien, aus denen man sie nicht ausstögt. In Deutschland hat der Jude Stahl, zu derselben Zeit, wv Karl Marr sein kommunistisches Manifest erlief?, die Grundlagen der konservativen Weltanschauung gelegt, und fünf Ta re nach der Revolutidn in München, die einen Eisner emvorhib. hat Jakob Riester das Bürgertum zum Abwehttampf gecen den revolutionären Radikalismus aufgeruken. Die Juden dttchweg. als Schädlinge, Fremdkörper. Haherfüllte Zersetzer der Wittsvölker hinzustellen, wäre grotesk, und der praktische.Gegenbeweis — nur für das gegenwärtige Deutschland — it durch Namen wie Ballin. Rathenau. Reinhard. Liebermann. Messel. Hoffmannsthgl und hundert andere so leicht zu führtn. dah er sich erübtrgt. [ Auch Passarge erkennt kehr wohl dir grohe kulturelle und ethnische Differenziertheit der Juden, vor allem die tiefe Kluft zwischen best kulturell hochstehenden Westjudtzn. von II. Von f ritdridj von Oppcln-Bronlhow9k{. denen besonders die vielen spanischen Juden nach seiner An sicht völlig ausgesogen sind, und den talmudistischen Ost juden. mit denen er sich wegen ihrer grohen zahlenmähigcn lleherleqenheit <80»») und ihrer Ghettoeigenschaften fast aus schliehlich beschäftigt. In der Tat liegt für Deutschland die- Hauptschwierigkeit des jüdischen Problems in den Ostjuden, was auch von unseren, einheimischen Juden anerkannt wird. Sie werden durch ihre trostlose Lage immer wieder über unsere Grenzen gepreht oder von der Kultur und der Freiheit Mittel- und'Westeuropas angelockt. Es sind jene Wander Heuschrecken der Antisemiten, Gestalten wie Kutisker und Barmat. von denen einer Tausende von Antisemiten zeitigt. Dah solche.Erscheimingezr nicht die Regel, sondern eine kleine, aber gefährliche Minderheit sind, erkennt auch Passargean. wenn er sagt, dah heute in Mittel- und Westeuropa „jede Spur einetz selbständiqüst jüdischen Volkstums geschwunden ist. Juden, urid Nichtjuden finden sich auf dem Boden der atheistisch-naturwissenschaftlichen Weltanschauung zusammen. E besteht der Hauvtsache nach Kulturgemeinschaft. Gleichzeitig ist eine rasienmähige Durchmischung eingetreten. So wären denn alle Bedingungen für ein friedliches Zusammenleben, ja selbst für eine Verschmelzung gegeben". Den Hauptgrund dafür, dah dies nicht so ist, sieht Passarge in dem „bis a»> die Knochen orthodoren, in Osteuropa wurzelnden Talmud judentum". Um diesen Kern legen sich vier andere Schichten teils von ihm angezogen, teils abgestoken und selbst in Juden hak umschlagend. So scheinen denn die Bedingungen für ein friedliches Zusammenleben „überaus günstig", und hoch loderl gerade seit der Judenemanzipation immer wieder ein leiden schädlicher Hak auf beiden Seiten auf. „Da müssen sebr gewichtige Gründe vorliegen, ja es könnte vielleicht ei» Naturgesetz bestehen, das sich durchsetzt." iDies Naturgesetz glaubt Pastarae in der iüdkschen Geschichte selbst zu finden. „Seit der Zerstreuung hat überall und zu allen Zeiten, ganz unabhängig von den Eigenschaften de' Völker, Länder, Religions- und Kulturoerhältnisse. das Zu sammenleben der Juden und Nichtruden stets einen ganz b: stimmten Verlauf genommen." Passarge unterscheidet fflui Stadien: Einwanderung — Begünstigung der Juden-Kultur blüt«, teils mit ihrer Hilfe (Spanien unter den Mauren. Holland), aber zugleich zunehmender Hak der Wirtsvölker - Verfolgungen,— Austreibung oder Unterdrückung. Heule stehen wir also im dritten Stadium. Wird das „Maschinen zeitalter" auch das vierte und fünfte erleben? Passarge lähl dies«, Frage offen. Er bricht nur eine Lanze für s»c Antisemiten. „Man wird." schreibt er. „kaum oder dock nur selten in antisemitischen Schriften Gehässigkeit oder gar ordinäre Gesinnung finden. Besorgnis um das eigene Voll und Vaterland, um die Kulturhöhe, die Sittlichkeit beherrschen die Gedanken jener Männer." Weih er wirklich