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Der nationaldeutsche Jude · 1930-04-01 · Nr. 4 (April 1930) · p. Seite 2

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Journal
Der nationaldeutsche Jude
Volume
1930
Issue
Nr. 4 (April 1930)
Date
1930-04-01
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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erinnerte. Mitten im Schlamm. Schmutz und Älut der "Argonnenkämpfe schrieb ein jüdischer Soldat: „Deutschland. Du Deutschland unsrer Enkel, milduinfriedet Inmitten einer Welt, der Du verzieh». Du starkes Freiheitsland, das wir.geschmiedete ('Vcbanfcnttcf, voll goldner Harmonien, Denk treu zurück aus lichter Marmorhalle "An unsrer Höhlen jahrelange Nacht. j 3d)lien nicht Dein Ohr dqm alten Waffenschalle, Dein Herz den Tränenopfern. Dir gebracht. > Dein klarer Geist erkenn durch -SBuit und Hülle tfnmpfenbcr "Ahnen Lclm'uchl nach dem Land.! Das Dir beschicden, weil uns Pflicht und "kBil e Z» Deinem Heil so eiicnhark verband. > Gelobtes Land. das unsre Seelen sehen, 3l3ir segnen Dich und trotzige Rippen flehen: Bergestt im Ncickzc uniercr Zuversicht Der Mütter Weh. der Pater Wunden, nicht!" Nuch er zweifelte nicht am Liege. Ihm war nicht __ei um des Gciiegthabens willen etwas Großes, ichi Li dem man sich brüiten konnte, sondern er dachte wohl Einzug der Liegesgötlin im Fauit: ^.Rings umgibt sie Glanz und Glorie. Belichtend fern nach allen Leiten. . lind iic nennet iich Pictorie. Göttin aller Tätigkeiten." n Lieg :g. mit an den - Dreier Lieg sollte das Fundament für ein herrliches Gebäude schaffen, in dem rin erneutes Deutschland seine >krä ke zur Wirkiamteit bringen koimte. Lchon hierbei regte s ch der .Zweifel, oh man in all der Herrlichkeit die Taten iodes inuligcr!>kämpfer nicht vergessen würde. Hätte dic>er Krieger an die Möglichkeit einer Niederlage auch nur gedacht, eine iolckze Sorge wäre ihm ferngebliebcit: chenn ein beäegtes. nietcrgcbrochcnes Deutschland hätte'er iich wohl voegestcllt als ein ernstes, würdiges. einiges, eisenhartes -Polk. npr von dem einen Gedanken beieclt, aufzubauciii.-was zerstört war, und mit solchem Bau denen ein würdiges Denkmal zu sckzaffen. deren Blut vergeblich gefloUcn war. Ich brauche Ihnen, verehrte Gemeindegenossen, nicht zu beschreiben, wie ganz anders es in unserem, armen, niedergebrochenen > Paterlande aussieht. Anschuldigungen Und unwürdig, ausschließlich Kritik an der Moral, anderer zu üben, ist allzubillijg. Leien wir wir selbst! Denken wir in dieser Weihcstunde vor allem an die Toten und an uns selhit. Prüfen wir^ was sie uns und was wir ihnen zu sagen haben. Religiösf: Ucberzeugungen sind unabhängig von vorübergehenden Strömungen des Tages, in ihnen pulst -Ewigkeit. Darum wird zu bestimmten Zeiten Neligiosität un;eitgemäß erscheinen. Leien wir heute unzeitgemäß. heute, wo besonders Vorgeschrittene wünschen, das; von Lirieg und Heldentaten gar nicht oder möglichst wenig geschrieben oder geiprock>en werden möge. Leien wir io unzeitgemäsz, mis mit unseren gefallenen Prüdern so eins zu fühlen, das; wir uns gegenseitig etwas zu geben hohen. I . Was wir ihnen schuldig iind. nt unauslöschlicher Dank. "Wir stellen, jeden von ihnen, selbst den geringsten, höhtr als irgendeine Iiitelligenzleuchte unserer Tage, die sich rühnst, sich rechtzeitig, durch Klugheit, durch Pfiffigkeit der Schar? derer entzogen zu haben, deren Andenken wir heute voll Trauer feiern. . : Und in der Trauer um sie iit das Trost, im Leid hm sie iit das Läuterung, was iic uns spenden, uns als Iudest, als Deutschen, als Einzelpersönlichkeiten. - "Als Juden wollen wir uns so. wie in dieser Stundse, wo unser Herz Weihestimmung beherrscht, mitten in allen berechtigten Triumphen, die forsckzender Verstand und ordnende Vernunft nach ihren Erfolgen zum Vorteil menschliche» P?. hagens feiern, die Innerlichkeit, die Gefühlswerte erhalten. Einer nüchtemen Sachlichkeit gegenüber. die gewiß ihre Berechtigung hat. ist Eefühlstiefe. ist Innigkeit uncn: behrlick». soll nicht aus dem lebenswarmen Organismus ei» liicchanisches Präzisionswerk werden. Gerade unsere Rcfor»- gcineinde verzichtet ja auf jede dogmatische Bindung u: äuszcrliche ttullverpflichtung. Sie öffnet ihre Tore weit, ui; iic öffnet sie besonders gern denen, die tiefes Leid erweckt im > zurückgeführt hat zu dem alten Herrgott. Und wie bedürfen wir als Deutsche der Läuterung! Wagenau .so wie unsere nichtjüdischen Volksgenossen. Gewi, jeder soll zum Besten des Vaterlandes die Mittel anzuwende: suckzen. die er für die richtigen hält.. Streit der Meinung.?'. Zkampf der Geister ist unvermeidlich, unentbehrlich. eine m aber müssen wir allesamt gelangcir. zu der g ros, c? Ehrfurcht! Deutsckie Geschichte, deutsche ttultur. vale ländüche Litten und Gewohnheiten sind dem überwiegende : Teil des deutschen Volkes etwas Ehrfurchtgebietcndes. äBi; wlollen nicht dulden, daß in der Oeffentlichkeit gerade solche, deren Tätigkeit eine wen sichtbare ist. mit zersetzendem Lpo:l in den Stäub ziehen, was. andern heilig ist. 'Als Einzclpersönlichkeiten aber wollen wir der drohende» Miszachtung von Bindungen entgegentreten, wie sie Ehe u»; Familie darstellen. Das Verhältnis von Mann und Weib, von Eltern und Kindern soll uns Zuicht Gegenstand spitz findiger Theorien werden, sondern das bleiben, wozu cs die sitllickzen "Anschauungen 'unserer uralten jüdisck-eii Glauben lehre und unserer deutschen Ueberlicscrung stets Zu mache» bestrebt waren: eine heilige Herzenssache. Und schließlich wollest wir d«e Gesinnung in uns wach er halten, die jene von urjs Betrauerten betätigt haben. Wir nennen sie insgesamt „Helden". "An diesem grasten Wort nimmt manch Nüchterner "Anstoß. ^Niit Unrecht, denn kein Einsichtiger wird sich.verstellen. dag zum Helden im Well kriege notwendig der blitzende Küraß ^uud der geschwungene Pallasch gehört habe.!Icder schlichte Mann, der in stiller Pflichterfüllung ohne Waffen das Essen in die Gefechts linie fuhr, ist uns ein Held. Und wenn man dem entgegen fetzt, das; es ja doch Zwangsmittel waren, die das Heer zu sammenhielten, so wissenj wir wohl zu unterscheiden zwischen denen, die dem Befehl z willig und ohne "Aufhebensgefolgt sind und die wir zu deir Helden rechnen, und solchen, die sich zwar dem äußerlichen Zwange beugten, insgeheim aber stets ihren eigenen Nutzen üher das Wohl der "Allgemeinheit zu stellen wustten, zu deren Schutze das Heer diente. Plag man noch so oft behaupten, das „heroische Zeitalter" sei zu Ende: gerade wir.J deren Väter zu Tausendeir ihres Glaubens wegen mutig Folter und Tod erlitten haben, können uns eine Welt ohne Heldentum nicht vbrstellen. Im ver kchrsreichcn Zentrum atnerikanischer Städte ist sicher das Warnungsschild angebracht: saketz' first! Wohin sollt» es aber kommen, wenn etwa künftig der Arzt aus Furcht, sein Leben zu gefährden, nicht mehr an das Lager des Pestkranken träte, wenn niemand sich mehr fände, der aus den Wellen oder den Flammen Menschenleben mit eigener Gefahr rettete? Soll diese Trauerfeier. wie es sich gebührt, eine Heldenseier sein, so wollen wir uns geloben, im Andenken an unsere Toten selbstlos, und wenn es nottut, unter Selbstaufopfening für die Allgemeinheit zu! wirken, für unser deutsches Vater land und für unsere jüdische Religion. So läutert uns das Leid, so tröstet uns die Trauer, so sind unsere Gefallenen nicht tot, sondern sie „lfbe-n und künden die Tate» des Ewige n".? Einladung;ur Hauptversammlung auf Dienstag, den 29. April 1930, abends 8 Uhr pünktlich, im Restaurant „Pjchorr-BiHu", Berlin W, Lauentzienstraste 13, l. Tagesordnung: 1. Geschäftsbericht. . ^Beschlußfassung über Entlastung des Vorstandes. 2. Aechnungsbericht. 5.! Verschiedenes. j * 3. Allgemeine Aussprache. i i Zutritt nur für Mitglieder. j Dr. Georg AegUMUN, Vorsitzender.

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