Der nationaldeutsche Jude
- Journal
- Der nationaldeutsche Jude
- Volume
- 1930
- Issue
- Nr. 3 (März 1930)
- Date
- 1930-03-01
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Gefahr im Westen! „Kaftan“, das Qftjudcnkabarett. In fccm gleichen räuchrigen Raum. wo „Larifari" und „?Inli" Nacheinander verendeten, soll jetzt im „K a f t a n'^ eine ost.jüdische Renaissance sich vollziehen: gegenüber der „Scala'*. im Hauiedes „Eldorado". Auf engem isieviert lind einige Dutzend Tische aufgebaut, an den Wänden spekulieren kabbalistisches .seichen auf mimische Publikumsinstinkke. jund obgleich es ein Niontag ist. drängt, sich an der .'\aiici eine zahlreiche „Kaftan" Gemeinde. Dargeboten wird ein Kabarett von vorgestern, merkwürdige Mischung von Vorkiicgs-Ueberbrettl und schlechtem Öerrnicldrhealer. das man mittels - einiger Tanzizencn und neuer Ehgiisons künstlich und recht ungeschickt zu modernisieren versuchte. ' Dem Programm felilt jede straffe (Gliederung, in der bunten Bielbeit der Darbietungen verpufft jede noch mögliche-Wirkung. und nicht einmal eine einheitliche Tendenz, ein charakteristisch gestaltender Aufbau ist spürbar. Eine Tänzerin tnir vergoldeten Augendeckeln schlängelt einen indischen Trmpeltanz. zwei Damen imitieren in der Gei'angszene „'Betlklmusikanien" Savonardenliedkr. auf bebräjsch, und der wesie! Rabbi in einem der jiddischen Einakter spricht io beinerlcnswerk unjiddisch und io, deutlich deutsch, dah er seiner Ichtzerliä-en Wirkung. versichert sein darf. Abge'chen von tie>en technischen Entgleisungen, die dem Eharakter des Kabaretts! wideriprech-en. gibt es g nug Auswahl an garantiert jiddischen Borlrägen. Besonders kchlimin iind .die Einakter, einige ooui den Leilein des Unternehmens — teilweise deutschen Dchguspielern mit einer langjährige» Bergangenbeit an deutschen Pübnen eigens Zur diesen Ziveck verfaszt. Da jit die übltchi Schilderung des „Rebbe" niik dem „bechainlen Kövpcke" tund der „Ebochme", die allen Situationen gewachsen "ist. neben der „Ejze" von Scholem Akechcm. einer Salire auf den ostjüdvch.'n Kleinstädter. .einem der ..Elans" des Abeirds. Aber den eigentlichen .Höhepunkt bildet doch die Tchlntzizend „Talmudichule". die in einein chaisidischcn Tanz endet, der religiös fromme Entzückung ausdrücken will und in seiner Wirkung gn.gniiinaslische llebuNgcn oder tänzerisches ..Lämmciliüpfeit" erimzerk. «Glücklicherweise habe ich unter der begeistert klatschenden Z»l örcr'ä a't keinen „Goi" entdecken könnem aber das kann ct'en'o ein günstiger Unfall' wie ein Irrtum gewesen sein. Telann,' der ...Kaftan" sein Programm vor einem Anditorinm von .Dieden" und ibren Bcrwandlen ioiclt, kann man nentia! bleiben' ichlienlich werden ukir ja demnächst in 'Berlin ein chinesisches Tbeater ballen ' und ' auch die Reger 'ordern ihre Bübne -ge'äbrlich aber iit die Möglichkeit, dal? nnicre andersgläubigen Bolksgenosten 'in den „Kaftan" geben, Höven, verdammen und — verallgemeinern werden Ein derartiges Untcrncbmen mag die Veranügungsbedürinü einer bestimmten ostjüdischen Einigrantenschicht befriedigen m-: geschlossene! Vorstellungen geben — jedem das Seine: ab, niemals bat ein jiddisches Kabarett Anrecht darauf, offen i 1 i di c ti Schaden anzurichtcn. Noch scheinen die christ lichcn Deutschen nichts von der Eristenz des „Kaftans" z« wissen, aber die Lage inmitten des westlichen Amüsierviertel-» ist günstig, Neugier und Sensationslust werden durch Plakat' gestachelt und bald wird das Malheur geschehen lein: di> „Andern" werden kommen, erst in Einzeleremplaren, dann in Scharen. Sie werden sich „köstlich" amüsieren — und iie werden sagen, „so sind die Juden"! Die Selbstverständ lichkeit, mit der. hier jüdische Darbietungen in ein allge meines orientalisches Milieu eingeordnet werden, mus: nichtjüdischc 'Zuschauer beeinflussen. Die Fremdheit wird wachsen, der Antisemitismus billigste Unterstützung haben. Der Fall erinnert an das Herrnfeldtheater der Vor krikgs Acra, das wohl ausgezeichnete Tuvendarstellungeu Hot. aber für die Einordnung der Juden in die deut'chc Volksgemeinschaft geradezu vcrh.'crend gewirkt ha». weil jede, Ebriit. der es »ah. die dort gespielte» lächerlichen, feigen gaunerischen. grobHimlichc i Iudentnren kritiklos auf die Allgemeinheit der deutschen Juden übertrug. Gerade an diesem Beispiel lässt sich beinahe historisch Nachweisen, wie die Entwickelung verlaufen muh: das Publikum des! Herrnfeldlheaters war bei dessen Eröffnung ausschliehlich jüdisch, und in den letzten Jahren des Bestehens lasten im Zuschaucrraum mindestens zwei Drittel Ehriiten, die mit Wohl behagen diele jüdischen „Selbstbekenntnisse" in sich auf Nahmcir und wcitertrugen. Die Hcrrnfcldbühne war ei» wirksamer Zündstoff für den Antisemitismus der Vorkriegs zsit. — dürfen wir n a 1 i o n a I d e » t s ch e n Juden zu-g eben, d a h »der „K a f t a n" in den Auge n » » s e r e r n i ch t j ü d i s ch e n Volksgenossen ein Snm hol des heutigen Judentums wird'? Schon haben gewisse vielgelescne Berliner Tageszeitungen freundlich unke, stützende Berichte über das Kabarett gebracht, bald wittern die Hakcnkrcuzler neues Agitationsmaterial — E> efa h üI im Weben! „Kaftan" der Kaftan Gemeinde — das Kunst Ghetlo für D st j u d e n und ihre jüdisch nationalcn Freunde! Wir deutschen Juden können nur eine Losung haben, zum Abwehrkainpf gegen alle, dix uincre deutsche Kunlt überfremden wollen: Bonkott! ' Margo Wolfs. st', eben. Und es ge'chab der denkwürdige Be'chluh, delien genauen Wortlaiit wir hiermit überliefern:. „Der C.V. hat stets jede nationaljüdische Bestrebung abgelehnt. Kn Aebereinstimmung damit haben diejenigen Mitglieder des Hauptvorstandes, die sich an der Palästinaärbeit beteiligen, stets erklärt, dah sie als deutsche Juden den Mittelpunkt ihres politischen und kulturellen Lebens in Deutschland erblicken und dah sie jede nationaljüdische Propaganda, auch im Rahmen der Jewish Agency, abweisen. Der Hauplvorstand des <5. D. hat demgemäh das Bertrauen, dah alle seine Mitglieder überall, auch auherhalb des Vereins, diesem Gedanken zur Durchführung verhelfen." Wir lisien bic7c Erklärung in ihre „logi'chcn" Bestandteile auf und übertragen ne aus dein ..unbeirrt Deutschen" ins Drilliche. Das Ergebnis in folgendes:. ' 1. Die! Jewish Aerency dient der Schaffung einer „n ationglen H e im il ä t l e des jüdischen Volker". 'Aber ein Verein, der leinen Vorstandsmitgliedern die ^Beteiligung an dieier jüdilchnationalen Unterpehmüng cjestattet, ..bat itels Hede nalionaljüdische Bestrebung, äbgelehnl". 2. Die leviisli Agency macht P r ovaganda für die ..nationale H c i ni it ä t t e dps jüdischen Volkes". Aber die Vorstandsmitglieder des C.-V., die iich jetzt offiziell an dic>er jütistknationalen Propaganda beteiligen dünen und schon vorher eitrig beteiligt baden, .»erklären, dah sie jede ngtionaljüdiichc Propaganda abweiien". 3. Diesplben Vorstandsmitglieder des E.-V., die jüdischnationale Propaganda gleichzeitig abweiien und betreiben, erklären, dslt >ie ..den Mittelpunkt ihres politischen und kulturellen Lebens in Deutschland erbkicken." Demgemäh steht dem Mafieneintritt'der zionistischen Negier u n g's b e a m t e n. Schriftsteller und derg.I. — Marke: Badt, Goslar. Arnold Zweig usw. — in den Ce» tralverein nichts mehr im Wege, denn alle diele „offiziellen" Zionisten erblicken ja gleichfalls „den Mittelpunkt ihres politischen und kulturellen Lebens" in Deutsch land. aus dem sie durchaus nicht auswandern, das sie viel mehr teils regieren, teils mit ihrem Geiste versorgen. 4. Der Hauptvorstand des C.-V. hat „das Vertrauen, dah seine Mitglieder diesem Gedanken überall zur Durchführung verhelfen". — „Dieser Gedanke" — das ist offenhar der jüdischnalionale Gedanke unter unbeirrter Ablehnung des jildüchnalionalen Gedankens und die Propaganda für das Nationaljudentum ohne nationaljüdische Propaganda. Oder hat etwa jemand noch einen Zweifel? Die C.-P.-Zeitung hebt die „beispiellose Einmütigkeit" hervor, mit der dieser Beschluh gefaht worden ist: sie gibt sogar die Namen der 83 Vorstandsmitglieder an. die dafür gestimmt haben, während nur einer (FoerderK dagegen gestimmt hat und drei sich der Abstimmung enthalten haben. Und dn!s ist der Punkt, an dem man ernst werden muh. Unter den Ia-Sagern sind Namen von Vorstandsmitgliedern. deren deutsche Gesinnung auher Zweifel steht, ja unter ihnen lind auch solche, die seinerzeit die „Erklärung deutscher Juden" gegen ihre eigenen jüdischnationalen Vorstandskollegen unterschrieben shaben. Sie alle sind umgefallen und haben sich» zu einer K ompromih-Erklärung von beschämendem Widersinn breitschlagen lassen, weil man. nicht gewagt hat. die jüdischnationalen Vorstandsmitglieder und ihren Anhang dorthin gehen zu lassen, wohin sie läng st gehören. Das Deutschtum ist schon okt im. Eentralverein zweiter Sieger geblieben, aber noch niemals ist derl Sieg der, Iüdischnationalen in so offener, gleichzeitig lächerlicher wnd empörender Form offenbare worden. l l